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Auch eine lange Stillzeit kann einvernehmlich enden

Unsere lange Stillzeit

5 Kommentare

Liebe Regine!
Ich will mich schon ganz lange bei Dir mal melden – ich war nur einmal auf einem der Stillfanstreffen, und dann nicht mehr.

Sowohl Donnerstag als auch Samstag sind für mich zwei ganz ungünstige Termin, weil ich an beiden Tagen arbeite und es nicht schaffte, mir Platz dafür frei zu schaufeln.

Dazu kommt, dass ich Ende letzten Jahres wieder schwanger geworden bin, und die ersten 5 Monate doll mit Dauerübelkeit und Müdigkeit zu tun hatte.

Im Grunde war das nicht so „schlecht“ für mich, da ich so nicht anders konnte, als mich zu schonen, weniger arbeitete und viel schlief. Wär mir sonst schwer gefallen … und im Nachhinein glaube ich, dass es genau das war, was ich brauchte.

Das eine Stillfanstreffen, auf dem ich war, hat mich sehr berührt – und beruhigt. Es ist ja doch immer komisch, wenn man etwas macht, was –  scheinbar – sonst fast niemand macht, und was zusätzlich von den meisten Mitmenschen mit Verwunderung bis Abscheu beurteilt wird –  und das einzige, was einen weitermachen lässt, ist die eigene Überzeugung von „..so fühlt es sich richtig an“.

Und insofern war es sehr schön, mal von anderen Müttern zu erfahren und hören, und zu merken, wie „normal“ das Langzeitstillen eigentlich ist, obwohl es leider nicht „die Norm“ ist.

Und besonders auch Deine Mails mit den vielen Links zu Veröffentlichungen über das Langzeitstillen haben mich sehr unterstützt. Dafür wollte ich Dir schon lange mal „Vielen herzlichen Dank!“ sagen.

Auch wollte ich Dir – wie Du mal angefragt hast vor einigen Monaten inzwischen schon – meine Gedanken und Erfahrungen bezüglich Langzeitstillen aufnotieren. Bis jetzt bin ich nicht dazu gekommen – wie zu so vielem nicht zur Zeit.

Als ich allerdings heute Deine Mail las, dachte ich: JETZT will ich mir die Zeit nehmen und beides zusammen einmal aufnotieren.

Von meiner Hebamme – die ich ansonsten sehr schätze – ich werde auch dieses Mal wieder mit ihr entbinden – bekam ich während der Schwangerschaft und nach der Geburt keinerlei Hinweise auf die Dauer des Stillens insgesamt.

Ich dachte damals, wenn alles gut klappt, stillt „man“ so etwa 9 Monate, und dass diese Zeit gut und ausreichend für das Kind sei.

Als ich das erste Mal – mein Sohn war gerade ein halbes Jahr alt – eine Frau sah, die ein Kind stillte, das schon laufen konnte und etwa ein  Jahr alt war, kam mir das sehr absonderlich vor.

Tja – hier fehlt einfach die Sichtgewohnheit! Sowas sieht man ja eigentlich nie, und es spricht auch kaum einer darüber.

Stillen von Kindern bedeutet in unserer Gesellschaft im allgemeinen Stillen von Säuglingen.

Stillen von Kleinkindern? Ich hatte damals davon noch niemals etwas gehört.

Nun wurde aber auch in der Generation meiner Mutter gar nicht oder nur sehr kurz gestillt. Ich selbst wurde zwei Monate gestillt, mein  Bruder nur Wochen, mein Lebensgefährte auch nur zwei Wochen – und bei meinen Freunden sieht das ähnlich aus.

So hielt ich mich und meine Generation schon für sehr fortschrittlich, dass wir das „erforderliche“ Dreivierteljahr stillten und stillen wollten.

Aber wie so oft hat man so seine Gedanken, und dann holt einen die Wirklichkeit mit ganz anderen Überzeugungen ein.

Als 9 Monate vorüber waren, gab es für mich keinen einzigen Grund abzustillen. Im Gegenteil: „Abstillen“ kam mir immer absurder vor!

