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Mythen über das Stillen

1 Kommentar

Autor: Dr. Jack Newman
Seit Jahren halten sich unzählige Mythen und Ammenmärchen über das Stillen, die einfach nicht wahr sind und oft zu falschen Schlüssen oder Konsequenzen führen.

1. Viele Frauen bilden nicht genug Milch.

Stimmt nicht! Die überwiegende Mehrheit der Frauen produziert mehr als genug Milch. Tatsächlich ist ein Überangebot an Milch üblich.

Die meisten Babys, die zu langsam zunehmen oder abnehmen, tun dies nicht, weil die Mutter nicht genug Milch hat, sondern weil das Baby nicht die Milch bekommt, die die Mutter hat.

Der häufigste Grund dafür, dass das Baby nicht die verfügbare Milch erhält, ist, dass es schlecht an der Brust angelegt ist.

Deshalb ist es so wichtig, dass der Mutter – am ersten Tag – von einer kompetenten Person gezeigt wird, wie sie ihr Baby gut anlegt.

2. Es ist normal, dass das Stillen schmerzt.

Das ist nicht wahr! Obwohl eine gewisse Empfindlichkeit in den ersten Tagen relativ häufig ist, sollte dies eine vorübergehende Situation sein, die nur wenige Tage dauert und nie so schlimm sein sollte, dass die Mutter das Stillen fürchtet.

Jeder Schmerz, der mehr als mild ist, ist nicht normal und ist fast immer darauf zurückzuführen, dass das Baby schlecht angelegt ist.

Jeder Brustwarzenschmerz, der am dritten oder vierten Tag nicht nachlässt oder länger als fünf oder sechs Tage anhält, sollte nicht hingenommen werden.

Neu einsetzende Schmerzen, nachdem es bereits einige Zeit gut gelaufen ist, können durch eine Pilzinfektion der Brustwarzen verursacht sein.

Das Begrenzen der Stillzeiten verhindert nicht, dass die Brustwarzen wund werden. Eine Stillpause, damit die Brustwarzen heilen können, sollte nur das letzte Mittel sein.

3. In den ersten drei bis vier Tagen nach der Geburt ist keine (zu wenig) Milch da.

Falsch! Es hat oft diesen Anschein, weil das Baby nicht gut angelegt und deshalb nicht in der Lage ist, die verfügbare Milch zu bekommen.

Wenn nicht viel Milch vorhanden ist (was in den ersten Tagen normal ist), muss das Baby gut angelegt sein, um diese Milch zu erhalten. Das ist der Grund für „aber er war für zwei Stunden an der Brust und ist immer noch hungrig, wenn ich ihn abnehme“.

Wenn das Baby nicht gut angelegt ist, ist es nicht in der Lage, die erste Milch der Mutter zu bekommen, die Kolostrum genannt wird.

Jeder, der vorschlägt, abzupumpen, um zu wissen, wie viel Kolostrum da ist, versteht das Stillen nicht und sollte höflich ignoriert werden.

Sobald ausgiebig Muttermilch gebildet wird, kann ein Baby schlecht angelegt sein und trotzdem viel Milch bekommen, obwohl ein gutes Anlegen von Anfang an, auch spätere Probleme verhindert, wenn die Milch reichlich vorhanden ist.

4. Ein Baby sollte jedes Mal 20 (10, 15, 7, 6) Minuten an einer Brust sein.

Nicht wahr! Es muss jedoch unterschieden werden zwischen „an der Brust liegen“ und „trinken“.

Wenn ein Baby tatsächlich 15 – 20 Minuten an der ersten Seite überwiegend trinkt, möchte es die zweite Seite vielleicht überhaupt nicht mehr.

Wenn es an der ersten Seite nur eine Minute trinkt und dann nuckelt oder schläft und an der anderen Seite dasselbe tut, wird keine Zeitspanne ausreichen.

Das Baby wird besser und länger trinken, wenn es gut angelegt ist.

Du kannst ihm auch helfen, besser und länger zu trinken, wenn Du die Brust zusammendrückt, um den Milchfluss aufrechtzuerhalten, sobald es von sich aus nicht mehr trinkt.

Es liegt auf der Hand, dass die Faustregel, dass „das Baby in den ersten 10 Minuten 90 % der Milch aus der Brust bekommt“, ebenso hoffnungslos falsch ist.

Um dir anzusehen, woran du erkennst, dass ein Baby Milch bekommt, schau die Videos unter nbci.ca an.

5. Ein gestilltes Baby braucht bei heißem Wetter zusätzliches Wasser.

Das ist nicht wahr! Muttermilch enthält alles Wasser, das ein Baby braucht.

