Vom Stillen mit Hütchen und einem langen schwierigen Stillstart

Vom Stillen mit Hütchen und einem langen schwierigen Stillstart

1 Kommentar

Acht Wochen hat es gedauert, bis ich relativ entspannt (mit Stillhütchen) stillen konnte. Hätte ich Erfahrungsberichte von anderen Müttern gehört, so wäre es vermutlich nicht so eine Odyssee geworden. Daher möchte ich meine Erfahrung gerne teilen.

Die Schwangerschaft verlief problemlos und auch vor der Geburt hatte ich keine Angst.

Eine Bekannte machte mich jedoch darauf aufmerksam, wie häufig es zu Stillproblemen kommen würde und riet mir, noch vor der Geburt zu einer Stillberatung zu gehen.

Nicht, dass ich ihr nicht glaubte – ich konnte es einfach nicht nachvollziehen: Frauen stillen ihren Nachwuchs doch schon immer. Wie kann es da sein, dass so viele Frauen Probleme haben?

Auch in meiner Familie und in unserem Freundeskreis schien alles auf Anhieb geklappt zu haben. Vorsorglich hatte ich mich immerhin in einem besonders stillfreundlichen Krankenhaus angemeldet.

Die Geburt verlief komplikationslos, doch bekam ich vom ersten Anlegen im Kreißsaal gleich riesige Blutergüsse an beiden Brüsten – die Hebamme hatte nicht auf das Anlegen geachtet und ich habe wohl durch die PDA keine Schmerzen gespürt.

Das Anlegen an den folgenden Tagen verursachte mir höllische Schmerzen. Ich versuchte tapfer zu sein und jede Schwester hatte einen anderen Tipp, wie es mit dem Stillen klappen könnte.

Dann kam irgendwann der Vorschlag, es mit einem Stillhütchen zu probieren. Von meiner Nachsorgehebamme wusste ich, dass dies nicht ideal ist, doch mir wurde versichert, dass es für den Anfang eine gute Lösung sei.

Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt andere Sorgen. Mein Baby hatte zu viel abgenommen, weshalb ich abpumpen und es alle 2 Stunden wecken und füttern musste. Ich war einfach froh, dass ich weiter stillen konnte.

Nach fünf Tagen durften wir die Klinik verlassen.

Mit dem Anlegen hatte ich trotz der Beratung im Krankenhaus nach wie vor große Probleme. Hinzu kam, dass ich weiterhin abpumpen und mein Baby alle 2 bis 4 Stunden stillen und danach zufüttern musste. An Schlaf war nicht zu denken und die Sorgen um mein Kind, haben mich verrückt gemacht. Meine Nerven lagen blank.

Nach der Entlassung besuchte mich meine Hebamme, die – wie sich leider erst im Nachhinein herausstellte – keine Ahnung vom Stillen hatte!

Sie machte mir (die ich ein nervliches Wrack war) große Vorwürfe, dass ich das Stillhütchen angenommen hatte und erklärte mir, dass wir es sofort abgewöhnen müssten, da es schon in wenigen Tagen zu spät dafür sein könnte und ich dann maximal ein paar Monate stillen könne, da die Milchbildung beeinträchtigt sei.

Nicht stillen zu können, war mein größter Albtraum und so folgte ich ihrem Rat und leider zunächst auch ihren Methoden. Sehr rabiat versuchte sie meinem Baby meine Brust in den Mund zu stecken, was letztlich dazu führte, dass meine Kleine eine regelrechte Aversion gegen meine Brust entwickelte.

Auch riet sie mir dazu, zuzufüttern (u. a. künstliche Nahrung), da es sonst nicht reichen würde. Durch den zusätzlichen Stress setzte nun auch der Milchspendereflex nur verzögert ein, was meine Anspannung noch größer werden ließ.

Nachdem wir es gut zwei Wochen erfolglos mit ihrer Methode versucht hatten, entschied ich mich, mich trotz der Entfernung an eine Stillberaterin IBCLC zu wenden.

Sie riet mir dazu, erst einmal den Stress zu reduzieren und Harmonie in die Stillbeziehung zu bringen. Erst danach würden wir das Stillhütchen abgewöhnen.

