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Wir haben einfach alles so gemacht, dass sie zufrieden wirkte

Wir haben einfach alles so gemacht, dass sie zufrieden wirkte

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Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich 21. Die Schwangerschaft war nicht geplant und hat uns erstmal ziemlich durcheinander gewürfelt.

Für mich war aber relativ schnell klar, dass ich das Kind bekommen wollte.

Während der Schwangerschaft hat sich herausgestellt, dass der Darm unseres Kindes zum Teil außerhalb des Bauches lag (eine so genannte Gastroschisis) und sie nach der Geburt operiert werden muss.

Das schon früh in der Schwangerschaft zu wissen, war einerseits schwierig, weil es uns natürlich belastet hat, andererseits aber auch gut, weil wir so ausreichend Zeit hatten, uns auf die Situation vorzubereiten und ein passendes Krankenhaus auszuwählen.

Nach Gesprächen mit mehreren Ärzten überwog die Einschätzung, dass eine normale Geburt in Bezug auf die Fehlbildung nicht risikoreicher sei als ein Kaiserschnitt, sodass ich mich für eine spontane Geburt entschieden habe (die aus medizinischen Gründen in diesem Fall allerdings in der 36. Woche eingeleitet wird).

Nach der Geburt konnte ich meine Tochter nur ganz kurz sehen, dann wurde sie mitgenommen und einige Stunden später operiert.

Ich habe dann im Krankenhaus begonnen, Milch abzupumpen. Die Milchproduktion kam zum Glück sofort in Gang.

Allerdings konnten wir die Milch zunächst nur einfrieren, da nach einer Darm-OP die Ernährung erst nach einigen Tagen und langsam aufgebaut werden kann.

Beim Kuscheln musste ich immer einen BH tragen, da unsere Tochter natürlich trotz (Nähr-)Infusion immer versucht hat an die Brust zu kommen. Das war schwer auszuhalten.

Beim Pumpen habe ich mich genau an die Empfehlungen gehalten (alle 2 bis 3 Stunden pumpen, jede Brust 10 Minuten lang, glaube ich).

Leider hat im Krankenhaus nie wieder jemand darauf geguckt, wie das so läuft. Erst meine Hebamme zu Hause hat gefragt, wie viel denn so beim Pumpen kommt.

Und das war wirklich viel zu viel. Ich hatte zu dem Zeitpunkt im 2-Stunden-Takt pro Brust über 200 ml, also fast 500 ml insgesamt alle 2 Stunden.

Zu viel klingt ja erstmal nicht so schlimm, aber es war wirklich schwer, diese Menge wieder runter zu reduzieren, denn das war weit davon entfernt, was meine Tochter nach ihrer Entlassung trinken konnte.

So saß ich dann also erstmal mit Weißkohlblättern auf den Brüsten, habe Pfefferminztee getrunken und musste zu Hause trotzdem noch lange nebenher abpumpen, um die größten Spannungen weg zu bekommen, bis es sich nach ein paar Wochen eingependelt hatte.

Da im Krankenhaus die Nahrung, wie gesagt, langsam aufgebaut werden musste, wurde ihr dort meine Milch zunächst aus der Flasche gegeben, um die Menge kontrollieren zu können.

Dadurch hat sie es nach dem Krankenhaus erstmal nicht geschafft, einfach so aus der Brust zu trinken. Wir waren die ersten Wochen auf Stillhütchen angewiesen, was ich als sehr anstrengend empfunden habe.

Nach ca. 6 Wochen, als ich dachte, dass es sich wohl nicht mehr ändern wird, hat es plötzlich doch geklappt. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, es immer wieder ohne zu probieren.

Vielleicht weil wir so jung und ungeplant Eltern wurden, hatten wir wenig Vorstellungen, wie es mit einem Baby laufen soll, und haben einfach alles so gemacht, dass unsere Tochter zufrieden wirkte.

Ich konnte mir vorher überhaupt nicht vorstellen, dass es so viele strenge Meinungen und „Regeln“ gibt, wie ein Baby funktionieren soll.
Unsere Tochter hat im Kinderwagen geschrien, deshalb haben wir sie eben getragen.

Sie hat nicht irgendwo allein geschlafen (das haben wir auch gar nicht ausprobiert, weil es uns irgendwie komisch vorkam, das Baby irgendwo anders hinzulegen), deshalb lag sie halt bei uns im Bett.

Und sie hat nicht einfach aufgehört mit dem Stillen, auch, als sie schon längst viel anderes gegessen hat. Ich habe erst nach und nach gemerkt, dass die anderen gar nicht mehr stillen und ich plötzlich „Langzeitstillende“ war.

Kurz bevor meine Tochter zwei wurde, war ich wieder schwanger und fand das Stillen plötzlich unangenehm. Zu meiner Überraschung war das Abstillen dann ganz unkompliziert.

Bei meinem Sohn ist dann der Vater in Elternzeit gegangen und ich habe nur kurz nach der Geburt weiter Vollzeit studiert.

Wenn ich zu Hause war, habe ich gestillt und in der Uni die erste Zeit abgepumpt. Zum Glück hat er problemlos zwischen Brust und Flasche gewechselt.

Dass wir diesmal tatsächlich alles gleichberechtigt gemacht haben und ich dadurch viel weniger „Exklusivzeit“ allein mit dem Baby hatte, ist mir oft schwerer gefallen als erwartet.

Rückblickend, nach etwas mehr als 1 ½ Jahren, bin ich allerdings sehr froh über diesen Weg. Ich freue mich, dass mein Sohn zwei so enge Bezugspersonen hat und fühle mich dadurch sehr entlastet und viel freier.

Bei mir ist er z.B. immer nur an der Brust eingeschlafen und beim Vater hat es auf andere Weise gut geklappt.

Ich denke, das liegt daran, dass wir es beim zweiten Kind einfach von Anfang an beide gemacht haben und es dem Kind zugetraut haben, bei jedem von uns beiden einschlafen zu können.

Trotzdem ich diesmal viel mehr abwesend war, als beim ersten Kind, hat das Stillen gut funktioniert und ich habe gerade, nach 20 Monaten erst abgestillt.

Sophie

Originalbericht einer Mutter, September 2016
Foto: M.P.

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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