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Baby-led Weaning

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Baby-led Weaning (BLW) – auch genannt: Beikost nach Bedarf – ist eine dem gesunden Menschenverstand entsprechende, einfache und freudvolle Weise, deinem Baby zu helfen, sich an euer Familienessen zu gewöhnen.

Was ist Baby-led Weaning?

Baby-led Weaning ist die Einführung fester Nahrung, die den Babys erlaubt, selbständig zu essen – so dass es nicht nötig ist, das Baby mit dem Löffel zu füttern oder Nahrung zu pürieren.

Das Baby sitzt mit der Familie am Tisch und beteiligt sich an den Mahlzeiten teil, indem es anfangs mit den Händen und später mit Besteck isst, wenn es dazu bereit ist.

Baby-led Weaning

  • Erlaubt es dem Baby, den Geschmack, die Beschaffenheit, die Farbe und den Geruch der Nahrung selbst zu erkunden;
  • fördert seine Unabhängigkeit und sein Selbstvertrauen;
  • hilft ihm, sein Hand-Augen-Koordination und seine Fähigkeit zu kauen zu entwickeln;
  • macht wählerisches Essverhalten und Kampf ums Essen unwahrscheinlicher.

Alle gesunden Babys können ab etwa sechs Monaten anfangen, selber zu essen. Was sie dafür brauchen, ist nur, die Gelegenheit zu bekommen.

Warum ist Baby-led Weaning sinnvoll?

Baby-led Weaning basiert auf der normalen Entwicklung von Babys im ersten Lebensjahr.

Das Immun- und das Verdauungssystem von Babys sind noch nicht bereit für andere Nahrung, bis sie etwa sechs Monate alt sind – Muttermilch (oder industrielle Säuglingsnahrung) ist alles, was gesunde Babys bis dahin benötigen.

In der Vergangenheit, als feste Nahrung bereits im Alter von drei oder vier Monaten eingeführt wurde, musste die Nahrung püriert und mit dem Löffel gefüttert werden.

Mit sechs Monaten sind die meisten Babys in der Lage aufrecht zu sitzen, kleine Nahrungsstücke mit den Fingern aufzunehmen, sich in den Mund zu stecken und zu kauen – mit anderen Worten: Sie können sich selbst füttern.

Wenn mit der Einführung von fester Nahrung gewartet wird, bis das Baby sechs Monate alt ist, kann die „Püree-Phase“ übersprungen werden. Es ist dann also nicht mehr notwendig, erst mit Brei zu beginnen.

Was ist mit dem Risiko des Verschluckens?

Schon als der Beginn der Beikost bereits mit etwa vier Monaten empfohlen wurde, wurden Eltern ermutigt, mit etwa sechs Monaten „Finger-Food“ anzubieten, um ihrem Baby zu helfen, seine Kaufähigkeiten zu entwickeln.

Baby-led Weaning unterscheidet sich darin, dass es neben „Finger-Food“ kein Füttern mit dem Löffel gibt.

Wenn die grundlegenden Sicherheitsregeln beachtet werden, ist Verschlucken bei Baby-led Weaning nicht wahrscheinlicher als mit der herkömmlichen Methode feste Nahrung einzuführen.

Tatsächlich kann es dem Baby sogar helfen, sicher essen zu lernen, wenn ihm ermöglicht wird, selbst zu kontrollieren, was in seinen Mund gelangt.

Wie fangen wir mit Baby-led Weaning an?

