Wie Sie das Stillen (wieder) in Gang bringen

Wie Sie das Stillen (wieder) in Gang bringen

6 Kommentare

Sie haben sich entschieden, Ihre Milchproduktion (wieder) anzuregen und Ihr Baby (wieder) oder Ihr Adoptivbaby an Ihrer Brust zu stillen.

Damit machen Sie Ihrem Baby und auch sich selbst ein großes Geschenk, denn Stillen ist mehr als nur Ernährung.

Neben seinen vielen gesundheitlichen Konsequenzen für Mutter und Kind, fördert es vor allem die Mutter-Kind-Beziehung und bietet zugleich dem Baby Befriedigung und Stimulation für alle Sinne.

Dies ist eine lohnende, aber keine leichte Aufgabe, sondern braucht viel Zeit, Motivation und Geduld. Sie benötigen in dieser Zeit sehr viel Unterstützung und sollten alle Hilfen in Anspruch nehmen, die Sie bekommen können.

Informieren Sie sich vorher gut über das Stillen! Lesen Sie ein Stillbuch*, suchen Sie den Kontakt und Austausch mit anderen stillenden Müttern in einer lokalen Stillgruppe.

Um die Milchproduktion anzuregen, ist es wichtig, dass Sie Ihre Brüste so oft wie möglich (bis zu 12x bzw. ca. 100 Min./täglich) mit einer elektrischen Milchpumpe mit Doppelpumpset gut entleeren.

Fragen Sie Ihre Hebamme nach zusätzlicher Unterstützung durch geeignete Medikamente.

Wenn Sie Ihr Baby das erste Mal (wieder) anlegen, ist es am besten, es einfach mit viel Hautkontakt auf Ihre Brust zu legen und abzuwarten, was geschieht.

Ihr Stillplatz sollte bequem und in einem ruhigen, störungsfreien Raum sein.

Entspannen Sie sich bewusst vor und bei jedem Anlegeversuch.

Erste Stillversuche gelingen meist besser, wenn Ihr Baby nicht zu hungrig oder zu müde ist. Wecken Sie es vorsichtig auf, bevor es selbst vor Hunger erwacht.

Versuchen Sie es anzulegen, wenn es entspannt oder noch im Halbschlaf ist.

Manchmal ist es am besten, erst ein wenig Nahrung wie gewohnt zu füttern, bevor Sie versuchen, es an die Brust zu legen.

Sprechen Sie beim Anlegen und beim Stillen liebevoll mit dem Baby.

Tropfen Sie vor dem Anlegen etwas abgepumpte Muttermilch auf die Brustwarze und den Warzenhof, der Geruch und Geschmack der Milch motiviert es zum Saugen an der Brust.

Halten Sie bei jedem Anlegeversuch auch die gewohnten Fütterutensilien bereit und füttern Sie Ihr Baby damit, wenn es zu frustriert oder gestresst vom Anlegen ist.

Wenn Ihr Baby sich zunächst weigert (wieder) an Ihrer Brust zu saugen, bedeutet das nicht, dass es Sie oder Ihre Brust ablehnt oder das Saugen niemals (wieder) lernen wird. Es braucht einfach nur etwas Zeit, um sich Schritt für Schritt an die neue Situation (wieder) zu gewöhnen.

Füttern Sie es zunächst auf die gewohnte Weise, aber im Hautkontakt. Später lassen Sie es an Ihrer Brust liegen ohne es zu füttern. Irgendwann wird es ganz von allein beginnen, Ihre Brust mit den Lippen und der Zunge zu erkunden und vielleicht von selbst daran saugen.

Lassen Sie Ihr Baby an Ihrer Brust so oft und solange saugen, wie es möchte, denn das stimuliert am besten Ihre Milchproduktion.

Wenn Sie richtig angelegt haben, spüren Sie dabei keine Schmerzen und bekommen auch keine wunden Brustwarzen.

Verzichten Sie möglichst auf das Füttern mit der Flasche. Füttern Sie Ihr Baby stattdessen mit einem Brusternährungsset an der Brust zu. Dann stimuliert es Ihre Brüste, während es gleichzeitig abgepumpte Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung erhält, und lernt so, dass es bei Ihnen satt wird und geht weiterhin gerne an die Brust.

Verzichten Sie weitestgehend auf den Einsatz eines Schnullers, sondern bieten Sie so oft wie möglich Ihre Brust zum Saugen an, auch zwischen den Mahlzeiten, z.B. zum Trost oder zum Einschlafen.

Gönnen Sie sich und Ihrem Baby tagsüber viel Körperkontakt, z.B. durch Tragetuch, Tragehilfe, Kuscheln usw. und schlafen Sie auch nachts gemeinsam.

Überfordern Sie sich nicht, sondern freuen Sie sich über kleine Fortschritte, die Sie einen Schritt näher zu Ihrem Ziel bringen.

Bleiben Sie geduldig und entspannt, Sie und Ihr Baby müssen das Stillen erst (wieder) lernen. Es kann eine Weile dauern, bis Sie beide wissen, wie es geht und es wirklich genießen können.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, 2012
Foto: MuddyBootsPhoto via photopin cc
Original: „Praktische Tipps Ihrer Hebamme zur Wiederanregung der Milchproduktion und zum Stillen eines Adoptivkindes“ in Praxisbuch – Besondere Stillsituationen* von Deutscher Hebammenverband (Hrsg.), S. 442

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

6 Kommentare

  1. Sehr guter Bericht!
    Ich habe einmal eine Reportage gesehen, wo eine Nomadin aus Asien ein Kind adoptiert hat, das seine Mutter verloren hat. Sie hat ihr dann die Brust gegeben (das Mädchen war schon etwas älter), was bei ihnen ganz normal ist, und ihre Milch ist wiedergekommen. Obwohl ihre leiblichen Kinder bestimmt schon knappe 10 Jahre alt waren…
    das hat mich damals tief berührt und beeindruckt. Mit viel Liebe und Geduld ist dies geschehen.
    Und auch ganz wichtig: der Mann war ganz stolz auf seine Frau und beglückt darüber …

  2. Nach einer Mastitis und einem schwierigen Stillstart mit ständig wunden und offenen Brustwarzen musste ich leider einige Zeit auf das Abpumpen und Zufüttern umsteigen. Jetzt wo ich mich wieder erholt habe, möchte ich gerne noch einmal einen Versuch starten und mein Baby an die Brust gewöhnen. Ich hoffe, dass mir diese Tipps helfen werden, doch noch eine glückliche Stillbeziehung zu meinem Baby aufbauen zu können.

  3. Was meinen sie wie lange nach der Entbindung wäre es möglich ohne Medikamente die Produktion wieder in Gang zu bringen?

    • Ich wüsste von keiner Begrenzung nach hinten.
      Es dauert vermutlich länger und braucht mehr Stimulation, aber die Milchproduktion kann noch Jahre nach der Entbindung wieder in Gang gebracht werden, was die Beispiele von relaktierenden Großmüttern in Afrika zeigen.

  4. besonders liebe ich den satz…und schlafen sie auch nachts zusammen….endlich…. traumhaft das zu lesen…

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