Stillkinder.de

Intuitives Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Stillen > Probleme lösen > Das Baby ernähren, wenn das Stillen noch nicht klappt
Das Baby ernähren

Das Baby ernähren, wenn das Stillen noch nicht klappt

Keine Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC
Ein mögliches Vorgehen bei der Ernährung Ihres Neugeborenen, wenn es mit dem Trinken an der Brust (noch) nicht klappt:

Zu Beginn – Hautkontakt

Bleiben Sie nach der Geburt im kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt. Das ist oft das Einzige, was notwendig ist, um das Stillen zu unterstützen.

Auch Babys, die bis dahin noch nie an der Brust waren, bewegen sich selbständig zur Brust, wenn sie auf dem Bauch ihrer Mutter liegen (vor allem, wenn die Mutter während der Geburt keine Schmerzmittel erhalten hat).

Viele dieser selbst-gesteuerten Babys beginnen dann von ganz alleine oder mit wenig Hilfe an der Brust zu trinken.

Wenn Sie bei der Geburt Schmerzmittel erhalten haben – Streichen Sie gegen Ende der 1. Stunde Kolostrum aus

Bleiben Sie weiter im konstanten Haut-zu-Haut-Kontakt.

Erfahrungsgemäß ist für diese erste Mahlzeit viel mehr Kolostrum („Vormilch“) vorhanden als für die nachfolgenden Mahlzeiten. Normalerweise würde sich das Neugeborene diese große Portion selbst aus der Brust holen.

Wenn Sie aber Schmerzmittel bekommen haben, ist es wahrscheinlich, dass Ihr Baby dazu eine Zeitlang Hilfe benötigt.

Ihm jetzt eine größere Menge Kolostrum zu geben, kann das Risiko verringern, dass ihm später künstliche Säuglingsnahrung zugefüttert werden muss.

In dieser frühen Zeit kann das Entleeren der Brüste mit einer Pumpe für Sie funktionieren, aber das Kolostrum mit der Hand auszustreichen ist viel weniger aufwändig.

Nach etwa 6 Stunden – Beginnen Sie mit Handentleerung

Bleiben Sie weiter im Haut-zu-Haut-Kontakt.

Streichen Sie mit der Hand Kolostrum in einen Plastiklöffel aus und füttern Sie Ihr Baby alle 2-3 Stunden mit dem Löffel und außerdem jedes Mal, wenn einer von Ihnen beiden in der Nacht wach wird.

Babys nehmen an ihrem ersten Lebenstag sehr kleine Nahrungsmengen auf und Sie können ihm auf diese Weise recht schnell eine gute Portion füttern, während es weiter mit Ihnen kuscheln kann.

Ihre Brüste zu entleeren ist in dieser Zeit genauso wichtig, wie dem Baby Ihre Milch zu füttern.

Nach 24 Stunden, oder früher – Weiter von Hand ausstreichen und eventuell pumpen

Setzen Sie den Haut-zu-Haut-Kontakt fort.

Betrachten Sie Tag 2 als den „Kalibrierungs-Tag“, d.h. der Tag, an dem die Brustdrüsen anfangen sich auf ihre künftige Produktionsmenge einzustellen.

Entleeren Sie Ihre Brüste weiter von Hand und erwägen Sie mit dem Abpumpen mit einer elektrischen Klinikpumpe anzufangen, 8-10x in 24 Stunden.

Erwarten Sie am Anfang keine großen Mengen beim Abpumpen – vielleicht sind es nur ein paar Tropfen, die in der Brustglocke hängen bleiben. Sie können sie mit dem sauberen Finger aufnehmen und direkt auf die Lippen Ihres Babys geben.

Streichen Sie weiter Ihr Kolostrum mit der Hand in den Plastiklöffel aus, solange dies für Sie effektiver ist.

Die dicke, klebrige Konsistenz des Kolostrums und sein relativ geringes Volumen machen es am Anfang schwierig, mit einer Pumpe etwas heraus zu holen.

Hören Sie mit dem Ausstreichen von Hand auf, sobald das Pumpen effektiver wird. Die zusätzliche Entleerung und die Massage durch das Pumpen sorgt für noch mehr Milch in den kommenden Tagen.

Füttern Sie Ihr Baby mit einer Pipette, Spritze oder einem Becher.

Wenn die Milchmenge zunimmt und der Entlassungstermin naht – Stillhütchen/Flasche, Pumpen, Handentleerung

Setzen Sie den Haut-zu-Haut-Kontakt weiter fort.

Pumpen Sie 8x oder öfter in 24 Stunden und streichen Sie anschließend die noch in den Brüsten verbliebene Milch von Hand aus.

Ziehen Sie den vorübergehenden Einsatz von Stillhütchen in Betracht, um das Andocken zu unterstützen.

Wenn das Andocken mit Stillhütchen nicht erfolgreich ist oder dabei kein ausreichender Milchtransfer stattfindet, überlegen Sie die abgepumpte Milch vorübergehend mit einer Flasche zu füttern, um die Fütterung zu beschleunigen.

Sobald die Milchmenge ansteigt, kann eine Flasche der stressärmste Weg für die Mahlzeiten sein, die (noch) nicht an der Brust stattfinden.

Wenn Ihre Milchmenge noch nicht mehr geworden ist, könnte von Hand auszustreichen für Sie weiterhin effektiver sein, als eine Pumpe einzusetzen.

Wenn Ihre Milchmenge erst einmal größer und Ihre Milch dünnflüssiger ist, geht Pumpen oft schneller als die Entleerung mit der Hand, sollte es aber nicht vollständig ersetzen.

Nach der Entlassung – Stillhütchen/Flasche, Pumpen, Handentleerung, Unterstützung, Geduld, Zuversicht

Bleiben Sie so viel wie möglich im Haut-zu-Haut-Kontakt.

Entleeren Sie Ihre Brüste 8x oder öfter in 24 Stunden.

Reduzieren Sie die Häufigkeit allmählich, wenn Ihr Baby anfängt an Ihrer Brust zu trinken.

Versuchen Sie nach und nach eine, später zwei Mahlzeiten im Voraus im Kühlschrank aufzubewahren, um ein „Sicherheitspolster“ zu haben. Bis Sie diesen Vorrat angelegt haben, kann es einige Zeit dauern. 1-2 Tage lang 10x am Tag zu pumpen wird dabei behilflich sein.

Suchen Sie sich Hilfe durch eine Stillexpertin.

Wenn Ihr Baby nicht an der Brust trinkt, fahren Sie für die ersten 2 Wochen fort, mindestens 8x am Tag zu pumpen und anschließend noch die restliche Milch von Hand auszustreichen, um den „Regler“ hoch einzustellen. (10x am Tag wäre großartig, ist aber schwierig. 6x am Tag ist absolutes Minimum.)

Es ist einfacher, eine zu große Milchmenge zu reduzieren, als eine zu geringe Milchmenge zu erhöhen.

Babys brauchen manchmal Wochen um effektiv zu stillen, aber so gut wie alle können es schaffen, wenn die Mutter ihre Milchmenge aufrecht erhält.

Wenn es möglich ist, einem Tiger beizubringen durch einen brennenden Reifen zu springen, können wir einem Baby allemal helfen, das zu tun, wofür es sowieso bestimmt ist!

 
Original: Nonlatchprotocol von Diane Wiessinger, IBCLC,
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2014
Foto: Jason Hutchens via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Ja, ich möchte auch gleich den Stillkinder-Newsletter abonnieren, um zu erfahren, wenn es hier etwas Neues gibt.