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Baby auf der Waage

Vom Wiegen nimmt das Kind nicht zu

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Ich erlebe in meinen Stillberatungen immer wieder, dass gestillte Babys nicht genug zunehmen, aber darauf nicht (oder zu spät) angemessen reagiert wurde.

Die Babys sind meist sehr häufig und lange an der Brust, schlafen dabei aber oft recht schnell ein, machen wenig in die Windeln und nehmen nur zögerlich an Gewicht zu.

Da sie häufig sehr unzufrieden sind und kurz nach dem Stillen wieder weinen, werden sie oft auch noch mit allen möglichen Mitteln gegen „Koliken“ behandelt.

Irgendwann wird dann beim Kinderarzt oder von der Hebamme festgestellt, dass das Baby nur ca. 150 g pro Woche zunimmt. Nun bekommt die Mutter in der Regel den Rat, öfter oder länger anzulegen und nach einer Woche wieder zum Wiegen zu kommen.

In vielen Fällen zieht sich dieses Vorgehen über mehrere Wochen hin, in der Hoffnung, dass sich die Schwierigkeiten von alleine auflösen werden.

Für die betroffene Mutter ist dies aber in jedem Fall eine äußerst stressige Situation.

Weil Stillen ja das Beste für das Baby ist, ist sie hochmotiviert, legt quasi den ganzen Tag über immer wieder an und trinkt dazu noch Unmengen an Stilltee, der ihr vielleicht noch nicht einmal schmeckt.

Denn überall ist schließlich zu hören und zu lesen, dass fast alle Mütter stillen können. Gleichzeitig spürt sie selbst, dass das Stillen, so wie es bei ihr läuft, nicht in Ordnung ist und fürchtet sich schon vor dem nächsten Wiegetermin.

So kommt oft eine Abwärtsspirale in Gang. Denn Stress und unzureichende Entleerung der Brüste führen dazu, dass die Milchproduktion zurückgeht, während aber gleichzeitig das wachsende Baby immer mehr Nahrung benötigt.

Nach mehrfachen frustrierenden Wiegeergebnissen sagt der Kinderarzt oder die Hebamme irgendwann, dass nun doch künstliche Säuglingsnahrung mit der Flasche zugefüttert werden müsse, damit das Baby ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird.

Nachdem das Baby dann die erste Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung getrunken hat, ist es wie ausgewechselt. Es schaut entspannt und interessiert umher oder schläft satt und zufrieden sein.

Im Verlauf der nächsten Tage sind dann oft auch die vermeintlichen „Koliken“ verschwunden. Und endlich zeigt sich auf der Waage die lang ersehnte, normale Gewichtszunahme…

Was für eine Enttäuschung für die Mutter! Trotz all der Anstrengungen hat sie es nicht geschafft, ihr Baby satt zu bekommen! Hinzu kommt dann auch noch das schlechte Gewissen, den Hunger des Babys nicht richtig erkannt zu haben.

Oft ist die Mutter durch diesen Verlauf so verunsichert, dass sie von nun an genau wissen möchte, ob ihr Baby auch genug an ihrer Brust getrunken hat. Sie leiht sich vielleicht eine Babywaage bei einer Apotheke und wiegt das Baby nun selbst täglich oder sogar vor und nach jeder Stillmahlzeit.

Schnell nimmt die Menge der zugefütterten Säuglingsnahrung zu und die mütterliche Milchmenge immer weiter ab. Früher oder später stillt die Mutter dann meistens vorzeitig ab, obwohl sie eigentlich vorhatte, länger zu stillen.

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch!
Ich finde es wichtig, dass das Bedürfnis des Babys nach Nahrung angemessen befriedigt wird, genau wie alle seine anderen Bedürfnisse.
Und ich finde es richtig, dem Baby künstliche Säuglingsnahrung zu geben, wenn tatsächlich nicht (mehr) genug Muttermilch vorhanden ist.

Aber in vielen Fällen könnte die künstliche Säuglingsnahrung und insbesondere das vorzeitige Abstillen vermieden werden, wenn frühzeitiger gezielt eingegriffen würde.

Denn vom Wiegen alleine nimmt das Kind nicht zu, stattdessen müssen die Ursachen für die geringe Gewichtszunahme erkannt und, wenn möglich, die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, um die Ursachen aufzulösen.

