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Intuitives Stillen – leicht gemacht

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Stillen Sie einfach intuitiv

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Stillen sei am Anfang schmerzhaft, kompliziert und anstrengend und müsse von Mutter und Kind erst einmal gelernt werden. So ist es überall zu lesen und zu hören…

In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: Stillen ist angenehm, einfach und intuitiv. Wenn es anders wäre, gäbe es überhaupt keine Säugetiere.

Säugetiere gibt es aber bereits seit etwa 200 Millionen Jahren. Zur Zeit leben mehr als 5000 verschiedene Säugetierarten auf unserer Erde. Keine dieser Arten hat derartige Probleme bei der normalen Ernährung ihrer Nachkommen wie die Menschen der westlichen Industrieländer.

Würde das Säugen der Jungen nicht problemlos funktionieren, wären die Säugetiere längst wieder ausgestorben, da die Natur bei wilden Tieren nun einmal keine Ersatznahrung aus Flaschen vorgesehen hat.

Warum ist das Stillen bei uns Menschen so schwierig?

Die Antwort lautet: Wir machen es selber schwierig. Insbesondere durch die Anleitung für die „richtige“ Stillposition wird das Anlegen oft zu einer technischen und schwierigen Angelegenheit, die von Mutter und Baby erst „gelernt“ werden muss.

Hinzu kommt noch, dass viele der so genannten Stillhilfsmittel, wie z.B. Stillkissen oder Stillhütchen, in Wirklichkeit eher Stillhindernisse sind. Dadurch entstehen viele Stillprobleme, für die dann wieder Hilfe und Unterstützung von Fachleuten gebraucht wird, die aber nicht immer und überall zu finden ist.

Säugen ist notwendig für das Überleben von Säugetieren

Die Natur hat deshalb auch dafür gesorgt, dass Säugetiermütter und ihre Jungen es nicht erst mühsam lernen müssen. Sobald die Jungen geboren sind, wissen sie, was sie tun müssen, um zu überleben, und tun es auch. Auch die Mutter macht genau das Richtige, um das Überleben der Jungen zu sichern, selbst wenn es ihre erste Geburt war.

Denn Säugen ist eine angeborene Fähigkeit von Säugetieren, die von mütterlichen Brutpflegeinstinkten und angeborenen Reflexen der Jungen gesteuert wird. Damit die instinktiven Verhaltensmuster und die Reflexe der Säugetiere nach der Geburt ausgelöst werden, brauchen sie nur die richtige Umgebung, nämlich den Körperkontakt mit der Mutter.

Der Körper der Mutter bietet den Jungtieren dann die reflexauslösenden Reize, ihre duftenden Milchdrüsen und die Berührung ihrer Zitze an der Schnauze, und schon beginnt das von der Natur vorgesehene Überlebensprogramm.

Auch Menschen haben diese angeborenen Fähigkeiten

Wir sind schließlich auch Säugetiere. Wir haben nur verlernt unserer eigenen Intuition zu vertrauen und uns von ihr leiten zu lassen. Und wir vertrauen ebenso wenig dem Baby und seinen angeborenen Reflexen. Lieber verlassen wir uns auf die technischen Anleitungen und Checklisten in Stillbüchern, halten uns an die Regeln und Vorschriften von Experten und gehen das ganze Thema viel zu sehr mit dem Kopf an.

Gerade zum Beginn der Stillzeit machen wir so aber das Anlegen des Babys unnötig schwer. Um das Baby in den heute üblichen Stillpositionen anzulegen, soll die Mutter aufrecht sitzen oder seitlich liegen und das auf der Seite liegende Baby liegt auf einem separaten Kissen vor oder neben ihrem Körper.

Dummerweise kann ein Neugeborenes seine angeborenen Reflexe so aber überhaupt nicht einsetzen. Die Mutter muss ihm die Brust anbieten und es aktiv anlegen, was häufig ziemlich schwierig ist oder gar nicht gelingt.

Schauen Sie sich einmal dieses kurze Video an. Es zeigt ein wenige Tage altes Neugeborenes, das in der Bauchlage auf dem Bauch der Mutter, mit Hilfe seiner angeborenen Reflexe und ohne viel Zutun der Mutter, selbst die Brust findet und andockt.

