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Häufige Fragen zum Langzeitstillen


>  Wie wird Langzeitstillen überhaupt definiert?
>  Was spricht für ein langes Stillen?
>  Was spricht gegen langes Stillen?
>  Bis wann können bzw. sollten Kinder gestillt werden?
>  Welche Gründe haben Mütter lange zu stillen?
>  Wie lange sollten Kinder denn voll gestillt werden?
>  Gibt es Zahlen darüber, wie viele Kleinkinder in Deutsch-land gestillt werden?
>  Warum hat das Stillen von Kleinkindern in Deutschland so ein negatives Image?
>  Was macht es Müttern, die lange stillen, besonders schwierig?

 
Wie wird Langzeitstillen überhaupt definiert?
Eigentlich ist der Begriff "Langzeitstillen" unpassend, weil er impliziert, dass die normale Stillzeit natürlicherweise kürzer ist. Dabei ist eine lange Stillzeit in vielen Ländern noch immer üblich und auch hier in Deutschland wurde noch vor 100 Jahren wesentlich länger gestillt als heute. Nur weil langes Stillen in den westlichen Industrieländern nicht mehr verbreitet ist, wird es jetzt hier als unnormal bzw. unnatürlich angesehen.
Fragt man die stillenden Mütter, so fühlen sie sich meist dann selbst als "Langzeitstillende", wenn sie regelmäßig auf die Frage "Stillst du immer noch?" antworten müssen bzw. wenn sie in ihrem Umfeld keine ande-ren Mütter mit gleichaltrigen Kindern kennen, die ebenfalls noch stillen.
Was "langes" Stillen ist, ist also relativ, und sagt eigentlich nur etwas darüber aus, wie lang (bzw. besser gesagt: kurz) die übliche Stilldauer in der Kultur bzw. der jeweiligen sozialen Gruppe ist. In unserer Ge-sellschaft ist es leider so, dass Mütter, die ein 9-12 Monate altes Kind noch stillen, schon die große Ausnahme sind und die entsprechenden Erfahrungen mit ihrem Umfeld machen.
 
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Was spricht für ein langes Stillen?
1) Es ist ganz natürlich und fühlt sich richtig an, da es dem Mutter-instinkt der meisten Mütter und ebenso dem Bedürfnis der meisten Kinder entspricht.
 
2) Es gefällt Mutter und Kind, ist schön und vertraut.
Warum sollten sie es dann vorzeitig beenden?
 
3) Auch nach der Einführung von Beikost sind gestillte Kinder besser mit Nährstoffen und Kalorien versorgt:
Studien aus vielen Ländern machen deutlich, dass die Menge der täg-lich produzierten Muttermilch zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat des Kindes zwar abnimmt, aber dennoch durchschnittlich rund 500 ml beträgt und nach Bedarf erhöht werden kann. Kinder im 2. Lebensjahr decken ihren Energiebedarf zu 31% durch Muttermilch. Stillkinder im Alter von 13-18 Monaten erhalten bei gleicher Nahrungsmenge 25% mehr Energie als nicht gestillte. Ältere gestillte Kinder erhalten dadurch 17% mehr Energie.
Weiter decken Kinder im 2. Lebensjahr aus der Muttermilch ihren Eiweißbedarf zu 38%, außerdem ihren Vitamin- und Mineralienbedarf anteilig folgendermaßen:
Vitamin A zu 100%, Vitamin C zu 95%, Niacin zu 41%, Riboflavin zu 21%, Folsäure zu 26%, Kalium zu 44%, Eisen zu 50%.
Die Vitamin C-Konzentration der Muttermilch für ein Kind gegen Ende des 1.Lebensjahres ist 3,3 mal höher als im Blutplasma seiner Mutter. Selbst wenn die Mutter erniedrigte Vitamin-C-Werte hat, wird es in der Milch 6-12-fach angereichert. Stillkinder erhalten so höhere Konzen-trationen an Vitamin C als Kinder, die mit Vitamin-C-angereicherter künstlicher Babynahrung, Gemüse und Früchten ernährt werden.
 
