„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

Einnahme von Medikamenten in der Stillzeit

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC |
Musst Du deswegen abstillen?
Mit ziemlicher Sicherheit nicht!

In unserer Gesellschaft wird gemeinhin davon ausgegangen, dass Du die Wahl hast zwischen:
1) einem bekannten Risiko für Dein Baby, wenn Du weiterstillst oder
2) keinem Risiko, wenn es sichere, künstliche Säuglingsnahrung erhält.

Das ist jedoch falsch! Es gibt keine sichere Säuglingsnahrung.

Eine einzige Flasche Säuglingsnahrung erhöht das Risiko für Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien, steigert das Risiko für andere Erkrankungen für eine unbekannte Zeitdauer, erhöht das Risiko eines anfälligen Babys für Diabetes und verändert seine Darmfunktion für bis zu einen Monat.

Die tatsächlichen Wahlmöglichkeiten sind normalerweise:
1) ein geringes theoretisches Risiko von einer sehr kleinen Dosis des Medikaments oder
2) ein bekanntes Risiko durch künstliche Säuglingsnahrung.

In der großen Mehrzahl der Fälle heißt „auf Nummer sicher gehen“: weiterstillen und nicht abstillen.

Hier sind einige der Gründe dafür:

  • Selbst wenn die Menge eines bestimmten Wirkstoffs im Blut der Mutter hoch ist, ist es aus der Perspektive des gestillten Babys dennoch sehr verdünnt. Muttermilch wird aus mütterlichem Blut hergestellt.
    Versuche einmal, Dir vorzustellen, Du solltest Jemanden behandeln, indem Du ihm nicht das Medikament selbst geben, sondern eine Dosis Blut von jemand anderem, der das Medikament eingenommen hat!
  • Jeder Wirkstoff in der Muttermilch wird vom Baby geschluckt und muss erst einmal sein Verdauungssystem passieren, bevor er in sein eigenes Blutplasma eintreten kann. Wirkstoffe, die im mütterlichen Blut und in der Milch gemessen werden können, sind oft nicht mehr oder kaum noch nachweisbar, wenn sie im Blut des Babys angekommen sind.
    Und Wirkstoffe, die per Spritze verabreicht werden, weil sie bei oraler Verabreichung nicht wirksam sind, sind üblicherweise genauso unwirksam, wenn das Baby sie mit der Milch geschluckt hat.
  • Alter spielt eine Rolle. Einige Wirkstoffe, die für Frühgeborene ein Problem darstellen können, sind kein Problem für reif geborene Babys. Manche sind problematisch für Neugeborene, aber kein Problem nach dem 1. Monat.
    Je älter das Baby ist, desto reifer sind seine Systeme. Und jedes Baby, das schon zusätzlich Beikost isst, erhält automatisch weniger über die Milch der Mutter.
  • Falls es Bedenken gibt, kann der Zustand des Babys überwacht werden, entweder durch Blutuntersuchungen oder einfach durch das Beobachten des Babys auf Durchfall oder andere Auffälligkeiten.
  • Eine vorübergehende Stillpause – und Pumpen und der Umgang mit Flaschenfütterungen und einem unglücklichen Baby – ist ein großer Stress für eine ohnehin schon gestresste, kranke Mutter und ihr Baby.
  • Eine vorübergehende Unterbrechung des Stillens kann zu vorzeitigem Abstillen führen. Stillen ist eine physiologische Beziehung, kein “Wasserhahn”. Ein abruptes Abschalten ist extrem verstörend für beide – Mutter und Baby.
  • Die Amerikanische Akademie der Kinderheilkunde (AAP) schrieb 2005 in ihrem Statement zu Stillen und der Verwendung von Frauenmilch, “Obgleich die meisten rezept- und apothekenpflichtigen Medikamente sicher für den gestillten Säugling sind, gibt es ein paar Medikamente, die Mütter vielleicht nehmen müssen, die es nötig machen, das Stillen vorübergehend zu unterbrechen. Dazu gehören radioaktive Isotope, Antimetaboliten, Krebs-Chemotherapeutika und eine kleine Zahl von anderen Medikamenten.“
    Das ist eine kurze Liste, und sogar diese Liste hat noch einige Ausnahmen.
  • Selbst bei den wenigen tatsächlich problematischen Medikamenten, gibt es gewöhnlich einen gewissen „Spielraum“ – nur zur Hälfte stillen, „um den Höhepunkt des Wirkstoffs herum” stillen, fünf Halbwertzeiten abwarten, ein sichereres, alternatives Medikament finden, und weitere.