  • Setz dein Baby aufrecht hin, so dass es zum Tisch schaut. Entweder auf deinem Schoß oder in einem Hochstuhl. Achte darauf, dass es stabil sitzt und seine Hände und Arme frei bewegen kann.
  • Biete deinem Baby Nahrung an, statt sie ihm zu geben – leg sie vor ihm hin oder lass es sie selbst aus deiner Hand nehmen, so dass es seine eigene Entscheidung ist.
  • Beginne mit Nahrungsmitteln, die sich gut aufnehmen lassen – fingerdicke Stäbchen oder lange Streifen sind anfangs am besten. Führe neue Formen und Konsistenzen allmählich ein, damit dein Baby herausfinden kann, wie es damit umgehen muss.
  • Lass dein Baby bei deinen Mahlzeiten dabei sein, wann immer es geht. Soweit möglich – so lange es passt – biete ihm die gleiche Nahrung an, die du auch selbst isst, damit es dich imitieren kann.
  • Wähle Zeiten, in denen dein Baby nicht müde oder hungrig ist, damit es sich konzentrieren kann. Mahlzeiten sind in dieser Phase zum Spielen und Lernen da – es bekommt weiterhin alle Nährstoffe, die es benötigt aus der Milch, die es trinkt.
  • Fahre fort, die Brust oder die Flasche so wie bisher anzubieten – sie ist immer noch die Hauptnährstoffquelle für dein Baby, bis es ein Jahr alt ist. Wenn es weniger braucht, wird es seine Milchmahlzeiten von alleine reduzieren.
  • Biete deinem Baby während der Mahlzeiten Wasser an, damit es trinken kann, falls es möchte. Wenn es nicht trinken will, heißt das, dass es nicht nötig ist.
  • Treibe dein Baby nicht an und lenke es nicht ab, während es sich mit dem Essen beschäftigt – erlaube ihm, sich Zeit zu lassen und sich darauf zu konzentrieren.
  • Stecke deinem Baby kein Essen in den Mund und versuche nicht, es zu dazu zu bringen, mehr zu essen als es möchte. (Daher auch der deutsche Begriff „Beikost nach Bedarf“.)

Zu Beginn geht es am besten mit beiden Händen

Welche Nahrungsmittel kann ich meinem Baby anbieten?

Du kannst die meisten gesunden Nahrungsmittel mit deinem Baby teilen.

Zum Beispiel sind Obst, gegartes Gemüse, Fleisch, Käse, hart gekochte Eier, Brot, Reis, Nudeln und die meisten Fischarten geeignet.

Starte mit Nahrungsmitteln, die sich gut in Stäbchen oder lange Streifen schneiden lassen.

Deinem Baby eine Vielzahl von Nahrungsmitteln anzubieten, gibt ihm die Gelegenheit unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Konsistenzen kennenzulernen und stellt sicher, dass es alle Nährstoffe bekommt, die es braucht.

Welche Nahrungsmittel sollte ich vermeiden?

  • Nahrungsmittel, die extra Salz und Zucker enthalten (Lies die Zutatenliste sorgfältig – viele Nahrungsmittel, wie etwa Baked Beans, Gebäck und Soßen, enthalten viel Salz),
  • „Fast Food“ und Fertiggerichte,
  • Honig, Schalentiere, Haifisch, Marlin und rohe Eier.

Tipps

  • Erwarte nicht, dass dein Baby anfangs viel isst. Viele Babys essen in den ersten Monaten beim Baby-led Weaning nur kleine Mengen. Diese anfänglichen Mahlzeiten sind für dein Baby mehr zum Erforschen und Lernen als zum Essen.
  • Richte dich auf ein gewisses Chaos ein! Breite ein sauberes Tuch oder eine Folie unter dem Platz deines Babys aus, um den Fußboden zu schützen – und damit ihm Stücke zurückgeben kannst, die heruntergefallen sind.
  • Halte es vergnüglich. Dann wird dein Baby begeistert sein, neue Nahrungsmittel zu probieren und sich auf die Mahlzeiten freuen.

Ein neue Erfahrung

So ist dein Baby sicher

  • Sorge dafür, dass dein Baby beim Essen aufrecht sitzt.
  • Vermeide Nüsse, ganze und in Stücken.
  • Schneide kleine Früchte, wie zum Beispiel Oliven und Kirschen, in zwei Hälften und entferne alle Kerne.
  • Lass niemanden außer deinem Baby selbst Essen in seinen Mund stecken.
  • Erkläre allen Personen, die sich um dein Baby kümmern, wie Baby-led Weaning funktioniert.
  • Lasse dein Baby NIEMALS mit Essen allein.

Notiz
Falls es in deiner Familie Unverträglichkeiten oder Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel oder Verdauungsstörungen gibt, oder du irgendwelche Bedenken in Bezug auf die Gesundheit oder Entwicklung deines Babys hast, solltest du vor der Einführung von fester Nahrung mit deinen Gesundheitsfachleuten sprechen.
 
Original: Baby-led Weaning von Dr. Gill Rapley und Tracey Murkett
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, August 2016
Beitragsbild: Eating Avocado via photopin (license)
Fotos: Reese Double Fisting, Udo n‘ Pasta Face via photopin (license)

 
Hier sind auch Buchtipps und weitere Linktipps zu Baby-led Weaning (BLW).

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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