„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

Vertraue deinem Körper

Von Franzi |
Mein Mann und ich hatten schon von gemeinsamen Kindern gesprochen, seitdem wir zusammengekommen waren. Aber da ich mich noch mal an eine Ausbildung wagen wollte, haben wir gemeinsam beschlossen zu warten.

Also haben wir drei wundervolle Jahre nur mit uns verbracht. Als dann aber das Ende meiner Ausbildung nahte, haben wir beschlossen den Kinderwunsch langsam ernster zu nehmen. Wir wussten von Anfang an, dass es für uns nicht leicht werden würde, ein Kind auf natürlichen Wege zu bekommen und wir wahrscheinlich Hilfe brauchen werden.

Mein Mann hatte eine Varikozele (eine Krampfader am Hodensack), die die Spermien erhitzt. Und Hitze mögen die kleine Schwimmer eher weniger.

Und von mir wussten wir, dass ich eine Schilddrüsenfehlfunktion habe, namens Hashimoto. Diese Erkrankung lässt meine Schilddrüse immer wieder von einer Überfunktion in eine Unterfunktion kippen und anders herum. Dadurch geht meine Eizellproduktion immer wieder drunter und drüber.

Im Januar 2020 meldeten wir uns also für Untersuchungen im Kinderwunschzentrum unserer Stadt an. Nachdem fröhlich untersucht wurde (z.B. wurde mein Zyklus untersucht und ob ich denn überhaupt Eizellen produziere und bei meinem Mann wurde das Sperma untersucht), teilte man uns mit, dass für uns eine ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) infrage käme.

Das heißt: das volle Programm und das, was man sich wirklich unter künstlicher Befruchtung vorstellte: Eine Befruchtung einer Eizelle mit dem Sperma im Reagenzglas außerhalb des Körpers.

Bamm! Das war erstmal eine Entwicklung, die wir verdauen mussten. Da der ganze Wunsch ja auch mit Kosten verbunden ist, wurden uns Krankenkassen empfohlen, die diese Eingriffe mit unterschiedlichen Prozenten unterstützten. Zwei Krankenkassen würden die Kosten sogar zu 100% übernehmen, aber… nur wenn man verheiratet ist.

Nun ja, da wir nichts gegen eine Heirat einzuwenden hatten, wurde im Mai 2020 spontan zu Corona-Zeiten geheiratet. Es durften nur meine Eltern, seine Eltern und sein Bruder bei der standesamtlichen Hochzeit dabei sein. Uns beiden hat das ganz gut gefallen, wir mögen sowieso nicht solche großen Veranstaltungen.

Nachdem wir also verheiratet waren und zu einer der beiden Krankenkassen gewechselt hatten, ging es ab Juni mit den Vorgesprächen los.

Und dann kam der Juli. Alles war irgendwie spannend und aufregend, und zugleich einfach nur angsteinflößend.

Ich bekam Medikamente und Spritzen und musste dann auf meine nächste Periode warten. Da wir nicht wussten, wann wir nochmal entspannt in den Urlaub fahren könnten, sind wir mit meiner Mutter für eine Woche nach Warnemünde gefahren. Mein Mann konnte allerdings nur übers Wochenende bleiben, danach musste er wieder arbeiten fahren.

Und genau als er weg war, bekam ich natürlich meine Tage. Wie sollte es auch anders sein? Was hieß das für mich? Ich musste mir am 2. Tag meiner Periode die erste Spritze allein setzen.

Und ich habe mich wirklich schwer getan. Geholfen hat mir da nur, mir auf meinem Handy süße Babybilder anzusehen, nicht auf meinen Bauch zu gucken und die Spritze rein zu hauen… und am zweiten Tag nochmal dasselbe Spiel.

Danach fuhr ich mit meiner Mutter nach Hause und fortan musste mein Mann mir die Spritzen geben.

Nun hieß es spritzen und warten. Einige Tage später dann der Ultraschall. Ich hatte tatsächlich sechs Eizellen, die reif waren und der OP-Termin wurde angesetzt.

