„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten 

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

So stillst du optimal in der Wiegehaltung – Schritt für Schritt erklärt

Fast jede stillende Mutter kennt die Wiegehaltung – sie sieht so natürlich aus und wird überall gezeigt. Doch genau diese Selbstverständlichkeit führt zu einem weit verbreiteten Fehler, der das Stillen unnötig erschwert. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Technik und etwas Übung wird die Wiegehaltung zu einer Position, in der du aufrecht sitzend gut stillen kannst. In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt, wie du dein Baby optimal in der Wiegehaltung anlegst und welche häufigen Fehler du vermeiden solltest.

Die Wiegehaltung scheint so selbstverständlich zum Stillen – doch genau hier passiert einer der häufigsten Fehler beim Anlegen. Mit der richtigen Technik wird diese Position entspannt und schmerzfrei. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie du dein Baby optimal in der Wiegehaltung anlegst.

Auf einen Blick

  • Der häufigste Fehler: Das Köpfchen wird schon VOR dem Anlegen in die Armbeuge gelegt – dadurch liegt das Baby oft zu weit außen
  • Die richtige Reihenfolge: Erst gut anlegen (mit der Nase vor der Brustwarze), dann erst das Köpfchen bequem positionieren
  • Optimale Position: Das Köpfchen liegt nicht außen in der Armbeuge, sondern weiter innen am Unterarm Richtung Handgelenk
  • Erkennungszeichen: Schmerzfreies Saugen, stabile Brustwarze im Mund, Bauch-an-Bauch-Lage ohne Verdrehen des Körpers
  • Wichtig: Die Wiegehaltung ist nicht für jedes Mutter-Baby-Paar die beste Wahl – Alternativen wie die zurückgelehnte Position sind oft einfacher

Inhaltsübersicht

Warum eine gute Anlegetechnik in der Wiegehaltung so wichtig ist

Die Wiegehaltung gehört zu den klassischen Stillpositionen. In den ersten Tagen nach der Geburt wird sie neuen Müttern häufig als erste Position gezeigt, in Stillratgebern illustriert sie das „typische“ Stillen. Tatsächlich zeigt sie aber eher eine typische Position der Flaschenfütterung. Gerade weil sie so selbstverständlich erscheint, entstehen hier oft Probleme, die vermeidbar wären.

Aus meiner Beratungspraxis kann ich sagen: Etwa jede zweite Mutter, die wegen wunder Brustwarzen oder ineffektivem Trinken zu mir kommt, stillt in einer suboptimalen Wiegehaltung. Das Baby liegt dabei häufig zu weit außen, kann nicht genug Brustgewebe erfassen und die Brustwarze liegt beim Saugen nicht tief genug in seinem Mund – das tut weh und funktioniert nicht gut.

Warum die Position so entscheidend ist

Die Anatomie gibt vor, wie ein Baby effektiv trinken kann: Die Brustwarze muss weit hinten im Mund liegen, am Übergang zwischen hartem und weichem Gaumen.

Nur dann kann das Baby mit seinen Kieferbewegungen die Milch aus der Brust herausarbeiten. Liegt die Brustwarze zu weit vorne, wird sie bei jeder Saugbewegung gequetscht – das führt zu Schmerzen und Verletzungen bei dir und zu Frust beim Baby, das nicht genug Milch bekommt.

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Technik und etwas Übung wird die Wiegehaltung zu einer entspannten Position, in der dein Baby effektiv trinken kann und du dabei schmerzfrei bleibst.

Der häufigste Fehler beim Anlegen in der Wiegehaltung

Der entscheidende Fehler passiert in den ersten Sekunden – noch bevor das Baby überhaupt die Brust im Mund hat: Viele Mütter legen das Köpfchen ihres Babys sofort in die Armbeuge und versuchen dann, die Brust zum Baby zu bringen.

