Neugeborenes kuschelt sich an seine Mama

Wenn Stillen nicht geht, warum nicht Abpumpen?!!

5 Kommentare

Mein erstes Kind sollte gestillt werden! Ich war fest davon überzeugt, dass es klappen wird – und warum auch nicht?

Ich habe mich hervorragend vorbereitet.

Alles gelesen und gesehen, was es zum Thema gab. Kurse besucht und eine Stillbetreuung gebucht, die mich in der Zeit nach dem Krankenhaus zusätzlich unterstützen sollte.

Wer hätte gedacht, dass noch was schief gehen könnte?

Bei all der guten Vorbereitung wurde eine Kleinigkeit übersehen. Meine Brustwarzen sind sowohl zu flach, als auch sehr groß.

Schon ging es los:
Wunde Brustwarzen, unglaubliche Schmerzen, Milchpilz, abgeklemmte Milchkanäle, Mastitis.
Brusthütchen waren zu klein. Die handelsübliche Pumpe nicht stark genug und mit zu kleinen Brustschalen.

Die Rettung kam aus der Apotheke. Wir besorgten uns eine gute Klinik-Milchpumpe mit Brustschalenaufsatz XXL.

Und beinah über Nacht hatte ich doppelt soviel Milch! Wo ich vorher auf Milchnahrung zurückgreifen musste, war jetzt der Kühlschrank voll von Milch und ich wusste nicht wohin!

Ich möchte mit diesem Beitrag Müttern Mut machen, die verzweifelt sind und das Stillen aufgrund der Schmerzen aufgeben möchten.

Wenn es wirklich vor Schmerzen nicht geht, aber ihr unbedingt stillen möchtet, ist Abpumpen eine gute Möglichkeit beides unter einen Hut zu bekommen.

Die Pumpe gibt es auf Rezept. Die Krankenversicherung bezahlt die ersten 4-6 Monate, je nach Versicherung oder man mietet sich selber.

Dieser Weg macht das Stillen nicht einfacher, er macht es nur möglich!!!

Ihr müsst die ersten Wochen konsequent mindestens alle 2 Stunden für 20-30 Minuten pumpen, auch in der Nacht!
Also genau so, wie das Trinkverhalten eines Säuglings ist.

Meine Empfehlung: Mindestens 8x in 24 Stunden pumpen und anschließend die restliche Milch von Hand ausstreichen, um die Milchproduktion optimal anzuregen und einen kleinen Vorrat an abgepumpter Milch anzulegen. 10x in 24 Stunden wäre großartig, ist aber schwierig. 6x in 24 Stunden ist absolutes Minimum. Mindestens 1x sollte auch in der Nacht gepumpt werden.
Powerpumpen und Brustmassage sind auch sehr hilfreich.
~ R. Gresens

Am besten pumpt man beide Seiten gleichzeitig und hat das Baby in der Nähe, damit der Milchspendereflex besser greift.

Da sind schlaflose Nächte vorprogrammiert! Aber es lohnt sich!!!

Zum einen wird das Baby optimal versorgt.

Zum anderen, wenn endlich genug Milch da ist, kann auch mal Papa oder Oma das Fläschchen geben und Mama kann sich ausruhen oder sogar für zwei Stunden ins Kino gehen.

Nach 2 Monaten hatte ich ausreichend Milch, so dass ich viermal am Tag, also alle 6 Stunden, abpumpen konnte.

Nach 6 Monaten klappte dann auch das Anlegen. Vielleicht weil mein Kleiner größer geworden ist, vielleicht weil die Brustwarzen weiter rauskamen?

Mit 1 Jahr hörte ich auf zu stillen, der Übergang machte meinem Sohn nichts aus, weil er weiterhin Mamas gefrorene Milch bekommen hat, bis die Vorräte ausgingen und die „Neue“ auf einmal komisch schmeckte.

Ich wünsche euch das Beste!

Genießt eure Babys, habt kein schlechtes Gewissen, wenn es doch nicht alles so klappt, wie man sich wünscht oder es einem eingeredet wird.

Ihr habt 40 Wochen euer Bestes getan, um das kleine Wesen gesund auf die Welt zu bringen und die Geburt gemeistert.

Was euer Kleines jetzt braucht, ist vor allem Liebe und Zuwendung.

Liebe Grüße, Allmas

Originalbericht einer Mutter, November 2018
Foto: maessive via photopin (license)

Liebe Allmas, danke für Deinen wichtigen Bericht. Ich finde es super, dass Du Dich für diesen Weg entschieden hast und wie toll ist es, dass das Stillen nach 6 Monaten doch noch geklappt hat. ~ R. Gresens

 
Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

 

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Ein Neugeborenes kuschelt sich an seine Mutter

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

5 Kommentare

  1. Hallo,
    Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Meine Geschichte ist ähnlich nur hatte ich zum Glück weniger Schmerzen ( Mastitis etc.) es hat einfach nicht funktioniert. Mit einem Alter von 4,5 Monaten und zwei Zähnen im Schlepptau hat es dann aber doch noch geklappt. Aus der Not heraus , da ich keine Milch warm hatte, hab ich den kleinen angelegt ( eigentlich nur zum beruhigen…) und plötzlich war es als hätte er nie eine Flasche gesehen.

