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Verkürztes Zungenbändchen

Hat mein Baby ein zu kurzes Zungenbändchen?

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Das Zungenbändchen ist eine mit Schleimhaut überzogene muskuläre Falte, die die Unterseite der Zunge mit dem Mundboden verbindet.

Ist das Zungenbändchen zu kurz, zu straff oder reicht es zu weit nach vorne zur Zungenspitze, können ernste Stillschwierigkeiten entstehen, da die Zunge in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt wird.

Eine derartig „gefesselte“ Zunge wird medizinisch als Ankyloglossie bezeichnet. Diese angeborene Entwicklungsstörung des Zungenbändchens liegt bei etwa 2 – 5 % aller Neugeborenen vor. Oft wird sie dem Kind von einem selbst betroffenen Elternteil weitervererbt.

Nicht immer wird ein zu kurzes Zungenbändchen bereits in den ersten Lebenstagen festgestellt. Da nicht jedes kurze Zungenbändchen Probleme verursacht, ist dies zunächst auch nicht weiter dramatisch.

1/4 der Mütter von Babys mit einem verkürzten Zungenbändchen haben jedoch Probleme beim Stillen, vor allem:

  • Schwierigkeiten des Babys, die Brust zu erfassen;
  • Schwierigkeiten des Babys, die Brust im Mund zu halten;
  • Schmerzen beim Stillen (von Anfang an);
  • Wunde, nicht heilende Brustwarzen;
  • Hohe Gewichtsabnahme nach der Geburt;
  • Häufige, lange und ineffektive Stillmahlzeiten;
  • Unruhe und Frustration des Babys an der Brust;
  • Schlechte Gewichtszunahme;
  • Rückgang der Milchmenge.

Beim älteren Kind kann die eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge zu Problemen beim Schlucken von Beikost und fester Nahrung führen. Auch beim Sprechen kann es Schwierigkeiten beim Bilden von Lauten haben, die mit Hilfe der Zungenspitze entstehen (z.B.: d, t, n, l, s, ks, ts).

In späteren Jahren kann ein zu kurzes Zungenbändchen das Herausstrecken der Zunge, etwa zum „Bäh“-Sagen, Eislecken oder Küssen, behindern. Manchmal wird durch die Fehlstellung und Fehlfunktion der Zunge auch eine langwierige kieferorthopädische oder logopädische Behandlung erforderlich.

Woran ist ein zu kurzes Zungenbändchen zu erkennen?

Je nach Art und Schweregrad der Ankyloglossie finden sich bei Ihrem Kind vielleicht einige oder auch alle dieser Zeichen:Verkürztes Zungenbändchen

  • Die angehobene Zunge ist herz- oder V-förmig.
  • Die Zunge sieht quadratisch oder flachrund aus.
  • Das Baby streckt die Zunge nicht über die Unterlippe aus dem Mund.
  • Das Baby hebt die Zunge nicht zum Gaumen an.
  • Beim Schreien ist das straff gezogene Zungenbändchen unter der Zunge sichtbar.
  • Die Zunge lässt sich nicht zu den Seiten bewegen.
  • Das Baby bildet keine Längsmulde in der Zungenmitte.
  • Das Baby macht beim Saugen regelmäßig Schnalz- und Klicklaute.

Was sollten Sie dann tun?

Hat mein Baby ein zu kurzes Zungenbändchen?
Leider gibt es in der medizinischen Fachwelt derzeit (noch) keine Einigkeit über die Bedeutung des Zungenbändchen beim Stillen und über die Notwendigkeit der Behandlung einer Ankyloglossie.

Wenn Sie einige der oben genannten Stillschwierigkeiten haben und glauben, ein zu kurzes Zungenbändchen könnte die Ursache sein, sprechen Sie zunächst unverzüglich Ihren Kinderarzt darauf an.

Hält der Kinderarzt einen Eingriff nicht für erforderlich, wenden Sie sich zusätzlich für eine 2. Meinung noch an eine Stillberaterin.

Aus Sicht der Stillexperten sollte bei bestehenden Stillproblemen ein zu kurzes Zungenbändchen frühzeitig durchtrennt werden.

Durch das Durchtrennen wird das Saugverhalten des Kindes meist unmittelbar verbessert und die daraus resultierenden Probleme, wie z.B. wunde Brustwarzen, geringe Gewichtszunahme oder ein Rückgang der Milchmenge, können viel effektiver und schneller gelöst werden.

Zudem ist das Durchtrennen des Zungenbändchens bei Neugeborenen einfach und komplikationslos möglich. Der eigentliche Eingriff dauert nicht länger als eine Sekunde und kann ohne Betäubung vom Kinderarzt durchgeführt werden.

Da ein dünnes Zungenbändchen nur wenig durchblutet ist, tritt höchstens ein Tropfen Blut aus. Das Baby kann und sollte zur Beruhigung und zur Blutstillung direkt nach dem Durchtrennen angelegt und gestillt werden.

Bei einem dicken Zungenbändchen oder einem älteren Kind ist es besser bzw. notwendig, den Eingriff von einem Mund- oder Kinderchirurgen oder einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt und mit einer Betäubung vornehmen zu lassen.

Suchen Sie sich bei Stillproblemen immer schnellstens eine kompetente Unterstützung, damit Sie möglichst bald das Stillen entspannt genießen können und sich keine weiteren Folgeprobleme daraus entwickeln!

 
Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Februar 2014
Fotos: (1) Pietschnig, (2) dloftesness via photopin cc

 
Hier ist ein kurzes Video über die Bewegung der Zunge beim Saugen an der Brust und über ein zu kurzes Zungenbändchen.
Und hier sind weitere Linktipps über das zu kurze Zungenbändchen

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube und Google+.

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