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Unser Stillstreik dauerte genau 18 Tage

Unser Stillstreik dauerte genau 18 Tage

3 Kommentare

Unsere Tochter ist mittlerweile 21 Monate alt und wurde von Anfang an gestillt. Sie ist mein drittes Stillkind und daher habe ich wohl auch schon ein klein wenig Erfahrung mit dem Stillen.

Unsere Stillmomente sind immer sehr schön und wir genießen sie beide. Ein Abstillen kam bisher nicht für uns in Frage. Schließlich stillen wir noch immer 3-4 Mal in 24 Stunden. Manchmal auch noch 1-2 Mal zusätzlich.

Es ist Dienstag, der 06.09.2016. Nach einer unruhigen Nacht ( unsere Tochter schläft mit im Familienbett ) ist sie seit Mittwoch ( 07.09.16 ) völlig erkältet und dementsprechend weinerlich.

Donnerstag ( 08.09.16 ) legte ich mich, wie gewohnt, mittags mit ihr ins Bett und stillte sie zum Einschlafen. Nach dem Mittagsschlaf stille ich sie normalerweise auch.

Nicht so an diesem Donnerstag. Etwas irritiert versuchte ich, ihr Flüssigkeit mit ihrem Becher zu geben. Sie lehnte es ab.

Abends zum Einschlafen auch kein Stillen. Stattdessen verkrampfte sie sich schon, wenn ich sie mir nur auf den Schoß setzte und weinte jedes Mal bitterlich.

Freitag, neuer Tag, neues Glück. Denke ich. Aber wieder kein Stillen. Sie lehnte jede Flüssigkeit ab.

Ein Besuch bei unserer Kinderärztin ergab, sie hatte die Bronchien und die Nase zu. Somit erklärte ich mir auch ihre Abneigung fürs Stillen. Sie bekam einfach keine Luft.

Also Inhalieren, Nasentropfen, Kuscheln, usw. Da der Druck in meinen Brüsten mittlerweile sehr stark war, pumpte ich seit Freitag mehrmals täglich ab.

Das Wochenende brachte leider keine positive Veränderung. Immer öfter stand das Wort „Abstillen“ im Raum.

Für mich ein schreckliches Wort. So hatte ich mir unser Stillende nicht vorgestellt. Von teilweise 4-5 Mal Stillen auf absolut Null? Auf einmal? Mir ging es seelisch und körperlich immer schlechter. Ich weinte viel, war völlig aufgelöst.

Das Abpumpen zerrte an meinen Nerven. Schon das Geräusch der Pumpe schnürte mir den Hals zu. Immer wieder probierte ich meine Tochter doch nochmal anzulegen. Aber sie weigerte sich nach wie vor. Ich akzeptierte das, auch wenn es mir schwerfiel.

Das Schlimme in dieser Zeit waren auch die Kommentare von Nachbarn oder Freunden.

Sprüche wie „Sei doch froh. Dann hat das wenigstens ein Ende.“ oder „ Sie wird halt flügge und nabelt sich ab.“ oder „Es wird auch Zeit, dass sie was Anständiges zu essen bekommt.“ versetzten mir jedes Mal Stiche ins Herz.

Ich fühlte mich, als hätte mir Jemand den Boden unter den Füßen weggezogen und ich falle und falle.

In dieser Zeit war meine Familie mein einziger Halt. Besonders mein Mann unterstützte mich wo er konnte und gab mir ein Gefühl von Verständnis. Auch wenn er oft hilflos daneben stand.

Aber selbst sein Zuhören gab mir Kraft. ( Für diesen Halt bin ich ihm sehr dankbar. „Ich liebe dich“.)

Die Tage vergingen und der kleine Funken Hoffnung, es würde sich um einen Stillstreik handeln wurde immer schwächer.

Mich wunderte nur, dass sie morgens die abgepumpte Milch immer aus ihrem Becher trank. Also konnte es nicht am Geschmack liegen.

Sonntag, den 18.09.16 fing ich dann doch endlich an – nach Rücksprache mit meiner Hebamme – homöopathische Abstilltabletten zu nehmen.

Es folgte eine erneute Woche ohne Stillen aber mit Abpumpen. Wenn auch mittlerweile deutlich weniger. Jedes Mal wenn ich die Pumpe anschaltete, gab es einen Pieks ins Herz. Als würde Jemand noch mal kurz in der „Abstill-Wunde“ bohren. Ich versuchte mit weitestgehend abzulenken.

Auch ließ allmählich der Schmerz über das „Wie“ immer mehr nach.

