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Ein drei Gänge-Menü und ein Tanz

Originaltext: "A three course meal and a dance" von Diane Wiessinger, MS, IBCLC

Während der gesamten Dauer der Stillzeit sind Sie 24 Stunden am Tag dabei Milch zu bilden. Sie sammelt sich in winzigen Kanälen überall in der Brust und Sie haben das Gefühl, dass die Brüste immer voller werden, wenn die Zeit zwischen den Stillmahlzeiten voranschreitet.
 
Die Milchproduktion verläuft aber am schnellsten, wenn die Brust am leersten ist, und am langsamsten, wenn die Brust sich voll anfühlt. Darum macht es keinen Sinn, mit dem erneuten Anlegen zu "warten bis die Brüste gefüllt sind". Die Kanäle in unseren Brüsten sind relativ kleine Flüssigkeitstanks, aber sie sind an viele kraftvolle Fabriken angeschlossen. Häufigeres Stillen bringt diese Fabriken dazu stärker zu arbeiten und mehr Milch zu produzieren. Selteneres Stillen sendet dagegen ein starkes Signal, die gesamte Produktion herunterzufahren.
 
Die zwischen den Stillmahlzeiten "auslaufende" Muttermilch hat einen eher niedrigen Fettgehalt. Wenn Ihr Baby beginnt an Ihrer Brust zu trinken, bekommt es daher zuerst diese "Vorsuppe". Aber die fortschreitende Leerung der Brust beim Stillen führt dazu, dass das Baby Milch mit immer höher ansteigendem Fettgehalt erhält. Der größte Teil der Mahlzeit, den es sich aus der Brust holt, ist ein "Hauptgericht" mit mittlerem Fettgehalt. Aber gegen Ende, wenn es nicht mehr so häufig schluckt, bekommt es die Milch mit dem höchsten Fettgehalt der ganzen Mahlzeit - genau wie unser kleines, fetthaltiges "Dessert" nach dem eigentlichen Hauptgang. Wenn kurze Zeit später wieder gestillt wird, ist das Fett eher gut untergemischt. Je länger der Abstand zwischen den Stillmahlzeiten ist, desto größer wird der Unterschied zwischen der Milch mit niedrigem und hohem Fettgehalt.
 
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Wenn Sie sich an den alten, rigiden Rat halten, eine bestimmte Zeit zwischen den Stillmahlzeiten abzuwarten und jedes Mal an beiden Seiten anzulegen, und Sie Ihr Baby von der Seite Eins nehmen, um ihm Seite Zwei zu geben, so geben Sie ihm zweimal die "Vorsuppe" und vielleicht ist sein Magen dann am Schluss zu voll, um noch das nahrhafte "Dessert" zu nehmen. Es wird voll sein - aber nicht unbedingt zufrieden. Die viele Milch mit niedrigem Fettgehalt und der Mangel an fetthaltiger Muttermilch kann den Darm stören, so dass das Baby an Blähungen und Koliken leidet. Und all die aufgestaute Milch kann sich für das Baby anfühlen, als würde es an einem Wasserschlauch trinken.
 
Ist Ihr Baby unzufrieden und gereizt, windet es sich beim Stillen hin und her und lässt die Brust los? Bevor Sie Ihre Milchmenge oder Ihre Ernährung dafür verantwortlich machen, fragen Sie sich selbst, ob Sie versucht haben, jedes Mal beide Brüste zu geben oder die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten zu vergrößern.
 
Es ist nämlich viel sinnvoller, dass zu tun, was alle Säugetiere tun: zu stillen, wann immer das Baby möchte, und ein zufrieden stillendes Baby dort zu lassen, wo es ist. Wenn es die zweite Seite auch möchte, in Ordnung. Wenn nicht, macht es nichts. Stillen ist nicht gedacht, formal oder kompliziert zu sein. Sie können Ihr Baby ebenso zwanglos und bereitwillig stillen, wie sie es küssen.
 
Wie jede andere Liebesbeziehung, funktioniert das Stillen am besten, je weniger es von Regeln geleitet ist. Die meisten Mütter stellen fest, dass sie wirklich anfangen, das Stillen zu genießen, wenn sie aufhören, darüber nachzudenken - wenn sie nicht mehr wissen oder überlegen, wie oft das Baby stillt oder wann das letzte Stillen war oder wie lange es gedauert hat.
 
Stillen ist wie Tanzen. Wenn Sie beide die Grundschritte gelernt haben, werden Sie Partner in Ihrem eigenen speziellen Stil und die Regeln verlieren ihre Bedeutung. Ob Ihr Baby an einer Seite pro Mahlzeit trinkt oder ob es beide Seiten möchte, ob es jede Stunde einen kleinen Snack möchte, ob Sie es ruhig halten wollen, während Sie telefonieren, ob ein Arm müde wird und Sie wechseln möchten, ob es sofort wieder stillen möchte, ob Sie möchten, dass es die Brust entleert oder ob .... nun, Sie verstehen, was gemeint ist.
 
Wenn es für Sie und Ihr Baby funktioniert, ist es richtig. Erfinden Sie Ihre eigenen Schritte und genießen Sie Ihren "Dinner-Dance"!
 
Übersetzung: Regine Gresens IBCLC, Dezember 2000

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