Baby im Tragetuch

Wird mein Baby genügend Eisen bekommen?

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Autorin: Dr. Gill Rapley, 2019 |
Eisenaufnahme ist häufig ein Thema von Bedeutung unter Gesundheitsexperten und, in Folge dessen, machen sich Eltern oft Sorgen, ob ihr Baby genug Eisen bekommt, wenn sie Beikost (oder ‚feste‘ Nahrung) einführen.

Aber, was sind die wirklichen Risiken?
Und warum die ganze Aufregung?
Und welchen Unterschied macht die Entscheidung für Baby-led Weaning?

Die Bedeutung von Eisen

Eisen ist für jeden von uns wichtig. Es spielt eine Schlüsselrolle in vielen unserer Körpersystemen, inklusive dem Immunsystem.

Seine bekannteste Funktion ist jedoch die Produktion von Hämoglobin, das den roten Blutkörperchen ermöglicht Sauerstoff zu unseren Organen zu transportieren.

Wenn die Eisenwerte zu sehr absinken, entsteht eine Eisenmangelanämie. Diese beeinträchtigt das effektive Arbeiten unseres gesamten Körpers, und falls sie schwerwiegend ist, kann dies ernsthafte Folgen für das sich entwickelnde Gehirn von Babys haben.

Außer bei einer zugrunde liegenden Krankheit oder einem plötzlichen Blutverlust, ist aber selbst eine leichte Anämie unwahrscheinlich.

Es ist außerdem wichtig zu bedenken, dass zu viel Eisen schädlich sein kann, da es die Aufnahme von anderen Nährstoffen beeinflusst und das Risiko für Darminfektionen erhöht.

Woher bekommen Babys ihr Eisen?

Die meisten Babys werden mit genug Eisen geboren, um sie mindestens durch die ersten sechs Monate zu bringen.

Daher ist es kein Fehler, dass Muttermilch sichere, niedrige Eisenwerte enthält. Dieser geringe Eisenanteil in der Muttermilch wird schnell aufgenommen und ist für das Baby viel besser verfügbar, als die großen Mengen, die der Säuglingsnahrung hinzugefügt werden.

Die Eisenspeicher, auf die das Baby für etwa die ersten sechs Monate angewiesen ist, werden bei der Geburt angelegt. Gute Werte sind ziemlich gesichert, wenn die Mutter während der Schwangerschaft gesund war, das Baby nach mindestens 37 Schwangerschaftswochen geboren wird und – entscheidend – die Nabelschnur auspulsieren kann, bevor sie abgeklemmt und durchtrennt wird. Das liegt daran, weil das Blut in der Nabelschnur das Blut des Babys ist, das in seinen Körper zurückkehren können sollte.

Zu früh geborene Babys, mangelgeborene Babys, die für ihr Reifealter zu klein sind (sogenannte SGA-Babys = Small for Gestational Age), und jene Babys, deren Nabelschnur vorzeitig durchtrennt wurde, können beginnen zusätzliches Eisen zu benötigen, bevor sie sechs Monate alt sind (mehr dazu siehe unten). Aber die Mehrheit ist nicht gefährdet.

Während der ersten sechs Monate werden die Eisenspeicher langsam geringer. Diese allmähliche Verminderung ist völlig normal; sie geschieht nicht über Nacht und es bedeutet nicht, dass die Werte gefährlich niedrig werden.

Es zeigt nur den Bedarf des Babys an, mit der Aufnahme von Eisen aus anderer Nahrung anzufangen, anstatt seine bestehenden Speicher zu nutzen.

Es ist möglich, dass dies eins der Dinge ist, die Babys veranlassen, mit dem Erkunden von Essen zu beginnen, und es kann sein, dass es bestimmt über welche Nahrungsmittel sie sich anfänglich hermachen.

In den allerersten Wochen mit fester Nahrung, müssen die meisten Babys nur sehr kleine Mengen Eisen aus dem aufnehmen, was sie essen.

