Home > Erfahrungen > Lini - Langzeitstillen
Lini - Langzeitstillen
Originalbericht von Linis MutterLini - Jg. 2003
Hi!
Meine Tochter Lini wird demnächst 4 Jahre alt und wird noch gestillt.
Ursprünglich hatte ich vorgehabt sie - wenn irgend möglich - mindes-tens 6 Monate zu stillen und dann im darauffolgenden Halbjahr abzu-stillen.
Schon ab 8 Monaten musste ich mir von meinem Umfeld dauernd die Frage anhören, wann ich denn endlich gedenken würde abzustillen. Meine Tochter war aber nicht gerade ein großer Beikostfanatiker und ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon genügend zu dem Thema infor-miert, dass ich inzwischen keinen auf der Hand liegenden Grund dafür mehr sehen konnte, sondern es sogar als wichtig empfand, solange weiterzustillen, bis mein Kind mehr aß und freiwillig weniger bei mir trinken wollte.
Es stellte sich aber heraus, dass mein Kind weiterhin gar nicht daran dachte, nennenswerte Mengen Essen zu sich zu nehmen oder gar auf Muttermilch zu verzichten (mit 2 Jahren nahm sie pro Tag 100-300g Beikost, 400 ml Kuhmilch/Kakao und geschätzte 500 ml Muttermilch zu sich).
Ich war oft genug froh, noch nicht abgestillt zu haben, denn z.B. jedes-mal beim Zahnen nahm sie für ein paar Tage keinerlei Essen an - nur Muttermilch. Dasselbe wenn sie mal einen merkbaren Infekt hatte, das kam bis zum 3. Geburtstag Gott-sei-Dank nur 3x für 1-3 Tage vor, aber auch dann wollte Lini nur Muttermilch. Oder auch, wenn sie schlimmer stürzte oder aus anderem Grund dringend Trost suchte - Mamas Brust war ja im Notfall da und das beste und am schnellsten wirksame Beruhigungsmittel.
Auch das schnellste Schlafmittel nachts und das schnellste Mittel Energie tagsüber zuzuführen. Wenn Lini müde war und bei mir trinken wollte, entspannte und erholte sich Lini innerhalb weniger Minuten so schnell dabei, dass sie direkt danach wieder quietschfidel herumsprang - alle Müdigkeit verflogen. So nebenbei sparte ich mir, viele Fläschchen zu machen oder Getränke zu besorgen. ;-)
Die Unkenrufe "ich solle endlich abstillen" wurden mit zunehmendem Alter meiner Tochter immer stärker.
Aber es gibt zwei Dinge, die da wirklich helfen:
1. Sich informieren.
Wenn man gut informiert ist, sind die falschen Argumente uninformier-ter Leute irgendwann egal, weil man weiß, dass man für sein Kind das Richtige tut. Es ist unglaublich, mit welch haarsträubenden Dinge Leute daherkommen, um einen vom Stillen abzubringen und ich habe mich oft gefragt, was ihnen das überhaupt gibt, was unser alle paar Stunden mal Stillen überhaupt mit ihrem Leben zu tun hat?!
2. Das eigene Kind beobachten.
Wer regelmäßig überprüft, ob das eigene Verhalten dem Kind gegen-über noch dem momentanen Entwicklungsstand und den wirklichen Bedürfnissen des Kindes entspricht, kann kaum fehlen. Mir hat das glückliche Gesicht meines Kindes immer gezeigt, dass ich gerade das Richtige tue. Sicher kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man dann auch mal "Nein" zum Kind sagt, aber das Gefühl dafür, ob es ange-bracht ist, ergibt sich von selbst. Auch da sollte man sich nicht von Leuten dreinreden lassen, die das Kind nicht so gut kennen und wohl-möglich prinzipiell gegen das längere Stillen eingestellt sind. Kinder sind so verschieden, haben so verschiedene Bedürfnisse, den gleichen Entwicklungsstand bzw. Können zu so verschiedenen Zeitpunkten, dass sich das viele Menschen nicht vorstellen können.
