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Intuitives Stillen – leicht gemacht

Ein windelfreies Baby

6 Kommentare

Vom „Windelfrei sein“ habe ich das erste Mal etwas gehört, da war Juliana gerade 3 Monate alt. Juliana hatte einen starken Windelsoor, den ich schon mehr als 8 Wochen mit Medikamenten und Hausmitteln bekämpfte, ohne nur eine einzige Besserung zu sehen. Somit war Juliana den ganzen Nachmittag ohne Windel. Es sei denn, ich war mit ihr unterwegs oder hatte keine Zeit um ihre Ausscheidungen zu beseitigen.

Als der Soor dann weg war, mit Rotlicht und den 3 – 4 Stunden ohne Windel hat es ungefähr drei Wochen gedauert, da war das Thema „Windelfrei“ erst einmal vom Tisch.
Bis ich eine Freundin traf, die ihren Sohn windelfrei erzieht, seitdem er vier Monate alt ist. Sie sagte immer wieder – auch weil ich mich dafür interessierte – „Mach es doch, das ist soooo einfach!“ Das konnte ich nicht glauben. Also vergingen wieder zwei Wochen. Dann las ich in einem Forum in einem Beitrag die Antworten von einigen Usern: „Es ist pervers, sich mit den Ausscheidungen des Babys auseinander zu setzen!“; „Es ist widerlich!“ oder „Mein Kind fühlt sich wohl in der Windel!“.

Dazu konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, denn, woher will ich wissen, ob mein Kind sich in der Windel wohl fühlt, und warum ist es pervers? Ich unterhalte mich doch auch mit anderen Müttern darüber, dass mein Kind Verstopfung hat – wo ist da der Unterschied?

Also beschloss ich, wenn Juliana (sie war damals 7 Monate alt) vom Mittagsschlaf aufwacht, einfach die Windel ab zu machen. Das habe ich auch gemacht. Den ganzen Nachmittag hielt ich dann Juliana immer wieder nach Gefühl über dem Waschbecken ab. Es brauchte 3 – 4mal bis Juliana verstanden hatte, was ich von ihr wollte. Immer, wenn ich sie abgehalten habe, fragte ich sie: „Juliana, musst du mal pieschern?“ Das war mein Schlüsselwort. Klar musste ich sie mehrmals fragen. Dann erhaschte ich die ersten Tropfen. Ich dachte noch, dass es Zufall war.

Nachts bekam sie noch eine Windel um. Denn auch Nachts windelfrei zu praktizieren, traute ich mich noch nicht. Die nächsten Tage beobachtete ich sie weiter genau – aber ich sah keine Zeichen. Früher war das ganz anders. Sie wurde ganz ruhig beim Wasser lassen und unruhig und zappelig beim Stuhlgang. Aber jetzt? Sie war wie immer. Jetzt glaubte ich doch, dass die Babys mit der Zeit durch die Windeln ihre Zeichen verlieren, weil wir als Eltern nicht genug auf sie Acht geben.

Nach ein paar Wochen hatte ich aber raus, wann sie pieschern musste. Meist direkt nach dem Aufwachen, nach dem Stillen und wenn sie ca. 45 Minuten aufmerksam gespielt hatte. Klar passierten Unglücke – auch heute noch. Wenn ich einen Fleck auf dem Teppich sehe, sage ich: „Schau, du hast gepieschert!“. Dann deute ich auf den Fleck, mache ihn weg und sage weiter: „Komm wir gehen uns eine neue Hose anziehen!“ Denn, wenn sie so toll spielt und die Welt entdeckt, nehme ich sie nicht von ihrem Spiel weg und halte sie ab. Wenn mir dann auffällt, dass die Hose nass ist, gehe ich mit ihr ins Bad und ziehe ihr frische Kleidung an.

Unterwegs, also ich meine, mit dem Kinderwagen oder im Sling oder Ergobaby-Carrier, ist sie auch ohne Windeln. Bevor wir losgehen, halte ich sie noch einmal ab und dann geht’s los. Ich erzähle ihr, was wir machen und wann ich sie das nächste Mal abhalten kann. Das klappt meistens ganz gut. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Meistens trage ich sie, wenn wir unterwegs sind. Und wenn ich sie trage, dann pieschert sie eh nicht. Warum sie das dann nicht macht, weiß ich nicht. Ich glaube, ich habe mal gelesen, die Babys machen das nicht beim Tragen aus „Nestbeschmutzungsgründen“.