Vorausgesetzt eisenreiche Nahrungsmittel gehören zu dem, was dem Baby täglich angeboten wird, und es darf frei entscheiden, was und wie viel es isst, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es nicht genug Eisen bekommt.

Warum also die ganze Aufregung?

Um zu verstehen, warum Eisen so ein bedeutsames Thema ist – besonders in Verbindung mit Baby-led Weaning (BLW) – müssen wir ein wenig über den Kontext von Forschungsbelegen wissen.

Hier sind einige Fakten, die Du vermutlich nicht kennst:

  • Ein Großteil der existierenden Forschungsarbeiten über die Ernährungsbedürfnisse von Babys wurde in einer Zeit durchgeführt, als die Nabelschnur der Babys wenige Sekunden nach der Geburt abgeklemmt und durchgeschnitten wurde. Das Ergebnis war, dass viele Babys das Leben mit sehr viel weniger gespeicherten Eisen begannen, als sie hätten sollen. Was bedeutete, dass ihre Speicher früher abnahmen.
     
    Es ist heute Routine das Auspulsieren der Nabelschnur abzuwarten, bevor sie abgeklemmt wird. Daher hat die Mehrzahl der Babys bessere Eisenspeicher als die Babys, die in den meisten Studien untersucht wurden.
  • Viele der Studien über die Ernährung von Kleinkindern wurden in Niedriglohnländern durchgeführt, wo kleinen Kindern häufig Nahrungsmittel mit sehr geringem Nährwert gegeben wird. Natürlich ist die Eisenaufnahme unter solchen Bedingungen bedenklich, aber es bedeutet nicht, dass Kinder, deren Nahrung nährstoffreicher ist, gleichermaßen gefährdet sind.
  • Forschung über BLW wird erst allmählich veröffentlicht, aber es gibt zumindest zwei publizierte Studien, die kein höheres Risiko für einen Eisenmangel durch BLW gezeigt haben, als mit dem konventionellen Ansatz – vorausgesetzt dem Baby werden von Beginn an eisenreiche Nahrungsmittel angeboten.
     
    Vergessen wir überdies nicht, dass BLW nicht neu ist: Eltern haben es schon seit vielen Generationen gemacht.
     
    Das einzig Neue ist, dass es jetzt einen Namen hat, so dass man nun darüber sprechen kann. Wenn es gefährlich wäre, feste Nahrung auf diese Weise einzuführen, würden wir es schon längst wissen.
  • Als das empfohlene Mindestalter für Beikost erstmalig geändert wurde, änderte sich der Großteil der Informationen, wie dabei vorzugehen ist, nicht.
    Noch heute wird vielen Eltern geraten, mit Obst und Gemüse zu beginnen und Fleisch und andere eisenreiche Nahrungsmittel erst nach ein paar Wochen hinzuzufügen.
     
    Mit sechs Monaten beginnt die überwiegende Mehrheit der Babys erst kleine Mengen von Eisen und Zink zu benötigen, die hauptsächlich in Fleisch, Eiern und Hülsenfrüchten vorkommen, nicht große Mengen von kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln (wie etwa Möhren, Äpfel und Reis), die wenig Eisen enthalten.
     
    Eisenreiche Nahrungsmittel sollten für alle Babys mit etwa sechs Monaten eingeführt werden, idealerweise als die allererste feste Nahrung.
  • Für lange Zeit war Getreide, wie zum Beispiel Reisbrei oder Haferbrei, die erste feste Kost für Babys. Dies ist in vielen Ländern heute immer noch der Fall.
     
    Getreide wurde ursprünglich als eine erste Nahrung beworben, nicht weil es nahrhaft ist, sondern weil es kostengünstig, reichlich vorhanden und jungen Babys leicht zu füttern war.
     
    Als die Bedeutung von Eisen erkannt wurde, haben die Säuglingsnahrungshersteller ihre Produkte schnell mit diesem wichtigen Nährstoff ‚angereichert‘.
     