Natürlich gibt es Gründe, das Stillen aufzuhören. Ich kenne viele davon von Freundinnen: Brustprobleme, Probleme, dies mit der Arbeit zu vereinbaren, einfach-nicht-mehr-wollen…

Ich kenne auch Frauen, denen war das irgendwie zu innig, zu nah – man muss wie immer genau hinschauen, wer und was man ist und will, und was das Kind will – wobei ich da in den meisten Fällen den Eindruck habe: es gibt für das Kind kaum was Schöneres, als gestillt zu werden…

Ich hatte Glück und konnte von Anfang an sehr gut Stillpausen und Arbeit vereinbaren und ich hatte auch nie irgendein Problem mit dem  Stillen.

Es klappte von Anfang an ohne Probleme und Beschwerden. Kein Wundsein, keine Brustenzündung, keine Schmerzen – und ich selbst fand es immer schön und auch einfach sehr praktisch.

Wenn ich gefragt wurde, wie lange ich denn stillen wolle, so antwortete ich mit dem, was ich inzwischen so dachte: Bis einer von uns beiden nicht mehr mag!

Daraufhin kamen meist doofe Witze, aus denen hervorging, dass die meisten Menschen denken: Das ist dann ja wohl auf immer und ewig.

Ich dachte schnell, dass unsere „Zeit“ mit der Kontrolle über jedes und alles, und der Angst vor dem Zulassen und Angst vor dem Vertrauen (auch dem Vertrauen, dass alles seinen richtigen Gang geht) an dieser Haltung starken Anteil hat.

Je länger unsere Stillzeit andauerte, umso absurder wurde für mich „das Abstillen“ überhaupt.

Ich dachte: Wenn sein Stillbedürfnis „gestillt“ ist, wird er von alleine aufhören wollen.

Parallel dazu war mir aber auch immer klar, wenn ich mal nicht mehr wollen würde, so ist das auch ein klarer Grund, mit dem Stillen aufzuhören.

Ich bin sehr froh, dass ich aus meinem engsten Bekanntenkreis Zustimmung zu unserem Stillverhalten fand, oder zumindest Offenheit und Interesse ohne Ablehnung.

Je länger unsere Stillbeziehung dauerte, schlug es bei einigen Menschen zwar auch um – Warnungen vor einer Übermacht der Mutter und zu großer Abhängigkeit – hörte ich so einiges Mal – aber: so what?

Vor allem die Erfahrungen aus Deiner Gruppe und die Infos aus Deinen Mails haben mich doch sehr unterstützt.

Und in der Entwicklung  meines Kindes sah ich eher größere Unabhängigkeit und mehr Selbstvertrauen als bei anderen Kinder seines Alters, so dass ich dachte: Kann doch nicht so falsch sein. Und abgesehen davon: es fühlte sich einfach immer richtig und selbstverständlich an.

Von einer Hebamme würde ich mir vor allem Informationen wünschen, in der Art wie: In unserer Gesellschaft stillen die meisten Frauen so und so lange, einige stillen aber auch so und so lange; früher stillte man meist so und so lang, in anderen Ländern so lang – und es ist einfach so: Die Frau sollte sich und ihrem Kind erlauben, so lange zu stillen, wie es sich für sie und das Kind gut anfühlt – unabhängig davon, was andere Leute sagen, denn Langzeitstillen bzw. das Stillen eines Kleinkindes ist eine Art Tabu in unserer Gesellschaft – und wenn die Frau sich davon freimachen kann, so hat das für Frau und Kind nur Vorteile.

Ich würde mir Unterstützung wünschen, das zu tun, was sich richtig anfühlt, unabhängig davon, was andere sagen und denken.

Auch zum Thema: „Wieder schwanger und immer noch stillen – wie geht das alles zusammen?“ würde ich mir Informationen von meiner Hebamme wünschen.

Ich merke, meine Hebamme weiß da wenig drüber, und auch mein Frauenarzt hat wenig Informationen, außer: „..Es scheint alles zu klappen: vorher abstillen, während der Schwangerschaft abstillen, weiterstillen und somit Tandemstillen..“ – Ich finde immer, je mehr Informationen man hat, umso sicherer ist man in der eigenen Entscheidung.