6. Gestillte Babys brauchen zusätzliches Vitamin D.

Das stimmt nicht! Jeder Mensch braucht Vitamin D.

Der künstlichen Säuglingsnahrung wird es in der Fabrik hinzugefügt.

Aber das Baby wird mit einer Leber voller Vitamin D geboren, und Muttermilch enthält auch etwas Vitamin D.

Aufenthalt im Freien ermöglicht dem Baby den Rest seines Vitamin D-Bedarfs sogar im Winter aus ultraviolettem Licht decken. Das Baby benötigt nicht viel Aufenthalt im Freien und nicht jeden Tag einen Aufenthalt im Freien.

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und wird im Körper gespeichert.

Unter bestimmten Umständen (zum Beispiel, wenn die Mutter selbst während der Schwangerschaft einen Vitamin D-Mangel hatte) kann es ratsam sein, dem Baby zusätzliches Vitamin D zu geben.

Das Baby durch ein geschlossenes Fenster dem Sonnenlicht auszusetzen funktioniert nicht, damit es mehr Vitamin D bilden kann.

7. Eine Mutter sollte ihre Brustwarzen jedes Mal waschen, bevor sie das Baby stillt.

Nicht richtig! Künstliche Säuglingsnahrung erfordert ein hohes Maß an Sauberkeit, denn sie schützt das Baby nicht nur nicht vor Infektionen, sondern ist auch ein guter Nährboden für Bakterien und kann auch leicht verunreinigt werden.

Demgegenüber schützt die Muttermilch das Baby vor Infektionen.

Das Waschen der Brustwarzen vor jedem Anlegen macht das Stillen unnötig kompliziert und entfernt schützende Öle von der Brustwarze.

8. Pumpen ist eine gute Möglichkeit, um zu wissen, wie viel Milch die Mutter hat.

Falsch! Wie viel Milch gepumpt werden kann, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem vom Stressniveau der Mutter. Ein gut saugendes Baby kann viel mehr Milch bekommen, als seine Mutter pumpen kann.

Das Pumpen zeigt dir nur, wie viel Milch du pumpen kannst.

Abgepumpte Muttermilch

9. Muttermilch enthält nicht genügend Eisen für den Bedarf des Babys.

Das ist nicht wahr! Die Muttermilch enthält einfach genug Eisen für den Bedarf des Babys. Wenn das Baby reif geboren wurde, bekommt es genug Eisen aus der Muttermilch, für mindestens die ersten sechs Monate.

Künstliche Säuglingsnahrungen enthalten zu viel Eisen, aber diese Menge scheint notwendig zu sein, um sicherzustellen, dass das Baby genug aufnimmt, um Eisenmangel zu vermeiden. Das Eisen in der Säuglingsnahrung wird schlecht absorbiert, und das Baby scheidet das meiste davon einfach wieder aus.

Im Allgemeinen ist es nicht notwendig, Babys vor einem Alter von etwa sechs Monaten neben Muttermilch andere Lebensmittel zu geben.

10. Es ist einfacher, Flasche zu füttern als zu stillen.

Auch das ist nicht wahr! Oder, das sollte nicht wahr sein. Das Stillen wird jedoch erschwert, da Frauen oft nicht die Hilfe erhalten, die sie brauchen, um gut zu beginnen. Ein schlechter Start kann das Stillen in der Tat erschweren.

Aber auch ein schlechter Start kann überwunden werden. Stillen ist anfangs oft schwieriger, aufgrund eines schlechten Starts, wird aber später in der Regel einfacher.

11. Stillen bindet die Mutter an.

Falsch! Aber es kommt darauf an, wie man drauf schaut. Ein Baby kann überall und jederzeit gestillt werden, dadurch ist Stillen für die Mutter befreiend.

Kein Herumschleppen von Flaschen oder Säuglingsnahrung.

Kein Grund sich Gedanken darüber zu machen, wo die Milch aufgewärmt wird.

Kein Grund zur Sorge um die Keimfreiheit.

Kein Grund zur Sorge, wie es deinem Baby geht, denn es ist bei dir.

12. Es gibt keine Möglichkeit zu wissen, wie viel Muttermilch das Baby bekommt.

Stimmt nicht! Es gibt keine einfache Möglichkeit, zu messen, wie viel das Baby bekommt, aber das bedeutet nicht, dass du nicht wissen kannst, ob das Baby genug bekommt.

Der beste Weg es zu erkennen ist, wenn das Baby bei jeder Stillmahlzeit tatsächlich mehrere Minuten lang an der Brust trinkt (nach dem „Mund weit öffnen-Pause-Mund schließen“-Saugrhythmus). Auch andere Wege können zeigen, dass das Baby reichlich bekommt.
(Siehe auch die Videos unter nbci.ca.)