Sie machte mir klar, dass meine Probleme in erster Linie durch meine Anspannung herrührten. Daher riet sie mir davon ab, zuzufüttern und abzupumpen; all das erhöhe nur den Stress und Schlafmangel.

Obwohl ich ihr als IBCLC-Expertin deutlich mehr vertraute als meiner Hebamme, hat es noch einmal drei Wochen gedauert, bis ich ihrem Rat konsequent folgen und mich von meiner Hebamme trennen konnte und mich endlich getraut habe, auf das Zufüttern zu verzichten, das uns so viel Mühe und Schlaflosigkeit beschert hatte.

Da war mein Baby bereits 6 Wochen alt. Nach weiteren zwei Wochen waren mein Zwerg und ich endlich besser eingespielt und auch der Milchspendereflex setzte nun schneller ein.

Immer mal wieder hatte ich in dieser Zeit versucht, das Hütchen wegzulassen, doch sofort kam der alte Stress zurück.

Also arrangierte ich mich irgendwann mit den Stillhütchen, was eine gute Entscheidung für mich war.

Mittlerweile ist meine Tochter sieben Monate alt und ich stille immer noch nach Bedarf – mit Stillhütchen – wobei die Maus seit ca. vier Wochen bei jeder Stillmahlzeit auch ohne Hütchen trinkt und nachts häufig komplett auf das Hütchen verzichten kann.

Meine Hebamme hatte mir ja prophezeit, dass die Milchbildung zurückgehen würde; doch das ist offensichtlich nicht der Fall.

Meine IBCLC-Stillberaterin hat mir versichert, dass die Milchbildung durch die Verwendung von Hütchen nicht beeinträchtigt ist.

Da muss ich als Stillberaterin IBCLC allerdings doch widersprechen.
Denn so generell stimmt das nicht. Es gibt sehr wohl etliche Mütter, deren Milchbildung durch Stillhütchen beeinträchtigt wird oder deren Kinder damit nicht genug Muttermilch bekommen.
Relativ unproblematisch ist der Gebrauch von Hütchen für eine längere Zeit meist nur bei Müttern, die eher zu viel Milch und einen sehr starken Milchspendereflex haben, obwohl ich persönlich sie auch in diesen Fällen nicht empfehlen würde.
~ R. Gresens

Ein Nachteil der Stillhütchen in meinem Fall sind jedoch wöchentlich wiederkehrende Milchstaus, da meine Brüste wohl so nicht richtig entleert werden. Doch dadurch, dass meine Kleine nun so häufig ohne Hütchen trinkt, werden auch diese seltener.

Unser Alltag ist nun schon monatelang stress- und sorgenfrei, unsere Maus ist ein sehr ausgeglichenes, aber aufgewecktes Baby und ich genieße meine Elternzeit in vollen Zügen. Ein Stillprofi bin ich immer noch nicht, aber es reicht für eine schöne Stillbeziehung.

Mittlerweile weiß ich, dass auch die Mütter in unserem Freundeskreis allesamt einen schwierigen Stillstart hatten und einige von ihnen die ersten Wochen mit Hütchen gestillt und es erst dann erfolgreich abgewöhnt haben.

Hätte ich das nur gewusst, ich hätte mir bestimmt nicht so einen Stress gemacht!

Warum sprechen alle nur von den schönen Seiten des Kinderkriegens? Der Schlafmangel in den ersten Tagen ist Folter. Das Abpumpen ist Erniedrigung pur! Die plötzliche Verantwortung macht Angst.

In meinen Augen kann man all das zugeben, ohne dadurch das Wunder der Geburt herabzusetzen. Die Freude und Dankbarkeit für unser Baby war ungetrübt trotz dieses ersten Kraftaktes.

Ich wünsche mir, dass sich mehr Frauen trauen, auch über die weniger schönen Dinge der Geburt und des Wochenbettes zu berichten, weil es anderen Mut macht. In diesem Sinne wünsche ich allen frisch gebackenen Müttern mit Stillschwierigkeiten Gelassenheit und Vertrauen, dass alles gut werden wird.