Wenn jemand zu Dir sagt, Du müsstest wegen einer Medikamenteneinnahme abstillen, auch nur vorübergehend, sprich mit einer Still- und Laktationsberaterin IBCLC oder informiere Dich auf der Website www.embryotox.de über die Sicherheit von einzelnen Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit. (Dort gibt es übrigens auch eine kostenfreie App über Medikamente in der Stillzeit.)

Es wird Dir gefallen, was Du dabei erfährst.

Original: “Medications and Breastfeeding” von Diane Wiessinger, IBCLC, 2008
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2014
Foto: Auntie P via photopin cc

 

Information und Beratung zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es bei:
Embryotox
Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie
Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Tel.: +49 (0)30 – 450 525 700 (Telefonische Beratung)
Fax.: +49 (0)30 – 450 7 525 920

Reprotox
Institut für Reproduktionstoxikologie
Elisabethenstr. 17
88212 Ravensburg
Tel.: +49 (0)731 500 – 58655
Fax: +49 (0)731 500 – 58656

LactMed®
The LactMed® database contains information on drugs and other chemicals to which breastfeeding mothers may be exposed.
LactMed® belongs to the TOXNET databases by the U.S. National Library of Medicine.

 

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
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26 Kommentare

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  1. Hallo,
    mir soll ein Zahn gezogen werden und der Zahnarzt meint, ich darf dann 24 Stunden lang nicht stillen wegen der örtlichen Betäubung (mit Adrenalin)… Ich finde das einerseits ziemlichen Quatsch, aber bin doch etwas verunsichert!
    Mein Sohn ist erst einen Monat alt und wir machen gerade auch noch momentan das Dauerstillen am Abend durch… Da will ich jetzt nicht einfach abpumpen und Flasche geben!
    Ich möchte eigentlich gleich nach der Behandlung weiter stillen…

      1. Vielen Herzlichen Dank für die schnelle Antwort 🙂
        das beruhigt mich sehr und bestätigt mein Bauchgefühl!!
        Liebe Grüße

  2. hallo,
    ich nehme wegen bandscheibenvorfall ibuprofen seit 8 monaten ,habe zuerst mit 600 mg tgl. 1 tbl angefangen und jetzt reduziert auf 200 mg nur nachts, jedesmal schrecken mich die leute in der Apotheke dass es schädlich für mich und für meine Tochter sei ,da ich teil stille.
    können sie mich bitte beruhigen.

    1. Hallo Sarah,
      natürlich ist es immer am besten keine Medikamente zu benötigen, da es bei lang andauernder Einnahme auch zu Neben- und Wechselwirkungen kommen kann. Unzureichend behandelte akute Schmerzen können Spuren im Zentralnervensystem hinterlassen und generell empfindlicher für Schmerzreize machen.

      Ibuprofen und Paracetamol sind in der Stillzeit die Schmerzmittel der Wahl.
      Embryotox schreibt hier dazu:
      “Nebenwirkungen wurden bei gestillten Kindern in mehreren Untersuchungen nicht beobachtet. Ibuprofen gehört zudem bei der Behandlung von Säuglingen ab dem Alter von drei Monaten zu den Analgetika/Antipyretika der Wahl.”
      Ein Medikament, mit dem Säuglinge direkt behandelt werden können, kann auch von stillenden Müttern eingenommen werden, zudem wenn das Kind schön etwas älter ist und auch nicht (mehr) ausschließlich gestillt wird. Überdies ist die Dosierung von 200 mg in 24 Stunden sehr gering.
      Ich hoffe, das beruhigt Sie etwas.
      Ansonsten sprechen Sie auch noch einmal mit Ihrem behandelnden über Ihre Ängste, wie auch über weitere alternative Behandlungsmöglichkeiten.
      Gute Besserung und liebe Grüße,
      Regine Gresens

  3. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Frauen, die über das Abstillen wegen eines medikamentösen Risikos für ihr Kind nachdenken, Ihre Seite konsultieren.
    Ich habe vor der Geburt auch Ihr Buch gelesen und Ihren Newsletter abonniert.

    Und auch ich kenne das Angebot von Embryotox aus eigener Erfahrung, habe selbst bereits einmal eine telefonische Beratung in Anspruch genommen und war für diese sehr dankbar.

    Ich kann nachvollziehen, dass Sie Frauen ermutigen möchten, sich über die vielfach vielleicht unbekannte Möglichkeiten des Weiterstillens trotz Medikamenteneinnahme zu informieren.