Was können Sie tun, wenn Ihr Baby nicht genug zunimmt?

  • Das Wichtigste: Warten Sie nicht zu lange ab!!
  • Probieren Sie nicht ungezielt alle möglichen Tipps aus.
  • Als Erstes sollten Sie Ihre gesamte Stillsituation qualifiziert überprüfen lassen. Nur so können die individuellen Ursachen festgestellt werden und die für Sie richtigen und möglichen Maßnahmen gemeinsam mit Ihnen erarbeitet werden.
  • Zusätzlich muss sicher gestellt werden, dass Ihr Baby mehr Nahrung bekommt als bisher. Dazu müssen Sie etwas verändern.
  • Wenn Sie genug Muttermilch haben, das Baby die Milch aber selbst (noch) nicht ausreichend aus Ihrer Brust holen kann, sollten Sie zusätzlich nach dem Stillen abpumpen und die abgepumpte Muttermilch zufüttern, idealerweise mit einem Brusternährungsset.
  • Wenn Ihre Milchmenge aktuell (noch) nicht ausreicht, um das Baby satt zu machen, füttern Sie immer erst die abgepumpte Muttermilch zu und dann noch soviel künstliche Säuglingsnahrung (PRE oder bei familiärem Allergierisiko HA-PRE), wie nötig. Füttern Sie möglichst mit einer Stillhilfe zu, damit Ihr Baby an Ihrer Brust satt wird und auch weiter gerne an Ihre Brust geht.
  • Arbeiten Sie gleichzeitig mit den für Sie geeigneten Maßnahmen gezielt daran, Ihre Milchmenge zu erhöhen.
  • Nach einer kurzen Zeitspanne von einigen Tagen sollte das Gewicht Ihres Babys wieder kontrolliert werden. Nur so lässt sich feststellen, ob die Maßnahmen erfolgreich waren.
  • Wenn Ihre Milchmenge ansteigt, können Sie anfangen, die Menge der zugefütterten künstlichen Säuglingsnahrung allmählich zu reduzieren. Währenddessen muss weiterhin in regelmäßigen Abständen (aber nicht täglich) die Gewichtszunahme überprüft werden.
  • Auch wenn sich Ihre Milchmenge nicht ausreichend steigern lässt, ist es sinnvoll, solange wie möglich weiterhin anteilig Muttermilch zu füttern, sei es nun an der Brust oder abgepumpt und aus der Flasche, und nur soviel künstliche Säuglingsnahrung wie nötig zusätzlich zu füttern.
  • Und weil es so wichtig ist, noch einmal: Warten Sie nicht zu lange ab!
    Je früher Sie wissen, was (noch) nicht optimal läuft, desto eher können Sie die Abwärtsspirale beenden und zu einem entspannten, glücklichen Stillalltag finden.

 
Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Januar 2014
Foto: madprime via photopin cc

Weitere Infos: Woran erkenne ich, dass mein Stillbaby genug Muttermilch bekommt?

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

16 Kommentare

  1. Meine Kleine ist jetzt 11 Monate und war ein Frühchen und von Anfang an klein und zart. Sie isst normal Frühstück, Snacks, Mittags und Abends. Meistens mit uns mit- Kartoffeln, Reis, Gemüse, Fleisch, Brot….etc… Nachts stille ich noch. Und 2 mal am Tag. Nun sagte die Ärztin, weil die Kleine so wenig wiegt. Soll ich das Stillen komplett einstellen, daran könnte es liegen, dass sie so wenig zunimmt. Kommt mir sehr komisch vor. Denke eher, dass ihr die zusätzliche Milch, vor allem Nachts gut tut. Ist ca 68 cm und 6,6 kg schwer.

  2. Hallo ihr lieben!

    Diese Statistik macht ein ganz verrückt!
    Jedes kleine Menschlein ist anders, das eine nimmt schneller zu, das andere langsamer… ich mach mich nicht verrückt!
    Heute war ich beim Arzt und meine Tochter wiegt jetzt 5230g mit 3 Monaten, meine Arztin sagt, es sei zu wenig….ich muss dagegen sagen, sie trinkt viel und ist danach immer zufrieden (alle 2Std.) spuckt zwischendurch…macht ordentlich in die Windel und schläft gut…Dementsprechend geht es ihr gut!
    Wenn sie sehen ihrem Schätzchen geht es gut…dann kommt es auf 200g. mehr oder weniger nicht drauf an!