Wenn wir mit dem Auto irgendwo hin fahren, lege ich ein Teil von einer Einmalwickelunterlage und ein kleines Handtuch unter Julianas Po, damit der Maxi-Cosi nicht nass wird. Wenn wir dann wieder aus dem Auto aussteigen, halte ich sie sofort ab. Dazu nehme ich eine alte ausgemusterte Tupper-Schüssel. Aber meist pieschert Juliana auch während der Autofahrt. Autofahren ist halt entspannend. Selbst, wenn ich sie vorher abhalte oder es lasse. Vielleicht ändert sich das noch. Dann habe ich zum Wechseln natürlich immer 1 – 2 Handtücher und Wickelunterlagen dabei. Die Hose lass ich ihr während der Autofahrt aus, sonst wird das zu viel Hin-und-Her-Getüddel.

Als weitere Hilfsmittel – wenn ich das mal so nennen darf – habe ich Zuhause ungefähr 30 Schlüpfer. Die gibt es bei C & A im 3er Pack für 5 Euro. Das sind Frotteeunterhosen. Die haben zwei Vorteile: 1.) Sie halten selbst dünnen Muttermilchstuhl, so gibt es keine Flecken im Teppich, und 2.) sind sie auch im Winter etwas wärmer. So kann ich immer die Schlüpfer wechseln, falls doch mal ein Unglück passiert.

Aber warum so viele? Also ich habe keine Lust jeden Tag eine Maschine Wäsche zu waschen. Und wenn ich pro Tag gerechnet vier Schlüpfer benötige, und 4 – 5 immer in der „Wickeltasche“ habe. Dann sind 30 genau richtig.
Weiterhin habe ich mir auf Kinderflohmärkten einfache Kleinkinderhosen gekauft, denn davon braucht man ja auch ungefähr 3 – 4 pro Tag. Allerdings hänge ich die Hosen, wenn sie nass sind, auf die Heizung zum Trocknen, denn es ist nur Baby-Urin, der sogar noch steril ist, wenn man noch vollstillt.
Vor ein paar Wochen, habe ich eine Schlitzhose genäht, damit kann ich Juliana abhalten ohne die Hose auszuziehen: Im Schritt ist ein Schlitz von vorne nach hinten. Wobei die Stoffteile der Beine im Schritt überlappen, so dass sie nicht frieren muss. Noch bin ich in der Testphase, ob das zu uns passt. Denn wenn ich Juliana darin abhalte, dann kommen manchmal ein paar Tropfen auf die Hose. Also muss ich diese trotzdem wechseln.

Als Literatur kann ich die Bücher „Es geht auch ohne Windeln„* und „topffit„* sehr empfehlen. Wertvolle Hintergründe und Tipps werden hier wunderbar dargestellt. Auch im Internet gibt es viele Quellen, die aus eigenen Erfahrungen sprechen, z.B.:

Nachts, gebe ich zu, hat Juliana noch eine Windel um. Eine Bio-Windel, die zu 100 % kompostierbar ist, damit ich trotzdem meinen Umweltbeitrag dazu gebe. Aber ich denke, wenn Juliana nicht mehr so viel in der Nacht stillt, dann werde ich es auch nachts windelfrei machen. Wie ich das machen werde, weiß ich allerdings noch nicht.

Meine Gründe für das windelfreie Leben sind vielfältig. Zum einen tu ich es der Umwelt zuliebe, denn man muss den Müllberg ja nicht größer machen, als er eh schon ist. Auch der Po von Juliana ist mir sehr wichtig. Durch den Soor, den sie fast 3 Monate lang hatte, habe ich jetzt meine Konsequenz gezogen. Juliana ist seit 3 Monaten, solange sind wir schon windelfrei, nicht ein einziges Mal wieder wund gewesen.
Außerdem habe ich mir die Frage gestellt, wie ich mich fühlen würde, wenn ich den ganzen Tag in Papier und Plastik rumlaufen würde. Ich glaube, es ist nicht das schönste Gefühl.
Nicht zu vergessen, ist der Kostenfaktor. Mit normalen Pampers hatte ich einen Verbrauch von 10 Euro in der Woche (=1 Packung Pampers, wenn sie nicht im Angebot ist). Jetzt reicht eine Packung für 4 – 6 Wochen. Die Anschaffung von Schlüpfer und Hosen betrugen ca. 40 Euro. Wir machen das jetzt schon 17 Wochen. Also hätten wir 170 Euro ausgegeben für Pampers. Jetzt haben wir also schon knapp 100 Euro gespart.
Klar, darf man den Mehraufwand von ca. zwei Maschinen Wäsche im Monat nicht vergessen.

Zur Ist-Situation:
Juliana hat ziemlich schnell begriffen, was das Schlüsselwort bedeutet. Wenn sie muss, dann lässt sie sich bereitwillig abhalten. Wenn nicht, dann macht sie sich steif und fängt an zu brüllen. Also lasse ich sie wieder runter. Dann passiert kurz darauf ein Unglück. Aber ich denke, das ist eine Phase. Ich hoffe es geht vorbei.