13. Moderne Säuglingsnahrungen sind fast identisch mit Muttermilch.

Nicht wahr! Die gleiche Behauptung wurde 1900 und früher aufgestellt.

Moderne Rezepturen sind der Muttermilch nur oberflächlich ähnlich. Jede Korrektur eines Mangels der Säuglingsnahrungen wird als Fortschritt angepriesen.

Grundsätzlich sind Säuglingsnahrungen ungenaue Kopien, die auf veraltetem und unvollständigem Wissen darüber basieren, was Muttermilch ist.

Säuglingsnahrungen enthalten keine Antikörper, keine lebenden Zellen, keine Enzyme, keine Hormone. Sie enthalten viel mehr Aluminium, Mangan, Cadmium, Blei und Eisen als Muttermilch. Sie enthalten deutlich mehr Proteine als Muttermilch. Die Proteine und Fette unterscheiden sich grundlegend von denen in Muttermilch.

Säuglingsnahrungen verändern sich nicht vom Beginn der Fütterung bis zum Ende der Fütterung, nicht von Tag 1 bis Tag 7 bis Tag 30, nicht von Frau zu Frau oder von Baby zu Baby. Deine Muttermilch wird so gebildet, dass sie zum Bedarf deines Babys passt.

Säuglingsnahrungen werden so hergestellt, dass sie für jedes Baby geeignet sind und somit für kein Baby.

Säuglingsnahrungen gelingt es in der Regel nur, Babys gut wachsen zu lassen, aber zum Stillen gehört mehr als nur Nährstoffe.

Muttermilch, das perfekte Nahrungsmittel

14. Wenn die Mutter eine Infektion hat, sollte sie das Stillen einstellen.

Falsch! Mit sehr, sehr wenigen Ausnahmen wird das weitere Stillen der Mutter das Baby tatsächlich schützen.

Bis die Mutter Fieber hat (oder Husten, Erbrechen, Durchfall, Ausschlag, etc.), hat sie dem Baby bereits eine Infektion übertragen, da sie mehrere Tage lang infektiös war, bevor sie überhaupt wusste, dass sie krank ist.

Der beste Schutz des Babys vor einer Infektion ist, weiter von seiner Mutter gestillt zu werden.

Wenn das Baby krank wird, wird es weniger stark erkranken, wenn die Mutter weiterstillt. Nebenbei, vielleicht war es auch das Baby, das die Mutter infiziert hat, aber es zeigte keine Krankheitssymptome, weil es gestillt wurde.

Auch Brustentzündungen, einschließlich Abszesse der Brust, obwohl schmerzhaft, sind kein Grund, das Stillen einzustellen. Tatsächlich wird die Infektion wahrscheinlich schneller abklingen, wenn die Mutter an der betroffenen Seite weiter stillt.

15. Wenn das Baby Durchfall oder Erbrechen hat, sollte die Mutter das Stillen einstellen.

Nicht wahr! Die beste Medizin für Babys mit einer Darminfektion ist Stillen. Stoppe andere Lebensmittel für kurze Zeit, aber still weiter. Muttermilch ist die einzige Flüssigkeit, die dein Baby benötigt, wenn es Durchfall und/oder Erbrechen hat, außer unter außergewöhnlichen Umständen.

Das Drängen, „orale Rehydratationslösungen“ zu verwenden, ist hauptsächlich eine Maßnahme der Säuglingsnahrungshersteller (die auch orale Rehydratationslösungen herstellen), um noch mehr Geld zu verdienen.

Das Baby wird durch das Stillen beruhigt, und die Mutter wird durch das Stillen des Babys beruhigt.

16. Wenn die Mutter Medikamente einnimmt, sollte sie nicht stillen.

Stimmt nicht! Es gibt nur sehr sehr wenige Medikamente, die eine Mutter während des Stillens nicht sicher einnehmen kann. Eine sehr kleine Menge der meisten Medikamente gelangt in die Milch, aber meist in so kleinen Mengen, dass keine Bedenken bestehen.

Wenn ein Medikament wirklich bedenklich ist, gibt es in der Regel ebenso wirksame, alternative Medikamente, die sicher sind.

Die Risiken der künstlichen Säuglingsnahrung für die Mutter als auch das Baby müssen bei der Abwägung, ob weitergestillt werden soll, berücksichtigt werden.

Original: Myths of Breastfeeding von Dr. Jack Newman, Juni 2019
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, September 2019
Foto: Max_G6 Once upon a time… via photopin (license)

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

Ein Kommentar

  1. Danke Regine, ich bin immer sehr froh über Deine tollen Infos!!!

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