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Intuitives Stillen – leicht gemacht

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Vieles lief anders als geplant

Vieles ist anders gelaufen als geplant

2 Kommentare

Ich liege auf dem Sofa und schaue mir mit meiner süßen Tochter ein Bilderbuch an. Sie schaut mich an und wird sichtlich nervös. Mamamilchzeit.

Nach 5 min Stillen ist es auch schon wieder vorbei.

Sie schaut mir in die Augen, lächelt verschmitzt, krabbelt vom Sofa und läuft davon…

Ja, mein Stillkind kann laufen! Mein Stillkind ist nämlich bald 17 Monate alt.

Hätte mir im KH nach der Geburt die Stillberaterin gesagt, dass ich in 16 Monaten ganz locker, schmerzfrei stillen werde und über diese anfänglichen Probleme lächle, hätte ich gedacht, die Frau spinnt!!!

Und außerdem geht das gar nicht – Kleinkinder stillen.

Das war nicht einfach, die ersten Tage und gar Wochen.

So richtig vorbereitet war ich nicht. Über Dinge, wie Farbe des Kinderzimmers und Kliniktasche, machte ich mir so meine Gedanken…

Doch im Bezug aufs Stillen fast gar nicht. Ist ja eh Glücksache, so der allgemeine Volksmund.

Zum Glück hatten wir uns für ein SEHR stillfreundliches Krankenhaus entschieden. Direkt im Kreißsaal wurde angelegt.

Also, die Hebamme machte das. Ich hätte gar nicht gewusst, was zu tun ist und hatte auch noch nie eine stillende Frau gesehen.

Bereits am ersten Tag tauchten Fragen auf…

Wann muss ich stillen? Wie muss ich das machen? Und warum trinkt Mausi nicht einfach?

Ich dachte, die Babys kommen auf die Welt und wissen, was zu tun ist. Instinkt oder sowas muss es doch geben….

Also einer von uns beiden muss doch Bescheid wissen. Und wenn ich das nicht bin…

Aber nein. Marie schrie mich an. Schrie meine Brust an.

Warum? Immer wieder hatte ich Tränen in den Augen. Das kann doch nicht sein. Ich bin deine Mama. Ich muss dich doch ernähren.

Zum Glück kam jedes Mal eine Stillberaterin oder Kinderkrankenschwester und half mir.

Und bereits einen Tag nach der Geburt kam dann der Milcheinschuss. Gigantische spannende Brüste. Hölle!!!

Es tat einfach weh. Ich konnte keinen BH tragen. Kein Oberteil. Am liebsten den ganzen Tag oben ohne.

Zum Glück gab es Brustdonuts, so kamen die Brustwarzen nicht mit dem Stoff in Berührung.

Und die Milch lief und lief. Stilleinlagen hielten vielleicht mal 30-60 min. Ich fühlte mich einfach nicht wohl und fragte mich, wann hört das auf.

Noch heute bin ich den lieben Frauen dankbar, für den Mut, den sie mir machten und für die fachliche Unterstützung. Ohne diese Hilfe würde ich schon längst nicht mehr stillen.

Und so kam es, dass wir am 3. Tag nach der Geburt nach Hause gingen.

Voller Optimismus. Voller neuer Gefühle. Unsicherheit. Glück. Müdigkeit. Stolz. Freude. Ein wahrer Gefühlscocktail.

Zu Hause angekommen, wollte Mausi eines Abends wieder nicht stillen. Es war bereits 22 Uhr und sie weinte und weinte. Und ich war in Panik.

Doch zum Glück gibt es Hebammen. Hebammen, die man abends um 22 Uhr anrufen kann, weil man Angst hat, dass das Neugeborene verhungert.

Rede mit deiner Tochter, sagte sie. Lauf oben ohne durchs Wohnzimmer und wiege sie im Arm. Gehe und rede. Rede mit ihr über die Geburt, darüber wie es dir geht, wie sehr du sie liebst.

Gesagt, getan.

5 min später liefen wir stillend durch den Raum und 10 min später saßen wir auf dem Sofa. Stillend. Entspannt. Ganz ruhig. Ganz glücklich.

Ich schaute sie an und vergaß alles um uns herum. Dieses stillende Baby, diese süße Milchschnute.

Doch das sollte noch nicht der letzte Stolperstein gewesen sein.

Es kam ein Milchstau mit Brustentzündung. Fieber und Schmerzen. Tagelang. Unfähig sich um das Neugeborene zu kümmern. Mit dabei ein ganz schlechtes Gefühl.

Es kamen noch einige Probleme.