Johanna

Originalbericht einer Mutter, April 2018
Foto: Fraser Mummery Eat Them All! via photopin (license)

 
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Mein Ziel (mit diesem Blog und auch mit meinem Buch) ist, darauf hinzuweisen, dass die verbreiteten Schwierigkeiten, die Mütter heutzutage beim Stillen haben, nicht naturgegeben sind, sondern dass es die Umstände sind, die es Müttern und ihren Babys heute so schwer machen.
Ich arbeite dafür, dass sich daran etwas ändert und die heute häufigen Probleme vermieden werden oder aber falls es doch Probleme gibt, diese schneller mit kompetenter fachlicher Unterstützung aufgelöst werden, damit solche Erfahrungen, wie die von Johanna beschriebenen, möglichst nur noch ganz selten vorkommen.
~ R. Gresens

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Liebe Johanna,
    Schön, auch nochmal im Internet eine ähnliche Geschichte über Stillhütchen zu lesen/hören! Ich fühle mich zurückerinnert an meine Geschichte (die nun schon ein Jahr zurückliegt)…

    Nach der Geburt wollte mir die Entbindungshebamme einen Tropf mit künstlichem Oxytocin anhängen („gegen die Blutung“, sagte sie, scheinbar ein Standard-Prozedere, damit man nicht so lang auf die Plazenta warten muss). Ich verneinte, hatte aber Bedenken, sie könnte es später nochmal versuchen. Da ich wusste, dass echtes Oxytocin beim Stillen ausgeschüttet wird, wollte ich unser Baby anlegen, obwohl es noch nicht nach der Brust gesucht hatte (es war gerade ein paar Minuten alt). Die Hebamme bemerkte meinen Anlegeversuch und sagte „Sie wollen es anlegen“, und schob meine Brustwarze in des Babys Mund (mit Plastikhandschuhen wohlgemerkt). Da unser Baby nicht begann zu saugen, ließen wir es bleiben und versuchten es auch einige Stunden/Minuten später nicht wieder. Die Plazenta kam aber trotzdem!
    Am ersten Tag im Krankenhaus bot ich die Brust permanent im Liegen neben dem Baby an. Was ich nicht wusste – es konnte sich noch nicht „heranwagen“, ich hätte es eigentlich (wohl am besten in der Wiege-Haltung) sanft an die Brust nehmen müssen, weil es sich ja noch kaum selbst bewegen konnte. Im Krankenhaus herrschte die altbekannte Kontroll-Manie à la „Wann hat Ihr Kind wieviel getrunken?“. Weil ich mich von den Kontroll-Fragen bei der Visite unter Druck gesetzt fühlte, behauptete ich, ich hätte dannunddann „gestillt“, meist im erfundenen 4-Stunden-Takt, damit sie mich in Ruhe ließen. Nachdem unser Baby 24 Stunden auf der Welt war (und ich immer noch nicht wusste, wie sich „saugen“ anfühlte) war ich überzeugt, es habe Hunger, denn es weinte. Ich ging nachts ins Stillzimmer, in dem fast nur Frauen ohne Baby waren, die abpumpen mussten. Die Nachtschwester half mir auf meinen Wunsch beim Anlegen. Mein Baby wehrte sich gegen den gewaltsamen Versuch, die Brustwarze in seinen Mund zu manövrieren („forcieren“ nennt man das wohl. Dabei kommt es dazu, dass das Baby die Zunge zum Gaumen hochwirft und weint). Die Nachtschwester sagte „Komisch, das machen heute irgendwie alle Babys“… Nach erfolglosem Helfen gab sie mir ein Stillhütchen von der Station. Ich hatte davon gelesen, äußerte Bedenken und sie sagte „na, wenn’s schnell geh’n muss“. Wir stillten dann das erste Mal mit Hütchen, Kolostrum floss, das Baby saugte so extrem fest, dass sich eine weiße böse wehtuende Beule auf dem Vorhof bildete. Nach dem Geben der linken Seite mit Hütchen hatte ich die Faxen dicke, ging wieder auf’s Zimmer und beschwerte mich über die Stillhütchen bei meiner Zimmernachbarin (sie hat von Anfang an konsequent durchgestillt und war ein super Vorbild!). Ich durfte am nächsten Tag das Krankenhaus verlassen (es war eine ambulante Geburt geplant, aber wegen dieserundjener Untersuchung konnten sie mich überreden, zu bleiben). Zu dem angekündigten „Na, ich will nochmal sehen, wie sie anlegen“ einer Visite-Schwester ist es nicht gekommen.