    Was ich allerdings wirklich schade finde ist etwas, das mir sehr häufig im Zusammenhang mit Stillberaterinnen im Internet begegnet ist: es scheint hier leider immer nur schwarz und weiß zu geben.
    Wenn bei Embryotox steht, dass die „meisten“ Kinder keine Reaktionen zeigen, dann bedeutet das im Umkehrschluss ja durchaus, dass es Kinder mit Reaktionen gab.
    Dass es sich hierbei Ihrer Meinung nach nur um ein „geringes theoretisches“ Risiko handelt ist meiner Meinung nach genauso tendenziös wie die Aufzählung der Risiken einer einzigen Flaschennahrung offenbar abschreckend wirken soll.

    Ich glaube nicht, dass es nur Frauen gibt, die vom System dazu gedrängt werden, abzustillen und das selbst nicht wollen. Ich zähle zu den Frauen, die das Risiko einer dauerhaften Medikamenteneinnahme für ihr Kind nach einigen Monaten des vollen Stillens nicht tragen und durch permanente Blutabnahmen kontrollieren möchten.

    Eine gute Stillberatung würde in meinen Augen Frauen empowern, mündig ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und nicht versuchen, eine Seite immer zu verurteilen und abschrecken zu wollen.
    Das habe ich zum Glück im persönlichen Gespräch mit meiner Hebamme anders erlebt.

    1. Liebe Katharina,
      ein Blogartikel, der sich an eine große Zielgruppe wendet und informieren und aufklären soll, und ein persönliches Beratungsgespräch bei Stillproblemen sind in der Zielsetzung und Durchführung nicht miteinander vergleichbar.
      In einer persönlichen Stillberatung berate ich selbstverständlich individuell und ganzheitlich, damit die beratenen Mütter anschließend mündig eine eigene Entscheidung treffen können. Wichtig ist mir dabei nur, dass die Mutter (oder die Familie) sich mit der getroffenen Entscheidung gut fühlt, genauso wie Sie es mit Ihrer Hebamme erlebt haben.
      Beste Grüße,
      Regine Gresens

  4. Liebe Frau Gresens, aufgrund ihres Artikels habe ich bei Embryotox angerufen, die beraten keine Laien mehr in der Stillzeit bzgl. Medikamenten. Ich hatte eine Magen Darm Spiegelung und habe mit Eziclen abgeführt und mit Propofol wurde ich kurzzeitig betäubt, meine Tochter ist jetzt 19 Monate, wie lange sollte ich das Stillen pausieren? Im Internet habe ich recherchiert und verschiedene Angaben gefunden. Ich bin jetzt unsicher, der Beipackzettel des Eziclen sagt: 48 Stunden. Lg Lissa Weiland

  5. Guten Tag Frau Gresens
    Ich habe Nagelpilz, mein Apotheker gab mir Curanel Nagellack. Er meinte, dass gehe auch, wenn ich stille. Nun lese ich in der Packungsbeilage, dass davon abgeraten wird.
    Können Sie mir weiterhelfen? Kann ich das trotz Stillen auftragen?
    Ich werde wohl noch länger stillen und möchte endlich ml etwas gegen den Pilz machen.
    Vielen herzlichen Dank und freundliche Grüssen
    Sonja Lüthi

    1. Guten Tag Frau Lüthi,
      die Apotheken-Umschau schreibt zu Amorolfin:
      “Stillzeit: Es gibt nach derzeitigen Erkenntnissen keine Hinweise darauf, dass das Arzneimittel während der Stillzeit nicht angewendet werden darf.”

