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Alkohol in der Stillzeit?

Darf ich in der Stillzeit Alkohol trinken?

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Frage:
Mein Baby ist jetzt 7 Monate alt und wird noch teilweise gestillt.
Seit ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken.
Nun würde ich aber gerne zu Sylvester auch mal wieder etwas Sekt trinken.
Wäre das okay, auch wenn ich noch stille?
Oder sollte ich die Milch besser abpumpen und weggießen und meinem Kleinen eine Flasche geben?

Antwort:
In der Schwangerschaft sollte auf Alkohol vollständig verzichtet werden, weil für den Embryo oder den Fetus keine absolut sichere Alkoholmenge bekannt ist.

Regelmäßiger und exzessiver Alkoholkonsum von Schwangeren kann zu Fehlbildungen des Ungeborenen und zu einem angeborenen fetalen Alkoholsyndrom (FAS) führen.

Auch in der Stillzeit sollte Alkohol gemieden werden. Häufig wird sogar empfohlen, ganz darauf zu verzichten.

Aber der Konsum von alkoholhaltigen Getränken in der Schwangerschaft und in der Stillzeit sind nicht ein und dasselbe.

So sind bei Aufnahme der gleichen Alkoholmengen über den gleichen Zeitraum mit gleichem Konzentrationszeitverlauf in der Schwangeren wie der stillenden Mutter die Konzentrationen im Fetus 100-mal höher als bei einem gestillten Baby.

Außerdem ist gelegentlicher und geringer Alkoholkonsum in der Stillzeit nach heutigem Wissen nicht schädlich für ein Baby.

In dem bekannten Standardwerk „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit„* von Schaefer, Spielmann und Vetter (2006, 7. Aufl., S. 720) steht dazu als Empfehlung für die Praxis:
Gelegentlicher geringer Alkoholgenuss (zum Beispiel 1- bis 2-mal wöchentlich 1 Glas (100 ml) Sekt) ist kein Stillhindernis. Wie bereits in der Schwangerschaft sollte auch die Stillende möglichst wenig Alkohol zu sich nehmen. Bei chronischem oder exzessivem Alkoholkonsum muss abgestillt werden.

Alkohol verändert jedoch den Geschmack der Muttermilch, was dazu führen kann, dass das Baby anschließend kürzer, und damit kleinere Mengen, trinkt. Bei täglichem Alkoholkonsum erhöht sich dadurch das Risiko einer unzureichenden Gewichtszunahme des Babys.

Außerdem kann Restalkohol in der Muttermilch kurzfristig das Schlafverhalten des Babys verändern, es schläft dann möglicherweise weniger tief und wacht öfter auf als gewöhnlich.

Solange sich das Stillen noch nicht richtig eingespielt hat, das Baby also noch sehr klein ist, sehr häufig kleine Milchmengen trinkt und die nächste Stillmahlzeit nicht vorhersagbar ist, ist es daher besser auf alkoholische Getränke vollständig zu verzichten.

Bei einem älteren Baby, das einen relativ vorhersehbaren Trinkrhythmus hat oder nur noch teilweise gestillt wird, ist es aber durchaus möglich, in der Stillzeit zu besonderen Anlässen gelegentlich einmal ein bis zwei Gläser Bier, Wein oder Sekt zu trinken.

Außer um unangenehmes Spannen durch übervolle Brüste zu reduzieren, ist es nicht nötig, nach dem Genuss von Alkohol die Milch abzupumpen und zu verwerfen. Denn Abpumpen beschleunigt den Abbau des Alkohols in der Muttermilch nicht.

Der Alkohol sammelt sich auch nicht in der Muttermilch an oder wird dort langsamer abgebaut. Die Alkoholkonzentration in der Muttermilch verläuft nämlich nahezu parallel zur Alkoholkonzentration im mütterlichen Blut.

Der höchste Blutalkoholwert ist ungefähr 30 – 60 Minuten nach dem Drink erreicht. Danach fällt er mit etwa 0,1 Promille pro Stunde wieder ab, vorausgesetzt es wird kein weiterer Alkohol getrunken.

Es dauert bis zu ca. zwei Stunden, um den Alkoholgehalt aus einem Standardglas abzubauen. (Ein Standardglas enthält immer zwischen 10 – 12 g reinen Alkohol.)