    Zu Hause hatte ich die erste wirklich schlimme Nacht mit Baby (bis heute). Mit dem Anlegen und Ansaugen klappte es nur so semi, ich weiß nicht, ob es trank oder nicht, aber geweint hat es sehr, sehr viel (nach meinem Ermessen – es war ansonsten ein sehr ruhiges Baby). Am nächsten Morgen bin ich sofort (!) in die Apotheke gelaufen und habe die Stillhütchen und zwei Schnuller gekauft. Im Krankenhaus hatten mir meine Mutter & meine Zimmernachbarin noch berichtet, dass sie beim ersten Kind auch mit Stillhütchen stillten. Also dachte ich, es wäre kein Verbrechen, sie zu benutzen, wenn man es anders nicht schafft.
    In den ersten Wochen klappte es mit den Dingern echt gut, Kind trank, Brust war okay, Milch war genug da (ich tendiere eh zu zu viel Milch, also eigentlich ein positiver side effect der Hütchen). Da ich bewusst keine Nachsorgehebamme hatte (ich bin beratungsresistent und muss immer alles allein schaffen), aber wusste, dass man sich bei „Stillproblemen“ an Expert*innen wenden sollte, ging ich zu einem Treffen der LLL in unserer Stadt. In Youtube-Videos sagten sie „Frauen lernen das Stillen durch das Beobachten anderer Mütter beim Stillen“. Das wollte ich dort machen. Anlegen lernen und ggf. die Hütchen loswerden. Das Baby war damals 10 Tage alt. In meiner damaligen Lage war das schon eine lange Zeit und ich hatte mich an die Hütchen „gewöhnt“. Ich wusste aber, dass Sillhütchen durchaus problematisiert werden und es eigentlich ohne gehen soll („it’s not the real thing“). Beim Treffen kam ich zu spät, alle waren schon da, und hatten 4 Monate alte Babys dabei oder gar Kleinkinder. Sie stillten alle im 10-Minuten-Takt und plauderten über den Schlaf der Eltern mit Baby. Man fragte mich, wie alt mein Kleines sei und äußerte „Oh, so klein noch und da bist du hierher gekommen?“ (Ich dachte, beim Stilltreffen würde einem geholfen bei Stillproblemen, deswegen war ich ja da!). Es gab aber ein Bequatsche-Thema, den Schlaf, und die anderen Mütter äußerten vor der Gruppe ihre Problemchen (z.B. eines hat einen vollgepackten Tag und nuckelt nachts durchgehend, Mutter schläft im Hohlkreuz und ist völlig übermüdet–> Tipp: „Na, wenn dein Kind es braucht“ oder „Gib ihm doch ein Kuscheltier“). Ich achtete darauf, niemand stillte mit Hütchen, ich wagte es nicht, die Dinger rauszuholen, versteckte sie unter einem Spucktuch, als auch ich aus Gruppenzwang anlegte. Mein Baby wurde müde, konnte aber nicht schlafen, weil es in dem Raum so laut war. Ich wollte nicht früher gehen, weil es unhöflich gewesen wäre. Zu Ende ließ ich mich von meinem Freund abholen, weil mich das Treffen an den Rand der Erschöpfung gebracht hatte. Als alle ihre Sachen packten und nach Hause gingen, kam die Gruppenleiterin zu mir und fragte mich, ob sie mir noch helfen kann, bevor ich gehe. Mehr widerwillig als aus vollem Herzen gestand ich ihr mein Problem, dass ich mich so schäme, weil alle anderen ohne Hütchen stillen konnten und es so leicht aussah, es bei mir aber nicht klappen wollte. Die LLL-Beraterin gab mir Tipps, besonders in Richtung des intuitiven Stillens, Baby auf nackte Brust, Brust suchen lassen. Sie sagte „oder mal zusammen baden“ (mit Wochenfluss?!?!?). Sie bereitete ein Bett/Sofa, auf dem ich es mir gemütlich machen sollte, um nochmal normal anlegen zu versuchen. Als Vorführ-Objekt fungierte ihr 1 1/2-Jähriges, das bereits laufen konnte und während des Treffens mit Plastiktassen „Trinken“ gespielt hatte. Sie „legte“ ihn sich auf den Bauch, er nuckelte und dockte wieder ab (wie vorher auch schon die ganze Zeit). Mein 10 Tage alter Säugling tat es ihm nicht nach. Nervlich am Ende verließen wir den Raum, auf dem Flur kam die LLL-Beraterin hinter uns hergelaufen und empfahl mir folgende Seite: https://www.still-lexikon.de/stillhuetchen-ein-hilfsmittel-mit-bedingtem-nutzen/
    Ich las zu Hause und fiel vom Hocker. Dort sind sage und schreibe 12 Negativ-Argumente gegen Stillhütchen aufgelistet. Das hat mir den Rest gegeben, ich habe nur noch geheult. Stillhütchen zu verwenden schien ein Verbrechen zu sein.