Kompetent, nicht wahr?

Ihr Baby kann das auch! Alle Babys haben diese angeborene Suchreflexe. Nicht nur unmittelbar nach der Geburt, sie bleiben viele Wochen bis Monate erhalten.

Probieren Sie es doch einfach einmal aus!

  • Legen Sie dazu die Stillbücher und Checklisten beiseite!
  • Vergessen Sie alle Regeln, Vorschriften und Anleitungen, die Sie bisher zu richtigem Anlegen und Stillen gehört und gelesen haben!
  • Lassen Sie sich überraschen, wie einfach und intuitiv Stillen ist.

So geht intuitives Stillen

  • Vertrauen Sie auf Ihre Intuition und Ihren Instinkt und die angeborenen Reflexe Ihres Babys.
  • Wenn Ihr Baby in einem ruhigen Wachzustand ist, ist der beste Zeitpunkt mit dem intuitiven Stillen zu beginnen. Wenn Ihr Baby sehr aufgeregt ist oder schreit, versuchen Sie erst es ein wenig zu beruhigen.
  • Nehmen Sie auf dem Bett, Sofa oder Sessel eine bequeme, zurückgelehnte Position ein. Lehnen Sie sich soweit zurück, dass Ihr Gewicht nicht mehr auf Ihren Sitzbeinhöckern, sondern auf Ihrem Kreuzbein sitzen. Stützen Sie Ihren Kopf, Nacken, Schultern, oberen Rücken und Arme mit vielen Kissen gut ab, damit Sie sich völlig entspannen können.
  • Für die ersten Male ist es hilfreich, wenn Sie Ihr Oberteil und Ihren BH ausziehen, damit Sie und Ihr Baby möglichst viel Hautkontakt haben können. Ziehen Sie dazu auch Ihr Baby bis auf Windel und Body aus. Vor allem seine Füßchen und Unterschenkel sollte nackig sein, denn dort werden seine Suchreflexe ausgelöst. Sobald Sie ein eingespieltes Stillteam geworden sind, spielt der Hautkontakt nicht mehr so eine große Rolle. Trotzdem können Sie ihn natürlich auch beim Stillen weiterhin genießen, so oft Sie mögen.
  • Legen Sie sich Ihr Baby bäuchlings auf Ihren Bauch, so dass sein Kopf nah bei Ihren Brüsten ist und es sich mit seinen Armen auf Ihnen abstützen kann. Legen Sie eine Hand locker auf seinen Po oder streicheln Sie seine Füßchen.
  • Entspannen Sie sich und warten Sie einfach ab, was Ihr Baby macht. Wenn es hungrig ist, wird es nach einiger Zeit anfangen, Ihre Brust zu suchen.
  • Sprechen Sie ruhig mit ihm und loben Sie es für seine Anstrengungen. Ihre Aufgabe ist vor allem, das Baby ruhig zu halten und aufzupassen, dass es nicht herunterfällt.
  • Allerdings müssen Sie auch nicht völlig passiv bleiben. Wenn Sie irgendeinen Impuls dazu haben, können Sie Ihrem Baby ruhig etwas helfen. Vielleicht möchten Sie es etwas weiter nach oben oder zur Seite schieben, dann tun Sie es! Aber Sie müssen es nicht an Ihre Brust anlegen, so wie in anderen Stillpositionen. Ihr Baby dockt sich selbst an und benötigt viel weniger Hilfe von Ihnen.
  • Wenn Ihr Baby die Brust gut erfasst hat, haben Sie keine Schmerzen in der Brustwarze. Bald nach dem Beginn des Saugens fängt Ihr Baby an deutlich hörbar zu schlucken. Nun können Sie Ihren Arm locker um Ihr Baby legen, so dass es sein Köpfchen daran lehnen kann.
  • Ist seine Nase zu dicht an Ihrer Brust, drücken Sie seinen Po dichter an sich heran oder schieben Sie es ein wenig nach unten, so dass sein Kopf etwas mehr zur Brust gestreckt ist.
  • Verbringen Sie in den nächsten Tagen viel Zeit mit Ihrem Baby auf Ihrer Brust und stillen Sie auch weiterhin oft in dieser bequemen zurückgelehnten Position.