Am 26.09.16 sollte sich das Blatt aber wieder wenden.

Es war Mittag und ich legte mich, wie gewohnt, mit meiner Tochter ins Bett. Sie war irgendwie weinerlich und sehr anhänglich.

Aus einem Instinkt heraus zog ich mein Shirt hoch und siehe da, sie dockte an und trank. Ich war so überrascht, dass ich mich nicht traute, mich zu bewegen. Sie trank etwa 7-8 Minuten und schlief dabei ein. Genau wie früher.

Ich machte ein Foto und schickte es meinem Mann. Auch er war sprachlos. Ich hielt das Ganze noch für eine „Eintagsfliege“.

Nach dem Mittagsschlaf wollte sie wieder stillen. Dieses Mal beide Seiten.

Abends dann das Gleiche. Die ersten Tage war ich noch sehr skeptisch. Ich konnte mich nicht drauf einlassen. Zu groß war die Angst vor einer erneuten Enttäuschung und dem dann folgenden Schmerz.

Aber zu meiner Überraschung stillt sie wieder mehr als vorher. Es dauerte natürlich etwas, bis sich mein Körper auf den erneuten Bedarf eingestellt hat.

Heute ist der 01.10.16 und wir stillen wieder wie eh und je. Als hätten wir nie etwas Anderes getan.

Unser Stillstreik ( Ich nenne es einfach mal so. ) dauerte genau 18 Tage. Es waren ganz furchtbare 18 Tage. Endlose 18 Tage. Aber meine Geduld hat sich gelohnt.

Vielleicht kann ich anderen Frauen mit meiner / unserer Geschichte etwas Mut machen. Manchmal kommt alles ganz anders. Ein fester Halt von der Familie ist in solch einer Zeit von unschätzbarem Wert.

Ich hoffe nun auf noch viele weitere innige Stillmomente.
Corinna mit Sarah

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2016
Foto: C.S.

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Auch meine Tochter machte vor ziemlich genau einem Jahr einen „Stillstreik“, als sie fast ein Jahr alt war. Jetzt ist sie bald zwei und wir stillen noch.

    Damals war sie sehr stark verschnupft und konnte ganz schlecht durch die Nase atmen. Abschwellende Nasentropfen waren nutzlos, da sie keine verstopfte Nase hatte, sondern ihr das Sekret einfach ununterbrochen aus der Nase floss!

    Zunächst beim ins Bett bringen und in der Nacht, aber auch den gesamten darauffolgenden Tag aß sie zwar im Sitzen ihr Essen und trank Wasser aus dem Becher, wollte aber partout nicht an die Brust. Wenn ich sie anlegen wollte, wurde sie wütend und ablehnend. Eine aufrechtere Stillposition (z. B. auf dem Schoß sitzend) lehnte sie ebenfalls ab.

    Wir stillten zu diesem Zeitpunkt immernoch mehrmals täglich, beim ins Bett bringen und mehrmals in der Nacht. Meine Brüste schmerzten und schwollen immer mehr an (das kannte ich bereits, ich hatte immer sehr viel Milch und auch schon Milchstaus gehabt). Ich war kurz davor eine Milchpumpe zu kaufen, die ich bisher nicht benötigt hatte und die mir (auch schon in der Stillzeit mit meinem Sohn) immer irgendwie Angst gemacht hatte. Ausstreichen habe ich auch noch nie richtig hinbekommen. Also bremste ich, nach Rücksprache mit einer Hebamme, lediglich die Milchbildung durch Kühlen und Pfefferminztee etwas aus.

    Der Kinderarzt wunderte sich, da kranke Kinder (wie auch Frau Gresens schreibt) normalerweise eher alles andere als die Brust verweigern. Er sprach von Abstillen, am besten in meiner Abwesenheit. Seiner Erfahrung nach brachte ein langes Stillen bei Kindern mit solch forderndem Temperament, wie es meine Tochter an den Tag lege, sowieso oft ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis mit sich! Das erste mal, dass ich so etwas Blödes vom Kinderarzt meines Vertrauens hörte!

    Zum Glück vertraute ich auf mein Gefühl, dass ich am besten so entspannt wie möglich bleiben und einfach abwarten sollte: Wenn sie wirklich aus irgendwelchen Gründen abstillen wollte, sollte es so sein, wenn nicht, auch gut!

