„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

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Vollstillen ist auch mit einer Brust möglich

Von Lena |
Hallo, ich bin Lena, 29 Jahre alt, Kinderkrankenschwester und habe zwei Kinder. Mein erstes Kind kam 2018 in der 39. SSW spontan und ohne Komplikationen auf die Welt.

Ich wollte unbedingt stillen, weil ich es mir schön vorstellte, so innig mit meinem Baby verbunden zu sein. Außerdem hat Stillen so viele Vorteile, die ich für mich und mein Baby mitnehmen wollte.

Durch meine Arbeit hatte ich einiges an Vorwissen übers Stillen und habe mich vor der Geburt noch im Internet belesen.

Der Stillstart bei meinem ersten Kind verlief jedoch alles andere als reibungslos. Die ersten Tage bestanden aus Stillversuchen, Abpumpen und Füttern, da meine Tochter zu verschlafen war und nicht trinken wollte. Sie war ansonsten kerngesund, aber nicht wirklich begeistert von Mamas Brust.

Zuhause konnte ich mit Stillhütchen stillen, griff aber teilweise auf die Milchpumpe zurück. Der Grund: es tat so unglaublich weh. Obwohl ich durch meinen Job auf der Wochenstation einiges wusste, schaffte ich es nicht mein Kind schmerzfrei anzulegen.

Die Schmerzen kann ich nicht genau beschreiben. Während dem Saugen tat es weh und ich hatte etwas gereizte Brustwarzen, wund waren sie nie. Zur Hilfe nahm ich Multi-Mam-Kompressen* und Muttermilch.

Meine Hebamme war leider keine Hilfe, so musste ich mich selbst durchbeißen.

Nach und nach konnte ich Hütchen und Pumpe weglassen und stillte nach 2 Monaten ohne Hilfsmittel – aber immer noch mit den gleichen Schmerzen auf der linken Seite, die ich auch anfangs hatte.

Als ich es kaum mehr aushielt, ging ich zum Frauenarzt für ein erneutes Rezept für eine Milchpumpe, erhielt das Rezept und den Rat doch abzustillen, falls es nicht besser werden sollte. Ich war fix und fertig, denn das wollte ich definitiv nicht!

In den nächsten drei Apotheken, in denen ich nachfragte, gab es keine freie Milchpumpe mehr. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber ich hörte auf zu suchen, schmiss das Rezept weg und versuchte mich mit der Situation abzufinden. Wahrscheinlich, weil ich Pumpen einfach schrecklich unpraktisch fand. Ich habe größten Respekt vor allen Mamas, die das länger als ein paar Wochen durchhalten.

Eine Stillberatung habe ich nicht aufgesucht, weil ich nichts in der Nähe gefunden habe und aus Angst vor den Kosten. Ein Mailkontakt mit einer Stillberaterin lief ins Leere.

Meine Hebamme war immer nur da, wenn mein Kind gerade satt oder schon schläfrig war. Nach ein paar Wochen hab ich sie dann nicht mehr in Anspruch genommen.

Das ist natürlich ungünstig, aber nachvollziehbar.
Als Hebamme und Stillberaterin möchte ich an dieser Stelle aber schon darauf hinweisen, dass in einer solchen Situation eine persönliche Stillberatung durch eine Expertin oft noch hilfreich sein kann.
~ R. Gresens

Das Problem löste sich dann fast von selbst: Meine Tochter spürte meine Abneigung gegen die schlechte Seite und schrie daran vermehrt. Ich legte kürzer und seltener links an und stillte somit langsam problemlos diese Seite ab.

Ab dem 7. Monat stillte ich mit nur noch einer Seite und das blieb bis zum 1. Geburtstag so. Seitdem hatte ich endlich eine schmerfreie und entspannte Stillzeit.

Das Gewicht meiner Tochter hat sich unter dem einseitigen Stillen super entwickelt. Sie war schon immer ein gut genährtes Baby und mit einer Seite und Brei verlief alles weiterhin normal.

2020 bekam ich meine zweite Tochter in der 41. SSW. Die Geburt verlief unproblematisch. Danach blutete ich jedoch verstärkt, bekam sogar eine Narkose.

Trotz einem Hb von 7,irgendetwas habe ich häufig angelegt und nach 48h meinen Milcheinschuss bekommen.

In der Zeit bekam sie drei Flaschen von mir, da ich dachte, sie hat Hunger und ich erschöpft war. Sie hat davon kaum getrunken, nach der 3. dann aber so viel gelbes Kolostrum gespuckt, dass ich beruhigt nur noch stillte.

Bei meiner 2. Tochter lief der Stillstart besser: sie trank von Anfang an super. Aber auch hier schmerzte die linke Seite. Genau das gleiche, wie bei meiner ersten Tochter. Anfangs waren beide Brustwarzen gereizt, aber nie wund.

