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Schnuller
Originaltext: "Pacifiers" von Diane Wiessinger, MS, IBCLCHier erfahren Sie, was die aktuelle Forschung über Schnuller aussagt, was sie nicht aussagt und was das alles für Sie und Ihr Baby bedeutet.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem routinemäßigen Gebrauch von Schnullern und frühzeitigem Abstillen. Der Zu-sammenhang ist sehr deutlich. Aber es ist nicht bekannt, ob Mütter, die bereits Probleme haben, eher dazu neigen, Schnuller einzusetzen oder ob die Schnuller selber das Problem sind.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen Schnullern und Saug-problemen, besonders wenn sie in den ersten Tagen nach der Geburt eingesetzt werden. Auch hier ist nicht deutlich, ob sie das Problem verursachen oder ob Mütter, deren Babys bereits Probleme haben, eher dazu neigen, einen Schnuller zu geben. Aber diese beiden Zusammenhänge machen deutlich, dass es sinnvoller ist, sich um kompetente Unterstützung zu bemühen, als damit zu beginnen einen Schnuller zu geben, wenn Sie das Gefühl haben, das Stillen läuft nicht so gut.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen Schnullern und einer geringeren Milchaufnahme in der Zeit des großen Hirnwachstums. Bei einem Neugeborenen, das sehr häufige Mahlzeiten braucht, und bei einem Baby, das nicht gut gedeiht, kann dies ein echtes Problem sein. Ein Baby mit einem starken Saugbedürfnis benötigt normalerweise Kalorien. Einen Schnuller zu geben, ist wie jemandem zuckerfreies Kaugummi zu geben, der gerade versucht in ein paar Monaten sein Gewicht zu verdoppeln. Die Abstände zwischen den Mahlzeiten werden verlängert, um es für die Mutter einfacher zu machen oder um ihrer Vorstellung von "normalen" Abständen zu entsprechen, aber nicht, um das Wohlergehen des Babys zu erhöhen.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Schnullern und einer Zunahme an Ohrinfektionen und Soor bei Babys in der Tages-betreuung. Interessanterweise scheint die Tatsache der Verwendung von Schnullern zumindest ein Teil des Problems zu sein, nicht nur die Sauberkeit des Schnullers selbst.
Die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) em-pfiehlt, Schnuller zu vermeiden und falls sie verwendet werden, sollten sie erst eingeführt werden, nachdem das Stillen sich gut ein-gespielt hat.
Das Kinderhilfswerk (UNICEF) und die Weltgesundheitsorgani-sation (WHO) wird keine Geburtsklinik als "Stillfreundliches Krankenhaus" auszeichnen, die routinemäßig Schnuller aus-gibt. Es gibt weltweit über 15.000 zertifizierte "Stillfreundliche Geburts-kliniken". Davon sind weniger als 40 in den USA und Kanada.
"Sich von seinem Baby als Schnuller benutzen zu lassen" ist ein normales Stillverhalten. Es gibt keinen Beleg dafür, die Zeit eines Babys an der Brust einzuschränken; aber es gibt aussagekräftige Belege dafür, dass Babys nicht eingeschränkt werden sollten. Aber wenn es so scheint, als wolle ein Baby mit einem ausgeprägten Saug-bedürfnis ständig an der Brust sein, dann sollte sich eine Stillexpertin die Effektivität des Stillens ansehen. Babys, die saugen wollen, möchten in der Regel Nahrung.
In einer Studie gab es einen Zusammenhang zwischen Schnul-lern und einem niedrigerem IQ. Es gibt nur eine Studie, die diesen Zusammenhang festgestellt hat. Aber es bedeutet, dass das routine-mäßige Ruhigstellen eines Babys mit einem Schnuller, anstelle der Befriedigung seiner Bedürfnisse nach Stimulation und Interaktion, seine mentale Entwicklung verzögern kann.
Schnuller beeinflussen die mütterliche Reaktion auf das Schreien des Babys. Eine Mutter tendiert dazu, weniger Beruhi-gungstechniken zu erlernen, wenn sie routinemäßig einen Schnuller gibt.
Schnuller stehen nicht im Zusammenhang mit Latex-Allergien. Trotzdem ist es angesichts der weltweit zunehmenden Zahl von Latex-Allergien möglicherweise klüger einen (durchsichtigen) Silikonschnuller zu nehmen, wenn ein Schnuller gegeben wird.
Der Einsatz von Schnullern bei der Sondenfütterung steht im Zusammenhang mit verbesserter Gewichtszunahme bei Früh-geborenen, obwohl das Saugen an einer zuvor entleerten Brust zu bevorzugen ist. Saugen während der Mahlzeit führt zur Ausschüttung von Verdauungshormonen, die es dem Frühchen ermöglichen, seine Nahrung besser aufzunehmen und mehr Gewicht zuzunehmen.
Die Form des Schnullers scheint keine Rolle zu spielen. Obgleich verschiedene Hersteller "kieferorthopädische" oder "Trainings-Schnuller" anpreisen, gibt es keine Forschungsergebnisse die belegen, dass eine Form besser ist als eine andere. Ein sauberer Finger ist wahrscheinlich am besten, weil er mit einem realen Menschen verbunden ist. Und ein dickerer Finger oder ein Daumen eines Erwachsenen könnte sinnvoller sein, weil Babys normalerweise mit weit geöffnetem Mund an der Brust saugen.
Langzeitschnullern stand in einigen Studien im Zusammen-hang mit Problemen der oralen Entwicklung. In diesen Studien entwickelten sich die Kiefer von Kindern nicht zu so einem breiten Bogen, wie sie es nach ungestörter Stillzeit von normal einem Jahr oder länger, getan hätten. Dies führte zu einem größeren Bedarf an kieferorthopädischer Behandlung und zu vermehrten Schwierigkeiten bei der Nasenatmung.
Babys mit Schnullern lächeln nicht. Hierzu gibt es keine formalen Studien, aber Sie können es selbst in jedem Einkaufszentrum überprüfen. Beobachten Sie, wie Babys mit und ohne Schnuller auf ihre Umgebung reagieren. Beobachten Sie, wie Erwachsene auf die Babys reagieren. Wann lächeln Babys? Wann lächeln Erwachsene sie an und gehen auf sie ein?
Was passiert, wenn die normale dreifache Interaktion von Saugen, Kalorienzufuhr und liebevoller Berührung durch einen Schnuller unterbrochen wird? Wir wissen noch immer nur einiger der Antworten.
Sind Schnuller immer schlecht? Nein.
Sind sie manchmal schlecht? Ja.
Sollten sie so verbreitet sein, wie sie es sind?
Wenn Sie sich entscheiden einen Schnuller zu verwenden, seien Sie sich darüber im Klaren, dass er Nahrung für Körper und Seele ersetzt und verwenden Sie ihn vorsichtig.
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2004
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