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Ein drei Gänge-Menü und ein Tanz

4 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2000
Während der gesamten Dauer der Stillzeit sind Sie 24 Stunden am Tag dabei, Milch zu bilden.
Sie sammelt sich in winzigen Kanälen überall in der Brust und Sie haben das Gefühl, dass die Brüste immer voller werden, wenn die Zeit zwischen den Stillmahlzeiten voranschreitet.

Die Milchproduktion verläuft aber am schnellsten, wenn die Brust am leersten ist, und am langsamsten, wenn die Brust sich voll anfühlt. 

Darum macht es keinen Sinn, mit dem erneuten Anlegen zu „warten, bis die Brüste gefüllt sind“. Die Kanäle in unseren Brüsten sind relativ kleine Flüssigkeitstanks, aber sie sind an viele kraftvolle Fabriken angeschlossen.

Häufigeres Stillen bringt diese Fabriken dazu, stärker zu arbeiten und mehr Milch zu produzieren.

Selteneres Stillen sendet dagegen ein starkes Signal, die gesamte Produktion herunterzufahren.

Die zwischen den Stillmahlzeiten „auslaufende“ Muttermilch hat einen eher niedrigen Fettgehalt. Wenn Ihr Baby beginnt an Ihrer Brust zu trinken, bekommt es daher zuerst diese „Vorsuppe“.

Aber die fortschreitende Leerung der Brust beim Stillen führt dazu, dass das Baby Milch mit immer höher ansteigendem Fettgehalt erhält. Der größte Teil der Mahlzeit, die es sich aus der Brust holt, ist ein „Hauptgericht“ mit mittlerem Fettgehalt.

Aber gegen Ende, wenn es nicht mehr so häufig schluckt, bekommt es die Milch mit dem höchsten Fettgehalt der ganzen Mahlzeit – genau wie unser kleines, fetthaltiges „Dessert“ nach dem eigentlichen Hauptgang.

Wenn kurze Zeit später wieder gestillt wird, ist das Fett eher gut untergemischt. Je länger der Abstand zwischen den Stillmahlzeiten ist, desto größer wird der Unterschied zwischen der Milch mit niedrigem und hohem Fettgehalt.

Wenn Sie sich an die üblichen, starren Empfehlungen halten, eine bestimmte Zeit zwischen den Stillmahlzeiten abzuwarten und jedes Mal an beiden Seiten anzulegen, und Sie Ihr Baby von der Seite Eins abnehmen, um ihm Seite Zwei zu geben, so geben Sie ihm zweimal die „Vorsuppe“ und vielleicht ist sein Magen dann am Schluss zu voll, um noch das nahrhafte „Dessert“ zu nehmen.

Es wird voll sein – aber nicht unbedingt zufrieden.

Die viele Milch mit niedrigem Fettgehalt und der Mangel an fetthaltiger Muttermilch kann den Darm stören, so dass das Baby an Blähungen und Koliken leidet. Und all die aufgestaute Milch kann sich für das Baby anfühlen, als würde es an einem Wasserschlauch trinken.

Ist Ihr Baby unzufrieden und gereizt, windet es sich beim Stillen hin und her und lässt die Brust los?

Bevor Sie Ihre Milchmenge oder Ihre Ernährung dafür verantwortlich machen, fragen Sie sich selbst, ob Sie versucht haben, jedes Mal beide Brüste zu geben oder die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten zu vergrößern.

Es ist nämlich viel sinnvoller, das zu tun, was alle Säugetiere tun: zu stillen, wann immer das Baby möchte, und ein zufrieden stillendes Baby dort zu lassen, wo es ist. Wenn es die zweite Seite auch möchte, in Ordnung. Wenn nicht, macht es nichts.

Stillen ist nicht gedacht, formal oder kompliziert zu sein. Sie können Ihr Baby ebenso zwanglos und bereitwillig stillen, wie Sie es küssen.

Wie jede andere Liebesbeziehung, funktioniert das Stillen am besten, je weniger es von Regeln geleitet ist.

Die meisten Mütter stellen fest, dass sie wirklich anfangen, das Stillen zu genießen, wenn sie aufhören, darüber nachzudenken – wenn sie nicht mehr wissen oder überlegen, wie oft das Baby stillt oder wann das letzte Stillen war oder wie lange es gedauert hat.