Später tat nur noch die linke Seite beim Anlegen weh. Aber, wie auch bei meiner ersten Tochter, hatte ich jedes Mal Angst, fast schon Panik, vor dem Anlegen an der linken Seite.

Diesmal hatte ich eine kompetente Hebamme, die sich viel Zeit nahm, aber auch sie wusste irgendwann nicht weiter. Das hat mich nun aber keineswegs mehr zur Verzweiflung gebracht.

Da ich wusste, dass ich auch mit nur einer Seite ausreichend stillen kann, habe ich nach 4 Wochen mit dem Abstillen der einen Brust angefangen.

Ich habe erst kürzer und in größeren Abständen gestillt, ausgestrichen oder gepumpt, je nachdem, was ich aushalten konnte. Leider wollte ich das zu schnell und bekam eine Brustentzündung. Meine Abstände waren wahrscheinlich zu lang.

Danach nahm ich mir dafür mehr Zeit, pumpte an der einen Brust ab und legte an der anderen an. Ich habe nicht mehr versucht, besonders schnell abzustillen und die Abstände so sehr zu dehnen. Damit es schmerzfreier ablief, habe ich links gepumpt und nur noch dort gestillt (mit Stillhut), wenn die Brust sich unangenehm voll angefühlt hat.

Die abgepumpte Milch habe ich anfangs eingefroren, falls ich mal nicht da sein sollte. Da mein Kind aber keine Flasche nahm, gab ich die Milch später nur noch ins Badewasser und verwarf die Übrige.

Dazu möchte ich noch sagen: Bis sich die Milchmenge einpendelt kann es dauern! Man muss sich auf 1-3 Tage Dauerstillen einstellen, zumindest wenn man sich so früh dafür entscheidet, wie es bei meiner 2. Tochter der Fall war. Sie wollte teilweise alle 30 bis 60 Minuten an die Brust für 5-10 Minuten. Das ging 2-3 Tage bis genügend Milch da war.

Dabei hat man ständig das Gefühl, dass es nicht ausreicht, dass das Kind doch nicht schon wieder an die Brust wollen kann. Doch, tut es. Und doch, das Kind kann! Aber es ist die paar Tage durchaus wert!

Anders als beim 1. Kind hab ich nie auf die Uhr geschaut, sondern gestillt, sobald ich den Eindruck hatte, sie brauche es. Selbst wenn es nach 30 Minuten war und auch wenn mich befreundete Mütter erstaunt fragten: “Glaubst du wirklich, dass sie schon wieder Hunger hat?” Der gute Gewichtsverlauf meiner Kleinen bestätigt mir, dass das so richtig war und ich würde es nicht anders machen.

Nach der Umstellung stillte ich sie alle 2-3h.

Nun stille ich seit mehreren Monaten komplett schmerzfrei und bin froh meinen Weg gefunden zu haben. Sie ist jetzt 9 Monate und trinkt tagsüber im gleichen Rhythmus (von Brei ist sie nicht sehr begeistert und ich diesmal auch nicht sehr motiviert, sie bekommt ungewürztes Essen vom Tisch). Nachts trinkt sie 2x.

Die Gewichtsentwicklung meiner Tochter verlief problemlos. Sie kam schon mit über 4200g auf die Welt, nahm 250g ab. Aber bereits vier Tage nach der Geburt hatte sie ihr Geburtsgewicht fast wieder erreicht und seitdem geht es stetig bergauf.

Meine Brüste hatten und haben in der einseitigen Stillzeit unterschiedliche Größen. Anfangs habe ich die eine Seite mit doppelten Stilleinlagen ausgepolstert, mittlerweile ist es mir egal und ich mache nichts mehr.

Ich möchte wieder mindestens bis zu ihrem 1. Geburtstag stillen. Aber bis 15 Monate kann ich mir auch noch vorstellen.

Was mich aber erschreckt hat, war die Tatsache, dass NIEMAND der Fachkräfte überhaupt wusste, dass man eine Seite abstillen kann. Den meisten ist zwar klar, dass ein Kind auch an einer Seite ausreichend Milch bekommt (Zwillinge kann man ja auch stillen), aber keiner bringt das mit dem einseitigen Abstillen in Verbindung bzw. hat das als Lösung bei einseitigen Problemen auf dem Schirm.

Weder Frauenarzt, noch Kinderarzt, noch meine Hebammen (auch die kompetente nicht), noch nicht mal meine Kollegen auf der Wochenstation oder im Kreißsaal hatten darüber Kenntnis (ich ja vorher auch nicht).

Und deshalb möchte ich mit meinem Bericht die Mamas erreichen, die verzweifeln, weil eine Seite Probleme macht. Die Mamas, die keine professionelle Hilfe bekommen konnten oder denen die Unterstützung nicht weiterhalf.

Abstillen kann eine Lösung sein, muss es aber nicht! Auch mit einer Seite kann man ein Kind ausreichend ernähren.