Was dabei schief geht

Wenn du zuerst die Position festlegst und dann versuchst anzulegen, entstehen mehrere Probleme:

1. Ungünstiger Winkel: Das Köpfchen liegt in der Armbeuge oft zu weit außen. Die Nase des Babys liegt nicht auf Höhe der Brustwarze, sondern oft liegt die Brustwarze vor dem Kinn des Babys oder sogar darunter. Das Baby muss seinen Kopf nach vorne beugen, um die Brustwarze zu erreichen – dieses Vorbeugen macht ein tiefes Erfassen unmöglich.

2. Du kompensierst falsch: Viele Mütter versuchen dann, die Brust zum Baby zu bringen, indem sie sich nach vorne beugen oder die Brust mit der Hand zum Baby drücken. Das führt zu Verspannungen in deinem Rücken und Nacken – und nach einigen Minuten wird die Position unangenehm und/oder die Brust wird wieder aus dem Babymund gezogen, sobald sie losgelassen wird.

Ich erlebe es in Beratungen immer wieder: Die Mutter sitzt verkrampft, das Baby liegt ungünstig, beide sind frustriert – und dabei liegt die Lösung einfach in der richtigen Reihenfolge.

Video zum Artikel:

Die optimale Technik: So legst du dein Baby richtig an

Die Lösung ist verblüffend einfach, wenn man das Prinzip verstanden hat: Erst die optimale Position für das Anlegen schaffen, dann anlegen, dann erst bequem machen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Lisa, 32, kam zu mir, als ihr Baby drei Wochen alt war. „Ich hab schon alles probiert“, sagte sie frustriert. „Die Wiegehaltung tut einfach weh, egal wie ich mich hinsetze.“

Als ich sie beobachtete, sah ich sofort das Problem: Sie legte ihr Baby zuerst in die klassische Wiegeposition – Köpfchen in der Armbeuge – und versuchte dann anzulegen. Das Baby musste seinen Kopf zur Brust neigen, erfasste sie zu flach, und Lisa beugte sich zu ihm vor, um die Verbindung zu halten.

„Lass uns die Reihenfolge umdrehen“, schlug ich vor. Innerhalb von fünf Minuten hatte Lisa die Technik verstanden – und zum ersten Mal seit Wochen stillte sie schmerzfrei. „Das ist ja wie ein Schalter, der einfach nur umgelegt wird!“, meinte sie hinterher erstaunt.

Schritt 1: Die beste Ausgangsposition schaffen

Positioniere dein Baby so, dass seine Nase direkt vor deiner Brustwarze liegt, wobei sein Kopf dabei nicht nach vorn gebeugt ist. Das ist der Schlüssel für erfolgreiches Anlegen!

Wichtig dabei:

  • Das Köpfchen des Babys liegt noch NICHT in der Armbeuge
  • Du stützt mit deinem Unterarm seinen Rücken und hältst dabei seinen Kopf an der Schädelbasis – nicht am Nacken oder am Hinterkopf
  • Der Körper des Babys liegt eng an deinem Körper, Bauch an Bauch
  • Dein Baby liegt leicht schräg, nicht waagerecht – sein Kopf ist etwas höher als sein Po

Praktischer Tipp aus meiner Erfahrung: Viele Mütter haben Angst, das Köpfchen zu stark zu stützen oder zu führen. Aber gerade Neugeborene brauchen in der Wiegehaltung diese Unterstützung! Deine Hand an der Schädelbasis gibt dem Baby Halt und ermöglicht die optimale Kopfhaltung für das Anlegen.

Schritt 2: Das Baby anlegen

Jetzt kommt der entscheidende Moment: Dein Baby kann die Brust optimal erfassen, weil es in der idealen Position liegt.

