Brustkompression

Kompression der Brust für besseren Milchfluss

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Autoren: Dr. Jack Newman & Edith Kernerman
Das Ziel von Brustkompression ist den Milchfluss zum Baby zu unterstützen, wenn ein Baby nur an der Brust nuckelt ohne zu schlucken.

Wenn das Baby trinkt – zu erkennen an einem „Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster – bedeutet dies, dass es einen guten Mundvoll Milch bekommen hat.

Falls das Baby von alleine nicht mehr trinkt, kann die Mutter durch Brustkompression der Brust die Nuckelzüge wieder zu Saugzügen werden lassen und das Baby erhält weiter die Milch aus der Brust.

Die Kompressionen der Brust simulieren einen Milchspendereflex, sprich: das plötzliche Herausspritzen oder Auslaufen von Muttermilch aus den Brüsten, das Mütter beim Stillen erleben oder zum Beispiel, wenn sie das Baby weinen hören, wobei viele Mütter diesen Milchspendereflex selbst nicht spüren.

Brustkompression kann hilfreich sein bei:

  • Geringer Gewichtszunahme des Babys
  • Koliken von Stillkindern
  • Häufigen und/oder langen Stillmahlzeiten
  • Wunden Brustwarzen der Mutter
  • Wiederholten Milchstaus und/oder Brustentzündungen
  • Einem Baby, das an der Brust schnell einschläft und dazu ermuntert werden soll, weiter zu trinken, statt nur zu nuckeln
  • „Faulen“ Babys oder solchen, die sich anscheinend nur an der Brust „beruhigen“ möchten. Nebenbei gesagt, es gibt keine „faulen“ Babys, sie reagieren nur auf den geringen Milchfluss.

Brustkompression ist nicht notwendig, wenn das Stillen gut funktioniert. Wenn alles gut läuft, sollte die Mutter dem Baby erlauben, die Mahlzeit an der ersten Brust zu „beenden“ und ihm dann die zweite Seite anbieten.

Woran erkennst Du, dass Dein Baby die erste Seite beendet hat?
Wenn es nur noch saugt (mit schnellen Saugzügen ohne Pause) und nicht mehr schluckt („Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster). Brustkompression hilft dem Baby die Milch zu bekommen.

Brustkompression funktioniert in den ersten Tagen besonders gut, damit das Neugeborene mehr von dem wertvollen Kolostrum (Vormilch) erhält. Babys brauchen nicht viel Kolostrum, aber sie brauchen es. Gutes Anlegen und Brustkompression hilft ihnen es zu bekommen.

Gut zu wissen:

  • Ein Baby, das die Brust gut erfasst hat, bekommt die Milch viel leichter als ein Baby, das schlecht angelegt ist und nur wenig Brust im Mund hat. Dennoch kommen viele Mütter und Babys trotz ungünstigem Anlegen gut zurecht, weil die meisten Mütter anfänglich Milch im Überfluss produzieren.

    Allerdings müssen die Mütter für das suboptimale Anlegen ihres Kindes oft einen Preis zahlen, so haben sie etwa schmerzende und wunde Brustwarzen, ein Baby mit Koliken und/oder ein Baby, das ständig an der Brust ist, (allerdings nur während einem kleinen Teil dieser Zeit auch richtig trinkt).

  • In den ersten 3 – 6 Lebenswochen neigen viele Babys dazu an der Brust einzuschlafen, wenn der Milchfluss gering ist. Dies geschieht meist nicht, weil sie genug getrunken haben und auch nicht, weil sie faul sind oder sich nur beruhigen wollen.

    Wenn sie älter sind, kann es sein, dass sie die Brust loslassen, sobald der Milchfluss nachlässt. Allerdings lassen auch manche jüngeren Babys die Brust los, wenn der Milchfluss weniger wird. Und manche Babys schlafen noch im Alter von 3 oder 4 Monaten an der Brust ein, wenn wenig Milch läuft.