Es lohnt sich auf jeden Fall dranzubleiben! Mit einseitigen Problemen muss man nicht komplett abstillen oder auf ewig pumpen, wenn man das nicht möchte.

Es erfordert Geduld und das ständige Mantra: “Ja, mein Körper kann genügend Milch produzieren, auch wenn sich meine Brust einfach nur leer anfühlt.” Hat man die paar Tage überstanden und ist die 2. Seite soweit abgestillt, kann man eine ganz normale Stillzeit fortführen.

Ich hoffe, dieses Wissen kann Frauen mit ähnlichen Problemen helfen, weiter an einer glücklichen Stillbeziehung festzuhalten. Ich würde es mir sehr wünschen.

Liebe Grüße, Lena

Originalbericht einer Mutter, Juli 2021
Foto: Chrissie Sternschnuppe

Liebe Lena,
dass es auch möglich ist, nur an einer Seite abzustillen, wissen wirklich nur wenige. Darum herzlichen Dank für Deinen motivierenden Erfahrungsbericht.
Tatsächlich können die meisten Mütter mit ihren Brüsten ja genügend Milch bilden, um Zwillinge voll zu stillen. Daraus ergibt sich, dass eine Brust alleine genug Milch für ein Kind bilden kann.
Abhängig von der Speicherkapazität der Brust muss jedoch manchmal dann entsprechend häufiger gestillt werden.
Auf jeden Fall ist bei einseitigen Problemen auch das einseitige Abstillen und Stillen mit nur einer Seite, ebenso wie auch ein Stillhütchen oder das Abpumpen nur an der betroffenen Brust ein möglicher Weg zum Weiterstillen sein kann.
Ich wünsche Euch noch eine angenehme weitere Stillzeit!
Liebe Grüße, Regine Gresens

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

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Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.

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3 Kommentare

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  1. Ich stille auch bereits mein zweites Kind mit nur einer Brust., bei mir ist es die linke Seite. Ich habe es auch bei Nummer 2 wieder mit der rechten Seite probiert, aber mit Milchstaus und offener Brustwarze gekämpft. Da ich bei Nummer 1 eine sehr offene Brustwarze hatte, die immer wieder aufgegangen ist und der Rat der Hebamme war, “da musst du durch”, habe ich mich damals selbst dafür entschieden eine Seite abzustillen. Es erschien mir einfach logisch, dass es möglich sein muss. Ich hatte es nach der Wundheilung noch 2 mal mit Relaktation versucht, jedoch immer wieder das gleiche Problem bekommen. Daher habe ich es dann bei einer Seite belassen. Meine Frauenärztin meinte nur, dass das doch auch gut sei, ihre Freundin hat das selbst auch bei 3 Kindern gemacht. Im Grunde bin ich nach 27 Monaten Stillzeit mit Nummer 1, direkt in die Stillzeit von Nummer 2 gegangen. Fazit: Es sieht zwar etwas lustig aus, da beide Seiten unterschiedlich groß sind, aber auch für mich war es die entspannteste und beste Lösung. Seitdem hatte ich keinen Milchstau oder ähnliches mehr, da der Stressfaktor “es muss auch rechts klappen” weggefallen ist.

  2. Ich stille meinen Sohn auch seit über einem Jahr nur an einer Brust ( er ist fast 1,5 Jahre alt). Schon von Geburt an, wollte und ging er nur schlecht an die linke Brust ran. Ich probierte es halt, ihn auch an die linke Seite anzulegen, doch an der rechten Seite war er lieber. Bei mir ist die Milch an der linken Brust langsam weniger geworden, so hatte ich keine Probleme mit Entzündungen e.c.t. Eine Zeit lang habe ich mir auch Gedanken gemacht, woran es liegen könnte, dass mein Sohn an die eine Seite nur immer kurz oder garnicht wollte. Ich las einen Artikel, indem es auch darum ging, dass es aucFrauen gibt, die ihr Kind nur an einer Brust ernähren. Und ich sah, dass mein Sohn wuchs, gedieh und sich entwickelte. Das gab mir die Selbstsicherheit, dass ich nicht mehr versuchte ihn an der linken Seite anzulegen. Wir stillen neben der Familienkost weiterhin, weil es für uns beide angenehm ist und ich die Bedürfnisse meines Sohnes damit weiterhin befriedigen kann. Er braucht das noch sehr, es ist sein Anker, Trostspender und vieles mehr.

  3. Ich stille mein Kind jetzt auch 1 Jahr lang nur mit einer Brust. Die andere Seite hatte schon beim ersten Kind so gut wie nie Milch, sodass ich irgendwann komplett auf sie verzichtet habe. Und meine Kinder wurden immer satt und der eine Knirps hat trotzdem immer zu den 3% schwersten Babys in der Altersklasse gehört.

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