Wird das Baby gestillt, bevor der Alkohol in der Muttermilch vollständig wieder abgebaut ist, gelangen geringe Mengen Alkohol auch in seinen Körper. Die Alkoholdosen von gestillten Kindern wurden in verschiedenen Studien auf etwa 0,3 bis 6 % der mütterlichen Alkoholdosen geschätzt.

Bis das Baby etwa drei Monate alt ist, wird der Alkohol in seinem Körper aufgrund seiner unreifen Leber jedoch nur halb so schnell abgebaut, wie bei einem Erwachsenen.

Wenn Du bei einem älteren Baby oder Kleinkind zu einem besonderen Anlass ausnahmsweise ein bis zwei Gläser Alkohol in der Stillzeit trinken möchtest, ist es also weder notwendig vorher abzustillen, noch dem Baby ersatzweise künstliche Säuglingsnahrung zu füttern.

Diese Maßnahmen scheinen geradezu übertrieben, wenn man sich einmal bewusst macht, dass das für Säuglinge zugelassene pflanzliche Arzneimittel Carminativum Hetterich gegen Blähungen in der vom Hersteller empfohlenen Dosierung deutlich höhere Alkoholkonzentrationen im Blut und Gehirn von Babys erreicht, als die Aufnahme von Alkohol über Muttermilch, nach dem Konsum eines Standardglases in der Stillzeit (siehe Alkohol in der Stillzeit, S. 21).

Das solltest Du beachten

  • Still Dein Baby noch einmal, bevor Du Alkohol trinkst, damit es länger satt ist und der Abstand bis zur nächsten Stillmahlzeit ausreichend lang ist.
  • Trinke alkoholhaltige Getränke nicht auf leeren Magen, sondern iss vorher etwas und auch während Du Alkohol trinkst. Dadurch reduziert sich die Menge des Alkohols, der in Dein Blut und in die Muttermilch übertritt.
  • Trinke parallel zu dem alkoholischen Getränk auch ein nicht-alkoholisches Getränk, zum Beispiel Wasser oder Saft.
  • Plane nach dem Konsum eines alkoholischen Getränks einen zeitlichen Abstand von zwei bis drei Stunden bis zum nächsten Stillen ein, damit der Alkohol in Deinem Blut und in Deiner Milch bis dahin schon größtenteils wieder abgebaut ist.
  • Möchtest Du für alle Fälle eine Stillmahlzeit überbrücken können, solltest Du in den Tagen vorher oder am selben Tag, über den Tag verteilt, kleine Mengen Milch abpumpen und die abgepumpte Milch im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren.
  • Ganz wichtig: Schlaf nicht mit Deinem Baby im selben Bett, wenn Du Alkohol getrunken hast. Alkohol vertieft den Schlaf und vermindert Dein Reaktionsvermögen, so dass Du nicht adäquat auf Signale des Babys reagieren kannst.
  • Sorge dafür, dass Dein Baby durch eine Person betreut wird, die nicht unter Alkoholeinfluss steht.
  • Trinke nicht täglich und keine hochprozentigen Getränke.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss:
Müttern, die zu wenig Milch haben, wird häufig zum Trinken von alkoholischen Getränken, wie Sekt oder Bier, geraten. Dabei sind sich Fachleute inzwischen einig, dass Alkohol die Milchproduktion nicht steigert. Tatsächlich trifft sogar das Gegenteil zu.

Der Konsum von mehr als zwei Gläsern alkoholhaltiger Getränke kann nämlich den Milchspendereflex verzögern. Die Brüste fühlen sich dann zwar möglicherweise voller an als sonst, sind aber tatsächlich nur schlechter entleert worden. Und eine geringe Entleerung der Brüste führt nun einmal dazu, dass die Milchbildung reduziert wird.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Dezember 2015
Foto: horax zeigt hier via photopin ccspan>

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

5 Kommentare

  1. Mein Baby ist 4 Monate alt und ich stille sie voll, aber ich würde gerne an Silvester 2,3 Gläser Wein trinken, wie lange muss ich warten, bis ich sie wieder stillen kann?

  2. Pingback: WhatsApp-Interview: 7 neue Fragen an Stillberaterin Carina - LÄCHELN UND WINKEN

  3. Hallo, ich stille meine 9 Monate alte Tochter noch morgens und nachts, darf ich meine Augenbrauen mit Permanent-Make-Up bzw.Microblading machen lassen? Grüße

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