Genießen Sie das Stillen so oft und so lange, wie es für Sie und Ihr Baby angenehm ist! Wenn Sie sich dabei wohl fühlen und es Ihrem Baby gut geht, ist alles richtig, wie Sie es auch immer machen.

Nicht nur in der ersten Zeit nach der Geburt, sondern auch wenn Ihr Baby schon einige Tage oder Wochen alt ist, aber das Stillen für Sie nicht wirklich einfach und angenehm ist, könnte intuitives Stillen vielleicht die Lösung für Sie sein.

Im Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“ erfahren Sie mehr über die angeborenen Stillreflexe der Babys und wie Sie sie nutzen können, um das Anlegen zu erleichtern.

Literatur:
Colson, Suzanne: Eine Einführung in Intuitives Stillen – Neue Sichtweisen auf das Stillen, Hale Publishing, Amarillo, TX, 2012
Weitere Infos (engl.) auf Suzanne Colsons Webseite: Biological Nurturing – Laid Back Breastfeeding 

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, August 2013

 

Probieren Sie es doch einfach einmal aus und berichten Sie mir gerne von Ihren Erfahrungen!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Stillberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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  5. Meine Kleine und ich hatten nie Probleme mit dem Stillen, es klappte von Anfang an, egal in welcher Stellung. Aufgrund der Blähungen, die sie jedoch in den ersten fünf Lebensmonaten gequält haben, haben wir uns genau zu der beschriebenen Methode durchgearbeitet. Die Bauchlage war schließlich eine der wenigen Dinge, die ihr Entlastung gebracht haben. Tagsüber hab ich sie dann fast ausschließlich in dieser Bauch-an-Bauch-Stellung gestillt, weil sie für uns am bequemsten war. Wie die Maus immer größer wurde, lag sie später quer über mir und saugte beispielsweise von der linken Brust und ihre Oberschenkel klammerten mein rechtes Bein um.

    Inzwischen ist sie 15 Monate und wird nur noch nachts in Seitenlage gestillt. Es gibt aber immer noch Situationen, in denen wir die Bauch-an-Bauch-Lage gerne nehmen. Auch wenn ich diesen Artikel also jetzt erst lese, würde ich für seinen Inhalt jederzeit die Hand ins Feuer legen. 😉

  6. Ein sehr sehr schöner Artikel. Das werde ich beim nächsten Kind auf jeden Fall testen.

    Leider hatte ich beim Stillen meines Sohnes große Schwierigkeiten. Schon im Krankenhaus war ich als „die, die tapfer durchhält“ bekannt. Meine Brust war wund, zu Hause wurde es noch schlimmer. Die ersten Wochen lief ich nur oben ohne zu Hause rum, da jede noch so kleine Berührung mit der Brustwarze höllisch schmerzte. Sie blutete und eiterte. Meine Hebamme kam sehr oft, da ich dazu noch 5 Brustentzündungen hatte. Woran es letztlich lag, weiß ich leider nicht. Nach 14 Wochen war alles verheilt und Stillen war dann so schön!

  7. Oh wie wünschte ich, diesen Beitrag noch vor der Entbindung gelesen zu haben! Dann wäre mir der Stress und die anfänglichen Probleme beim Anlegen in der Klinik erspart geblieben. :*(
    Damals war ich so unsicher, dass ich mich total verkrampfte und Rückenschmerzen bekam. Inzwischen stille ich auch intuitiv (wenn auch ganz anders als hier beschrieben 😉 ) und es klappt prima mit uns beiden.
    Es stimmt einfach – wir Menschen machen uns zu viele Gedanken bei Schwangerschaft, Geburt und Stillen.