4) Muttermilch schützt das gestillte Kind weiterhin vor Krankheitserregern:
Die Muttermilch enthält im zweiten Jahr des Stillens ein höheres Maß an bestimmten Antikörpern, so erreicht sie teilweise eine ähnlich hohe Konzentration der Abwehrstoffe wie das Kolostrum unmittelbar nach der Geburt. Das Lysozym, zum Beispiel, ein Enzym, das die Zellwand der Bakterien zerstört, ist in der Milch der Mutter eines 18 Monate alten Kleinkindes in größerer Menge zu finden, als in der Milch der Mutter eines Sechsmonatigen. Die Mutter produziert auch weiterhin Antikörper gegen die Krankheitserreger, mit denen sie konfrontiert wird, und schützt dadurch ihr Kind indirekt über die Milch, solange sie stillt. Kinder, die jahrelang gestillt werden sind bedeutend seltener krank und die Mütter berichten meist, dass ihre Kinder noch nie eine Anti-biotikabehandlung brauchten.
 
Noch ein Vorteil des langen Stillens: bei akuten Erkrankungen, wie z.B. Brechdurchfall, verweigern Kleinkinder meist jegliche Nahrung außer der Muttermilch, nehmen dadurch dann deutlich weniger an Gewicht ab und müssen kaum einmal wegen Austrocknung ins Krankenhaus einge-liefert werden. Bei nicht mehr gestillten Kleinkindern ist dies leider anders.
 
5) Kurz (oder gar nicht) gestillte Kinder haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für viele Krankheiten:
 
Allergien - Kinder, die weniger als 6 Monate gestillt wurden, haben häufiger Allergien (36%) als die, die 6 Monate oder länger gestillt wurden (5%). (Strimas JH, Chi OS, 1988).
 
Haemophilus Influenza Typ B - Stillen länger als sechs Monate schützt gegen diese bakterielle Infektionskrankheit. (Takala, AK, et al, 1989).
 
Mittelohrentzündungen - Stillen von weniger als sechs Monate erhöht die Häufigkeit von Mittelohrentzündung auf das Drei- bis Fünffache bis zum Alter von 27 Monaten. (Teei, DW, Klein, JO, Rosner, B, 1980).
 
Gebißanomalien - Als die Stilldauer von 12 auf 3 Monate reduziert wurde, stieg die Häufigkeit von Zahnfehlstellungsanomalien von 3% auf 16% (Labbok, MH und Hendershot, GE, 1987).
 
Lymphknotenkrebs in der Kindheit - Für Kinder unter 15 Jahren ist das Risiko fünf- bis achtfach höher, wenn sie weniger als 6 Monate (oder gar nicht) gestillt wurden (Davis MK, Savitz, DA und Graubord, BI, 1988).
 
Diabetes - Wenn Kinder 12 Monate oder länger gestillt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung dieser Krankheit nur etwa die Hälfte von der zu nicht-gestillten Kindern.
 
Multiple Sklerose - Ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für diese entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems entsteht, wenn ein Kind weniger als 7 Monate oder gar nicht gestillt wurde.
 
Übergewicht - Je kürzer ein Kind gestillt wurde, desto größer ist sein Risiko später an Übergewicht zu leiden (Von Kries, R, Koletzko, B, et al 1999).
 
Lernschwächen - Geringere intellektuelle Leistungen von Flaschenkindern wurden von Forschern dokumentiert. Sie fanden heraus, dass Flaschenkinder im Alter von 1-2 Jahren bei einem Test ihrer mentalen Entwicklung weniger Punkte erzielten. Dabei bezogen sich die Ergebnisse direkt auf die Dauer der Brusternährung. (Morrow-Tlucak M, Houde RH, Ernhart CB: 1988). Bei einem Test der Fähigkei-ten von 3jährigen Kindern, erzielten diejenigen wesentlich niedrigere Ergebnisse, die am wenigsten gestillt worden waren. (Bauer G, Ewald S, Hoffman J, 1991).
 
Psychische Störungen - Kinder, die länger als sechs Monate lang gestillt wurden, hatten im späteren Leben seltener psychische Probleme. Die Untersuchung hat erstmals gezeigt, dass insbesondere langes Stillen gut für die Kinder ist (Oddy, WH, et al, 2009).
 