    Liebe Grüße Lenchen

  2. Danke für deinen mutmachenden Bericht! Ich und mein kleiner Sohn, Frühchen, jetzt 3 Monate nach ET, sind in einer Pumpstillsituation, aber es wäre so langsam mehr als Zeit zum richtigen Stillen zu finden. Du schreibst „Nach 6 Monaten klappte dann auch das Anlegen“, wie habt ihr also dem Übergang von Flasche zur Brust erfolgreich geschafft? Ich kriege das Anlegen bei meinem flaschengewöhnten Kind trotz Stillberatung immer noch nicht hin 🙁

    • Hallo, ich hatte auch große Probleme bei meinem Sohn. Er kam Zehn Wochen zu früh auf die Welt. Bei uns klappte es mit dem Stillen zunächst gar nicht. Auch nicht nach der Entlassung. Erst ganze zwei Monate später war er voll gestillt. Bis dahin habe ich immer konsequent gepumpt und mein Baby hat die Menge an Milch bekommen, die er brauchte. Ich konnte sogar vieles einfrieren.

      Den Grund warum es nicht klappte, fand ich erst drei Monate nach der Entlassung heraus. Es war die Bindung. Denn diese ist bei einem Frühchen nun mal nicht so wie bei einem termingerechten Kind.
      Was passiert denn bei einem zu früh geborenen Kind? Es wird sofort von der Mama weg genommen, untersucht und versorgt. Das ist natürlich lebenswichtig für das Kind. Jedoch kommt der klassische Erstkontakt zwischen Mama und Kind viel später. Ebenso wird das Baby nicht angelegt. Viele haben eine Sonde. Damit wird der Milchspendereflex nicht so aktiviert wie bei Kindern, die reifer geboren werden.
      Und es ist nicht nur das. Normalerweise nimmt eine Mama ihr Baby aus dem Bett wenn es weint. Eine Frühchenmama kann das nicht machen. Sie steht am Inkubator oder Wärmebett und wartet dass die Schwestern reagieren. Eine Frühchenmama kann ihr Baby nicht mal richtig trösten. Sie kann lediglich die Hand in den Inkubator legen und hoffen, dass dieser wenige Körperkontakt ausreicht, dem Kind genügend Wärme, Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.
      Eine andere Mama nimmt ihr Kind auf ihren Arm und gibt dem Baby viel Körperkontakt.

      Selbst das Bonding ist nicht ausreichend um die Bindung gut hin zu bekommen. Natürlich wird das Kind auf die nackte Brust gelegt und es gibt ganz viel Hautkontakt. Aber es sind immer Kabel da. Die Mutter muss warten bis die Schwester ihr das eigene Baby aus dem Inkubator holt. Es geht einfach nicht, dass die Mutter das selbst macht und entscheidet. Es ist immer eine andere Person dazwischen. Der erste Kontakt zu den Bondingzeiten geht also nie von der Mutter aus.
      Natürlich wird das Kind reifer und kann dann in das Wärmebett wechseln und später sogar in ein richtiges Bett. Und dann darf die Mutter auch immer mehr mit ihrem Kind machen. Doch es ist nicht das zu Hause der Familie. Es ist immer eine gwisse stressige Umgebung.
      Hier piept das Nachbarkind. Ein Zimmer weiter brüllt sich ein Baby gerade ein und drei Räume weiter kämpfen die Ärzte gerade um ein noch sehr junges Leben. Dabei bleibt doch niemand wirklich entspannt!
      Und dies alles beeinflusst die Bindung zu einem Baby enorm.

      Dennoch haben wir es geschafft. Mein Sohn war wie schon geschrieben nach zwei Monaten voll gestillt.
      Das was uns geholfen hat, war das Üben des Kuschelns mithilfe einer Ergotherapeutin. Mein Sohn musste also lernen, dass Körperkontakt zu mir gut ist und er sich dabei entspannen kann. War eine anstrengende Sache, aber damit hat es schließlich geklappt. Denn er hat sich beim Anlegen nicht mehr weggedreht und trankt auch viel entspannter.

      Meine Empfehlung dazu lautet also: Suche dir eine (Ergo)Therapeutin, die die Körperinteraktionstherapie nach IntraAct als Fortbildung hat und lass dich von ihr anleiten.
      Alles was du mit deinem Kind hier machst ist für die spätere Entwicklung sehr wichtig, nicht nur für das Stillen. Denn ein Kind mit Störung in der Bindung wird nie richtige Freundschaften haben und später auch Schwierigkeiten in der Partnerschaft.
      Das ist bei euch nun mal der Situation geschuldet und hat nichts damit zu tun, dass du eine schlechte Mutter bist.
      Es ist neben den viele Regulationsproblemen eines der Folgeprobleme, die ein Frühchen so hat.

      Wenn du Interesse hast, kann ich dir gern noch mehr dazu schreiben, wie sich das bei uns ausgewirkt hat und was wir dagegen gemacht haben.

      Und an Frau Gresens gerichtet:
      Können Sie bitte das Stillen und die Bindung noch einmal thematisieren? Ich weiß von der Stillberaterin, die uns sehr viel beraten und geholfen hat, dass dies in der Aus- und Fortbildung viel zu kurz kam. Die Stillberaterin sieht in der Bindung viele Möglichkeiten für Mütter das Stillen doch noch zu schaffen.

      Gruß
      Frühchenmama

      • Liebe Frühchenmama,
        vielen Dank für die Anregung.
        Stillen und Bindung gehören natürlich zusammen, das hat die Natur schon so vorgesehen.
        Das kann ich gerne auch mal thematisieren, allerdings weiß ich noch nicht, wann ich dazu kommen werde.
        Habe es mir aber schon mal auf die Liste der möglichen Themen gesetzt.
        Herzliche Grüße,
        Regine Gresens

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