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Brustkompression

So führst Du die Brustkompression durch:

  1. Halte Dein Baby mit einem Arm.
  2. Stütze Deine Brust mit der anderen Hand. Dabei liegt Dein Daumen auf einer Seite Deiner Brust (am einfachsten ist es, mit dem Daumen auf dem oberen Bereich der Brust) und lege die anderen Finger nah am Brustkorb auf die andere Seite Deiner Brust.
  3. Achte auf die Trinkbewegungen des Babys. Es ist jedoch nicht erforderlich jeden einzelnen Schluck mitzuzählen. Dein Baby bekommt eine ordentliche Menge Milch, wenn es mit einem „Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster an Deiner Brust trinkt.
  4. Wenn das Baby an der Brust nur noch nuckelt und nicht mehr mit einem „Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster trinkt, drücke Deine Brust zwischen Daumen und Fingern zusammen, um den inneren Druck in der ganzen Brust zu erhöhen.

    Rolle oder rutsche nicht mit Deinen Fingern über die Brust zum Baby, sondern drück die Brust zusammen und halte sie gedrückt. Drück nicht so stark, dass es weh tut, und versuche die Form der Areola (dem dunkleren Bereich der Brust nah beim Mund des Babys) nicht zu verändern. Durch die Brustkompression sollte das Baby wieder anfangen mit einem „Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster zu trinken.

  5. Halte den Druck solange aufrecht, bis Dein Baby nur noch nuckelt ohne zu schlucken, selbst wenn Du weiterhin drückst. Hör erst dann auf zu drücken. Höre immer auch auf zu drücken, wenn Dein Baby nicht mehr saugt oder wenn es wieder beginnt nur noch zu nuckeln ohne zu schlucken.

    Häufig hören Babys zunächst komplett auf zu saugen, wenn der Druck gelöst wird, fangen aber wieder an, kurz nachdem die Milch wieder begonnen hat zu fließen. Falls Dein Baby nicht aufhört zu saugen, wenn Du den Druck gelöst hast, warte ein wenig ab, bevor Du wieder anfängst zu drücken.

  6. Ziel des Lösens der Brustkompression ist, einerseits Deiner Hand etwas Erholung zu gewähren und andererseits der Brust zu ermöglichen, wieder Milch zum Baby fließen zu lassen. Ein Baby, das mit dem Saugen aufhört, wenn Du den Druck löst, wird wieder anfangen zu saugen, wenn es wieder Milch im Mund schmeckt.
  7. Wenn das Baby wieder anfängt zu saugen, wird es wahrscheinlich auch wieder beginnen zu schlucken („Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster). Falls nicht, komprimiere die Brust erneut, wie oben beschrieben.
  8. Mach dies solange an der ersten Brust, bis das Baby auch mit Brustkompression nicht mehr schluckt. Lass Dein Baby dann noch für eine kurze Zeit an dieser Seite, weil es vorkommen kann, dass Du noch einen Milchspendereflex bekommst und das Baby dann wieder von selbst beginnt zu trinken und zu schlucken.

    Falls Dein Baby nicht mehr trinkt, warte bis es die Brust von alleine loslässt oder löse es aktiv von der Brust.

  9. Wenn Dein Baby noch mehr trinken möchte, gib ihm die zweite Seite und wiederhole den gesamten Vorgang.
  10. Außer wenn Du wunde Brustwarzen hast, kannst Du auf diese Weise mehrmals zwischen Deinen Brüsten hin und her wechseln.
  11. Versuche Deine Anlegetechnik zu verbessern.
  12. Denk daran, drück nur, wenn das Baby saugt, aber nicht schluckt. Warte ab, bis Dein Baby anfängt zu saugen. Es ist am besten, nicht zu drücken, wenn Dein Baby keinerlei Saugaktivität zeigt.

Unserer Erfahrung nach funktioniert Brustkompression in der oben beschriebenen Weise am besten.

Aber, wenn Du merkst, dass es bei Dir auf eine andere Art und Weise besser klappt, Dein Baby dabei zu unterstützen mit einem „Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster an Deiner Brust zu trinken, mach es so, wie es für Dich und Dein Baby das Beste ist.

Solange Du bei der Brustkompression keine Schmerzen hast und Dein Baby richtig trinkt („Mund weit öffnen – Pause – dann Mund schließen“-Saugmuster) funktioniert die Brustkompression.

Du wirst die Brustkompression nicht bei jeder Mahlzeit und für immer machen müssen. Wenn das Stillen erst einmal besser läuft, kannst Du die Dinge auch einfach sich selbst überlassen.

Original: Breast Compression von Dr. Jack Newman & Edith Kernerman, 2009
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Oktober 2013
Foto: Regine Gresens

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

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