  8. Ich hatte als mein Sohn ca 3 Monate alt war (inzwischen ist er 1,5 Jahre und ich stille noch) eine Brustentzündung und passe seitdem sehr darauf auf, dass beim Stillen nichts auf meine Brust drückt. Die Beschreibung hört sich für mich so an, als würde das Baby beim Stillen mit dem Kopf auf der Brust liegen – kann so nicht ein Stau entstehen?
    Ich hatte am Anfang unserer Stillbeziehung auch Probleme mit schmerzenden Brustwarzen und würde die „Methode“ bei Nr 2 daher gerne ausprobieren – wenn da nicht meine Angst vor einem Stau wäre.

    • Liebe Simone,
      ganz wichtig beim intuitiven Stillen ist natürlich eine bequeme Position für Mutter und Baby. Das Gewicht des Babykopfes sollte dabei nicht auf die Brust drücken, sondern es sollte sein Köpfchen an den Arm der Mutter anlehnen. Schau Dir mal dieses Video an, da kannst Du es sehen.

      Ein Milchstau wird übrigens meistens vor allem durch Stress ausgelöst.

      Mein Tipp wäre also: eine bequeme Position für Euch beide einnehmen und Stress vermeiden.
      Liebe Grüße, Regine Gresens

  9. Liebe Regine, ich bin sehr froh auf deinen Artikel gestoßen zu sein. Er hat mir und meiner kleinen Tochter beim Stillen enorm geholfen. Als wir gerade frisch aus dem Krankenhaus gekommen waren, wollte ich sie zu Hause weiter stillen, als sich herausstellte, dass mein Baby nur an der linken Brust trinken wollte. Legte ich sie an der rechten an, brüllte sie nur und sträubte sich, als ob ich ihr etwas furchtbar Gemeines antun wolle. Nach mehreren Tagen und erfolglosen Stillversuchen, schwoll meine linke Brust immer mehr an, da sie ja die ganze Arbeit machte, und die rechte verkümmerte regelrecht. Ich hatte wirklich schon Angst, mein Baby mit nur einer Brust aufziehen zu müssen. Alle raffinierte Technik und verschiedenen Positionen halfen gar nichts. Ich durchforstete daraufhin das Internet, um eine mögliche Lösung zu finden. Ich kam hierher und sah das beeindruckende Video mit dem winzigen Neugeborenen. Neugierig geworden, probierte ich das Gleiche, legte mich mit freiem Oberkörper halb aufgerichtet auf den Rücken und legte mein Baby auf den Bauch. Es hatte die Beinchen frei um sich gut bewegen und abstossen zu können. Und siehe da: es klappte. Mein Baby bewegte sich energisch vorwärts und machte Suchbewegungen mit dem Köpfchen. Sie erreichte die rechte Brust und ohne dass ich irgendwie mit meinen Händen eingriff, nahm sie die Brustwarze in den Mund und dockte an. Ich war happy! Seitdem machen wir es immer so, sie kann es jetzt richtig gut, und die anderen Stillpositionen klappen auch mittlerweile. Ich mag aber die intuitive Position nach wie vor am liebsten, und es tut auch überhaupt nicht weh. Es ist so beeindruckend und süß anzusehen, mit welchen ungeahnten Fähigkeiten und Kräften das Baby bereits ausgestattet ist, und dass es nicht passiv in eine Stillhaltung gequetscht werden muss.

    • Liebe Milli,
      das freut mich sehr. 🙂
      Na klar, wenn sie in der richtigen Position sind, können die Babys die Brust ganz alleine finden. Das ist ja auch für sie überlebenswichtig und dafür sind sie auch bestens ausgestattet.
      Ich wünsche Euch viel Spaß und Freude beim weiteren Stillen, liebe Grüße, Regine

  10. Zum Thema „Wenn die Mutter Schmerzen hat, dann liegt es daran, dass sie falsch anlegt / falsch angeleitet wird etc.“

    Sätze wie diese finde ich furchtbar, denn sie haben mich beim Stillen beider Kinder immer sehr verunsichert und mich daran gehindert über Ursachen nachzudenken, die vielleicht eben NICHT mit dem richtigen oder falschen Anlegen zu tun haben!

