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Vom schwierigen Beginn zur innigen Stillbeziehung

Vom schwierigen Beginn zu einer innigen Stillbeziehung

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Nach einer nervenaufreibenden und schwierigen Schwangerschaft wurde unser Sohn Emil Maximilian in der 33. Schwangerschaftswoche geboren. Winzig klein und doch so stark war er!

Er hatte zunächst, wie jedes Frühgeborenes, einige Schwierigkeiten, wurde beatmet und hatte eine Magensonde in seinem winzigen Nasenloch liegen, womit er ernährt wurde. Viele Kabel übersäten seinen kleinen Körper.

Die ersten Stillversuche folgten nach ca. 1 Woche, als er stabil genug dafür war.

Es war für mich unbeschreiblich schön, den Versuch starten zu dürfen.

Doch nach einer kurzen Betrachtung meiner Brust, sagte die Schwester der Neonatologie ziemlich schroff:
Da muss ein Hütchen drauf. DAS kann der ja gar nicht packen!

Was DAS? Sprach sie von meinen Brustwarzen??

Sie brachte mir ein Stillhütchen Größe L(!) – viel zu groß für das kleine Mündlein von Emil. (In den nächsten Tagen erwarben wir ein passendes Stillhütchen, womit wir beide deutlich besser zurecht kamen!)

Oh weh, da dachte ich mit schlimmen Gedanken an das erste Mal Stillen vor 5 Jahren nach. Mein großer Sohn „musste“ auch mit Hütchen gestillt werden.

Ich war traurig, jedoch irgendwie auch optimistisch!

Emil hatte Power! Zwar nur für einen kurzen Moment, aber hey – zwischen 5-7 ml wertvolle Muttermilch mit 34 Schwangerschaftswochen muss man erst mal nachmachen!

Es wurde besser – ich freute mich über jeden geschafften Milliliter. Die Stillproben machten mich zwar nervös, aber es musste sein.

Dann entwickelte Emil einen hartnäckigen Neugeborenenikterus (Gelbsucht) bzw. einen Muttermilchikterus.

Wieder dachte ich an meine ersten Erfahrungen vor 5 Jahren und die harten Worte der Schwester zurück: „Damit Ihr Sohn gesund wird und die Blutwerte besser werden, ist es besser Sie stillen ab.

Ich war damals jung und hatte nicht das nötige Know-how, also stillte ich ab……

Tja, bei meinem Emil hatte ich kompetente Unterstützung und Hilfe.

Abstillen? Davon war keine Rede! Stillen stand ganz oben auf der Liste!

Ich durfte ihn zum Stillen aus dem Inkubator holen – oh wie entspannt er da immer war – war er doch oft unzufrieden und unruhig, weil er in seinem Inkubator mit der „Bili-Brille“ im Entdecken und Erkunden eingeschränkt war.

Ich war glücklich und Emil ging es von Tag zu Tag immer besser!

Die Blutwerte von Emil wurden aber nur sehr langsam besser – er musste ganze fünfmal Fototherapie über sich ergehen lassen.

Nach 39 + 6 Schwangerschaftswochen, also knapp 7 Lebenswochen, konnten wir vollstillend und mit tollen 2140 g das Krankenhaus gesund verlassen. Die Blutwerte wurden weiter kontrolliert.

Emil nahm gut zu. Sein Gelbstich im Gesicht und im Auge verblasste langsam. Schon bald sah man von seiner Gelbsucht nichts mehr!

Ich kontrollierte Zuhause, wenn ich das Gefühl hatte, er würde nicht genug zu sich nehmen, das Gewicht mit einer Babywaage – es war immer alles okay!

Emil ist jetzt 9 Monate alt und stillt noch überwiegend voll.

Beikost findet er interessant und probiert auch mal, aber die ganz besondere Milch von Mama ist einfach deutlich besser!

Gerade jetzt in der Erkältungszeit hat es uns beide sehr gestärkt. Und während eines akuten Bronchialinfekts hat Emil komplett die Beikost verweigert und nur gestillt – was unser Glück war.

Ich denke, wir haben aus unserer anfänglich schwierigen Stillbeziehung eine tolle innige Stillbeziehung aufgebaut.

Ein Ende ist im übrigen nicht festgelegt. Emil wird MIR schon zeigen, wann ER dazu bereit ist, abzustillen.

Bis dahin genießen wir beide jeden Zug und tanken beide ganz viel Kraft!

Liebe Grüße, D.

 

Noch etwas zum Thema Stillhütchen:
Im Krankenhaus wurden mir die Stillhütchen einfach aufgesetzt. Emil konnte gar nicht anders seine Erfahrung machen.

Klar, er war klein und sehr leicht, aber wenigstens einmal „Probieren“ hätte sicher schon geholfen.

Daheim hatte ich das Problem, dass man von allen Seiten zu hören bekam: „Damit nimmt dein Sohn nicht zu / Er wird abnehmen / Du gewöhnst ihn daran – er wird nie lernen „normal“ zu stillen / Deine Milch wird zurückgehen …

Das alles trat nie ein! Emil nahm gut zu – manchmal sogar pro Woche 200 g. Meine Milch war reichlich und nie zu wenig.

Nach 6 Monaten hat Emil immer häufiger angefangen das Hütchen abzunehmen.

ER hat mir gezeigt: „Mama ich bin soweit – ich kann das, ich möchte das“

Seit dem Moment stillen wir ohne Hilfsmittel!

Originalbericht einer Mutter, Dezember 2014
Foto: D. Liebezeit

 
Hier gibt es Tipps zum Stillen eines späten Frühgeborenen
und hier weitere Linktipps zum Stillen von Frühgeborenen

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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