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Trinkt ein sattes Baby aus der Flasche?

Trinkt ein sattes Baby noch aus der Flasche?

2 Kommentare

Frage:
Mein Sohn ist knapp über 7 Monate alt und wird hauptsächlich gestillt. Manchmal, aber nicht täglich, bekommt er einen Reisflockenbrei oder eine Banane oder ein Stückchen Brot, u.a.

Heute Abend wollte er nicht schlafen und hat die ganze Zeit vergnügt im Bett herumgespielt und war beim Stillen sehr unruhig. Er bewegt sich sehr häufig beim Stillen und versucht über mich drüber zu krabbeln, lacht mich an und tut vieles, nur nicht schlafen.

Ich dachte mir, ich probiere mal ein Fläschchen Pre-Milch, das er sonst noch nie bekommen hat und nur aus dem Brei kennt. Er hat das komplette Fläschchen (125 ml) ausgetrunken und ist dann eingeschlafen.

Ich war sehr verwundert und bin nun auch verunsichert, ob mein Kind generell zu wenig Nahrung (Muttermilch) bekommt und ich versäumt habe, dies zu erkennen.

Generell ist er ein munteres und aufgewecktes Kind, das sehr viel Energie hat, aber weniger schläft als seine Altersgenossen.

Er ist ca. 72 cm lang und wiegt um die 8500 Gramm. Volle Windeln hat er auch häufig, mehrmals am Tag sogar Stuhlgang.

Wäre er satt, hätte er doch die Pre-Milch nicht getrunken, oder?

Antwort:
Nein, so einfach ist das leider nicht zu sagen.

Obwohl natürlich meist davon ausgegangen wird, dass ein Baby eben noch nicht satt gewesen ist, wenn es nach dem Stillen unruhig ist und anschließend noch eine große Menge mit einer Flasche angebotene Milch „in einem Zug“ trinken. Das mag zwar in einigen Fällen stimmen. Aber es ist kein untrügliches Zeichen für Hunger.

Denn die Wahrheit ist:
Das Baby passt sich dem Fluss der Milch an.
Und das trifft sowohl auf das Trinken an der Brust, als auch an der Flasche zu.

Wenn gerade wenig Milch kommt, „nuckelt“ es nur und schluckt nicht oder selten und schläft vielleicht sogar ein oder lässt die Brust oder den Flaschensauger los und weint.

Und wenn viel kommt, trinkt und schluckt es hektisch und scheinbar gierig, mitunter bis die ganze Flasche leer ist. Aber nicht unbedingt, weil es so hungrig ist, sondern um sich nicht an der Nahrung zu verschlucken…

Aus einer Flasche mit einem stark tropfenden Sauger trinken Babys daher oft auch mehr und länger, als sie es an der Brust tun würden.

Halten Sie zum Testen einfach mal die volle Flasche kopfüber und schauen Sie selbst, wie stark sie tropft!

(Anmerkung: Auch bei einem hypermodernen „Muttermilch-Sauger“, an dem das Baby angeblich genauso ein Vakuum wie an der Brust erzeugen muss, damit überhaupt Milch fließt, kann die Milch übermäßig stark herauslaufen und zum „gierigen“ Trinken bzw. Verschlucken führen, wenn das Vakuum einmal aufgebaut ist.)

Außerdem:
Die Tatsache, dass Ihr Baby vergnügt im Bett gespielt hat, ist natürlich ebenfalls eher kein Zeichen für Hunger.

Und seine guten Ausscheidungen und die gute Gewichtszunahme sprechen auch dafür, dass er genug bekommt.

Vielleicht war er einfach nur noch nicht müde genug zum Einschlafen.

Und selbst wenn er doch noch hungrig gewesen wäre, hätten Sie ihn ruhig noch einmal wieder anlegen können. Die Brüste sind nämlich nie vollständig leer, sondern fangen schon direkt an neue Milch zu bilden, wenn sie gerade „geleert“ wurden. Auch wenn sie sich „leer“ anfühlen, ist noch etwas drin.

Eventuell hat ihm ja nur noch ein kleines „Betthupferl“ oder eine Kuscheleinheit gefehlt?

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, April 2015
Foto: bottle V via photopin (license)

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Gresens,
    der Artikel macht mich etwas nachdenklich. Wenn unser zweiter Sohn unruhig wird, biete ich ihm meistens zuerst die Brust an, auch wenn ich denke, er müsse eigentlich satt sein. Oft trinkt er dann tatsächlich. Meine Brust kann mit einer tropfenden Milchflasche aber durchaus mithalten, sobald der Milchspendereflex einsetzt, bzw. ist der Milchfluss ja noch viel stärker. Vielleicht trinkt er dann also auch vor allem, um sich nicht zu verschlucken?
    Allzu große Sorgen mache ich mir aber nicht, bisher läuft es (auch aufgrund vieler guter Tipps und verbessertem Hintergrundwissen durch das Lesen Ihres Blogs) super. Er ist jetzt etwas älter als zwei Monate und total fit, glücklich und entspannt (fast immer).
    Liebe Grüße,
    Charlotte

    • Liebe Charlotte,
      ein Baby kann nicht zum Saugen an der Brust gezwungen werden und passt sich aber auch an der Brust dem Milchfluss an.
      Wenn es dabei total fit, glücklich und entspannt ist, besteht sicher kein Grund zur Sorge.
      Liebe Grüße,
      Regine Gresens

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