So geht’s:

  • Warte, bis dein Baby beginnt den Mund weit zu öffnen (eventuell kannst du das durch sanftes Berühren mit der Brust an der Oberlippe und oberhalb davon anregen)
  • Noch bevor der Mund weit offen ist, führe dein Baby schnell und gezielt zur Brust
  • Die Bewegung kommt aus deinem Arm – nicht aus deinem Oberkörper! Du beugst dich nicht zur Brust vor, sondern bringst das Baby ZUR Brust
  • Das Baby sollte möglichst viel Brustgewebe erfassen, nicht nur die Brustwarze

Woran du erkennst, dass es funktioniert:

  • Die Brustwarze verschwindet tief im Mund deines Babys
  • Das Saugen ist für dich nicht schmerzhaft (vielleicht ein leichtes Ziehen zu Beginn, aber kein stechender Schmerz)
  • Das Kinn des Babys steckt in deiner Brust, seine Wangen berühren deine Brust, so dass seine Unterlippe nicht sichtbar ist
  • Die Nase ist frei oder berührt die Brust nur ganz leicht

Schritt 3: Jetzt erst in die Wiegeposition wechseln

Erst wenn dein Baby die Brust gut erfasst hat und zu trinken beginnt, kommt der Moment für die gemütliche Wiegeposition:

  • Schiebe deinen anderen Arm unter den Körper des Babys und halte seinen Po oder seinen Rücken mit deiner Hand. Löse die Hand von der Schädelbasis und den Unterarm vom Rücken
  • Lass das Baby sein Köpfchen auf deinem Unterarm ablegen
  • Achtung: Nicht in die Armbeuge! Das Köpfchen liegt besser weiter am Unterarm, Richtung Handgelenk (mehr dazu im nächsten Abschnitt)
  • Stütze deinen Arm mit einem Kissen oder Stillkissen ab – so wird die Position für längere Zeit bequem

Aus der Praxis: Viele Mütter berichten mir, dass dieser Aha-Moment – erst anlegen, dann positionieren – alles verändert hat. Plötzlich funktioniert die Wiegehaltung, die vorher so mühsam war.

Du möchtest das Anlegen in verschiedenen Positionen sicher beherrschen?

Wenn du dir unsicher bist oder die Wiegehaltung trotz dieser Anleitung noch nicht gut funktioniert, kann es helfen, die Technik nicht nur zu lesen, sondern auch zu sehen und zu üben.

In meinem Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“ zeige ich dir ausführlich und Schritt für Schritt, wie das Anlegen in verschiedenen Stillpositionen funktioniert – nicht nur in der Wiegehaltung, sondern auch in der zurückgelehnten Position, im Liegen und im Rückengriff. Du bekommst praktische Tipps, siehst häufige Fehler und ihre Lösungen, und kannst in deinem eigenen Tempo üben.

Mehr erfahren!

Der Kurs hat schon vielen Müttern geholfen, vom frustrierenden Rätselraten zum entspannten, schmerzfreien Stillen zu kommen.

Das richtige Timing: Wann das Köpfchen in die Wiegeposition kommt

Die klassische Wiegeposition mit dem Köpfchen auf dem Arm sieht bequem und natürlich aus – aber sie ist nicht die Position, in der du anlegen solltest. Sie ist die Position, in die du beim aufrechten Sitzen nach dem erfolgreichen Anlegen wechselst.

Der zeitliche Ablauf

  1. Vor dem Anlegen: Unterarm stützt Rücken, Hand stützt Kopf an der Schädelbasis, volle Kontrolle über die Kopfposition
  2. Beim Anlegen: Hand führt das Baby gezielt zur Brust
  3. Nach dem Anlegen: Wenn das Baby angedockt ist und sein Saugen nicht weh tut, vorsichtiger Wechsel in die Wiegeposition
  4. Während des Stillens: Köpfchen ruht entspannt auf dem Unterarm, beide sind bequem

Häufiges Missverständnis: Viele Mütter denken, sie müssten das Baby sofort in die „richtige“ Wiegeposition bringen. Aber es ist völlig in Ordnung, wenn das Köpfchen während des Anlegens noch von deiner Hand gestützt wird. Die gemütliche Wiegeposition entwickelt sich erst im Laufe der Stillmahlzeit.