6) Gesunde Kinder haben bis zum Alter von 4-6 Jahren ihren Saug-instinkt. Daher findet es auch hier bei uns kaum jemand unnormal, wenn ein Kleinkind, das älter als 6 Monate ist, oder sogar ein drei- oder vierjähriges Kind noch regelmäßig einen Schnuller bekommt. Wenn also für uns Menschen eine Stilldauer von 4-6 Monaten natürlich wäre, dann hätte die Natur es auch so eingerichtet, dass nach dieser Zeit die Milch versiegt und der Sauginstinkt verschwindet.
 
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Was spricht gegen langes Stillen?
Im Grunde spricht nichts wirklich gegen eine lange Stillzeit. Die meis-ten Argumente dagegen, sind in Wahrheit Vorurteile, die auf Unwissen beruhen.
 
Gleichwohl beklagen manche lang stillenden Mütter, dass sie für ihr Kind unersetzbarer sind, z.B. abends schlecht weggehen können oder nicht übers Wochenende wegfahren können. Viele Mütter haben aber dagegen auch die Erfahrung gemacht, dass ihr älteres Stillkind auch problemlos damit klar kommt, wenn Mama mal länger nicht da ist. Dann wird eben solange Mama weg ist nicht gestillt und beim Wieder-sehen ist durch das Stillen gleich wieder ganz viel Nähe möglich und die vorübergehende Trennung ist schnell wieder vergessen. Viele der Mütter haben auch selber gar kein Bedürfnis danach mehr Zeit ohne ihr Kind zu verbringen und vermissen nichts, wenn sie einige Zeit nicht ausgehen können.
 
Oft wird behauptet, dass das Stillen die Mutter zu sehr auszehre. Dem ist aber nicht so, denn erstens legt die Natur in der Schwangerschaft extra Fettreserven für die lange Stillzeit an, und zweitens kann eine stillende Mutter auch über eine gute Ernährung (d.h. ausreichend, gesund und abwechslungsreich) alle Nährstoffe und Kalorien zu sich nehmen, die sie benötigt. Leider kommen manche Mütter mit kleinen Kindern nicht dazu genug zu essen, weil sie heutzutage in unserer Kultur recht früh mit Haushalt und Kinderversorgung alleine gelassen werden, dies betrifft aber die nicht mehr Stillenden genauso. Dann könnten zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate für die Mutter sinnvoll sein, wenn es nicht möglich ist, mehr Unter-stützung und Hilfe im Haushalt zu organisieren.
 
Keinen (oder nur sehr wenig und nur zu bestimmten Zeitpunkten) Alkohol zu trinken, macht den meisten lange stillenden Müttern eben-falls in der Regel nichts aus. Ansonsten sind während der Stillzeit keine Einschränkungen in Bezug auf die Ernährung der Mutter notwendig, sondern beruhen größtenteils auf Fehlinformationen und Ammenmär-chen. Auch dieses Gegenargument ist also nicht haltbar.
 
Auch die Einnahme von Medikamenten oder kleinere Operationen während der Stillzeit werden manchmal problematisch gesehen, müssen dies aber gar nicht sein. Tatsächlich kann in den meisten Fällen von mütterlichen Erkrankungen in der Stillzeit bei sorgfältiger Planung und Auswahl von stillverträglichen Medikamenten durchaus weitergestillt werden. Leider sind hier oftmals die verordnenden Ärzte nicht bereit sich zu erkundigen, welche Medikamente auch für das gestillte Kind unbedenklich sind, sondern beharren darauf, eine wirksame Behandlung sei erst nach dem Abstillen möglich.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit.
 
Manche Väter reagieren etwas neidisch oder eifersüchtig auf die innige Nähe durch das Stillen zwischen Mutter und Kind und fühlen sich aus-geschlossen. Da lang stillende Kinder meist auch mit ihren Eltern im Familienbett schlafen, gibt es auch einige Männer, die ihre Partnerin gerne nachts wieder für sich hätten. Auch dies sind keine wirklichen Gründe gegen das lange Stillen oder das gemeinsame Schlafen, denn es gibt sowohl viele Möglichkeiten, die Beziehung zwischen Vater und Kind innig und intensiv zu gestalten; und Zärtlichkeiten und Sexualität zwischen Mann und Frau kann es, statt nachts im Bett, auch zu ande-ren Zeiten und an anderen Orten geben.
 