    Wünsche allen Muttis alles Liebe!

    • Liebe Lisa S. GENAU DAS durfte ich heute von unserem Kinderarzt hören. Mein Sohn, 3 1/2 Monate alt, wog heute in der Praxis 5240g und da sagte er, meine Milch würde wohl nicht ausreichen, wenn sich das Gewicht innerhalb der nächsten Wochen nicht intensiv erhöht, muss ich zufüttern!
      Wie bitte? Mein Sohn wird satt! Hat mehrere nasse Windeln am Tag, spuckt sogar überschüssige Milch aus und ich bin seit heute Morgen regelrecht panisch, weil der Mann mir den Floh ins Ohr gesetzt hat, mein Kind sei zu dünn. Entweder diese Ärzte wissen nicht, was sie anrichten, oder empfinden Lust dabei, Mütter so zu treffen. Anders kann ich es mir nicht erklären.

      • Meine ist da genauso. Und unsere ist noch leichter. Heute dürfte ich mir anhören, ich müsste doch was tun. Sagte, sie isst gut und Windeln sind gut. Ich kann sie doch nicht zwingen mehr zu essen, wenn sie satt ist. Ich finde auch, dass einem da schnell versucht wird die Schuld zu geben. Jedenfalls fühlt man sich so. Man muss wirklich versuchen, es nicht an sich ran kommen zu lassen. Und die Ärzte sollten mehr auf die einzelnen Kinder und weniger auf ihre Tabellen eingehen.

  3. Pingback: “Ihre Milch reicht nicht!”

  4. Hallo,
    ich habe am 27.07. entbunden und stille meinen Sohn seitdem. Er ist mein zweites Kind, bei meinem ersten Sohn wurde ich im Krankenhaus schlecht beraten und konnte dann sechs Monate lang nur mit Hütchen stillen und musste ab dem vierten Monat zu füttern wegen zu geringer Gewichtszunahme. Dennoch stillte ich ihn neun Monate. Jetzt habe ich mit Nummer zwei ein mir bis dato unbekanntes Problem…ich habe mich gut aufs Stillen vorbereitet, die richtige Technik zeigen lassen, Kind immer bei mir behalten, oft angelegt, auf meinen Instinkt statt auf gut gemeinte Ratschläge gehört. Mein Baby tut jetzt aber genau das oben beschriebene, er trinkt nicht gut und lange genug, schreit und hampelt vor der tropfenden Brust herum, um dann nach drei Zügen erschöpft einzuschlafen. Geburtsgewicht waren 3180 und jetzt sind wir bei 2800 Gramm, nun muss eine Lösung her. Ich würde so gerne stillen und mache mich genauso fertig, wie sie es in Ihrem Artikel beschreiben! Schrecklich…
    Allzuviel bekomme ich nicht abgepumpt, habe das Gefühl die Milch geht bereits wieder zurück. Wie kann ich hinsichtlich des Zufütterns vorgehen, damit ich vielleicht noch eine kleine Chance habe, weiter zu stillen?
    Vielen Dank, besonders für den Artikel, erschreckend wie sehr ich mich darin wiederfinde!

  5. Hallo, mein Sohn ist 4 Wochen alt. Er trinkt an einer Brust mit saugen und schlucken ca 15 min. Ohne einzuschlafen oder große pausen zu machen. Danach läßt er von alleine ab und ist total entspannt. Auch zwischen den Stillmahlzeiten, zufrieden und schreit nicht. Er spuckt in den Pausen meist 2-3 mal. Milchbildung hat sich momentan gut eingestellt, kommt nicht mehr so viel milch, so dass das Spucken auch besser geworden ist.
    Leider nimmt er seit 2 wochen auch nur 150g/Woche zu.
    Was soll ich tun? Bis zur U 3 nächste Woche warten oder vorher zum Kinderarzt. Hebamme ist noch zufrieden, mal sehen was sie morgen sagt…..
    Milchprodukte lasse ich jetzt schon seit 3 Wochen weg.