    Als Ergebnis wurden industriell produzierte Getreideflocken weiterhin beworben, anstelle von Nahrungsmitteln, die von Natur aus reich an Eisen sind. Dabei ist in einer winzigen Menge Fleisch oder Ei mehr Eisen verfügbar, als in einer ganzen Schüssel Reisbrei.
  • In der Vergangenheit wurden Eltern ermuntert die Milchmahlzeiten ihres Babys systematisch zu reduzieren, während sie gleichzeitig feste Nahrung einführten und die Muttermilch mit entsprechenden Nährstoffen in Form von fester Kost zu ersetzen. (Leider werden manche noch immer angewiesen dies zu machen.)
     
    Darum gab es so einen starken Nachdruck darauf, Babys dazu zu bringen ‚genug‘ von bestimmten Nahrungsmitteln zu essen. Obgleich Muttermilch die konzentrierteste, ausgewogenste und am besten verdauliche Nahrungsform ist, die es für Menschen gibt. (Gewiss, wenn es möglich wäre, sie adäquat mit einer Kombination aus anderen Nahrungsmitteln zu ersetzen, würden wir keine künstliche Säuglingsnahrung benötigen!)
     
    Die meisten Babys benötigen einfach keine anderen Nahrungsmittel bis sie ungefähr sechs Monate alt sind, wenn das Ziel ist, ihre Milchmahlzeiten zu ergänzen (oder etwas hinzuzufügen), nicht aber sie zu ersetzen.
     
    Dem Baby Nahrungsmittel anzubieten, die das Eisen enthalten, das es vielleicht anfängt zu benötigen, und ihm zu erlauben, selbst die Menge zu bestimmen, die es isst, bedeutet, es in die Lage zu versetzen, die beste Ausgewogenheit von fester Kost und Muttermilch (oder Säuglingsnahrung) zu bekommen.
  • Forschung über Babynahrung ist stark von der Industrie beeinflusst. Firmen, die Nahrung für Babys herstellen und verkaufen, sind sehr daran interessiert, Eltern und Fachleute zu überzeugen, dass ihre ultra-verarbeiteten, ‚angereicherten‘ Produkte besser sind als frisches, selbst gekochtes Essen.
     
    Forschung über die Ernährung von Babys wird zu weiten Teilen von diesen Firmen finanziert und sie haben viel Kontrolle über das Studiendesign (zum Beispiel, dass dabei ihre Produkte verwendet werden) und über die Art und Weise, wie die Ergebnisse veröffentlicht werden.
     
    Dies verzerrt unweigerlich, was wir über den Bedarf von Babys zu wissen glauben.

Gute Quellen für Eisen

Tierische Produkte sind unbestreitbar die beste Eisenquelle für Menschen, weil sie Häm-Eisen (aus dem Blut des Tieres) enthalten, das von allen Eisenformen am schnellsten aufgenommen wird.

Rotes Fleisch enthält das meiste Eisen, gefolgt von Geflügel, Eiern, Fisch und Meeresfrüchten.

Leber enthält viel Eisen, aber auch hohe Werte an Vitamin A und Toxinen, daher sollte sie nicht öfter als ein- oder zweimal pro Woche gegessen werden.

Nicht-Häm-Eisen, aus Pflanzen, wird weniger gut aufgenommen; die Aufnahme kann aber erhöht werden, wenn Nahrungsmittel mit hohem Vitamin-C-Gehalt bei der gleichen Mahlzeit gegessen werden.

Gute pflanzliche Quellen sind Bohnen, Erbsen und Linsen, mit getrockneten Früchten, wie zum Beispiel Aprikosen, Feigen und Pflaumen, und die meisten grünen Blattgemüse (jedoch nicht Spinat) liefern ebenfalls ordentliche Mengen.

Ironischerweise sind ‚angereicherte‘ Getreide, wie etwa Reisbrei oder Haferbrei, keine guten Quellen für Eisen, weil das hinzugefügte Eisen schlechter aufgenommen wird, als das in anderen Nahrungsmitteln auf natürliche Weise vorhandene Eisen.

