Wie Großeltern das Stillen unterstützen können

Wie Großeltern das Stillen unterstützen können

4 Kommentare

Von Kara D. Ishii und M. Jane Heinig

Herzlichen Glückwunsch! Ihre Tochter oder Schwiegertochter hat gerade ein Baby bekommen.
Und sie hat Ihnen mitgeteilt, dass sie stillen will und auf keinen Fall Flaschennahrung füttern möchte.

Damit haben Sie gerade eine wunderbare Gelegenheit erhalten, sie zu unterstützen.

Vielleicht haben Sie aber auch einige Bedenken?

Denn die Flaschenfütterung mag damals für Sie und Ihre Kinder gut funktioniert haben.

Heute wissen wir jedoch mehr über die Bedeutung des Stillens für Mütter und Babys.

Und mit Ihrer Unterstützung können Ihre Tochter und Ihr Enkelkind eine noch bessere Stillerfahrung haben.

Familiäre Unterstützung ist sehr wichtig

Sie waren auch einmal neue Eltern. Sie hatten Ängste und Bedenken, ob Sie das Richtige für Ihr Baby tun.

Ihrer Tochter geht es wahrscheinlich genauso wie Ihnen damals. Sie braucht Ihre Unterstützung jetzt mehr als je zuvor.

Enge Familienangehörige und Freunde spielen eine wichtige Rolle bei den Entscheidungen, die eine Mutter für ihr Baby trifft.

Wenn eine Mutter sich unterstützt fühlt –

  • Wird sie mehr Vertrauen haben und zuversichtlicher sein.
  • Stillt sie länger.

Wenn eine Mutter sich nicht unterstützt fühlt –

  • Wird sie sich von der neuen Verantwortung überfordert fühlen.
  • Ist sie eher geneigt, vorzeitig abzustillen.

Warum ausschließlich stillen?

Auch Sie möchten sicher nur das Allerbeste für Ihr neues Enkelkind.

Und nun fragen Sie sich vielleicht, warum das Stillen so wichtig ist.

In den 1960er und 70er Jahren war Stillen von Babys in vielen Ländern auf der ganzen Welt nicht sonderlich verbreitet.

Viele Ärzte und Familien glaubten, die künstliche Säuglingsnahrung wäre besser als Muttermilch.

Ihnen war gesagt worden, dass künstliche Säuglingsnahrung „alles enthält, was Babys brauchen.“

Heute wissen wir, dass Muttermilch perfekt darauf zugeschnitten ist, die einzige Nahrung eines Babys zu sein.

Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die Babys benötigen, um zu wachsen, und Antikörper und andere Immunfaktoren, die dem Baby helfen gesund zu bleiben.

Ausschließlich gestillte Babys bleiben gesünder, als Babys, die beides bekommen, Säuglingsnahrung und Muttermilch.

Ärzte empfehlen, dass Babys 6 Monate ausschließlich gestillt werden.

Für die nächsten 6 Monate, empfehlen die Ärzte, dass Babys gestillt werden und andere Nahrungsmittel bekommen.

Babys sollten also mindestens 12 Monate gestillt werden.

Was Sie als Großeltern tun können

Wenn eine Großmutter ihre eigenen Kinder gestillt hat, ist es wahrscheinlicher, dass ihre Töchter ebenfalls stillen.

Aber, falls Sie Ihre Kinder nicht gestillt haben, machen Sie sich keine Sorgen.

Es gibt noch genug Dinge, die Sie tun können, um dabei zu helfen, dass die Stillbeziehung zwischen Ihrer Tochter und Ihrem Enkelkind ein Erfolg wird:

  • Halten Sie Ausschau nach Möglichkeiten der stillenden Mutter bei der Haushaltsarbeit oder anderen Aufgaben zu helfen, damit sie in Ruhe ihr Baby stillen kann.
  • Respektieren Sie die Entscheidungen Ihrer Tochter in Hinblick auf die Ernährung des Babys.
    Sprechen Sie es unbedingt mit Ihrer Tochter ab, bevor Sie Ihrem Enkelkind irgendetwas füttern.
  • Gestillte Babys trinken und schlafen oft anders als mit Flaschennahrung gefütterte Babys.
    Erwarten Sie nicht, dass Ihr Enkelkind sich genauso verhält, wie Ihre eigenen Babys es getan haben.
  • Wenn Sie sich irgendwelche Sorgen bezüglich der Ernährungsweise Ihres Enkelkinds haben, übereilen Sie nicht, Ihrer Tochter zu sagen, was sie falsch macht.
    Informieren Sie sich! Eine Hebamme, ein Kinderarzt oder eine Stillberaterin kann Ihnen erklären, woran zu erkennen ist, ob das Baby genug Milch bekommt, oder genug an Gewicht zunimmt, usw. Sie können Ihnen helfen, Ihrer Tochter zu helfen.