Bei der OP wurden mir unter Vollnarkose vier reife Eizellen entnommen. An zwei weitere sind sie nicht herangekommen, da eine Zyste im Weg war.

Von diesen vier Eizellen konnten nur zwei befruchtet werden. Und von den zwei befruchteten Eizellen ist eine stehen geblieben und eine hat sich weiterentwickelt.

Diese eine Eizelle wurde mir zwei Tage später wieder eingesetzt und dann hieß es wieder warten, nämlich zwei Wochen lang, ob sich die Eizelle eingenistet hat.

Interessanterweise habe ich in diesen zwei Wochen eine neue Arbeit begonnen, sodass ich viiiel Zeit hatte beschäftigt zu sein und nicht nur Zuhause zu hocken und zu warten, ob ich schwanger werde. Das hat für Ablenkung gesorgt.

Und am 12.08.2020, einem Montag, genau an meinem Geburtstag, wurde mir morgens Blut abgenommen und um ca.13:30 kam der Anruf: „Sie sind schwanger.“
Beim ersten Versuch!

Aber, ehrlich gesagt, war das fast keine Überraschung mehr für uns. Mein Mann und ich waren so ungeduldig, dass wir schon am Wochenende mehrere Schwangerschaftstests gemacht haben, die alle durch die Bank weg positiv waren.
Bei dem ersten positiven Test haben wir beide geweint vor Glück.

Von da an hatte ich eine wunderschöne, komplikationslose Schwangerschaft und – soweit man das sagen kann – eine wunderschöne Geburt.

Ich dachte vor der Geburt immer, dass ich keine Probleme haben werde zu stillen und das einfach läuft. Auf das Stillen vorbereitet habe ich mich, ehrlich gesagt, gar nicht. Meine Brüste wurden in der Schwangerschaft größer und der Brustwarzenhof wurde dunkler.

Meine Hebamme hat mir kurz vor der Geburt gesagt, ich solle Abends meine Brustwarzen etwas massieren und schauen, ob was rauskommt. Ich denke mittlerweile, dass meine mangelnde Vorbereitung auch für unsere Stillstart-Schwierigkeiten mitverantwortlich war.

Am 12.04.2021 (wieder ein Montag, so wie der Tag, an dem mir bestätigt wurde, dass ich schwanger bin) kam unsere wunderschöne kleine Prinzessin zur Welt. Sie wog 3420 Gramm und war 51 cm groß und sie war kerngesund. Und ja es war ein Mädchen… so wie mein Mann und ich es uns gewünscht haben.

Für uns ist sie mehr als unser Wunschkind. Sie ist alles, was wir je wollten und unser ganzer Stolz.

Ich will manch einem Paar da draußen mit dieser kleinen Geschichte Mut machen. Ja, es ist schwer, sich nicht verrückt zu machen. Und ja, es ist schwer, diesen Weg zu gehen und man möchte vor dieser Herausforderung am liebsten den Schwanz einkneifen. Aber es lohnt sich so sehr. Im besten Fall kann sich die Frau ablenken, nachdem ihr die Eizelle/n wieder eingesetzt wurden. Und die Führung ihrem Körper überlassen. Habt Vertrauen in euren Körper, er weiß, was er zu tun hat.

Denn das muss ich wirklich sagen, das hat mich die Kinderwunschzeit und die Schwangerschaft gelehrt: Mein Körper war mit ein bisschen Hilfe in der Lage eine Leistung zu vollbringen, die unglaublich ist. Er hat aus einem kleinen Zellhaufen, der ihm gegeben wurde, einen perfekten kleinen Menschen erschaffen und darüber hinaus ist er nach der Geburt auch in der Lage, diesen kleinen Menschen zu ernähren und weiter wachsen zu lassen.

Als meine Tochter geboren war, wurde sie von meiner Beleghebamme erstmal auf meine Brust gelegt. Ich glaube, das war der stolzeste Moment meines bisherigen Lebens. Schon ihre Geburt war eigentlich der Kracher.