Inzwischen ist es bei mir und meinem Sohn so, dass wir unsere Stillbeziehung beendet haben.

Ich war nicht klar in der Entscheidung, aber mein Körper war es. Während meiner jetzigen Schwangerschaft wurde mir das Stillen immer unangenehmer, bis ich mir eines Abends dachte: „Ich muss jetzt nicht auf eine Brustentzündung warten. Ich merke, ich will nicht mehr – meine Brust gibt mir eindeutige Zeichen.“

Schon viele Monate vorher hatte ich ihn gefragt, wie lange er noch an der Brust trinken wolle, worauf er antwortete: „Wenn der Bauch so  richtig groß ist, höre ich auf.“

Als der Bauch dann im 6. Monat schon sehr groß war, sprach ich ihn darauf an, und er sagte: „Stimmt, der Bauch ist jetzt richtig groß.“ Zu diesem Zeitpunkt stillten wir jeweils einmal abends und morgens.

Wir trafen dann folgende Abmachung: nur noch einmal am Tag – wo er sich für abends entschied – und nach einem Monat, zum nächsten Vollmond, ganz aufzuhören.

Als es dann soweit war, hat er das ganz prima gemacht. Am ersten Abend ohne Stillen hat er ganz doll und lange geweint, sich aber trösten und in den Arm nehmen lassen.

Ich habe dann vorgeschlagen, statt dem abendlichen Nuckeln eine Gute-Nacht-Geschichte von CD zu hören, auch im Dunkeln. Das kam super an!

Wir kuscheln uns zusammen und hören eine Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt war mein Sohn 4 Jahre und 3 Monate alt, und das Aufhören fühlte sich richtig an.

Obwohl ich immer gedacht und gehofft hatte, es würde sich für ihn irgendwann einfach erübrigen, kam halt doch das, was ich nicht gedacht hätte: ICH wollte nicht mehr.

Aber ich merke: es ist für uns beide richtig. Weil, was für mich richtig ist, auch für ihn richtig ist – und weil alles andere falsch wäre.

Und es klappt prima. Manchmal hat er mir noch erzählt, dass er es vermissen würde, aber dann ist auch wieder gut.

Manchmal möchte er die Brust auch einfach gerne nur anfassen. Ist auch O.K. für mich.

Inzwischen bin ich kurz vorm 8. Monat und wir freuen uns alle riesig auf unseren Familienzuwachs.

Es soll ein Mädchen werden… was ich bei ihr anders machen würde?

Eigentlich nur eines: Ich würde früher aufhören, in der Nacht die Brust zu geben.

Mein Sohn war etwa 3 bis 3einhalb, als ich merkte: Dieser Unterbrechungsschlaf muss aufhören – für mich! Jede Nacht so 5 bis 8mal aufgeweckt werden – zuviel!

Kaum hatte ich das kundgetan und gemacht – schlief mein Sohn durch. Wie einfach! Hier werde ich beim nächsten Mal besser auf meine Grenzen achten.

Und: Sobald ich nachts nicht mehr stille, auch nicht am Abend einschlafen lassen. Trinken lassen, kurz vorm Wegdämmern abnehmen und hinlegen. Mal gucken, wie das klappt…

Na, ich werde auf jedem Fall mit meinen beiden Früchtchen irgendwann mal wieder zu einem der Stillfanstreffen kommen – ich finde es ganz toll, dass Du eine Langzeitstillgruppe machst, und ganz wichtig!

Noch eine kleine Anekdote:
Im Frühjahr waren wir auf einer Feier, wo alle – Groß, Klein, Jung und Alt – im Garten saßen, spielten, tobten, aßen ….

Da sagte eine uns unbekannte Frau zu meinem Mann, zuvor eine Weile unseren Sohn beobachtet habend: „Na, dieses Kind ist bestimmt lang gestillt worden!“

Worauf mein Mann meinte: „Wird er immer noch“, und die Frau entgegnete: „Ja, da merkt man ihm an.“ – Und sie meinte das in Bezug auf seine unaufgesetzte Selbstsicherheit, seine Offenheit, seine Direktheit.