Weitere Möglichkeiten eine stillende Mutter zu unterstützen

  • Hören Sie der stillenden Mutter zu. Oft ist es sehr verlockend, jemandem Ratschläge zu geben.
    Aber manchmal kann einfach zuzuhören, die beste Hilfe sein, die Sie geben können.
  • Denken Sie stets daran, dass neue Eltern sehr empfindlich auf die Dinge reagieren können, die jemand zu ihnen sagt.
    Die Art, wie Sie etwas sagen, kann genauso wichtig sein, wie das, was Sie sagen.
  • Ermutigen Sie Ihre Tochter, wenn es nicht so rund läuft.
    Erinnern Sie sie an die Dinge, die sie mit ihrem Baby gut hinkriegt.
  • Stillen muss gelernt werden.
    Wenn Mutter und Baby Schwierigkeiten beim Stillen haben, schlagen Sie ihr freundlich vor, sich an eine Fachperson zu wenden.

Wussten Sie?

Nur Muttermilch enthält…

  • ALLE Nährstoffe, die wachsende Babys brauchen.
  • Immunfaktoren, die alle miteinander helfen, dass das Baby gesund bleibt und sein Immunsystem gestärkt wird.
  • Enzyme, die dem Baby helfen, die Muttermilch zu verdauen.
  • Wachstumsfaktoren und Hormone, die dem Baby helfen sich zu entwickeln und kräftig zu werden.
  • Spezifische Abwehrkörper gegen Krankheitserreger, mit denen die Mutter im Kontakt war, so dass das Baby vor ihnen geschützt ist.

Denken Sie daran –
Ihr Enkelkind hat nur einen Start ins Leben, und Sie können dazu beitragen, dass es der bestmögliche Start wird.

Original: What Grandparents Can Do to Support a Breastfeeding Mother von Kara D. Ishii, MSW, und M. Jane Heinig, PhD, IBCLC, 2004
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, September 2015
Foto: med-8219 via photopin (license)

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Gibt es so einen Artikel auch für Omas von Langzeitstillkindern (20 Monate +)? Wissenschaftlich unterstützt wäre super!
    Meine Mutter drängt immer mehr auf das Abstillen und will, dass ihre Enkelin bei ihr schläft. Ich kann es nicht mehr hören und umgehe mittlerweile fast jede Besuchsgelegenheit, die sich bietet! Schlafen würde, weil wir mit 21 Monaten noch viel stillen. Zum Einschlafen und in der Nacht sowieso…da hat selbst der Papa nichts zu sagen – das Abstill-Ultimatum von ihm läuft mit 24 Monaten ab. Aber daran werden wir Mädels uns auch nicht halten!

  2. Ein guter Text, den ich gerne weitergebe. Leider ist aber nicht bei allen Müttern aus den 80ern das Stillen so hoch im Kurs und selbst wenn sie gestillt haben, dann evtl. nicht so lange und wollen alles mögliche zufüttern und haben auch den Standardspruch auf Lager: Du stillst immer noch? Bist du sicher, dass deine Milch auch reicht? Mir wäre das zu viel Stress, usw.

    Beim ersten Kind habe ich unter anderem aus diesen Gründen, die man mir nannte, was alles schiefgehen könnte, nicht gestillt. Beim zweiten habe ich nicht darauf gehört und ich stille mit Freuden.

  3. Prinzipiell gut, aber meine Vorrednerin hat auf jeden Fall recht!

  4. Guten Tag,

    es wäre auch mal gut, diesen Beitrag zu überarbeiten. Wir haben das Jahr 2015, d.h. die Großmütter sind nicht mehr Mütter aus den 60ern und 70ern, sondern oft aus den 80ern und jünger – hier wurde schon sehr oft gestillt! Die Mütter aus 1960 sind inzwischen Urgroßmütter – Gerade in meiner Generation (Mutter 1983) kam das Stillen aus der Frauen- und Umweltbewegung heraus wieder sehr oft vor und ist seitdem wieder „en vogue“ und inzwischen ja schon länger auch in der Schulmedizin wieder angekommen 😉

    Mfg Martina R.

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