Babys mit möglichem erhöhten Eisenbedarf

Zu früh geborene Babys, mangelgeborene Babys, die bei der Geburt weniger wiegen als für ihr Reifealter normal wäre und Babys, deren Nabelschnur vorzeitig abgeklemmt und durchtrennt wird, bevor sie auspulsiert ist (aus welchem Grund auch immer), können zusätzliches Eisen benötigen, bevor sie sechs Monate alt sind.

Allerdings gibt es keinen Beweis, dass es am besten ist, ihnen das Eisen über feste Nahrung zu geben – nicht zuletzt, weil das Füttern von fester Kost beginnt ihre Aufnahme von Muttermilch zu reduzieren und sie dem Risiko für Infektionen und andere Krankheiten aussetzt.

Es ist eher so, dass der geeignetste Weg um sicher zu stellen, dass Babys mit dem Risiko für eine vorzeitige Eisenerschöpfung genug Eisen bekommen, der ist, ihnen Supplemente in Medikamentenform zu geben.

Ein Bluttest ist ein einfacher Weg festzustellen, ob ein Baby gefährdet ist, sprich daher mit deinem Kinderarzt, falls du irgendeinen Zweifel über den Eisenbedarf deines Babys hegst.

Zusammengefasst: Es gibt zahlreiche alarmierende Berichte über Eisen, viele davon sind von der Säuglingsnahrungs-Industrie beeinflusst oder basieren auf überholter oder irrelevanter Forschung.

Alles, was die allermeisten Babys ab etwa um sechs Monate herum brauchen, ist die Möglichkeit wenigstens einmal am Tag eisenreiche Nahrungsmittel zu essen. Auf diese Weise können sie anfangen ihre Eisenaufnahme natürlich zu steigern, sobald ihr Körper ihnen mitteilt, dass sie dies benötigen.

Autorin: Dr. Gill Rapley, Juni 2019
Original: Will my baby get enough iron?
Übersetzung: Regine Gresens IBCLC, Oktober 2019
Foto: timnutt LamportHall-5292.jpg via photopin (license)

 
Hier gibt es Buchtipps zu Beikost/Baby-led Weaning.

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Gesundes Baby mit Mütze

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

2 Kommentare

  1. Ein wunderbarer, fundierter Artikel!! Wie kann man nur denken, etwas nachgemachtes, synthetisches könnte nur annähernd an die perfekt abgestimmte Muttermilch herankommen…
    Mein erster Sohn wollte nur stillen, stillen, stillen. Erst mit 14 Monaten hat er das Essen nach und nach entdeckt. Mit ganz wenigen Ausnahmen: Granatapfelkernchen hat er schon vorher gerne mal zu sich genommen. Damals sagte ich zu meinem Mann: „Bestimmt hat Granatapfel viel Eisen!“, schaute dann nach – und tatsächlich, hat GA einen vergleichsweise hohen Eisengehalt.
    Wie auch immer, ich habe darauf vertraut, dass mein Kind „merkt/weiß/spürt“, wann es bereit ist, zu essen (habe ihm ja angesehen, dass er gesund und munter ist) und was es braucht.
    Wenn mein derzeitiges 3. Stillkind auch so lange ausschließlich stillen wird, werde ich darauf achten, dass meine Depots nicht leerlaufen.

  2. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Zur Zeit betrifft das Thema mich zwar nicht direkt (mein Sohn ist mittlerweile zwei Jahre alt), aber es bestärkt mich absolut in meinem bisherigen Wissen und Handeln. Die Natur entwickelt perfekt ausgeklügelte Systeme. Der Homo Sapiens hätte es gar nicht so weit gebracht, wenn Muttermilch nicht die perfekte erste Nahrung (weit über den 6. Lebensmonat hinaus!) wäre. Es macht mich unglaublich wütend, wie sehr die Industrielobby die (vor allem hormonbedingte) Unsicherheit von Eltern ausnutzt! Schön, dass es noch kritische Menschen gibt, die auf die Natur und ihren Instinkt vertrauen. Liebe Grüße

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