      Und in dem Fachbuch “Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit”, schreiben Schaefer/Spielmann/Vetter/Weber-Schöndorfer, 8. Auflage, 2012, S. 637, über Antimykotika zur lokalen Therapie:
      “Nystatin (z.B. Candio-Hermal®, Moronal®), Clotrimazol (z.B. Canesten®, Canifug®) und Miconazol (z.B. Daktar®) werden praktisch nicht resorbiert und sind enteral für den Säugling nicht verfügbar. Umfangreiche Erfahrungen mit der therapeutischen Anwendung im Säuglingsalter sprechen gegen ein toxisches Potenzial. Amphotericin B (Ampho-Moronal®) wird auch in der Kinderheilkunde eingesetzt und ist selbst für Säuglinge zugelassen. Von der Behandlung Frühgeborener wird allerdings wegen der hohen Osmolarität abgeraten. Die Azol-Derivate Bifonazol (z.B. BIFOMYK®), Croconazol, Econazol (z.B. Epi-Pevaryl®) und Trioconazol (Mykontral®) sind in Struktur und Wirkung dem Clotrimazol verwandt, aber weniger erprobt.
      Keine Erfahrungen liegen vor zu Amorolfin (Loceryl®), Ciclopirox (z.B. Batrafen®), Naftifin, Natamycin (z.B. Pimafucin®), Terbinafin, Tolciclat und Tolnaftat (Tinatox®). Die meisten dieser lokal angewandten Antimykotika werden nur in geringem Maße resorbiert, sodass ein Risiko für den gestillten Säugling unwahrscheinlich ist.
      Empfehlung für die Praxis:
      Lokale Antimykotika der Wahl für die Stillzeit sind Nystatin, Clotrimazol, Amphotericin B und Miconazol. Falls eines der anderen Mittel indiziert ist, kann uneingeschränkt weiter gestillt werden, wenn sie nur vorübergehend angewendet oder kleinere Flächen behandelt werden.”

      Schaefer und Weber-Schöndorfer sind auch Autoren bei Embryotox.

      Gute Besserung und herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  6. Liebe Frau Gresens,
    was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: wie verhält es sich, wenn Mutter und Kind unterschiedliche Antibiotika nehmen müssen. Ich stille meine knapp 2-jährige Tochter noch relativ viel. V.a. wenn sie krank ist – wie aktuell – und kaum isst. Nun hat sie Scharlach und mich auch angesteckt. Wegen verschiedenen Unverträglikeiten haben wir nun unterschiedliche Antibiotika bekommen. Sie bekommt Azithromycin, ich Cefpodoxim.
    Viele Grüße
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Cefpodoxim geht in die Muttermilch über. Daher sollte Cefpodoxim nicht in der Stillzeit angewendet werden bzw. während der Behandlung das Stillen unterbrochen werden.
      Bitte besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Kinderarzt, ob das Stillen unterbrochen werden soll und was Sie nach Ende der Behandlung außer Stillen noch tun können, um die Darmflora Ihrer Tochter wieder zu stärken.
      Gute Besserung,
      Regine Gresens

  7. Liebe Frau Gresens,
    Mir wurde von meinem Kinderarzt geraten abzustillen, da ich 5 mg thiamazol nehme, gegen meine wahrscheinlich durch die Geburt ausgelösten morbus basedow. Mein Arzt hat sich extra mit einem Institut für Medikamente während der Stillzeit beraten, nun meine Frage:
    Im Internet finde ich viel Info, dass thiamazol während dem stillen möglich ist, vor allem bei einer so niedrigen Dosierung, Ich habe den Verdacht dass der Ratschlag abzustillen daher kommt dass meine Tochter schon 10 Monate alt ist, Und man hier medizinisch eher auf Nummer sicher geht, Ich habe aber den Eindruck dass sie das stillen liebt, so wie ich und noch braucht, Und dass ich auch Schaden anrichte wenn ich sie jetzt gegen ihren Willen abstille?
    LG Christl

    1. Liebe Christiane,
      das würde ich auch vermuten.
      Embryotox ist ja sehr eindeutig in Bezug auf
      Thiamazol.
      Ich würde den Kinderarzt direkt fragen, warum er trotzdem in Deinem Fall empfiehlt abzustillen.
      Alles Gute,
      Regine Gresens

  8. Liebe Frau Gresens,

    ich habe einen 13 Monate alten Sohn. Wir stillen beide noch sehr gern und viel. 🙂
    Nun muss ich aufgrund einer Weisheitszahn OP und darauffolgender Entzündung der Nebenhöhlen das Antibiotikum Amoxicillin 500 einnehmen.

    Dies mache ich nur sehr ungern, es scheint aber aus medinzinischer Sicht erforderlich zu sein.

    Meine Frage ist nun, ob Sie noch genauer erläutern könnten, was „um den Höhepunkt des Wirkstoffs herum stillen” & “fünf Halbwertzeiten abwarten” bedeutet?

    Und wie kann ich reagieren, falls mein Kleiner doch Durchfall bekommt? Einmal angefangen, muss ich das Antibiotikum ja auch zu Ende nehmen.

    Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße
    Jessie

    1. Liebe Jessie,
      “um den Höhepunkt des Wirkstoffs herum stillen” heißt, nicht gerade dann zu stillen, wenn der Arzneistoff im Blutplasma seinen Höhepunkt erreicht hat, sondern ggf. vorher oder erst wieder nach einer gewissen Zeit, z.B. einer Halbwertzeit (HWZ).
      Die Halbwertzeit ist die Zeit nach der die Hälfte des Arzneistoffes aus dem Plasma eliminiert ist. Mit jeder weiteren Halbwertszeit sinkt die verbleibende Plasmakonzentration weiter, so dass nach fünf Halbwertszeiten nahezu die gesamte Substanz eliminiert wird.
      Dies beides sind Möglichkeiten, um bei den im Text genannten wenigen tatsächlich problematischen Medikamenten ein Weiterstillen zu ermöglichen.
      Amoxicillin gehört nicht zu den problematischen Medikamenten, sondern ist das Antibiotikum der Wahl in der Stillzeit!!
      Bei Embryotox steht dazu auch “Die meisten gestillten Kinder haben keine Symptome. Im Einzelfall kann es zu dünnerem Stuhlgang, selten zu Durchfall kommen.”
      Da Dein Kind mit seinen 13 Monaten wesentlich älter und reifer als ein kleines Neugeborenes ist, und vermutlich auch nicht mehr ausschließlich gestillt wird, würde ich davon ausgehen, dass es keine Probleme geben wird.
      Falls Dein Kind also starken Durchfall bekäme, was nicht sehr wahrscheinlich ist, solltest Du mit dem Kinderarzt und mit deinem behandelnden Arzt über das weitere Vorgehen sprechen.
      Jetzt wünsche ich Dir aber vor allem gute Besserung und herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  9. Hallo!
    Ich muss einen Monat lang die Pille Bella Hexal 35 nehmen (zur Vorbereitung auf eine Hormontherapie wegen erneutem Kinderwunsch). Mein Sohn ist 3 Jahre alt und wird noch abends zum Einschlafen gestillt, bin mir aber nicht sicher, ob er wirklich noch Milch trinkt oder nur nuckelt. Muss ich da nun wirklich abstillen?

    1. Hallo Karin,
      dazu kann ich so auch nichts sagen.
      Die in dem Mittel enthaltenen Wirkstoffe werden in der Stillzeit nicht empfohlen, siehe hier:
      https://www.embryotox.de/cyproteronacetat.html
      https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/kontrazeptiva-orale/
      Andererseits gelten diese Empfehlungen gewöhnlich für ausschließlich gestillte Neugeborene und eine lang anhaltende Einnahmezeit.

      Um sicher zu gehen, ob Sie abstillen müssen oder weiterstillen können, sollte sich Ihr Arzt mit der Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie in Verbindung setzen. Dort kann er genaueres erfahren.
      Herzliche Grüße,
      R. Gresens

  10. Hallo Frau Gresens

    Ihre Seite hat mir in den letzten 2, fast 3 Jahren seit Geburt meiner Kinder, sehr geholfen.
    Ich wende mich hier nun an Sie, jedoch nicht für mich, sondern für meine Schwester.

    Sie hat einen Nabelbruch, der demnächst operiert werden soll.
    Nun wurde ihr angeraten abzustillen, wohl wegen der Vollnarkose.
    Ich habe diesbezüglich leider nichts gefunden, was mir helfen könnte.. Darum meine Frage an Sie:
    Ich habe große Bedenken, dass Abstillen nötig ist.. Wie sehen Sie das?

    Viele liebe Grüße,
    Denise

  11. Sehr geehrte Frau Gresens,

    sie gehören anscheinend auch zu den Stillberaterinnen, welche glauben, Stillen muss über alles stehen.

    Sie würden wahrscheinlich meiner Frau auch empfehlen, trotz Marcumar Einnahme zu stillen. Mehrer Ärzte haben meiner Frau vom Stillen abgeraten. Nur mussten sich die Hebamme, eine LLL Stillberaterin sowie sehr fragwürdige bzw. selbsternannte “Stillberaterinnen” auf Seiten wie Stillen und Tragen einmischen und meiner Frau das Hirngespinnst auftischen doch Stillen zu können.

    Ich musste meiner Frau verbieten (was ich sonst nie machen würde) mit den Stillen anzufangen. Gott sei Dank konnte ich mich im Wohle der Gesundheit unserer Tochter durchsetzen!!!

    Solche Beiträge von können Gefährlich sein!

    Viele Grüße

    Maximilian O.