Wann du in die Wiegeposition wechseln kannst

Du kannst das Köpfchen auf deinem Arm ablegen, wenn:

  • Dein Baby die Brust tief erfasst hat
  • Das Saugen schmerzfrei ist
  • Das Baby rhythmisch zu trinken beginnt
  • Die Brustwarze stabil im Mund bleibt

Wichtig: Wenn der Wechsel in die Wiegeposition dazu führt, dass die Brust aus dem Mund rutscht oder das Saugen schmerzhaft wird, war das Baby noch nicht optimal positioniert oder angelegt. Dann lieber noch einmal neu anlegen!

Warum die Armbeuge oft der falsche Platz ist

In fast allen Abbildungen zur Wiegehaltung liegt das Babyköpfchen in der Armbeuge der Mutter. Das sieht bequem aus – kann aber in der Praxis zu Problemen führen.

Das Problem mit der Armbeuge

Wenn das Köpfchen direkt in der Armbeuge liegt, entsteht oft automatisch ein ungünstiger Winkel:

Die Lage der Körper zueinander: Die Armbeuge liegt anatomisch gesehen weiter außen als die Brustwarzen der meisten Mütter. Wenn das Köpfchen in der Armbeuge ruht, liegt das Baby automatisch ein Stück weiter außen und meistens liegt die Brustwarze dann vor seinem Kinn oder sogar noch tiefer, z.B. vor seinem Hals.

Die Folgen:

  • Das Baby muss den Kopf nach vorn beugen, um die Brustwarze zu erreichen. So kann es aber seinen Mund nicht sehr weit öffnen
  • Wurde die Brustwarze zum Anlegen mit der Hand zum Mund des Babys gedrückt, wird sie ihm aus dem Mund gezogen, sobald die Brust losgelassen wird – entweder schleichend während der Stillmahlzeit oder bei jeder Saugbewegung ein kleines Stück
  • Das führt zu flacherem Erfassen, Schmerzen und ineffektivem Trinken
  • Du versuchst, die Brust zum Baby zu bringen, indem du dich vorbeugst – das verspannt deinen Rücken

Die bessere Position: Unterarm statt Armbeuge

Meine Empfehlung aus über vier Jahrzehnten Stillberatung: Lass das Köpfchen beim Stillen in der Wiegehaltung auf dem Unterarm ruhen, etwa auf halber Strecke zwischen Armbeuge und Handgelenk, oder sogar noch näher am Handgelenk.

Vorteile dieser Position:

  • Das Baby liegt mit leicht gestrecktem Kopf in der richtigen Höhe vor der Brustwarze
  • Es kann den Mund weiter öffnen und viel Brust und damit die Brustwarze tief in den Mund nehmen
  • Die Brustwarze wird durch das Saugen nicht belastet und bleibt stabil im Mund
  • Du kannst entspannt bleiben, ohne dich vorzubeugen

Praktische Umsetzung:

  • Beim Wechsel von der Hand auf den anderen Arm veränderst du nicht mehr die Position des Babys
  • Das Köpfchen „liegt“ auf dem Unterarm, nicht in der Armbeuge
  • Deine Hand ist jetzt frei und kann den Po oder Rücken des Babys stützen

Checkliste: Woran du eine gute Position erkennst

Nach all den technischen Erklärungen fragst du dich vielleicht: Woher weiß ich denn jetzt, ob es gut ist? Hier sind die verlässlichen Zeichen für eine optimale Wiegehaltung:

Für dich:

Körperliche Komfort-Signale:

  • Du sitzt bequem und entspannt, ohne dich vorzubeugen
  • Deine Schultern sind locker, nicht hochgezogen
  • Dein Rücken ist abgestützt (Lehne, Kissen)
  • Dein Arm liegt auf einem Kissen auf – du hältst das Baby nicht aus reiner Muskelkraft
  • Das Saugen ist schmerzfrei (nach den ersten Sekunden bis zum Einsetzen des Milchspendereflex)
  • Du könntest theoretisch in dieser Position ein Buch lesen oder auf dein Handy schauen