Für die, die unser weiterer Still-Weg noch interessiert:
Jetzt bei 4 Jahren stille ich Lini klarerweise nicht mehr oft und auch nicht mehr lang, das nahm im Laufe der Zeit aus verschiedenen Grün-den ab (langsamer Beikostbeginn ab 6 Monaten; zusätzlich Kakao-fläschchen morgens und abends ab 15 Monaten; als sie alle Zähne hatte bei 2 1/2 Jahren fiel das Dauerstillen beim Zahnen weg; kein Stillen mehr vormittags wegen Tagesmutter bzw. danach Kindergarten, weil ich wieder arbeiten ging und weil sie auch kein Vormittagsschläf-chen mehr brauchte, ab da auch kein Stillen unterwegs mehr, außer am Abend; kein Nachtstillen mehr bei 3 Jahren, weil sie begann plötz-lich - ohne ersichtliche Änderung in ihrem Leben - durchzuschlafen).
Morgens will sie zur Zeit noch unbedingt gestillt werden und genießt es sehr, um dann nach etwa 10-15 Min. springlebendig aufzustehen und den Tag aktiv zu beginnen.
Ich habe im Vergleich mit anderen Kindern das Gefühl, dass meine Tochter besonders mutig und selbständig ist, sehr aufgeweckt.
Sie kommt gut ohne mich zurecht, bleibt problemlos bei anderen Be-zugspersonen (mit 2 1/2 bei Tagesmutter, mit 3 bei Kindergärtnerin, jetzt bei Englischlehrerin, Musiklehrerin, Turnlehrerin, bei Verwandten sowieso...) und findet bei fremden Kindern schnell Gruppen-Anschluss.
Ich habe den Eindruck, dass sie gerade so selbstbewusst und frei agie-ren kann, weil sie auf der anderen Seite so sicher sein kann, dass ich sie nicht wegstoße und ihre Bedürfnisse ernst nehme - dazu gehört auch das Stillen.
Ich mache mir auch nicht die geringsten Sorgen, dass das ewig so weitergeht - wie manche - warum auch immer? - zu wissen glauben. Lini hat alles aus eigenem Antrieb gelernt - Sitzen, Gehen, Sprechen, Sauber werden, wieso nicht auch auf Muttermilch verzichten? Außerdem seh ich ja wie das Stillen in den letzten 4 Jahren schrittweise zurückgegangen ist...
Und schließlich stillen sich weltweit 90% der Kleinkinder erst zwischen 2 und 6 Jahren ab, da ist meine Tochter gerade erst im Durchschnitt - Langzeitstillen ist nur häufig bei uns "westlichen Menschen" im "Selt-samkeitseck" angesiedelt, deswegen aber noch lange nicht ungewöhn-lich... ;-)
Ich wünschen allen Müttern Kraft und Ausdauer, wenn ihnen ihr Kind signalisiert, weiter Muttermilch zu wollen und kann ihnen versichern, dass die Zufriedenheit ihres Kindes und so mancher Vorteil sie selber zufrieden machen wird.
Nachtrag:
Lini hat sich in der Woche nach ihrem 4. Geburtstag selber abgestillt. Der Geburtstag schien für sie einen Wendepunkt zu bedeuten. Wir sprachen vor dem Geburtstag, ob sie das Stillen nicht bald lassen könne. Sie meinte den ganzen Monat davor: "Nein, jetzt noch auf keinen Fall, aber wenn ich vier bin, bin ich groß genug!".
Ich zweifelte, sie meinte das aber ganz ernst, fasste Mut, hat damit aufgehört und ist stolz auf sich.
Ich natürlich auch.
Lesen Sie auf Stillkinder.de mehr zum Thema Langzeitstillen:
Stillst Du noch?
Aus Kindermund
Häufige Fragen zum Langzeitstillen
Lesen Sie hier auf Stillkinder.de weitere Erfahrungsberichte von langzeitstillenden Müttern:
Daniel - Langzeitstillen
Max - Natürlich Abstillen
Yannik - Ein Langzeitstillkind
Und hier weitere externe Links zum Langzeitstillen:
Langzeitstillen