    Bei mir waren die Ursachen beim ersten Mal: berührungsempfindliche Brustwarzen. Beim zweiten Mal: verrenkter Hals, Muskeltonusstörung beim Baby! Es wäre also auch nicht verkehrt bei Stillproblemen direkt nach der geburt mal zum Kinderarzt/Physiotherapeuten/Osteopathen zu gehen und mal untersuchen zu lassen, ob eventuell eine durch die Geburt verursachte Verspannung vorliegt!

    Daher wäre es doch ein guter Rat auch mal nach dem körperlichen Zustand von Mutter und Kind zu schauen, bevor man die Mutter wegen der Anlegetechnik stresst!

    Bei meinem ersten Kind hatte ich länger als drei Monate Schmerzen. Die waren nach 8 Wochen nicht mehr so schlimm aber immer noch da. Meine Hebamme und andere Stillmütter haben mir immer versichert, das ich richtig anlege. Mein Kind hat auch von Anfang an super getrunken und war immer satt und zufrieden.

    Trotzdem hatte ich so lange Schmerzen und mir den Kopf darüber zerbrochen, was ICH nur falsch mache! Und hab etliche Dinge ausprobiert (Salben, Rotlicht, Laser, IMMER andere Stillpositionen etc.) um das zu bessern mit dem Resultat, das es noch schlimmer wurde und ich mit den Nerven am Ende war. Jetzt weiß ich: ich hatte immer schon sehr sehr berührungsempfindliche Brustwarzen und es hat deshalb einfach länger gedauert bis ich schmerzfrei stillen konnte. Ich hab durchgehalten. Aber unter Tränen und großer nervlicher Belastung. Es hätte mir den Beginn der Babyzeit einfacher gemacht, wenn nicht immer alle behaupten würden, das Schmerzen beim Stillen unnatürlich sind und daran liegen, dass die Mama was verkehrt macht.

    Die Evolution schert sich nicht um Schmerzen! Das ist Fakt. Gebären tut den meisten auch weh. Es gibt Spezies die bei oder nach der Fortpflanzung sterben. Fortpflanzung ist natürlich. Stillen ist natürlich. Schmerzfreiheit hat aber mit Natürlichkeit nix zu tun.

    Es kann aber auch noch einen anderen Grund für Schmerzen beim Stillen geben. Den musste ich bei meinem zweiten Kind erfahren. Ich dachte, diesmal weiß ich Bescheid. Es wird mir anfangs weh tun. Aber das wird vergehen. Ich wusste ja nun, welche Pflege ich brauche.

    Doch 1. kommt es anders und 2. …

    Diesmal dockte mein Baby nicht richtig an, ließ immer die Brustwarze rausrutschen, weinte viel und wurde nie richtig satt. Durch das zigmalige Anlegen wurden meine empfindlichen Brustwarzen dermaßen beansprucht, dass mir nach zwei Tagen Blut aus der Brust tropfte!

    Aber ich gab nicht auf und hatte Unterstützung von meiner Hebamme. Erstmal abgepumpt und Fingerfeeden bis sich meine Brust erholt hatte. Und dann versuchten wir es wieder und feilten auch an der Anlegetechnik und versuchten’s mit Stillhütchen. Doch mein Baby dockte einfach nicht richtig an und bekam nur durch meinen großzügigen Milcheinschussreflex etwas Milch – da lief’s ja aber auch von allein. Das Gewicht des Babys stagnierte, nahm nicht mehr zu. Ich war von 2-3stündigen nächtlichen Stillsessions erledigt. Und ein Kleinkind war ja auch noch zu versorgen. Also hab ich abgestillt. Und darunter sehr gelitten und tagelang geflennt!

    Ein paar Wochen später stand die nächste Untersuchung beim Arzt an. Da stellte man fest: Muskeltonusstörung! Bei der Geburt muss sich mein Baby den Hals verrenkt haben. Deshalb tat es ihm weh angelegt zu werden und den Kopf aus der (wenn auch sehr unauffälligen) Schonhaltung zu drehen. Beim Osteopathen und der Physiotherapeutin wurde das bestätigt. Aber da war meine Milch schon wieder weg.

    • Liebe Ilona,
      solche Geschichten zu lesen, tut mir wirklich leid und es ist genau mein Anliegen, sie mit meinem Angebot hier zu verhindern oder zu verkürzen.
      Es ist völlig richtig, dass schmerzende Brustwarzen auch andere Ursachen als suboptimales Anlegen haben können.