Warnsignale, dass etwas nicht stimmt:

  • Schmerzen in der Brustwarze, die über die ersten 20-30 Sekunden hinausgehen
  • Anspannung oder Schmerzen in Schulter, Nacken oder Rücken
  • Du musst dich ständig vorbeugen, um die Brust im Mund des Babys zu halten
  • Nach wenigen Minuten wird die Position unangenehm

Für dein Baby:

Positions-Checkliste:

  • Der gesamte Körper liegt Bauch an Bauch mit dir – keine Verdrehung zwischen Kopf und Körper
  • Das Kinn des Babys steckt in deiner Brust
  • Die Nase ist frei oder berührt die Brust nur leicht (Babys können durch den Nasenwinkel atmen!)
  • Der Körper des Babys ist gut unterstützt – er liegt auf deinem Unterarm und/oder auf einem Kissen

Saug- und Trink-Signale:

  • Die Brustwarze bleibt stabil im Mund, ohne herauszurutschen
  • Das Baby macht rhythmische Saug-Schluck-Bewegungen
  • Du hörst nach einigen Sekunden ein regelmäßiges, leises Schlucken
  • Die Wangen des Babys bleiben rund, fallen nicht ein
  • Nach einigen Minuten Saugen und Schlucken wirkt das Baby entspannt und zufrieden

Warnsignale beim Baby:

  • Das Baby lässt die Brust immer wieder los
  • Schmatzende oder klickende Geräusche beim Saugen
  • Eingefallene Wangen beim Saugen
  • Das Baby wirkt frustriert oder angestrengt

Die Faustregel

Wenn es gut läuft, merkst du es daran, dass du es nicht merkst – das Stillen wird zu einer entspannten Routine, bei der beide zur Ruhe kommen können. Wenn du ständig nachjustieren musst oder nach wenigen Minuten Schmerzen hast, stimmt etwas mit der Position oder dem Anlegen nicht.

30-Sekunden-Check: Ist deine Wiegehaltung optimal?

Du bist dir unsicher, ob alles richtig ist? Diese drei Punkte müssen gleichzeitig erfüllt sein:

✓ 1. Schmerzfrei für dich

Das Saugen tut nicht weh (nach den ersten 20-30 Sekunden bis zum Milchspendereflex). Auch nicht „ein bisschen“ – schmerzfreies Stillen ist der Standard, nicht die Ausnahme!

✓ 2. Kinn in der Brust

Das Kinn deines Babys steckt tief in deiner Brust, die Unterlippe ist nicht sichtbar. Wenn du nur die Oberlippe siehst, sitzt das Baby optimal.

✓ 3. Du bleibst entspannt

Du musst dich nicht vorbeugen, nicht die Brust festhalten, nicht korrigieren. Du kannst einfach da sein und dein Baby trinken lassen.

Wenn auch nur EINER dieser drei Punkte nicht erfüllt ist, lohnt es sich, die Position zu überprüfen und gegebenenfalls neu anzulegen. Lieber einmal kurz neu anlegen als 20 Minuten in suboptimaler Position durchhalten!

Fazit

Die Wiegehaltung ist keine Technik, die man einfach „macht“ – sie ist eine Position, die sich entwickelt, wenn du die richtige Reihenfolge beachtest. Der Schlüssel liegt in einem simplen Prinzip: Erst optimal anlegen, dann erst bequem positionieren.

Das mag am Anfang ungewohnt sein, besonders wenn du dir die Wiegehaltung ganz anders vorgestellt hast. Vielleicht hast du in Büchern oder Videos gesehen, wie Mütter ihr Baby scheinbar mühelos in der klassischen Wiegeposition stillen – mit dem Köpfchen in der Armbeuge. Doch diese Bilder zeigen meist nicht den Moment des Anlegens, und sie zeigen auch nicht die Mütter, bei denen diese Position (noch) nicht funktioniert.