Selbst die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit der Mutter und die damit verbundene Fremdbetreuung des Kindes ist kein Grund gegen eine lange Stillzeit, sondern lässt sich bestens mit dem langen Stillen vereinbaren, wie viele Mütter immer wieder festgestellt haben.
 
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Bis wann können bzw. sollten Kinder gestillt werden?
Das Stillen kann solange fortgeführt werden, wie es Mutter und Kind gefällt. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage sorgt dafür, dass die Muttermilch in der Brustdrüse immer wieder neu gebildet wird, solange sie regelmäßig abgefordert wird.
Die meisten Kinder stillen sich von alleine zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr ab, aber es gibt auch Kinder, die auch nach dem 4. Ge-burtstag noch regelmäßig stillen wollen. Das biologische Abstillalter liegt, laut verschiedenen Berechnungen der amerikanischen Anthro-pologin Katherine Dettwyler, bei mindestens 2,3 Jahren bis maximal 6-7 Jahren. Lesen Sie hier mehr über das biologische Abstillalter.
 
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Welche Gründe haben Mütter lange zu stillen?
Meistens ist es so, dass die Mütter nicht im Vorherein geplant hatten so lange zu stillen, sondern es sich so ergibt, weil ihr Baby mit 6-12 Mona-ten die Beikost verweigert und weiter an der Brust trinken möchte. Wenn sie sich dann informieren, erfahren sie, dass dies ungefährlich und "in Ordnung" ist, und stillen dann beruhigt weiter.
 
Die Mütter erleben selbst direkt mit, wie gut das Stillen ihrem Kind tut, wie es dabei auftankt und sie glücklich anschaut bzw. dies auch selbst sprachlich ausdrückt. Sie möchten dieses Bedürfnis ihres Kindes weiter befriedigen und es nicht unnatürlich (d.h. mit Druck oder Gewalt) ab-stillen, indem sie ihm so etwas Gutes vorenthalten.
Lesen Sie hier die Aussagen von lang gestillten Kindern.
 
Sie möchten ihrem Kind ermöglichen, selbst zu bestimmen, wann es aufhört zu stillen und vertrauen darauf, dass ihr Kind von selber zu dem für ihn richtigen Zeitpunkt das Stillen beendet, so wie es auch von selber in seinem Tempo Krabbeln, Laufen, Sprechen, zur Toilette gehen usw. gelernt hat.
 
Durch die Fortsetzung des Stillens ist es wesentlich einfacher und durchaus natürlich, ihr Kind zu beruhigen und zu trösten, z.B. bei Krankheiten, nach Unfällen oder Missgeschicken, in Stresssituationen, nach Wutanfällen, zum Einschlafen usw.
 
Die Nähe zu ihrem Kind bleibt durch das Stillen sehr intensiv. Das Kind ist sicher an seine Mutter gebunden und wird dadurch selbstbewusst und vertrauensvoll. Es kann sich, entgegen dem gängigen Vorurteil, dann sogar leichter von der Mutter lösen und auf andere Personen einlassen.
 
Auch die Mutter hat beim Stillen des Kindes immer mal wieder eine Pause in ihrem anstrengenden Tagesablauf, nicht nur das Kind. Beide kommen zur Ruhe und sind sich sehr nahe.
 
Mit zunehmendem Alter des Kindes können zudem Absprachen getrof-fen und klare Grenzen gesetzt werden, wann und wo gestillt wird und wann nicht. Die Mütter machen sich somit keinesfalls zum Sklaven oder Spielball des Kindes, wie oft behauptet wird, sondern das Stillen wird partnerschaftlich ausgehandelt.
 
In Deutschland stillen überwiegend solche Mütter länger als durch-schnittlich, die einen hohen Sozialstatus haben, aus den alten Bundes-ländern stammen, bei der Geburt des Kindes älter als 30 Jahre und Nicht-Raucherinnen sind.
 
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Wie lange sollten Kinder denn voll gestillt werden?
Die Fachleute sind sich weltweit im Grunde genommen darüber einig, dass Säuglinge 6 Monate ausschließlich gestillt werden sollten, um sich optimal zu entwickeln. Danach wird zusätzlich zum Stillen eine lang-same Einführung von geeigneter Beikost empfohlen, was nicht mit dem Abstillen gleichzusetzen ist. Das Stillen sollte bis zum Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus fortgesetzt werden, wenn Mutter und Kind es möchten.
Mehr über die WHO-Empfehlung zur optimalen Stilldauer.
 