Beißen beim Durchschießen der Zähne und alles um uns herum riet zum Abstillen.

Abendliches Weinen und der Tipp, bloß nicht zu oft anzulegen, weil Neugeborene sich sehr schnell dran gewöhnen. Schade, dabei schlief sie so schön dabei ein.

Und so trugen wir sie abends abwechselnd in verschiedensten Positionen durch die Gegend. Das Stillen hätte es uns einfach gemacht.

Es ist vieles anders gelaufen als geplant.

Ich dachte, der Anfang wird leicht. Jedoch war es schwer und das Stillen bedarf viel Übung und gegenseitiges Kennenlernen.

Ich dachte, mit 4 Monaten bin ich es wieder los, doch ich stille nun ein Kleinkind und genieße dieses Besondere.

Wir sind reingewachsen in unser neues Leben. Was am Anfang anstrengend war, ist nun Bereicherung.

Und war es anfangs Nahrung und hauptsächlich Einschlafmittel, ist es nun mehr Trost, Geborgenheit, Mama tanken, Urvertrauen stärken, Hilfe bei Wutanfällen.

Und super bei Krankheit, wenn man so mitleidet und außer Muttermilch alles verweigert wird.

Pause nach einem Arbeitstag. Wieder zueinander kommen.

Manchmal ist keine Zeit mehr fürs Stillen im kleinkindlichen Alltag des Weltentdeckens. Und auch das ist gut. Denn auch das gehört dazu.

Mir als Mama hat es geholfen, auf meinen Bauch zu hören. Weg von ml- und g-Angaben, Zeitvorgaben und Abständen für Mahlzeiten!

Mir hat es geholfen, mein Kind und mich zu beobachten. Es ist zur Bereicherung geworden.

Wunderschöne Stillmomente, geprägt durch Innigkeit, Vertrauen, Ruhe, Blickkontakt, Augenkontakt.

Liebe Grüße,
Tanja

Originalbericht einer Mutter, Mai 2015
Foto: fm2006: „16 – Generationen“ via photopin (license)
 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Ein toller Bericht! Gut informiert zu sein, ist so wichtig. Ich selbst habe das total unterschätzt. Ich würde ohnehin Stillen, wird alles intuitiv sein, kein Problem. So dachte ich. Das ist mir im Krankenhaus dann auf die Füße gefallen.
    Ich habe trotz Problemen keine Unterstützung der Stillberaterinnen oder Krankenschwestern bekommen. Das Ende vom Lied: Mein erster Gang nach dem Krankenhaus war zur Drogerie, um Milchpulver zu kaufen. Hatte sie ja in der zweiten Nacht schon im Krankenhaus bekommen. Wohlgemerkt war ich in einem still- und babyfreundlichen Krankenhaus… Es hat fast 6 Monate gedauert bis ich die Kleine endlich voll stillen konnte.

    Ich hab vor längerer Zeit alles in meiner Stillgeschichte niedergeschrieben, falls es dich interessiert: http://www.mrs-ella.de/blog/eine-etwas-andere-stillgeschichte-fast-jede-mutter-kann-ihr-kind-stillen-wenn

    LG
    Jenny

  2. Ein wundervoller Bericht.
    Mir geht es grad aktuell sehr ähnlich. Ich stille bereits mein 2. Kind. Er ist mittlerweile 10 Monate alt. Am Anfang dachte ich: Ja, so 6 Monate voll stillen und dann gemächlich abstillen.
    Daraus wurden knapp 8 Monate vollstillen und nun immer noch 2-3x täglich und nachts ständig am Busen.
    Langsam würde ich gerne abstillen, möchte endlich mal störungsfrei durchschlafen. Klar, diese Gewährleistung habe ich definitv nicht, wenn wir nicht mehr stillen.
    Zerbissene Brustwarzen durchs Zahnen und verstopfte Milchgänge, etc., all das bringt mich immer näher zum Abstillen.
    Aber mein Sohn ist damit gar nicht einverstanden. Für die wunden Brustwarzen hab ich mir Stillhütchen gekauft. Ha, denkste 😉 die zupft mir mein Sohn bockig wieder ab… Cooler Spruch von meinem Mann: „Tja, ohne Gummi ist halt schöner!“
    Somit stillen wir also wieder tapfer weiter. Und natürlich, ich finde diese Innigkeit ja auch wundervoll und es tut mir in der Seele weh, dies meinem Sohn zu verwehren. Aber wenn wir jetzt bis zum natürlichen Abstillen warten, wie lange warten wir denn? Bis der Sohnemann auszieht 🙂

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