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Wenn es mit dem Stillen trotz allem nicht klappt

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Autorin: Márta Guóth-Gumberger, IBCLC

Wenn das Stillen Ihres Babys trotz intensiven Bemühens, Geduld und Ausdauer nicht gelingt, trauern Sie um den Verlust der ersehnten Stillbeziehung. Vielleicht haben Sie alles Mögliche versucht, um stillen zu können. Vielleicht haben Sie gepumpt, sondiert, besondere Stilltechniken oder Hilfsmittel verwendet. Vielleicht saßen Sie viele Stunden am Bett Ihres kranken oder frühgeborenen Babys. Denken Sie daran, dass alle diese Bemühungen viel mehr Anstrengung erforderten als eine eingespielte Stillbeziehung. Sie haben damit sehr viel für Ihr Baby getan. Auch das hat in der schwierigen Situation Bindung aufgebaut.

Die biologische Möglichkeit, Ihr Baby zu stillen, ist manchmal nur theoretisch vorhanden, weil die Hindernisse so groß sind. Mangelnder Rückhalt in Familie und Umgebung, sehr große Anforderungen an die Mutter, Krankheit bei Mutter und/oder Kind, Stress, Angst, Sorge, zu wenig Unterstützung und Information von medizinischem Personal, falsch eingefädelte Verhaltensweisen in der Klinik, fehlende Information zur richtigen Zeit, Temperament und Saugtechnik des Babys, frühere Misserfolgserlebnisse beim Stillen und das gesellschaftliche Klima können einzeln oder in Kombination die Stillbemühungen der Mutter um den Erfolg bringen. Sie erleben dann vielleicht Versagensgefühle, aber halten Sie sich all die erschwerenden Faktoren in Ihrer Situation vor Augen. Denken Sie daran, dass Stillen zum Ziel hat, eine liebevolle Mutter-Kind-Bindung zu ermöglichen. Das Stillen erzwingen zu wollen, würde das Gegenteil bewirken.

Vielleicht können Sie stillen, sind aber auf Dauer auf Zufütterung angewiesen. Vielleicht entschließen Sie sich, mit dem Brust-Ernährungsset zuzufüttern. Vielleicht klappt aber auch das nicht. Sie erleben in jedem Fall Trauer um den Verlust einer komplikationslosen Stillbeziehung bzw. einer Stillbeziehung überhaupt. Lassen Sie diese Gefühle der Trauer zu, aber bleiben Sie nicht bei ihnen stehen. Sie haben die Möglichkeit, auf andere Weise Ihrem Kind die Nähe, Geborgenheit und Bindung zu geben, die beim Stillen entstehen würden.

Im Folgenden einige Vorschläge dazu:

  • Füttern Sie Ihr Baby immer in Ihrem Arm, nahe an Ihrer Brust, die Flasche an Ihren Körper gelehnt – statt aus Entfernung zum Körper gerichtet. Bei entsprechender Gelegenheit können Sie das Fläschchen auch an Ihrer nackten Brust füttern. So hört das Baby Ihren Herzschlag, riecht und fühlt Sie und kann Ihnen in die Augen sehen.
    Beim Füttern auf den Oberschenkeln ist das Baby nicht so nah bei Ihnen. Sie sollten nie die Flasche mit einer Decke festklemmen und dann Ihr Baby allein saugen lassen. Nehmen Sie sich genügend Zeit zum Füttern, nach Möglichkeit in einer entspannten Atmosphäre.
    Füttern immer Sie als Mutter Ihr Baby, denn bei der Nahrungsaufnahme lernt das Baby entscheidend, wer seine Mutter ist. Wechseln Sie während des Fütterns die Seite, das unterstützt die Entwicklung der Augenkoordination.
    Füttern Sie nach Bedarf und wählen Sie eine dafür geeignete Säuglingsmilchsorte (adaptierte, nicht teiladaptierte Milch). Das Loch am Sauger sollte klein sein, damit Ihr Baby sein Saugbedürfnis befriedigen kann.
  • Lassen Sie Ihr größeres Baby die Flasche nicht selbst halten. Lehren Sie es Trinken aus der Tasse, das kann es selbständig machen; Trinken aus der Flasche sollte immer mit Kontakt mit der Mutter verbunden sein.
  • Füttern Sie Ihrem größeren Baby die feste Kost immer im Schoß, nicht in einer Wippe oder in einem Stuhl – bis es den Löffel selbst in die Hand nehmen will.
  • Wenn Sie Ihrem Baby einen Schnuller geben, damit es das über die Nahrungsaufnahme hinausgehende Saugbedürfnis befriedigen kann, dann lassen Sie es das Saugen in Ihren Armen oder im Tragetuch genießen. Benutzen Sie den Schnuller nicht als Stöpsel zum Ruhigstellen.
  • Tragen Sie Ihr Baby soviel wie möglich am Körper, mit Tragetuch, Snugli und/oder Babyschlinge. Benutzen Sie einen Kinderwagen sowenig wie möglich. Ihr Baby braucht viel Haut- und Körperkontakt.
  • Wenn Sie später Ihr Kind wegen des Gewichts nicht länger tragen können, dann wählen Sie einen Kinderwagen, in dem Ihr Kind mit dem Gesicht zu Ihnen sitzt.
  • Lassen Sie Ihr Baby in der Nacht in Ihrem Bett schlafen. Versuchen Sie nicht, Ihrem Baby anzugewöhnen, auf sich allein gestellt einzuschlafen. Bleiben Sie bei ihm, bis es abends einschläft und lassen Sie es Ihre Nähe spüren.
  • Baden Sie mit Ihrem Baby zusammen. Es wird den Hautkontakt und das warme Wasser genießen.
  • Gehen Sie freiwillig keine Trennung von Ihrem Baby ein, die länger als einige Stunden dauert. Gerade wenn Sie nicht stillen, ist für Ihr Baby Ihre beständige Anwesenheit wichtig.

Stillen bringt viele dieser Verhaltensweisen automatisch mit sich. Ohne Stillen ist mehr Disziplin und bewusste Bemühung notwendig. Das oben beschriebene Verhalten steht in vielen Punkten im Widerspruch zum üblichen Umgang mit Babys in unserer Gesellschaft, da es eine Erziehung mit Nähe und Bindung ist. Die Zufriedenheit und die Entwicklung Ihres Kindes werden Ihnen aber langfristig zeigen, wie wohl es sich dabei fühlt.

Foto: Onyababy
Autorin: Márta Guóth-Gumberger IBCLC, Rosenheim

Quellen:
Elizabeth Hormann: “Stillen eines Adoptivkindes”, S.23-24
Elizabeth Hormann: “After the Adoption”, Fleming H. Revell Company, Old Tappan, New Jersey 07675, 1987, S.4850
Susan Meintz Maher: “Lösungsmöglichkeiten für Saug- und Stillprobleme”, LLLD 1988, S.47
William Sears: “Schlafen und Wachen”, LLLI 1991, S.23-56, S.61, S.125-126  

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Ich bin Hebamme, Stillberaterin IBCLC (Laktationsberaterin) sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich berate Sie bei Stillproblemen jeder Art und zu allen Fragen rund um das Leben mit Babys und Kleinkindern. Wenn Sie einen Beratungstermin wünschen, rufen Sie mich an unter +49 (0)40 - 64 08 92 77 oder senden Sie mir eine Email. Sie finden mich auch auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+. Hier können Sie mehr über mich erfahren.

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