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Gibt es Zahlen darüber, wie viele Kleinkinder in Deutschland gestillt werden?
Die durchschnittliche Stilldauer betrug in den Jahren 2003-2006 in Deutschland 6,9 Monate. Die durchschnittliche Dauer des Vollstillens betrug 4,6 Monate. Die empfohlenen 6 Monate voll gestillt, wurden nur 22,4% der untersuchten Kinder.
Mit 9 Monaten stillten noch ca. 21%, mit 12 Monaten ca. 8%, mit 18 Monaten ca. 3% und mit 24 Monaten weniger als 1%.
Näheres in dieser Untersuchung zum Stillen in Deutschland.
 
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Warum hat das Stillen von Kleinkindern in Deutschland so ein negatives Image?
1) Es werden, auch durch die Babynahrungsindustrie, viele Ammen-märchen über das Stillen verbreitet. Einige Beispiele:
 
- Brei sättige mehr als Muttermilch.
Es herrscht die Meinung, die Muttermilch sättige nach einiger Zeit nicht mehr oder sei nur noch Wasser. In Wahrheit enthält 100g Muttermilch 70 kcal, 100g gekochte Möhren dagegen nur 27 kcal, 100g Apfel 52 kcal, 100g Gemüsebrei mit Fleisch ca. 50kcal. Kein Wunder also, dass das Kind die Brust dem Brei vorzieht.
 
- Mit einem Abendbrei würde das Baby durchschlafen.
Das stimmt nicht. Forscher haben mit Experimenten nachgewiesen, dass Kinder nicht deshalb durchschlafen, weil sie Brei gegessen haben. Während der ersten Lebensjahre ist es normal für ein Kind nachts auf-zuwachen, sowohl weil es vielleicht Nahrung braucht, aber auch weil es die Nähe der Eltern braucht. Die Brust kann glücklicherweise beide Be-dürfnisse gleichzeitig stillen.
 
- Ab dem 6. Lebensmonat brauche das Baby Folgemilch.
Auch das ist Quatsch und wird von der Babynahrungsindustrie ver-breitet. Denn leider ist die Werbung für Folgemilch nicht verboten, so wie die für Säuglingsanfangsnahrung. Die Botschaft, die bei den Müt-tern ankommt, ist, dass Muttermilch irgendwann nicht mehr ausrei-chend ist. Mangel ist jedoch das Problem der Säuglingsnahrung, nicht das der Muttermilch, denn diese ist perfekt auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt und passt sich zudem dem Alter des Kindes an.
 
- Das Kind benötige ab dem 6. Lebensmonat zusätzliches Eisen.
Auch das ist ein Problem der Flaschennahrung, da Eisen aus künst-licher Nahrung nur zu 5-7% aufgenommen werden kann, im Gegensatz zum Eisen der Muttermilch, das zu 50-75% aufgenommen werden kann. Bei gestillten Kindern im Alter von 12 Monaten wurde zwar bei einem Viertel eine Eisenerschöpfung festgestellt, Anämien konnte man jedoch nicht feststellen, auch hatte die zusätzliche Eisenzufuhr bei gestillten Kindern im Alter von 6-9 Monaten keinen Vorteil. Dagegen fördern zu hohe Eisenwerte im Blut der Kinder das Wachstum von bestimmten Bakterien, während das Laktoferrin (ein Eisentransport-protein) der Muttermilch das Eisen bindet und somit hemmend auf das Wachstum von Bakterien wirkt.
 
2) Stillen wird in unserer Gesellschaft lediglich als Ernährung betrach-tet, dass das Stillen aber weit mehr ist und gerade diese emotionalen und Beziehungsaspekte des Stillens mit zunehmendem Alter des Kin-des an Bedeutung gewinnen, ist weitgehend unbekannt.
 
3) In der Babypflege in Industrieländern herrscht allgemein eher ein so genannter distaler (entfernter) Pflegetyp, d.h. viel Abstand zwischen Mutter und Kind, z.B. durch die starke Verbreitung der Flaschenfütter-ung, Schnuller, Kinderwagen, Autoschale, Spieldecke, Laufstall, Wiege, eigenes Kinderzimmer, Babyphon usw. Die Mutter spricht zwar viel mit ihrem Baby und schaut es oft an, dies erfolgt jedoch oft über eine ge-wisse Distanz. Viel körperliche Nähe, wie beim langen Stillen unum-gänglich, passt einfach nicht zu diesem Typ der Babypflege.
 