      Dennoch ist suboptimales Anlegen weitaus häufiger die Ursache, als andere Faktoren, wie z.B. ein zu kurzes Zungenbändchen, eine Blockade in der Halswirbelsäule, eine Saugverwirrung oder eine Infektion der Brustwarzen.

      Deswegen ist es aus meiner Sicht auf jeden Fall richtig, immer als erstes die Stillposition und die Anlegetechnik zu prüfen und ggf. zu verbessern.
      Wenn das dann nichts oder nicht ausreichend hilft, sollten natürlich andere Spezialisten, wie z.B. Kinderarzt, Osteopath o.ä. hinzugezogen werden.
      Siehe auch hier.

      Ich habe aber leider schon viel zu oft erlebt, dass das Kind eben als allererstes vom Osteopathen und/oder die Brustwarzen wochenlang mit Allem behandelt wurden, was es an Tipps und Medikamenten gibt, allerdings ohne Erfolg in Hinblick auf die Schmerzen beim Stillen.

      Und nein, Schmerzen beim Stillen sind von der Evolution/Natur nicht vorgesehen. Dazu habe ich mich hier im Blog schon mehrfach geäußert, z.B. hier.

  11. Ich habe die erste Woche mit meinem Sohn in der Kinderklinik verbracht, nachdem ich ambulant entbunden hatte.
    Mir hatte keiner gezeigt, wie ich mein Kind stillen sollte oder ähnliches. Aber ich fand, dass es gut klappte. In der Klinik habe ich das Personal als absolut nicht hilfreich erlebt. Wenn ich mich nicht absolut auf die Instinkte meines Kindes und meine Intuition verlassen hätte, wäre ich jetzt wohl Flaschenmami.
    Statt hilfreichen Tipps gab’s Stillprotokolle und bei jedem noch so kleinen Schrei des Babys die Frage, ob ich denn auch genug Milch hätte. Ich glaube, dass Krankenhäuser, in denen noch so mit frischgebackenen Mamas verfahren wird, schon mehr als eine Stillbeziehung unnötig schwer gemacht haben oder sogar zum Scheitern gebracht haben.
    Wir Frauen können alle stillen und darauf sollten wir vertrauen und das Vertrauen nicht von Außenstehenden zerstören lassen, die denken, dass Stillen heute nicht mehr möglich ist.
    Gut, dass es auch mal Artikel, wie diese gibt, die Frauen bestärken, statt sie immer mehr zu verunsichern.
    Danke 🙂

  12. Ich habe mein erstes Baby vor 4 Wochen bekommen und wir waren die ganze Zeit über auf der Suche nach einem perfekten Stillkissen für mich. Mein Mann sagte ich solle mir selbst eines nähen, weil es keins gäbe, das mir wirklich entspricht. Ich habe mit starken Rückenschmerzen zu kämpfen und bisher in der Rückgriffhaltung gestillt, weil das am ehesten passte…
    Auch ist unser Kind ein Speihkind und wir haben oftmals Probleme die Bäuerchen hervorzulocken, die aber gerade aus diesem Grund immer zwischendurch mal nötig sind…

    Da ich von der letzten Nacht ziemlich müde und erschöpft bin, habe ich mich samt Baby aufs Sofa gelegt. In einer halbsitzenden, aber doch liegenden Position und das Baby auf meinen Bauch gelegt.

    Es fing zunächst an zu pupsen und wurde sichtlich entspannter und dann fing es an nach meiner Brustwarze zu suchen.
    Ich hab mich von meinem Gefühl leiten lassen und den Ausschnitt zur Seite geschoben und den BH geöffnet und einfach geschaut, was mein Baby dann macht. Mit ein ganz klein wenig Hilfe hat es sich praktisch genau wie auf dem Video abgespielt.

    Ich liege völlig entspannt und ohne schmerzenden Rücken und auch meine Brustwarzen taten dabei nicht weh, wie es sonst auf der einen Seite immer der Fall war.

