Zartes Kind nimmt schlecht zu - trotzdem stillen?

Zartes Kind nimmt schlecht zu – dennoch stillen?

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Unser Kind kam glücklich, als Hausgeburt, mit wunderbarer Hebammenbetreuung und gesund zur Welt. Sie war klein und mit knapp 2700 g auch recht leicht, aber kerngesund und fit.

Nun hatte ich, unerfahren, wie ich als eher ältere Mutter mit dem ersten Kind war, ein Buch gelesen, das mir die Schwiegermutter mitgebracht hatte: „Das zufriedene Baby“ heißt es und ist, wie ich heute weiß, unter aufgeklärten BabybetreuerInnen eher ein heißes Eisen. Die erfahrene englische Hebamme beschrieb darin, wie man ein Kind an Routinen gewöhnen solle, auch wie man die Stillzeiten einteilen solle.

Also saß ich artig immer mit der Uhr und Protokoll beim Stillen – heute denke ich, wie furchtbar das war und bin traurig über diesen Anfang!

Der „Erfolg“ ließ nicht lange warten. Unsere ohnehin zarte Maus nahm zu langsam zu.

Ansonsten allerdings war sie gesund und munter, sehr mobil und drehte sich sogar schon ganz bewusst mit 2,5 Monaten um, was niemand glauben möchte, der es nicht gesehen hat.

Ich bekam Tipps: „Auf jeden Fall nicht vor 2 Stunden Pause noch einmal stillen.“ Also hielten wir das arme Kind hin, und zwei Stunden können lang werden, wenn sie so weint.

Schließlich wurde mein Kind beim Stillen immer müder, und ich machte mir Sorgen, obgleich die Kleine sonst weiterhin fit und munter wirkte.

Nach zweieinhalb Monaten wog sie knapp 3,5 kg, hatte also nicht einmal 1 kg zugenommen.

Ich ging zum Kinderarzt, der mich zum Glück beruhigte und mit mir verabredete, mehrere Male in Folge zum Wiegen zu kommen. Ansonsten war das Kind prima entwickelt.

Ich solle nicht zu Hause wiegen, meinte der Arzt noch zu mir, damit ich nicht verunsichert würde. Dankbar bin ich heute für diesen ruhigen, erfahrenen und liebenswerten Menschen, der mich als Mutter damit stärkte und sicherer machte.

Von diesem Tag an schob ich alle Tipps und das vermaledeite Buch beiseite und legte meine Maus immer an, sobald sie nur „quiek“ machte.

Das hatte mehrere schöne Folgen: Wir hatten es wunderbar kuschelig, kein Notizbuch, keine Uhr, nur wir zwei.

Die Maus trank häufiger, es bildete sich mehr Milch, bald schlürfte sie richtig, auch wenn immer mal wieder trinkfaule Tage dazwischen waren.

Nachts weckte ich sie zunächst nach spätestens vier Stunden zum Trinken und verbrachte in der zweiten Nachthälfte die Zeit mit ihr neben mir, wo wir zusammen stillten und schliefen, oft gar nicht mehr merkend, wann getrunken wurde. Das war so schön!

Der Arzt hatte Recht behalten: Unsere Maus nahm nun gut zu. Sie ist klein, wächst aber nun gut, nimmt regelmäßig 150 – 200g pro Woche zu und ist sehr ausgeglichen und freundlich.

Ihre quirlige, mobile Art hat sie behalten und braucht auch heute, nach 5 Monaten, noch häufig Futter, aber mittlerweile passiert das überall, wo es gerade geht.

Wir essen zusammen Frühstück stillend, was wunderbar friedlich ist.

Abends essen wir mit Papa zusammen, was wieder sehr harmonisch ist.

Wir schlafen zusammen, Papa mit ihr in der ersten Nachthälfte, ich mit ihr in der zweiten, was sehr gut klappt und kuschelig ist.

Ich mache mir keine Sorgen mehr ums Essen. Die kleine Maus weiß genau, wann sie was braucht, sie teilt es mit und ich höre auf sie.

Es gibt viele Leute, die uns kritisieren. „Du musst doch jetzt die Stillabstände mal länger machen!“ „Deine Milch reicht nicht, du musst zufüttern. Das Kind muss langsam feste Nahrung zu sich nehmen!“ „Es ist unerhört, mit dem Kind im Bett zu schlafen.“ „So lernt sie nie, allein zu schlafen.“ „Wie soll das Kind ein Hungergefühl entwickeln, wenn du es ständig stillst?“ „Wie – das Kind schläft noch nicht durch?

Meine Antworten darauf: „Wir haben ein ruhiges, zufriedenes Baby, ohne Routinen und ohne Regeln. Wir machen es so, wie wir es am schönsten finden. Ein Jeder mache das auf seine Weise. Diese Zeit, in der die Kleine noch Baby ist, geht so schnell vorbei, wir genießen sie. Wir sind alle drei immer (!!) ausgeschlafen und zufrieden, keine gestressten Eltern, kein schreiendes Kind. Wie kann unsere Methode dann Anlass zu Kritik geben?“

Überzeugt hat mich aus dem Buch „Schlafen und Wachen“* der Ausspruch ,Erfüllte Bedürfnisse vergehen.‘ So ist das.

Unsere Maus kann immer besser selbst schlafen, muss nicht mehr so viel bei Mama nuckeln, kann sich schon besser aus dem Tragetuch lösen, wenn sie es möchte, und verzaubert uns jeden Tag aufs Neue mit ihrer Fröhlichkeit und freundlichen Art.

Mein Fazit aus den beschriebenen Erfahrungen (und anderen):
Jede Mutter muss zusammen mit ihrem Partner, der sie hoffentlich genauso liebevoll unterstützt wie meiner mich, ihre eigenen Wege finden und sich nicht reinreden lassen!

Folgt eurem Instinkt und dem, was das Kind euch sagt!

Lasst euch nicht durch überkommene, hölzerne Normen oder neidische (weil sie es nicht so schön hatten) Mitmenschen beeinflussen!

Ihr wisst im Bauch am besten, was gut für euer Kind ist!

Originalbericht einer Mutter
Foto: Wolfgang Lonien via photopin cc

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Mein 4 Monate alter sohn ist ganz anders als mein erster. Er wog sogar mehr bei der geburt, doch mittlerweile ist er gaanz anders.. nimmt wenig zu oder garnicht. Hatte sogar abgenommen, weshalb wir im kh waren. Da hatte er fürchterliche Bauchschmerzen gehabt. Jetzt hat er grade mal 30 g mehr als bei der u4. mein erster sohn hatte damals schon 8 kilo und er jetzt grad etwas über 7 kilo. Und das obwohl er 4080 g zur geburt hatte.
    Ich esse schon ordentlicher und trotzdem nimmt er nicht zu. Er wächst nur grade in die Länge. Ich mache mir trotzdem Sorgen. ich kenne das von meinem 1 sohn so nicht. Und flasche will er auch nicht wirklich.
    Was kann ich noch machen? !:(

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