    1. Sehr geehrter Herr O.,
      wenn es um die Einnahme von Medikamenten in der Stillzeit geht, konsultiere und zitiere ich die neueste Auflage des Standardwerks “Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit”, das von C. Schaefer, H. Spielmann, K. Vetter und C. Weber-Schöndorfer herausgegeben wird (allesamt keineswegs fragwürdige “Stillberaterinnen”, sondern angesehene und hochkarätige Mediziner und Professoren, die zum Beispiel die Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie (www.embryotox.de) betreiben oder der Nationalen Stillkommission angehören).

      In dem Buch (8., vollständig überarbeitete Aufl., 2012) heißt es auf Seite 660/661 zu Vitamin-K-Antagonisten, zu denen auch Phenprocoumon (Marcumar) zählt:
      “Empfehlung für die Praxis
      Während einer Behandlung mit den oralen Antikoagulanzien Acenocoumarol, Phenprocoumon und Warfarin darf weiter gestillt werden. Eine zuverlässige Vitamin-K-Prophylaxe sollte in den ersten Lebenswochen gewährleistet sein. Hierzu zählen die parenterale Gabe nach der Geburt und orale Gaben zu den Vorsorgeuntersuchungen. Zumindest bei Frühgeborenen sollte nach einigen Tagen der Gerinnungsstatus bestimmt werden, um Komplikationen auszuschließen. Die Vitamin-K-Antagonisten Fluindion und Phenindion sind in der Stillzeit kontraindiziert.”

      Die Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie in Berlin steht im übrigen auch behandelnden Ärzten bei Fragen oder Unsicherheit zur Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit zur Verfügung, damit Müttern nicht unnötigerweise vom Stillen abgeraten oder das Abstillen empfohlen wird.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Regine Gresens

      1. Sehr geehrte Frau Gresens,

        natürlich habe ich auch Ihre Fachquelle schon gelesen. Aber für mich als promovierten Akademiker gehört es zum wissentschaftlichen Arbeiten dazu, verschiedene Fachmeinungen einzuholen. Was ich auch bereits gemacht habe.

        Gegen die Empfehlung Ihrer genannten Quelle spricht, dass

        1) ein Teil der Autoren der “Nationalen Stillkommission” anghört und somit die Neutralität in Frage zu stellen ist. Eine Voreingenommenheit zum “Pro-Stillen” kann nicht ausgeschlossen werden und

        2) die Qualität der Forschung der Charite Berlin zu hinterfragen ist. Unbestritten liegt die Reputation der Humanmedizin in Berlin eher im Mittelmaß und liegt im Vergleich zu den Universitäten aus München (LMU), Heidelberg, Tübingen und Freiburg doch weit zurück!

        Ich bleibe dabei:

        Während der Stillzeit sollte das Arzneimittel Marcumar nicht eingenommen werden. Phenprocoumon geht in die Muttermilch über, eine Verstärkung der Blutungsneigung beim Säugling ist in Einzelfällen nicht auszuschließen.

        Viele Grüße
        Maximilian O.

  12. Hy, bedeutet es auch, wenn ich nun in einer Fabrik arbeite (Vollzeit), dass ich weiter stillen könnte? Da ich mir Sorgen mache, wir erwärmen Schaumstoff und dies riecht schon sehr intensiv. Also Filtert mein Körper doch einige Schadstoffe aus meinem Blut?

    LG

    1. Liebe Nina,
      es kommt darauf an, so allgemein kann man das jedenfalls nicht sagen.
      Sondern es müsste zunächst einmal mit dem Arbeitgeber geklärt werden, welche Stoffe dort in der Produktion freigesetzt werden und in welcher Höhe.
      Dann müsste geschaut werden, ob diese Stoffe im Mutterschutzgesetz als Gefahrstoffe für Schwangere bzw. Stillende eingestuft werden.
      Wenn sich aus der Gefährdungsermittlung ergibt, dass die Sicherheit und Gesundheit einer stillenden Mutter in Gefahr ist, muss der Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen zu ihrem Schutz ergreifen. Dies kann z.B. eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen, der Arbeitszeiten oder auch ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Betriebs sein.
      Jedenfalls würde ich, bevor Sie wegen dem intensiven Geruch abstillen, obwohl Sie gerne weiterstillen würden, erst einmal klären, ob dies tatsächlich erforderlich ist.
      Hier finden Sie dazu das Mutterschutzgesetz: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/muscharbv/gesamt.pdf
      Ggf. könnte Ihr Arzt einmal mit den genauen Werten bei Embryotox https://www.embryotox.de/ oder bei der Nationalen Stillkommission http://www.bfr.bund.de/de/nationale_stillkommission-2404.html nachfragen.
      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

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