    Das Baby hat selbstständig zwischendurch immer kleine Bäuerchen gemacht, selbst an- und abgedockt und ist, ohne auch nur ein einziges Mal zu spucken, selig auf mir eingeschlafen.

    Ich bin danach durch Zufall auf diese Seite gestoßen und kann dem nur zustimmen!

    Ich bin mit dem intuitiven Stillen glücklicher und mein Baby auch!

  13. Hallo,
    Ich bin zufällig hier gelandet. Ich habs bei meinem 2. (morgen 6 Wochen alt) schon vor 3 Wochen so angefangen. Ich kam darauf, als er auf meinem Bauch lag und zu suchen anfing. Fands so süß, dass ich ihn gelassen hab. Und was soll ich sagen, schlagartig war Ruhe am Abend und in der Nacht. Er bewegt sich, so locker auf oder neben mir liegend, viel mehr als wenn ich ihn im Stillkissen oder auf dem Arm liegen hab, und so pupst er oft beim Trinken und die Bäuerchen kommen auch schon beim Trinken. Saß sonst am Abend oft bis um 3 Uhr mit dem Zwerg auf der Couch, bis er endlich einschlief, damit wenigstens die beiden Anderen schlafen konnten. Und die Große (3,5 Jahre alt) fand den nervig, weil er oft meckerte. Nun ist um 23 Uhr nach dem Trinken Ruhe und er weckt mich auch nur einmal in der Nacht.
    Wenn wir unterwegs sind oder Besuch haben, halt ich ihn aber nach wie vor im Arm.

    Die Große findet es auch toll. „Sieht lustig aus.“ Kommt immer dazu und kuschelt mit, bin froh ihn gelassen zu haben.

    LG Anja

  14. Liebe Regine, auch ich bin mit vielen Dingen in diesem Artikel nicht einverstanden. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof. Wenn Kühe über Generationen von ihren Käbern sofort nach der Geburt getrennt werden ist es schwierig genau diese Kühe daran zu gewöhnen ihr Kalb trinken zu lassen – sie hatten es ja selbst nicht erlebt. Die Wahrscheinlichkeit dass dieses Kalb nie an Euter käme ist relativ groß – aber auch Kühe können durch das Beispiel anderer und Erfahrung „dazulernen“. Die selbe Geschichte kennen wir von einer Gorilladame im Zoo – der wurde doch glatt eine Stillgruppe (stillende Frauen) vors Gehege gesetzt um ihr durch das Beispiel zu lernen wie es funktioniert.
    Ich würde sagen in einer Kultur in der vieles richtig läuft in der das gestillte Kind die Norm ist, kann das intuitive Begreifen und Nachahmen warscheinlich auch funktionieren. In unserer Kultur finde ich es tröstlich dass ich die Botschaft habe – wenn es noch nicht von Anfang an funktioniert dann hast du die Chance dazu zu lernen. Das viele Stillhilfsmittel ein Hindernis sein können da gebe ich Suzanne Colson recht, allerdings auch Krücken können hinderlich sein wenn sie falsch eingesetzt werden – daher bin ich überzeugt dass es in einer Welt in der das gut eingespielte Beispiel fehlt (und zwar das Beispiel Stillen einer Neugeborenen) dass Frauen einfach wirklich kompetente Begleitung brauchen welche jene Dinge die instinktiv gut laufen verstärken, aber auch zum richtigen Zeitpunkt die richtige Maßnahme treffen – nicht zu viel aber auch nicht zu wenig.
    LG

    • Liebe Andrea,
      Du hast völlig Recht. Mit guten Beispielen ist es sehr viel leichter der eigenen Intuition und den Reflexen des Babys zu vertrauen. Dennoch glaube ich, dass viele Mütter durchaus auch ohne diese Beispiele dazu in der Lage wären, allerdings brauchen sie dafür, genau wie Du schreibst, wirklich kompetente Begleitung, die sie bestärkt, diese auszuprobieren und ihnen zu vertrauen. Und genau daran fehlt es eben oft.
      Ja, und wenn die Dinge nicht gut laufen, zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen und einen anderen Weg vorzuschlagen, auch das macht eine gute Begleitung aus.
      Hier gibt es leider noch viel zu tun… Der erste Schritt ist, aus meiner Sicht, endlich den Müttern, aber vor allem auch den Fachleuten klar zu machen, dass schmerzende, wunde Brustwarzen keine normale Begleiterscheinung beim Stillen sind, sondern ein ernst zu nehmenden Warnsignal. Damit wäre schon viel gewonnen!!
      Aber ich bin guter Hoffnung, dass uns das eines Tages gelingt. 🙂