Pro Tag haben wir einen Verbrauch von 2 – 5 Hosen und Schlüpfer. Wobei es auch Tage gibt, an denen nichts passiert. Wie schon erwähnt, nachts sind wir noch mit Windel. Ich hoffe, dass ändert sich in einem halben Jahr.

Als Fazit kann ich sagen:
Das Kind windelfrei zu versorgen, ist nicht schwieriger, als das Baby mit Einwegwindeln zu wickeln. Man bekommt ein prima Vertrauensverhältnis zu seinem Kind. Man kennt es bald in- und auswendig. Es war die beste Entscheidung, gleich nach dem Stillen, die ich treffen konnte.

Daniela mit Juliana (10 Monate), Hamburg, Oktober 2008

Originalbericht von Julianas Mutter
Foto: Daniela

 

* Affiliate-Link: Stillkinder.de erhält eine kleine Provision, wenn Du dieses Produkt über den Link kaufst, für Dich entstehen dabei keine höheren Kosten. Ich empfehle hier nur, was ich selber getestet oder gelesen habe und für gut und sinnvoll halte.

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube und Google+.

6 Kommentare

  1. Danke für deinen Bericht.
    Ich habe von Windelfrei das erste Mal gehört (bzw. mich wirklich damit beschäftigt), als mein Kind etwas über ein Jahr war und wir begonnen hatten, aufs Töpfchen zu gehen. Es war noch Sommer, also versuchte ich einer detaillierten Anleitung gemäß in etwa das, was du mit deiner 7 Monate alten Tochter probiertest. Bei uns hat es allerdings nicht so gut geklappt. Die ersten Tage gingen, danach gab es einen „Abhaltestreik“ mit den danach beschriebenen Pipis. Mindestens 5-mal am Tag die Hosen wechseln (eher öfter), Ausspülen, Pfützen aufwischen… das hat mich gestresst. Schließlich habe ich mir und dem Kind zuliebe doch wieder eine Windel angezogen. Wir hatten und haben Stoffwindeln, sodass ein Gefühl für „nass“ und „trocken“ eigentlich da sein sollte – dachte ich. War aber nicht so. Jetzt, mit knapp 2, merke ich, dass mein Kind bereit ist und besser versteht, was es macht. Wir also bald wirklich auf die Windeln verzichten können.
    Beim 2. Kind möchte ich, wenn es klappt, aber viel früher mit Windelfrei beginnen. Vielleicht haben wir dann mehr Erfolg. Denn die ökologische Komponente von Windeln (auch Stoff…muss man ja auch dauernd waschen) macht mir schon Gedanken.

  2. Wahnsinn wie anstregend sich das abhalten anhört… ich finde es hört sich deutlich zeitaufwendiger und unangenehmer für Mutter und Kind an.. 2-5 Hosen am Tag? Ich habe 1-2 hosen in 3 tagen! Allein die wäscheberge sind schon deutlich mehr Arbeit. Dann die zeit.. wir oft muss man es auf Verdacht abhalten ohne dass was passiert… und dann die Unterbrechungen beim spielen… hört sich für mich alles sehr seht unangenehm an :/

  3. Hallo, mir gefällt der Beitrag auch super. Macht richtig Spaß, den zu lesen. Meine Kleine wird morgen 5 Monate alt. Ich stille voll. Vor allem nachts. Ich wickel mit kba Baumwoll Stoffwindeln von Lotties. Im Sommer versuche ich es mal mit dem Windelfrei. Jetzt ist es mir noch zu kalt.
    LG Christina mit Cecilia

  4. Du hast hier meine eigenen Erfahrungen und Gedanken geschrieben 🙂 Einziger Unterschied ist, dass ich mit meiner Tochter schon in der zweiten Lebenswoche angefangen habe. Sie schläft auch in Pampers und tagsüber ist sie windelfrei, draußen jedoch ziehen wir die Stoffwindeln an, weil ich kann sie jetzt im Herbst nicht abhalten. Es ist schon zu kalt. Splithose habe ich auch vor ein paar Wochen genäht und die Kleine ist jetzt 4 Monate alt 🙂
    Liebe Grüße

  5. Danke für Ihr Bericht. Ich möchte meinem Sohn endlich die Windeln abgewöhnen, weiß aber nicht, wo ich anfangen soll. Ich werde Ihre Tipps auf jeden Fall ausprobieren.

  6. Ein schöner Bericht, vielen Dank!
    Und so eine schöne Seite, die finde ich so toll, dass ich direkt hierher verlinke von meinem Blog aus!
    Danke für die tolle Arbeit!!!
    Viele Grüße von Franzi
    Einfach klein =)

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