8 Stunden Geburt nach einer – ich nenne es mal natürlichen – Einleitung und dann lag sie da auf meinem Bauch und war nicht mehr drin.

Dann wurde unsere Kleine untersucht und sie war kerngesund. Und schon in ihrer ersten Lebensstunde wurde sie mir an die Brust gelegt und hat kräftig zu saugen angefangen.

Ich war wahnsinnig stolz, auch da ich sie unbedingt stillen wollte, weil es das natürlichste der Welt ist. Für mich war es gar keine Frage, ob ich stillen will. Das war für mich selbstverständlich. Außerdem erhoffte ich mir eine stärkere Bindung zu meinem Kind.

Als wir dann auf der Station waren, habe ich sie die ganze Nacht nicht aus den Augen gelassen. Sie lag die ganze Zeit nackt auf meinem nackten Oberkörper und das fand ich vom Krankenhaus aus wirklich fantastisch.

Aber am nächsten Tag habe ich dann schon Hilfe gebraucht beim Anlegen. Eine junge Schwester kam und hat mir wirklich toll geholfen. Da ich aber Krankenhäuser nicht so mag (gut, wer mag das schon?), wollte ich so schnell wie möglich nach Hause. Gesagt, getan. Mein Mann hat uns dann am gleichen Tag geholt.

Zuhause ging aber das Drama erst los. Ich konnte die Kleine nur noch schwer anlegen und wenn sie an der Brust war, tat es sehr weh. Bald schon wurde meine Brustwarzen verkrustet und blutig und ich war nur froh, dass mich die gleiche Hebamme begleitete, die schon von Anfang an da war. Sie begleitete mich während der Schwangerschaft, zur Geburt und zur Nachsorge – und die Chemie zwischen uns stimmte einfach.

Nachdem das Stillen in der ersten Woche sehr weh tat, habe ich meine Hebamme daraufhin angesprochen. Sie hat mir neue Stillpositionen gezeigt, die wirklich gut geholfen haben. Nachdem ich das verändert hatte und Brustwarzensalbe genommen habe (Lanolin*) haben sich meine Brustwarzen schnell und gut erholt.

Sie hat mir auch zu einem neuen, guten Still-BH* geraten. Tatsächlich braucht man nur EINEN “Guten”, der auch ruhig was kosten darf. Und dann kann man zwei „Olle“ in Petto haben, wenn der Gute mal gewaschen werden muss.

Trotzdem nahm unsere Kleine eher schlecht als recht zu und wir mussten am Anfang mit Flaschennahrung zufüttern. Meine Milch wollte nicht so richtig kommen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht und ich konnte deswegen erstmal einige Zeit nur weinen.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigen und auch die Milchbildung reduzieren. Zusätzlich können schmerzende und wunde Brustwarzen in den ersten Tagen anzeigen, dass das Neugeborene nicht genug Brust im Mund hat und die Brüste nicht wirklich effektiv geleert werden können, was ebenfalls die Milchbildung und die Gewichtszunahme des Babys beeinträchtigt
~ R. Gresens

Daraufhin hat mir meine Hebamme ein paar Tipps und Tricks mit auf dem Weg gegeben:
1. Stilltee (ich nehme gern den von Weleda*)
2. Bockshornkleesamen* (die regen die natürliche Milchproduktion an und sind im Weleda-Stilltee enthalten)
3. Galega* (ein homöopathisches Mittelchen – auch zur Milchproduktion)
4. Laktaval* (das habe ich mir selbst herausgesucht, enthält auch Bockshornkleesamen und andere pflanzliche Bestandteile)

Außerdem habe ich noch mit einer Handmilchpumpe* gepumpt und häufig beim Stillen die Seiten gewechselt. Erst eine Seite, dann die andere, wieder zurück zur ersten etc….

Ich war am Anfang doch recht ängstlich, was meine Milchmenge angeht, also haben wir bestimmt den ersten Monat komplett zugefüttert. Erst dann haben wir es langsam ausschleichen lassen.