  15. Das stimmt einfach nicht! Ich habe zwei Kinder aus Überzeugung gestillt und fand es (irgendwann) sehr schön. Aber es tut am Anfang höllisch weh! Sogar beim 2. Kind! Und man muss sich sehr wohl erst einspielen. Jedes Kind ist ja auch anders.
    Der Spruch: sonst gäbe es keine Säugetiere ist auch kein Argument, denn Tiere und viele Menschen vlt auch haben ja keine Alternative. Also ist Stillen die einzige Möglichkeit sein Kind zu ernähren und dafür nimmt frau eben Schmerzen in Kauf.
    Zu sagen, es wäre alles ganz einfach und wunderbar find ich schlimm, weil dann jede unerfahrene Mutter beim ersten Kind an sich zweifelt, wenn es weh tut und nicht einfach ist.

    • Hallo Julia,
      Frauen nehmen Schmerzen in Kauf, weil sie davon ausgehen, dass dies nun einmal normal ist und ihnen das Stillen so wichtig ist.
      Säugetiere würden das nicht tun, sie stoßen ihr Junges weg, wenn sie Schmerzen beim Säugen haben.
      Das ist auch eine ganz normale Reaktion, die die Menschen aber viel zu oft unterdrücken.
      Und Schmerzen beim Stillen sind einer der (oder sogar DER) häufigste Grund für vorzeitiges Abstillen, wobei ich dies auch nur allzu gut verstehen kann.
      Ich würde mich garantiert nicht hier so gegen das Ertragen von Schmerzen beim Stillen aussprechen, wenn ich nicht sicher wäre, dass es in den allermeisten Fällen an dem suboptimalen Anlegen liegt und in der Regel sehr schnell behoben werden kann. Die Erfahrung mache ich wirklich schon seit mindestens 18 Jahren.
      Wenn unerfahrene Mütter Schmerzen beim Stillen haben, liegt dies normalerweise nicht an ihnen selbst, deshalb sollten sie auch nicht an sich zweifeln, sondern es liegt meist daran, dass sie nicht optimal angeleitet werden und deshalb in ungünstigen Stillpositionen und Haltungen anlegen. Und genau daran etwas zu ändern, ist seit Jahren mein Anliegen.

    • Meine Tochter ist nun 8 Wochen alt, und ich hatte weder Vorbilder, die ich hätte nachahmen können, noch Bücher oder andere einschlägige Quellen gelesen, noch praktische Anleitung durch Hebamme oder gar Stillberaterin. Hab meinem Bauchgefühl voll vertraut (was wohl auch zur völligen Komplikationsfreiheit unserer Hausgeburt maßgeblich beigetragen hat) und hatte zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd wunde Brustwarzen. Bin einfach empirisch vorgegangen, gut und genau beobachtet, reingespürt, geschlußfolgert und ausprobiert. Und uns dadurch peu à peu an eine für uns passende Methode rangetastet. Meine Kinderärztin bei der U3 dazu gestern auch nur: „Vertrauen Sie Ihrer Intuition“.
      Und ich bin mir sicher, daß meine Tochter und ich bzgl. Stillen noch lang nicht am Ende der Lernkurve angelangt sind. Bin (positiv) neugierig, welche Überraschungen noch auf uns warten.

  16. So lang ist die Anleitung selbst gar nicht 🙂
    Das andere sind Zusatzinformationen 😉
    Ich denke es ist dennoch hilfreich und wünschte ich hätte diese Informationen früh genug gehabt…

  17. Ist ein bisschen paradox, oder? Eine ziemlich lange Anleitung zum „intuitiven“ Stillen… 😉

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