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass sie Hebamme war.

Ich bin sehr froh, dass wir so lange gestillt haben, obwohl es nicht viele Orte und Menschen gibt, wo ich offen darüber sprechen würde.

Vor allem die Erfahrungen mit Dir und Deiner Gruppe haben mich darin sehr unterstützt!

Noch einmal vielen Dank dafür!

Bis zu einem Wiedersehen alles Liebe für Dich und herzlichste Grüße,
Alex

Originalbericht einer Mutter
Foto: HoboMama via photopin cc

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

5 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Bericht!
    Ich habe 2 Kinder, meine Große hat sich mit ca. einem Jahr vom Stillen selbst verabschiedet, ich hatte es weder forciert noch ging es nicht mehr…es hat sich einfach ausgeschlichen.
    Meine Kurze ist jetzt 3,5 Jahre und verlangt lautstark regelmäßig und nachdrücklich nach der Brust. Vor allem nachts.
    Ich kann diesen Bericht gut nachempfinden. Ich sehe bis jetzt keinen triftigen Grund, warum ich ihr einen Riegel vorschieben sollte. Trotzdem macht man sich durch die Gegebenheiten und ungeschriebenen Gesetze in unserer Gesellschaft so seine „Gedanken“ und fühlt sich eingeschränkt und kritisch beäugt.
    Meine Familie sah es anfangs auch sehr kritisch.
    Auch ich hatte vor meiner Kleinen eine ähnlich Einstellung…“man kann doch nicht so lange stillen, vielleicht noch bis zur Schuleinführung? Das ist schon etwas merkwürdig…“
    Dies hat sich nun komplett gewandelt.
    Toll finde ich, wie erwähnt wird, dass du bemerkt hast, dass es „Zeit“ ist sich zu trennen. Ich habe zwischenzeitlich mal Phasen, in denen ich nicht will. Gerade das nächtliche Wecken ist schon manchmal anstrengend.
    Aber im Großen und Ganzen stört es mich nicht und ich genieße diese „Kuschelzeit“.
    Ich habe meine Kleine schon ein paar Mal gefragt, ob wir nicht damit aufhören wollen…Darauf bekam ich die Antwort „…auch wenn man groß ist, darf man „nuffeln“…“. (Nuffeln ist unser Ausdruck)
    Ich hoffe nach wie vor, dass sie irgendwann selbst nicht mehr möchte oder wir eine Vereinbarung, wie im obigen Bericht, treffen können. Ich habe ehrlich gesagt ein wenig Angst davor, wenn es mir selbst zuviel wird und ich nicht mehr mag, dass ich dann meine Kurze heftig vor den Kopf stoße und sie die Welt nicht mehr versteht…
    Aber bisher hat sich alles allein geregelt, darauf hoffe ich!
    Vielen Dank für diese Seite!!!

  2. Wunderschöne Geschichte! Meine kleine wird nächste Woche am Freitag 1 Jahr alt! Wir stillen noch sehr viel und sehr gerne! Und ich möchte auch gerne so lange stillen wie mir möchten!

  3. Toller Bericht. … alles richtig gemacht ?

  4. Meine Kleine ist 11 Monate und wir stillen noch so gut wie voll! Eine Frage an die Artikelverfasserin hätte ich jedoch: wie hat das mit dem stillen in der Nacht aufhören genau funktioniert? Ich bin leider sozusagen der Schnuller für mein Mädchen…

    Vielen Dank für die Antwort!!!

  5. So ein schöner Erfahrungsbericht 🙂
    Ich freue mich schon auf diese Zeit bei uns. Wir möchten auch so lange es für uns beide ok ist stillen. Aktuell (10 Monate alt) stillen wir immer noch voll.
    Und ich finde man kennt es jetzt schon, dass mit der Selbstsicherheit. Meine Kleine läuft schon alleine und geht auf alles und jeden zu, schaut sich alles an was sie interessiert.

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