4) Darüber hinaus herrscht in Deutschland eine große Sorge vor den Gefahren des Verwöhnens eines Babys. Dies hat seine Wurzeln in der Säuglingspädagogik der Nationalsozialisten, die von 1934 bis 1945 ve-hement vor dem Verwöhnen warnten und durch diverse strikte Regeln die gute Mutter-Kind-Beziehung nicht entstehen lassen wollten. So sollte das Baby von Anfang an zur Regelmäßigkeit erzogen werden, Zärtlichkeiten sollten unterbleiben und auf Schreien und Unmutsäuß-erungen des Babys durfte nicht reagiert werden, damit das Baby bald aufgibt zu weinen und von vornherein lernt, was jedes soziale Wesen lernen müsse: Unlustgefühle zu ertragen, ohne andere damit zu beläs-tigen.
Mehr über die Babypflege während des Nationalsozialismus.
 
5) Viele Menschen hierzulande glauben auch, dass langes Stillen die Kinder abhängig macht, obwohl das Gegenteil wahr ist. Die Bindungs-forscher haben festgestellt, dass ein Kind, dessen altersgemäße Be-dürfnisse konsequent und adäquat erfüllt werden, dadurch erst das so wichtige Urvertrauen entwickelt und durch die daraus folgende sichere Bindung an die Mutter später dazu in der Lage ist, sich zu dem ihm ent-sprechenden Zeitpunkt besser von ihr zu lösen.
 
6) Unseligerweise wird in dieser Gesellschaft mit langem Stillen häufig auch ein emotionaler oder sogar sexueller Missbrauch des Kindes durch die Mutter unterstellt. Obwohl ich nicht ausschließen will, dass es so etwas geben könnte, so habe ich selber bislang noch keine lang stil-lende Mutter getroffen, bei der mir der Verdacht kam. Alle lang stillen-den Mütter, die ich kennen gelernt habe, waren im Gegenteil sehr ein-fühlsam mit ihrem Kind und bemühten sich eben gerade darum, von ihrem Kind keine Dinge zu verlangen, für die es noch nicht bereit war. Zudem ist es auch gar nicht möglich ein Baby oder Kind zum Stillen zu zwingen, wenn es nicht selber will.
 
Stillen ist durch die natürliche Ausschüttung der Hormone Oxytocin und Prolaktin auch für die Mutter mit angenehmen, entspannenden und liebevollen Gefühlen verbunden, weil es von Natur aus eine existen-tielle Bedeutung für das Überleben des Nachwuchses hat. Was also sollte daran verkehrt sein, wenn auch die Mütter das Stillen genießen?
 
7) Weibliche Brüste werden heute durch die Werbung und Medien sex-ualisiert, sie dienen als Kaufanreize in der Konsumgesellschaft oder sind ein rein pornografische Darstellung für männliche Sex-Phantasien. Dabei wird ihre biologische Funktion als Nahrungsquelle und Trost-spender für das Baby vollständig negiert.
 
So ist gerade das Stillen in der Öffentlichkeit bei uns keinesfalls nor-mal, sondern wird als eklig oder abstoßend bezeichnet und ist oft genug Gegenstand hitziger Diskussionen. Da werden stillende Mütter schon mal vom Personal aus einem Restaurant oder Museum ver-wiesen, noch dazu, wenn das gestillte Kind kein Baby mehr ist. Die logische Folge ist, dass viele Mütter ihr größeres Stillkind in der Öf-fentlichkeit nicht mehr stillen, was aber wiederum bewirkt, dass kaum jemand in der breiten Bevölkerung ahnt, wie viele Kinder mit einem Jahr und älter noch gestillt werden.
 
8) Viele Mütter haben auch selbst Probleme mit Nähe, da sie möglich-erweise selbst als Kinder diese nicht ausreichend bekommen haben. Demzufolge löst die Vorstellung einer so intensiven und lang andau-ernden Nähe zwischen Mutter und Kind, wie sie beim Stillen entsteht, viele Ängste und entsprechende Abwehr bei ihnen aus, wie sich an den entsprechenden Äußerungen, wie z.B. "Ich könnte das nicht", unschwer erkennen lässt.
 
