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Wie säugen andere Spezies

Wie andere Spezies säugen

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Autorin: Dia L. Michels, 2001
Viele Tage und Nächte verbrachten wir aneinander gekuschelt in der Höhle, während der ganzen Zeit säugte und leckte ich und schlichtete Streitereien. Sie tranken und schliefen und tranken und stritten, und ich sah zu, wie ihre kleinen, glatten Körper sich mit Milch füllten.

Ihre Augen waren geschlossen, ihre kleine Köpfe drückten in meine Flanke, sie stupsten mich mit ihren Schnauzen, die Kiefer arbeiteten schwer im Rhythmus des Lebens, der am Anfang nichts ist, außer Saugen und Schlucken.“
Aus: Fire, Bed & Bone, Henrietta Branford, Candlewick Press, 1998

Säugetiere

Auf unserer Erde gibt es über 4200 Arten von Säugetieren.

Säugetiere sind Wirbeltiere, die Haare oder Fell haben, Warmblüter sind und deren Weibchen ihre Jungen mit ihrer Milch säugen.

Die Milch von allen Säugetieren enthält Wasser, Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien, Vitamine, zelluläre Bestandteile und Abwehrstoffe.

Aber jede Art produziert eine Milch, die sich qualitativ von der Milch anderer Arten unterscheidet und perfekt an das Wachstum und die Entwicklung der Jungen der jeweiligen Art angepasst ist.

Die Zusammensetzung der Milch hängt von der Wachstumsrate der Art ab.

Frauenmilch hat wenig Eiweiß und wenig Fett.

Säugetiere mit hohem Fettgehalt in der Milch haben in der Regel Jungtiere, die schnell eine dicke Fettschicht bilden müssen, um sie vor Kälte zu schützen.

Säugetiere mit hohem Proteingehalt in der Milch haben dagegen Jungtiere, die schnell wachsen müssen und in kurzer Zeit ausgewachsen sind.

Menschen gehören mit zu den am langsamsten wachsenden Arten aller Säugetiere.

Anteil von Protein und Fett in der Milch

Art % Protein % Fett
Mensch 0,9 3,8
Zwergmeerkatze 2,1 3,0
Ziege 2,9 4,5
Kuh 3,41 3,7
Afrikanische Elefant 4,0 5,0
Schwarzbär 7,0 25,1
Mausohrfledermaus 8,5 15,8
Kegelrobbe 9,2 59,8
Hauskatze 10,6 10,8
Blauwal 11,9 40,9
Hausmaus 12,5 27,0

Ein wichtiges Merkmal aller nicht-menschlichen Säugetiere ist, dass sie ihre Jungen solange säugen, bis diese in der Lage sind, unabhängig von der Mutter zu überleben. 

Gesäugt zu werden ist die entscheidende Brücke zwischen Kindheit und Erwachsensein.

So säugen unterschiedliche Säugetiere

  • Das weibliche Schnabeltier säugt, obwohl es keine Brust oder Zitze hat.
    Die Brustdrüsen befinden sich unter dem Brustkorb des Muttertiers.
    Die Jungen drücken mit ihrem weichen, biegsamen Schnabel gehen den Brustkorb der Mutter und lecken dann die heraustropfende Milch von ihrer Haut und ihren Haaren ab.
  • Wale müssen ihre schnittige, hydrodynamische, effiziente Körperform bewahren.
    Die Milchdrüsen der Weibchen befinden sich daher unter ihren dicken Fettschichten. Diese innerliche Lokation schützt die Milch auch vor Kälte.
    Das Jungtier stößt gegen diesen Bereich und die Milch – so dick wie Sahne – spritzt heraus.
    Ein Grauwalbaby kann am Tag 80 Pfund Walmilch trinken.
  • Nilpferde werden unter Wasser geboren und säugen auch unter Wasser.
    Die Mutter steckt ihren Kopf ins Wasser und hebt ihr Neugeborenes zum Atmen an die Oberfläche.
    Dann taucht das Baby wieder unter, findet die Zitze und saugt, während es instinktiv die Ohren herunterklappt und seine Nüstern verschließt.
    Alle 20 – 40 Sekunden bewegt es sich rasch zur Wasseroberfläche, um zu atmen und zu schlucken.
  • Weibliche und junge Löwen leben gemeinsam in einem Rudel.
    In dem Rudel kümmern sich alle Löwinnen um alle Jungen.
    Anders als die meisten anderen Säugetiere säugt jede Löwin auch jedes fremde Junge.
    Eine schlafende Löwin, die die ganze Nacht über auf der Jagd war, kümmert sich nicht weiter darum, welche Jungen bei ihr trinken.
    Weil alle Rudelmitglieder so eng miteinander verwandt sind, hilft die Löwin der Familie, indem sie auch die Jungen der anderen säugt.
  • Eine Mützenrobbe lebt ungefähr 30 Jahre, verbringt aber nur 4 Tage damit als Jungtier gesäugt zu werden und Kind zu sein.
    Dies ist die kürzeste Säugephase aller Säugetiere.
    Mützenrobben leben im Meer, müssen jedoch außerhalb des Wassers gebären und säugen.
    Die einzige vorhandene feste Fläche sind schwimmende Eisschollen.
    Die Jungen werden genau zu dem Zeitpunkt geboren, wenn das Eis anfängt zu schmelzen und zerbricht.
    Ein plötzlicher Sturm kann die Eisschollen übereinander werfen und Mütter und Jungtiere verletzen.
    Oder eine Eisscholle kann zerbrechen und die Mütter und ihre Jungen könnten getrennt werden.
    Durch die kurze Kindheit werden diese Risiken verringert.
  • Orang-Utans werden 7 Jahre lang von ihrer Mutter gesäugt, von ihr am Körper getragen und schlafen mit ihr gemeinsam – mit eine der längsten Säugephasen von allen Säugern.
    Die Jungen bleiben bei ihren Müttern mindestens bis ein neues Baby geboren wird.
    Männliche Orang-Utans begeben sich dann allein auf Wanderschaft, während die weiblichen Tiere noch einige Zeit bei der Mutter bleiben und beobachten können, wie ein Baby versorgt wird.
    Sie sind ausgesprochene Akrobaten und säugen häufig während sie nur mit einer Hand und einem Fuß an einem Ast herabhängen.
  • Junge Säugetiere werden entwöhnt, wenn die Mutter erneut trächtig ist oder sich auf die nächste Tragzeit vorbereitet.
    In westlichen Kulturen der Menschen wird heute dagegen, die Vorbereitung auf eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit außerhalb des Hauses, als häufigster Grund für das Abstillen genannt.

Original: „How Do Other Mammals Nurse?“ von Dia L. Michels, 2001
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2013

Foto: Joachim S. Müller via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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