Die wichtigste Erkenntnis: Das Köpfchen gehört nicht zwingend in die Armbeuge. Oft ist eine Position weiter am Unterarm viel besser geeignet, um das optimale Erfassen der Brust sicherzustellen. Und wenn die Wiegehaltung trotz guter Technik nicht funktioniert? Dann ist sie vielleicht einfach nicht die richtige Position für euch – und das ist völlig in Ordnung.

Mein Rat aus über vier Jahrzehnten Stillberatung: Vertrau auf dein Gefühl und nimm dir die Zeit, die beste Position zu finden. Stillen soll entspannt sein, nicht anstrengend. Wenn du dich verbiegst, verspannst oder Schmerzen hast, ist das ein Signal deines Körpers, dass etwas optimiert werden sollte.

Die Wiegehaltung kann eine praktische und angenehme Stillposition sein – aber nur, wenn die Technik stimmt und sie zu euch passt.

Wenn du Unterstützung brauchst, kannst du dich von einer Stillberaterin IBCLC persönlich beraten lassen. Manchmal braucht es nur einen kleinen Hinweis von außen, um den entscheidenden Unterschied zu machen.

Häufige Fragen zur Wiegehaltung

Was kann ich tun, wenn mein Baby die Brust immer wieder loslässt?

Das ist ein sehr häufiges Problem und meist ein Hinweis auf die Position. Überprüfe zuerst die Position des Köpfchens: Liegt es zu weit außen in der Armbeuge? Versuche, es weiter am Unterarm zu positionieren, damit dein Baby günstiger vor der Brustwarze liegt.

Weitere Checkpunkte:

  • Liegt die Nase auf Höhe der Brustwarze beim Anlegen?
  • Ist das Baby Bauch an Bauch mit dir, ohne die Körperachse zu verdrehen?
  • Erfasst das Baby genug Brustgewebe, oder nur die Brustwarze?

Manchmal lassen Babys die Brust auch los, weil sie eine kurze Pause brauchen, weil der Milchfluss gerade stark ist, weil sie ihre Blase oder ihren Darm entleeren müssen oder weil sie ein Bäuerchen machen müssen. Beobachte, ob es ein Muster gibt – passiert es immer nach einigen Minuten, oder schon nach wenigen Zügen?

Muss ich die Wiegehaltung immer benutzen?

Nein, auf keinen Fall! Es gibt viele verschiedene Stillpositionen, und die Wiegehaltung ist nicht automatisch die beste für jedes Mutter-Baby-Paar.

Die Wiegehaltung im aufrechten Sitzen ist sogar für viele Mütter nicht die einfachste Position, besonders in den ersten Wochen. Sie erfordert gute Technik und Übung.

Meine Empfehlung: Probiere vor allem die zurückgelehnte, intuitive Stillposition (auch „Laid-Back Breastfeeding“ genannt). Dabei lehnst du dich bequem zurück, und dein Baby liegt auf deinem Oberkörper. Diese Position nutzt die natürlichen Reflexe deines Babys und ist oft viel entspannter als die Wiegehaltung.

Andere bewährte Alternativen sind der Rückengriff, auch Seitenhaltung genannt (bzw. die sogenannte „Footballhaltung“) oder das Stillen im Liegen. Finde heraus, welche Position am besten zu euch passt – das kann auch je nach Tageszeit oder Situation variieren!

Kann ich die Position während des Stillens korrigieren?