Stillen ist wie Tanzen. Wenn Sie beide die Grundschritte gelernt haben, werden Sie Partner in Ihrem eigenen speziellen Stil und die Regeln verlieren ihre Bedeutung.

Ob Ihr Baby an einer Seite pro Mahlzeit trinkt oder ob es beide Seiten möchte, ob es jede Stunde einen kleinen Snack möchte, ob Sie es ruhig halten wollen, während Sie telefonieren, ob ein Arm müde wird und Sie wechseln möchten, ob es sofort wieder stillen möchte, ob Sie möchten, dass es die Brust entleert oder ob ….
Nun, Sie verstehen sicher, was gemeint ist.

Wenn es für Sie und Ihr Baby funktioniert, ist es richtig.

Erfinden Sie Ihre eigenen Schritte und genießen Sie Ihren „Dinner-Dance“!
 

Original: A three course meal and a dance von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2000
Übersetzung: Regine Gresens IBCLC, Dezember 2000
Foto: Regine Gresens

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

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  2. Hallo!

    Vielen Dank für diese tolle Seite, mein Kleiner, jetzt 3 1/2 Monate, hat auch das Problem, dass die Milch zu schnell einschießt und er mit Schlucken nicht hinterher kommt. Er ist dann so frustriert, dass er gar nicht mehr weiter trinkt und deshalb immer das Dessert verpasst und nicht wirklich zufrieden wird, wie kriege ich es hin, dass die Milch langsamer läuft, wenn ich eine Phase weniger Milch habe, trinkt er ein, zwei, drei Minuten und schreit dann auch an der Brust, wechsele ich dann die Seite, trinkt er dort auch nur kurz, ich kriege ihn einfach nicht zufrieden an der Brust, ist für uns beide gerade ein Reizthema, beide schon etwas frustriert. Er würde, glaube ich, gerne mehr trinken, aber nicht so schnell.
    Habe ich ihn angelegt und die Milch schießt ein und dann nehme ich ihn hoch, um den ersten Milcheinschuß abzuwarten, brüllt er mir die ganze Bude zusammen vor Hunger und Ungeduld und dann legt ich ihn doch an und dann wieder Frust.
    Was sollen wir noch machen?

  3. Ich war mit meinem Baby, welches ich voll stille, letzte Woche zur U4. Meine Kinderärztin meinte dann, er hätte nicht genug zugenommen (zur Geburt hatte er 3180gr, letzte Woche waren es 4700gr). Als Abhilfe riet sie mir, anders zu stillen. Bis jetzt habe ich pro Mahlzeit immer eine Seite gestillt. Damit sind wir meiner Meinung nach gut zurecht gekommen. Er war dann für einige Stunden zufrieden. Mal 2, mal 3, nachts auch mal 4 oder 5 Stunden. Er trinkt dabei ca. 20 bis 25 Minuten. Ich habe irgendwann nicht mehr auf die Uhr geguckt, sondern einfach gewartet bis er fertig ist. Nun sollte ich beide Seiten 10 Minuten stillen. Um den Brüsten das neue System etwas anzugewöhnen, habe ich eine Seite immer nur max. 5 Minuten gegeben und dann die andere, so lange wie er wollte. Mittlerweile weint mein Baby auch während einer Stillmahlzeit, schluckt viel Luft und hat dann schlimme Bauchschmerzen (die ihn teilweise sogar vom Trinken abhalten) und wenn er pupsen muss, dann stinkt das ganz furchtbar (bis jetzt hat das zwar gerochen, aber nicht so eklig gestunken). Wenn ich diesen Beitrag so lese, dann werde ich wohl wieder mein altes System einstellen. Hoffentlich wird der Termin zum Nachwiegen dann zeigen, dass er trotzdem gut zunimmt. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass er zu wenig Milch bekommt. Er hat nach dem Trinken friedlich geschlafen oder war wach und aufmerksam. Sobald man nicht mehr in die Statistik der Gewichtstabellen passt, wird man als junge Erstlingsmutti so kirre gemacht, dass mit einem Mal das Stillen gar keine echte Freude mehr macht. Mir nicht und meinem Baby auch nicht…

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