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Was macht es Müttern, die lange stillen, besonders schwierig?
Mütter, die länger als üblich stillen, werden von ihrer Umwelt oft sehr stark unter Druck gesetzt, doch endlich abzustillen. Das liegt vor allem daran, dass bei uns der Begriff "normal" sehr eng gefasst wird, und alles was nicht diesem "Normalen" entspricht, gilt daher als "nicht normal" und damit potentiell gefährlich.
 
Sehr schwierig für die Mütter ist daher vor allem der Umgang mit negativen Reaktionen ihres Umfeldes, wie etwa kluge Ratschläge, dumme Kommentare oder schiefe Blicke, sowohl von Laien (z.B. Freunde, Verwandte, Passanten) wie auch von Fachleuten (z.B. Ärzte, Psychologen), die jedoch eigentlich immer auf Vorurteilen und Un-wissen beruhen.
 
Oft haben die Mütter in ihrem Umfeld keine Vorbilder oder Gleichge-sinnte, mit denen sie Erfahrungen austauschen oder die Fragen und Schwierigkeiten ihrer besonderen Stillbeziehung erörtern können. Heute ist das Internet da sicher eine große Hilfe, trotzdem sagen die Mütter in meiner Kleinkinder-Stillgruppe immer wieder, dass ihnen der persönliche Kontakt mit anderen ebenfalls noch stillenden Müttern sehr gut tut und den Rücken stärkt.
Müttern, die lange stillen, wird oft ein schlechtes Gewissen gemacht, dass sie mit ihrem Kind etwas zu sehr übertreiben oder ihrem Kind damit sogar schaden würden. Zum Beispiel: Weil sie selbst ein Problem hätten, da sie das Kind nicht loslassen könnten. Oder: Dass nach 6 Monaten in der Muttermilch doch nichts Wertvolles mehr drin wäre bzw. die Schadstoffe zunähmen. Oder: Dass SIE diejenige wären, die nicht wollen, dass ihr Kind etwas "Richtiges" isst.
 
Auch der Umgang der Medien mit dem Thema ist oft sehr problema-tisch, weil dort hauptsächlich Extrembeispiele präsentiert werden, die möglicherweise tatsächlich einen pathologischen Hintergrund haben und dann verallgemeinert werden.
 
Andere Mütter, die gar nicht oder nicht lange gestillt haben, argumen-tieren manchmal gegen das lange Stillen und kritisieren die lang stil-lenden Mütter, weil sie möglicherweise unbewusst ihr eigenes schlech-tes Gewissen wegen des frühen Abstillens abwehren müssen.
 
Bei berufstätigen Müttern gibt es vom Arbeitgeber oft wenig Verständ-nis, wenn sie weiterhin die gesetzlichen Stillpausen verlangen oder keine längeren Abwesenheiten von Zuhause möchten, z.B. durch Geschäftsreisen mit Übernachtungen.
 
Mütter, die lange stillen, brauchen daher sehr viel Selbstvertrauen, d.h. Vertrauen in ihren eigenen Instinkt, und Vertrauen in ihr Kind, um sich durch die Kommentare der Umwelt und der Fachleute nicht verunsich-ern und vom Stillen abbringen zu lassen. Als größte Hilfe wird dabei oft der Partner genannt, wenn er das lange Stillen unterstützt. Ist der Vater nicht mit dem langen Stillen einverstanden, fällt es den Müttern meist sehr schwer, damit fortzufahren.
 
Regine Gresens, IBCLC, Dezember 2008
 
 
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Lesen Sie auf Stillkinder.de mehr zum Stillen von Kleinkindern:
Stillst Du noch?
Aus Kindermund
 
Hier ist mein Film über das Stillen von Kleinkindern:
Regine Gresens - Stillen von Kleinkindern - Teil 1
 
Lesen Sie hier auf Stillkinder.de Erfahrungsberichte von langzeitstillenden Müttern:
Daniel - Langzeitstillen
Lini - Langzeitstillen
Max - Natürliches Abstillen

 
Und hier weitere externe Links zum Langzeitstillen:
Langzeitstillen
 


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