Ja, du kannst die Position vorsichtig anpassen, während dein Baby trinkt – aber mit einigen wichtigen Punkten im Hinterkopf:

So geht’s:

  • Bewege dein Baby langsam und sanft
  • Achte darauf, dass die Brust dabei im Mund bleibt
  • Unterstütze den Kopf gut, während du die Position veränderst
  • Kleine Anpassungen sind meist kein Problem

Wann du besser neu anlegst:

  • Wenn die Brustwarze beim Verschieben aus dem Mund rutscht
  • Wenn das Baby frustriert reagiert
  • Wenn größere Positionsänderungen nötig sind
  • Wenn du merkst, dass das Baby die Brust zu flach erfasst hat

Praktischer Tipp: Manchmal ist es schneller und entspannter, das Baby kurz abzulösen und neu anzulegen, statt minutenlang an der Position herumzujustieren. Beim Ablösen schiebst du vorsichtig einen sauberen Finger in den Mundwinkel, um das Vakuum zu lösen – so vermeidest du Schmerzen.

Gibt es Alternativen zur Wiegehaltung?

Ja, und die solltest du unbedingt ausprobieren! Die Wiegehaltung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, und für manche Mutter-Baby-Paare funktionieren andere Positionen viel besser.

Bewährte Alternativen:

Intuitive, zurückgelehnte Position (Laid-Back Breastfeeding)

  • Du lehnst dich bequem zurück (etwa 45 Grad)
  • Dein Baby liegt auf deinem Oberkörper, Bauch an Bauch
  • Die Schwerkraft hilft, das Baby an deinem Körper zu halten
  • Die natürlichen Reflexe deines Babys werden aktiviert
  • Oft die entspannteste Position, besonders in den ersten Wochen

Rückengriff (die sogenannte „Footballhaltung“)

  • Das Baby kommt von außen an deine Brust
  • Der Körper liegt auf einem Kissen neben dir
  • Du hast gute Sicht auf das Gesicht deines Babys
  • Besonders gut nach einem Kaiserschnitt oder bei größeren Brüsten

Stillen im Liegen

  • Beide liegen entspannt auf der Seite
  • Besonders nachts oder wenn du müde bist
  • Erfordert etwas Übung, ist dann aber sehr bequem

Mein Tipp: Probiere verschiedene Positionen aus und hab mehrere „im Repertoire“. Manche Positionen funktionieren besser zu bestimmten Tageszeiten oder in bestimmten Situationen. Die zurückgelehnte Position ist oft ein guter Einstieg, besonders für Stillneulinge.

Was, wenn ich Schmerzen beim Stillen in Wiegehaltung habe?

Schmerzen beim Stillen sind nicht normal und nicht etwas, womit du dich abfinden musst! Sie sind ein Signal, dass etwas optimiert werden sollte.

Die häufigsten Ursachen für Schmerzen in der Wiegehaltung:

1. Suboptimale Position und Anlegetechnik (etwa 70-80% der Fälle in meiner Erfahrung)

  • Die Brustwarze ist nicht tief genug im Mund
  • Das Baby erfasst zu wenig Brustgewebe
  • Die Brustwarze wird während des Stillens aus dem Mund gezogen
  • Das Baby liegt zu weit außen (Köpfchen in der Armbeuge)

2. Ungünstige Saugtechnik

  • Das Baby benutzt die Zunge nicht optimal
  • Zu starkes Vakuum
  • Kieferbewegungen nicht koordiniert

3. Besonderheiten im Mundraum des Babys

Was du tun kannst:

Sofort:

  • Überprüfe die Position anhand der Checkliste oben
  • Leg dein Baby neu an mit der richtigen Technik (Nase vor der Brustwarze)
  • Probiere eine andere Stillposition aus
  • Lass die Brustwarzen nach dem Stillen an der Luft trocknen

Wenn die Schmerzen anhalten:

  • Lass dich individuell beraten von einer erfahrenen Stillberaterin IBCLC
  • Eine persönliche Beratung kann oft schon in einer Sitzung den entscheidenden Unterschied machen
  • Die Beraterin kann die Mundhöhle deines Babys untersuchen und das Saugverhalten beobachten
  • Du bekommst individuelle Tipps für deine spezifische Situation

Wichtig: Warte nicht zu lange mit der Beratung! Je früher du Unterstützung bekommst, desto schneller können die Probleme gelöst werden. Wunde, verletzte Brustwarzen brauchen Zeit zum Heilen – und Stillen mit Schmerzen belastet die Stillbeziehung.

