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Bekommen Rothaarige und Blonde schneller wunde Brustwarzen?

7 Kommentare

Nein, es ist ein Ammenmärchen, dass rothaarige oder blonde Mütter mit heller Haut leichter wunde Brustwarzen bekommen. Es kann gar nicht stimmen.

Denn wenn es so wäre, würde es bedeuten, dass rothaarige oder blonde Mütter seltener oder kürzer stillen als dunklere Typen. Schmerzen beim Stillen durch wunde Brustwarzen sind nämlich der häufigste Grund für vorzeitiges Abstillen. 

Wie sollte es dann aber möglich sein, dass in Schweden, wo bekanntlich viele Blonde und Rothaarige leben, schon seit etlichen Jahren 98 Prozent der Mütter stillen?

Wie hätten dann die rothaarigen Wikinger vor über 1000 Jahren jemals solch eine erfolgreiche Kriegsmacht in Europa werden können, wie sie es einstmals waren?

Die natürliche Auslese hätte doch schon viel früher dafür gesorgt, dass Babys von rothaarigen Müttern nicht überlebt hätten. Industriell hergestellte, künstliche Säuglingsnahrung gibt es schließlich erst seit weniger als 100 Jahren.

Bis dahin hatten Babys in den ersten Monaten überhaupt nur eine Überlebenschance, wenn sie mit Muttermilch ernährt wurden, entweder von der leiblichen Mutter oder von einer Amme.

Hellhäutige Mütter mit roten oder blonden Haaren sind nicht anfälliger für wunde Brustwarzen als andere Mütter.

Ihre Haut ist nicht dünner oder anders aufgebaut als die von anderen Menschen. In der Haut und den Haaren von Rothaarigen ist lediglich vor allem das farbgebende Pigment Phäomelanin enthalten, während Dunkelhaarige große Mengen des Farbstoffs Eumelanin und Weißblonde wenig von beiden Pigmenten haben.

Richtig ist, dass rothaarige Menschen empfindlicher gegenüber Sonnenlicht sind und stärker auf Hitze reagieren. Dies macht auch Sinn, denn sie bekommen schneller einen Sonnenbrand. Außerdem können die UV-Strahlen der Sonne tiefer in ihre Haut eindringen, was zu einem deutlich erhöhten Hautkrebsrisiko von Rothaarigen führt. In den sonnenarmen Gebieten Nordwesteuropas, z.B. Schottland, Irland und Skandinavien, ist helle Haut aber dennoch durchaus von Vorteil, da es trotz der wenigen Sonnenstrahlen bei Hellhäutigen nicht so leicht zu einer Rachitis durch einen Vitamin-D-Mangel kommt.

Rothaarige sollen angeblich auch schmerzempfindlicher sein als andere Menschen. Dies stimmt jedoch nur zum Teil. Einerseits benötigen sie bei einer Operation mehr Narkosemittel, andererseits wirken aber bestimmte Schmerzmittel, die Morphine, bei ihnen besser. Warum dies so ist, ist bisher noch nicht gänzlich aufgeklärt. Auch empfinden sie Schmerzen durch Hitze oder Kälte stärker, reagieren aber weniger empfindlich auf mechanische Verletzungen durch Nadelstiche, Druck oder Reibung als Blonde und Braunhaarige.

Schmerzende Brustwarzen sind immer ein Warnsignal

Diese Unterschiede machen die rothaarigen Mütter insofern „anfälliger“ für wunde Brustwarzen, da sie allgemein als schmerzempfindlicher angesehen und entsprechend behandelt werden.

Dabei stimmt für das Stillen eher das Gegenteil. Sie sind nämlich für Druck- oder Reibungsschmerzen, die beim Wundwerden der Brustwarze auftreten, sogar weniger empfindlich.

Dadurch wird die Situation jedoch noch verschlimmert. Wenn ihre Brustwarzen beim Anlegen schmerzen, werden diese Schmerzen nicht ernst genommen und als wichtiges Warnsignal bewertet, sondern leider nur allzu oft als unvermeidlich angesehen.

Statt unverzüglich die tatsächliche Schmerzursache herauszufinden und zu ändern, was meist recht schnell möglich ist, wird ihre Haarfarbe beschuldigt, vielleicht erhalten sie sogar noch ein Schmerzmittel und ansonsten so weiter gemacht wie bisher. Leider führt dies nicht selten zum vorzeitigen Abstillen.

Übrigens haben Wissenschaftlicher auch nachgewiesen, dass Rothaarige nicht leichter bluten als andere Menschen. Ein weiteres Ammenmärchen, wie so vieles, was den Rothaarigen nachgesagt wird!

Foto: e³°°° via photopin cc

Sind Sie rothaarig? Teilen Sie doch im Kommentar mit, welche Erfahrung Sie beim Stillen gemacht haben?

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

7 Kommentare

  1. Wir hatten zum Glück von Anfang an schmerzfreies Stillen, da haben meine roten Haare keinerlei schlechten Einfluss gehabt.

  2. Ich bin rothaarig und hatte nie wunde Brustwarzen. Schmerzen hatte ich nur die ersten beiden Tage, ab Milcheinschuss hat es aufgehört.
    Ich würde mich jetzt auch nicht als überaus schmerzempfindlich bezeichnen. Ich neige dazu, bei Schmerz laut zu schreien, was wahrscheinlich normal ist, oder? Dementsprechend laut war ich bei der Geburt, die so schnell war, dass gar keine Zeit für PDA war. 😉

  3. Ich bin rothaarig, dass ich auf Hitze und Kälte stark reagiere, kann ich so unterschreiben, auch dass ich sonst eher schmerzunempfindlich bin. Ich habe bisher auch jede Operation ohne Betäubung erleben müssen, allerdings weil ich sie einfach ausgeblutet habe!
    Ich blute wirklich immer sehr sehr stark und manchmal kann man meine Haut einfach mit den Fingern „abreiben“.
    Stillen konnte ich nur, weil ich wirklich penibelst darauf geachatet habe, dass die Kinder richtig angelegt sind, sonst war sofort nur noch das blanke Fleisch zu sehen.
    Im Sommer musste ich viel Tee geben, und wenns richtig schlimm heiss war, sogar Stillpausen einlegen, weil die Brust so offen und blutig war, dass die Kinder sie verweigerten.

  4. Ich bin rothaarig und kann das unterschreiben. Ich habe meinen Sohn 10 Monate lang unter Schmerzen gestillt. Weil ich ’so empfindlich‘ bin. Die ersten Monate waren wirklich unerträglich. Ich habe bei jedem Anlegen geweint. Nach 3 Monaten wurde es besser, aber schmerzfrei habe ich nie gestillt.

    Und die Narkosen. Ich hatte eine PDA (die ich nicht wollte), die nicht wirkte. Dann wurde nachgespritzt, was ebenfalls nicht wirkte. Dann bekam ich ein zweites Mal eine PDA, welche nur halbseitig wirkte. Beim Kaiserschnitt (den ich natürlich auch nicht wollte) wirkte dann glücklicherweise die Spinalanästhesie.

    Und die Blutungen. Ich hatte eine Uterusatonie. Ich habe 4 Stunden lang geblutet, bevor man mich erneut operierte. Der HB fiel von 14 (bei Betreten des Kreißsaals) auf 5,1. Weil ich ‚ja rothaarig‘ bin. ‚Da kann man nichts machen.‘

  5. Bin rothaarig und muss leider sagen, dass ich ihren Beitrag leider in keinster Weise bestätigen kann.

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