  6. Schlimm, wie jungen Müttern durch die Medien und die Gesellschaft eingeredet wird, dass sie abnormal seien, wenn sie ihr Kind nicht stillen wollen/können. Das ist ja das, was dann wehtut und fertigmacht, der ständige gespürte Druck. Von ihm muss man sich losmachen. Es liegt wohl auch die Angst dahinter, das Kind, das man ja liebt, könne nicht zu einem völlig gesunden Menschen heranwachsen, Defizite erleiden. Man will ja nur das beste für das eigene Kind. Sehen wir hier nicht wieder den giftigen Trend der Selbstoptimierung?

  7. Nicht immer liegt es an der Milchmenge. Bei uns war eine Kuhmilch-Allergie schuld, dass die Kleine nicht zugenommen hat. Deshalb ist es wichtig, früh genug im Krankenhaus mal für 3 Tage zu testen, ob die Kleinen genug bekommen und dann drauf bestehen, dass getestet wird. Passiert uns beim Zweiten bestimmt nicht nochmal, dass wir fast ein Jahr lang fast jede Woche die Kleine zum Wiegen bringen sollen und es dann immer heißt, die Kleine bekommt nicht genug. Beim Nachwiegen im Krankenhaus kam raus, die Kleine hatte pro Tag sogar 300 ml zuviel getrunken. Jetzt ist sie 1 Jahr, ich stille immer noch 1mal am Tag. Auch wenn der Verzicht auf Milchprodukte nicht immer leicht ist, für das tolle Gefühl beim Stillen verzichte ich gerne 🙂

  8. Liebe Regine,
    Vielen dank für diesen Artikel, denn nun weiss ich: ich bin nicht allein! Was Sie beschrieben haben passt zu 100% auf die mir wiederfahrene Situation. In den ersten 3 Wochen hat mein Baby dauergestillt, und trotzdem danach geschrien, die Hebamme hat nur selten gewogen und so haben wir erst spät gemerkt, dass er nicht zunimmt. Der Rat war dann, mehr anzulegen, aber ich tat schon den ganzen Tag nichts anderes! Das Ende vom Lied war die Empfehlung zuzufüttern. Und wie satt mein Baby plötzlich war! Das schlechte Gewissen, dass er offensichtlich in dieser Zeit hungern musste, plagt mich noch heute.
    Im nachhinein hat niemand richtig hingeschaut und sich auch für die wahren Gründe nicht interessiert, warum das Stillen nicht in Gang kam. Heute denke ich,dass meine Anlegetechnik nicht optimal war. Ich habe mich dann von der Hebamme getrennt und bin regelmäßig zu einer Stillgruppe gegangen. Nach ca. 4 Monaten haben wir den Absprung von der Flasche geschafft. Mein Baby ist jetzt 14 Monate alt und ich stille noch immer.
    Danke für ihren Artikel und ich hoffe viele Frauen lesen ihn und müssen ihr Baby nicht unnötig leiden lassen.

    • Liebe Grit,
      schön, dass Sie es geschafft haben und immer noch stillen.
      Dass Sie ein schlechtes Gewissen haben, kann ich gut nachvollziehen. SIE haben aber sicher ALLES getan, was Sie tun konnten.
      Beim ersten Kind ist man eben am Anfang noch sehr unsicher und sollte daher eigentlich auch auf den Rat der Fachleute vertrauen können, was aber leider in der Realität nicht immer möglich ist.
      Stillgruppen können hier wirklich eine gute Anlaufstelle sein.
      Ich hoffe, dass Sie das Stillen nun jedenfalls noch so lange genießen, wie es für Sie und Ihr Baby richtig ist.
      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  9. In dem Artikel fehlen mir drei Punkte:

    – bei gestillten Kindern verläuft die Gewichtszunahme selten entsprechend der Statistik. Gerade wenn sie mobiler werden steht der Zeiger der Waage oft für eine Weile oder bewegt sich nur ganz langsam. Nur an dem Gewicht kann man nicht immer erkennen, ob das Kind genug Milch bekommt.

    – Zugefüttert werden sollte nur mit dem Becher oder Löffel. Die Flasche zu geben führt über kurz oder lang zum Abstillen.

    – Das Brusternährungsset ist ein tolles Hilfsmittel, damit das Kind während dem Stillen satt wird. So wird auch gleichzeitig die Milchproduktion angeregt und es ist nicht mehr Arbeit, als eine Flasche zu machen.

    Ansonsten ein super Artikel!

    Viele Grüße

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