Erste Anlaufstellen:

  • Hebamme
  • Stillberaterin IBCLC in deiner Nähe
  • Stillambulanz in einem Krankenhaus

Regine Gresens, IBCLC, Februar 2026
Foto: FatCamera via Canva Pro


Hast du dazu weitere Fragen?
Stell sie gerne meiner Stillkinder-KI – sie antwortet sofort und kostenlos.

* = Affiliate-Link: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn Du darauf klickst und das Produkt oder auch irgendein ein anderes Produkt kaufst, bekomme ich vom Händler dafür eine kleine Vergütung – ohne höhere Kosten für Dich. Ich freue mich und danke Dir, wenn Du damit meine Arbeit für Stillkinder.de unterstützt!


Es klappt nicht so richtig oder Du willst in allen Positionen gut anlegen lernen?
Dann empfehle ich Dir meinen beliebten Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“. Darin bekommst Du ausführliche Tipps und hilfreiche Infos zum Anlegen in unterschiedlichen Positionen.

Mehr erfahren!


Dir gefällt dieser Beitrag? Dann pinne ihn in die Welt hinaus!

Wiegehaltung beim Stillen: Die richtige Technik für schmerzfreies Anlegen

Fürs Liken, Teilen und Pinnen sage ich herzlich Danke!

Bild von Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme · Still-Expertin · Autorin

Seit über vier Jahrzehnten begleitet sie Schwangere, Mütter und Babys.
Als Still- und Laktationsberaterin IBCLC und Autorin des Buches „Intuitives Stillen“ (Kösel Verlag, über 39.000 verkaufte Exemplare) verbindet sie evidenzbasiertes Stillwissen mit einem klaren Fokus auf Beziehung und Intuition.
Sie war u. a. Beauftragte für Stillen und Ernährung im Deutschen Hebammenverband und Mitglied der Nationalen Stillkommission.
Als Gründerin von Stillkinder.de vermittelt sie beziehungsorientiertes Stillwissen – in Artikeln, Videos, Onlinekursen und mit der Stillkinder-KI.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Stillkinder-Newsletter
Bild von Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme · Still-Expertin · Autorin

Seit über vier Jahrzehnten begleitet sie Mütter und Babys. Als Still- und Laktationsberaterin IBCLC und Autorin des Buches „Intuitives Stillen“ (Kösel Verlag, über 39.000 verkaufte Exemplare) verbindet sie evidenzbasiertes Stillwissen mit einem klaren Fokus auf Beziehung und Intuition.
Sie vermittelt beziehungsorientiertes Stillwissen in Artikeln, Videos, Kursen und mit der Stillkinder-KI.

Trag Dich jetzt hier ein und erhalte die neuesten Tipps und Infos für eine angenehme Stillzeit und ein entspanntes Leben mit Baby.

Ich versende meinen Newsletter 2-4 Mal im Monat. In jedem Newsletter hast Du die Möglichkeit, Dich wieder auszutragen. Deine Anmeldedaten, der Versand und statistische Auswertungen werden über ActiveCampaign verarbeitet. Hier findest du weitere Informationen zum Datenschutz.

Warte kurz, bevor Du gehst!

Dir hat der Beitrag gefallen? Trag Dich in den Newsletter ein und Du erfährst etwa alle zwei Wochen, was es hier Neues gibt!

Ich versende meinen Newsletter 2-4 Mal im Monat. In jedem Newsletter hast Du die Möglichkeit, Dich wieder auszutragen. Deine Anmeldedaten, der Versand und statistische Auswertungen werden über MailerLite verarbeitet. Hier findest du weitere Informationen zum Datenschutz.