Mittlerweile fließt meine Milch wahnsinnig gut und meine Kleine ist aktiv, zufrieden, gut genährt und gesund.

Als kleine Geheimtipps wären da noch:
Wir schlafen zusammen in einem Bett und sie kann immer sofort an die Milch ran, wenn sie sie braucht.
Und ich trage sie relativ viel in der Trage. Sie ist immer bei mir.
Das gibt uns beiden Sicherheit und wir sind beide sehr ausgeglichen.

Nun ist meine Kleine fast 6 Monate alt. Aus meinem Umfeld keimen langsam die Fragen auf, wie lange ich denn vorhabe zu stillen.
Meine Antwort darauf? Hoffentlich noch sehr, sehr lange. Ich kann mir mittlerweile eine Langzeit-Stillbeziehung vorstellen, wenn meine Kleine mich denn lässt.

Mein Fazit: Manchmal sind die scheinbar einfachsten Dinge komplizierter, weil wir zu viel an uns zweifeln und uns verunsichern lassen oder zu viel über gewisse Dinge nachdenken. Wenn man aber einfach mal loslässt und seiner Intuition und seinem Körper vertraut, laufen die Dinge von allein.

Liebe Grüße,
Franzi

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2021
Foto: Franziska Mihan

Liebe Franzi,
das ist eine schöne Geschichte!!
Sie kann bestimmt einigen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, Mut machen. Vielen herzlichen Dank dafür!
Ich wünsche Euch noch eine schöne weitere Stillzeit. 
Liebe Grüße, Regine Gresens

* = Affiliate-Link: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn Du darauf klickst und das Produkt oder auch irgendein ein anderes Produkt kaufst, bekomme ich vom Händler dafür eine kleine Vergütung – ohne höhere Kosten für Dich. Ich freue mich und danke Dir, wenn Du damit meine Arbeit für Stillkinder.de unterstützt!

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!


Dir gefällt dieser Beitrag? Dann pinne ihn in die Welt hinaus!

Ein Baby wird gestillt

Fürs Liken, Teilen und Pinnen sage ich herzlich Danke!

Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.

Beteilige dich an der Unterhaltung

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hallo liebe Franzi,
    danke für deine tolle Geschichte! Sie ist so ermutigend und so voller Liebe und Freude!! Echt super, dass alles so gut geklappt hat, trotz der Hindernisse von Beginn an!
    Stillen und Tragen führen zu so einer engen Bindung, dass man sie gar nicht mehr hergeben möchte, oder?! 😉
    Durch euren schwierigen Start ist ihre Geburt bestimmt noch ein größeres Wunder für euch!
    Ich staune immer wieder, wie toll Gott sich alles ausgedacht hat!
    Meine Kleine ist auch ein Mädchen, jetzt schon 1,5 Jahre alt.
    Alles Gute für euch,
    Jasmin

Stillkinder-Newsletter

Trag Dich jetzt hier ein und erhalte die neuesten Tipps und Infos für eine angenehme Stillzeit und ein entspanntes Leben mit Baby.

Ich versende meinen Newsletter 2-4 Mal im Monat. In jedem Newsletter hast Du die Möglichkeit, Dich wieder auszutragen. Deine Anmeldedaten, der Versand und statistische Auswertungen werden über ActiveCampaign verarbeitet. Hier findest du weitere Informationen zum Datenschutz.

Warte kurz, bevor Du gehst!

Dir hat der Beitrag gefallen? Trag Dich in den Newsletter ein und Du erfährst etwa alle zwei Wochen, was es hier Neues gibt!
Ich versende meinen Newsletter 2-4 Mal im Monat. In jedem Newsletter hast Du die Möglichkeit, Dich wieder auszutragen. Deine Anmeldedaten, der Versand und statistische Auswertungen werden über ActiveCampaign verarbeitet. Hier findest du weitere Informationen zum Datenschutz.