    Irgendwann, ich glaube es war dann beim nächsten ins Bett bringen (also um die 24 Stunden nach Beginn des „Streiks“), wollte sie wieder an die Brust wie immer und als sei nichts gewesen! Mir fiel ein Stein vom Herzen (das fühlt sich ja wirklich so an, wenn die Brust dann endlich wieder entleert wird 😉

    Heute stillen wir immernoch vor dem Schlafen und nachts.

    Ich fühlte und fühle mich leider von meiner Familie nicht sonderlich unterstützt, was das lange Stillen betrifft. Viele meinen, der „Nutzen“ wöge die vom Stillen unterbrochenen Nächte und das „verfügbar“ sein müssen nicht auf.

    Ich habe jedoch mittlerweile gelernt, auf meinem, bzw. unserem Weg zu bleiben und das alleine zwischen mir und meiner Tochter auszumachen. Sie ist jetzt alt genug, dass ich ihr gelegentliche Abwesenheiten erklären kann und sie in einem gewissen Rahmen damit klar kommt.

    Mein derzeitiges Gefühl ist, dass unsere Stillzeit langsam zu Ende geht. Denn oft bereiten mir ihre Zähne Schmerzen und sie lässt sich vor allem nachts (unsere Hauptstillzeit) nur bedingt darauf ein, eine andere Position einzunehmen. Sie wird meistens sauer, wenn ich sie wegen der Schmerzen abdocke und wütet dann im Bett herum. Da habe ich dann irgendwann keine Lust mehr. Für sie ist es bestimmt auch frustrierend, denn sie möchte mir ja nicht wehtun, aber dennoch saugen und trinken.

    So ist unser Abstillen ein Prozess. Es ist vielleicht nicht so, wie man sich das wünschen würde, aber wann oder wie ist Abstillen nicht mit mehr oder weniger Frust und Schmerz möglich? Es ist ein Aushandeln und Austarieren unser beider Bedürfnisse.

    Und wo ich das hier so schreibe und vom „Stillstreik“ doch irgendwie zum Thema „Abstillen“ gekommen bin, stelle ich fest, wie viel ich in dieser Stillzeit gelernt habe: auf meine Intuition zu vertrauen, mir in einer für mich so wichtigen Sache nicht und wieder nicht reinreden zu lassen und einfach meinen Weg zu gehen!

  2. Wunderschön.

    Auch mein Sohn wird bald 21 Monate. Diesen Sommer hatten wir auch einen Stillstreik. Er dauerte „nur“ 24 Stunden. Für mich war es die Hölle. Ich hatte panische Angst, er würde sich von jetzt auf gleich abstillen. Wir hatten beim Baden nicht aufgepasst. Er hasst Kopfbedeckungen und planschte so ausgelassen, dass wir die Zeit vergessen haben. Danach schlief er im Schatten ein, wachte jedoch nach kurzer Zeit weinerlich und jammernd auf. Es brauchte etwas bis mir dämmerte, er hatte einen Sonnenstich. Wir kühlten, so gut es ging und gaben ihm zu trinken, aber die Brust verweigerte er völlig. Ich strich Milch aus und gab sie ihm aus dem Trinklernbecher. Wenigstens das klappte. Ich hatte nicht erwartet, dass nach so langer Stillzeit, ein vermeintliches Abstillen mich so mitnehmen würde. Nach der Gabe von schmerzstillenden und fiebersenkenden Medikamenten am nächsten Morgen und einem ausgiebigen und endlich erholsamen Schläfchen, akzeptierte mein Sohn endlich wieder die Brust und ich war ähnlich dankbar dafür wie damals, als es endlich ohne Stillhütchen klappte.

    Liebe Frau Gresens,
    wissen Sie mehr über dieses Verhalten bei Krankheit und können etwas dazu sagen? Ich verstand nicht, warum er aus dem Becher trank, aber nicht stillte.
    Vielen Dank dafür

    • Das ist auch ein eher ungewöhnliches Verhalten bei Krankheit. Meistens ist es so, dass kranke Kinder jegliche Nahrung verweigern, außer Brust. Wenn sie allerdings Mundsoor oder andere Wunden im Mund haben, kann das Saugen schon schmerzhaft sein und so zur Brustverweigerung führen.
      Vielleicht hatte Ihr Sohn durch den Sonnenstich Kopf- oder Nackenschmerzen, die in einer liegenden oder halbliegenden Position oder bei einer bestimmten Kopfhaltung stärker wurden, so dass er diese Positionen abgelehnt hat. Aber das ist nur eine Vermutung, genaueres kann ich dazu leider gar nicht sagen.
      Liebe Grüße,
      Regine Gresens

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