    Schaut euch bitte auch diese Seite der Medaille an. Wenn ihr die Verdrehung der Gegenseite (der Säuglingsnahrungsindustrie) aufdeckt, seid bitte auch der Still-Seite gegenüber kritisch! Es nützt nichts, die stillmotivierten Mütter mit soetwas abzuschrecken. Auch gut gemeinte Beratung kann, wenn nicht ausreichend reflektiert, sehr schaden. Mit hoher Sicherheit kann keine langzeitstillende Mutter ihre Stillbeziehung mit den ersten Still-Wochen mit einem Neugeborenen vergleichen. Und nein, wir alle können uns nur bedingt in die Lage einer Wöchnerin mit ihrem frisch geborenen Baby hineinversetzen! Es zeigt sich leider all zu oft, dass die (gut gemeinte) Hilfe, das Stillen in Gang zu bringen oder es „richtig“ zu machen, die Mütter sehr stark verunsichern, besonders wenn es etwas ist, was sie noch nie gemacht haben. Diese (positive) Stillberatung muss bereits im Kreißsaal anfangen. So manche Mutter kann vielleicht den Schluss nicht ziehen, dass ein missglückter Stillstart von Erlebnissen während der Geburt/Stunden nach der Geburt/Stress im Wochenbett herrühren! Ich denke, was die frischen Mütter brauchen, sind Menschen, die ihnen vertrauen und ihnen zuhören, nicht Menschen, die sie unter Druck setzen oder sich mit ihnen vergleichen, um als Sieger*in aus der Situation hervorzugehen. Es nützt auch nichts, den einen, goldrichtigen Weg des ausschließlichen Stillens mit Nippel vorzuzeichnen, so wie auf der Internetseite der LLL geschehen. Jede Situation/Konstellation Mutter-Baby ist hochindividuell. Es wäre blauäugig, jede Frau an Expert*innen für das Stillen zu verweisen, denn, wie in meinem Fall, kann auch eine Expert*in sehr viel kaputt machen. Ich wünsche mir, dass ihr, die Expert*innen, das berücksichtigt. Auch Still-Treffen MÜSSEN nicht zwangsläufig gewinnbringend und ermutigend sein! In unserer Gesellschaft vergleichen wir uns permanent mit anderen, sind es aber nicht gewohnt, das Anders-Sein der Anderen positiv aufzunehmen. Stattdessen messen wir uns aneinander.

    Meine Geschichte ist so geendet, dass ich aus Protest und Trotz der schlechten Beratung gegenüber noch 7 Wochen weiter mit Hütchen gestillt habe (und auch keine weiteren Normal-Anlege-Versuche gestartet habe). Danach war mein Kind in der Lage, auch ohne zu trinken. Es war einfach alt und groß genug und ich hatte genug Routine.

    Eine Beratung, die einfach nur Geduld mitbringt, hätte gereicht. Und dass Stillhütchen wirklich kein Weltuntergang sind, sollte doch eigentlich wirklich Konsens sein. 😉
    In diesem Sinne,
    Haut rein!
    Wir stillen immer noch, ohne jemals wieder beraten worden zu sein.

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