Stillprobleme... oder doch nicht?

Stillprobleme… oder doch nicht?

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Hallo, ich möchte von meiner Stillerfahrung berichten für all diejenigen, die sich (auch) von Expertenmeinungen und Internetseiten unter Druck gesetzt fühlen.

Ich würde mich freuen, hier mit meinen Positiverfahrungen andere Mütter zu unterstützen, zu ermutigen und ihre Angst zu nehmen, die ich nur unnötigerweise zuviel hatte wegen all dieser kursierenden „Weisheiten“.

Letztendlich hat meine Gelassenheit doch mehr gebracht als das ganze Wissen.
Hier die Top 5 aus meinen 12 Monaten als stillende Mutter:

„Einmal Stillhütchen, immer Stillhütchen“

Mein kleiner Sohn kam etwas früher auf die Welt und war noch nicht so saugkräftig, sodass mir im Krankenhaus schnell mit einem Stillhütchen geholfen wurde. Das hatte dann wunderbar funktioniert und er trank und trank.

Am letzten Tag hat die Stationsgynäkologin mir gesagt, ich solle bald wechseln zum Stillen ohne Hütchen, weil sonst die Kiefermuskulatur nicht richtig ausgebildet würde, die Milchmenge zurückginge und er abnehme.

Außerdem konnte ich überall hören, es doch bald zu machen, weil es sonst kein Zurück gäbe, wenn er sich einmal dran gewöhne.

2 Monate lang hatte ich mir den Stress mit enormen Schmerzen und totalem Verkrampfen beim Stillen gemacht, um ihn doch endlich ohne stillen zu können.

Mit meiner Hebamme zusammen hatte ich ein Programm zur Abgewöhnung entwickelt, was dann im Milchstau endete, weil es gar nicht ging. Er hat teilweise geschrien und ich unter den schmerzenden Brustwarzen gelitten.

Als ich mich gerade damit abgefunden hatte, „für immer“ mit Stillhütchen zu stillen, kam ein Moment, in dem ich es intuitiv abnahm, meinem Sohn die Brust anbot und er einfach lostrank ohne Schmerzen oder Protest. Ha!

Eine Woche hatte ich dann das Hütchen noch als Übergang, falls dieses neue Anlegen doch nicht so recht klappte und zu volle Brüste in Schmerzen endeten, und danach war ich komplett hütchenfrei… einfach so. Ohne Programm.

Ich denke, es hing u.a. damit zusammen, dass meine Brüste nach der Hormonumstellung nach den ersten 6 Wochen weicher wurden. Davon hat mir niemand etwas gesagt. und es für ihn einfach leichter war, die Brust zu fassen. Und er ist gewachsen und wurde kräftiger im Saugen.

Eine Freundin, die anfangs auch Stillhütchen benutzte, berichtete, dass eine Hebamme sagte „Ab 3500 Gramm kann jedes Kind ohne Hütchen ordentlich saugen und trinken.“ – was bei ihr gut klappte.

Übrigens ging meine Milchmenge nie zurück und er nahm von Anfang an viel schneller zu als der Durchschnitt – diese ganzen Horroraussagen zu Stillhütchen trafen also für mich gar nicht zu.

Anm. d. Red.:
Das stimmt. Stillhütchen führen nicht bei JEDER Mutter zu einem spürbaren Rückgang der Milchmenge oder zu einer unzureichenden Gewichtszunahme des Babys. Diese Probleme entstehen vor allem dann, wenn von vornherein wenig Milch vorhanden ist oder zu selten und/oder suboptimal angelegt wird. Hier kann ggf. eine frühzeitige Stillberatung helfen, die Ursachen zu lösen.

„Wenn Sie Ihren heftigen Milcheinschuss nicht ständig ausstreichen, endet’s in einem Abszess!“

Ich hatte so einen heftigen Milcheinschuss mit prallen, roten, brennenden Brüsten, dass ich nur mit 600er Ibuprofen einschlafen konnte – nicht so geil, meinem Neugeborenen gleich dieses Medikament zu verpassen, aber ging nicht anders.

Die Stationsschwestern hatten mir so eine Angst vor erheblichen Komplikationen gemacht und ein Programm auferlegt mit schmerzhaftem Ausstreichen, Abpumpen, Wickeln usw., sodass ich kaum schlafen konnte zwischen den Stillzeiten.

Und dann erinnerte ich mich an den Spruch einer Freundin „Nach 3 Tagen ist alles gut.“ – und das war’s!

Ich hatte das Programm zurückgefahren, mich nicht mehr unter Druck gesetzt und diese Hormonumstellung eher abgewartet, als gegen die Verhärtungen anzukämpfen, wie empfohlen. Und siehe da… nach 3 Tagen hatte sich alles von selbst normalisiert.

„Vermeide Stress, sonst geht die Milch aus.“

Ich habe eh schon eine sehr niedrige Stresstoleranz.

Und dieses erste Jahr war Stress pur für mich, wegen immens hoher Ansprüche, ungeklärter familiärer Verhältnisse und meine Partnerschaft war auch recht fragil usw. – und…

Ich hatte IMMER Milch… mehr als genug.

„Mit Schlupfwarzen kann man nicht oder nur schwer stillen.“

In der Schwangerschaft hatte ich mir schon Sorgen gemacht, dass ich nicht genügend stillen könnte, denn ich habe eine Schlupfwarze an der linken Brust.

Auch im Krankenhaus wurde mir nach der Entbindung gesagt, dass mein Sohn damit wohl erstmal zu tun hätte.

Aber… es war mit Stillhütchen (ohne diese empfohlene lange Vorbereitung in der Schwangerschaft zur Warzenformung*) gar kein Problem.

Auch, als ich das Stillhütchen abgelegt hatte, war es anfangs eeeeetwas schmerzhaft, aber schon nach einigen Tagen war alles genauso wie an der anderen Brust und mein Kind hat auch keine Seite präferiert.

Ich denke, wenn das Baby etwas älter und robuster und kräftiger wird, kann es problemlos an Schlupfwarzen trinken.

„Wenn dein Baby an der Brust einschläft, wirst du ihn nie los!“

Viele haben mir von Anfang an geraten, mein Kind „jaaaaaaa nicht“ an der Brust einschlafen zu lassen. Das ist nicht so gut. Das krieg man ihm nicht abgewöhnt usw…

Aber es war so praktisch! Und er fühlte sich sichtlich wohl dabei und konnte den Tag verdauen.

Es gab nach 4-5 (?) Monaten eine kurze Phase, in der ich ihm das Einschlafen „beibringen“ wollte.

Da ich mein Kind nicht so panisch schreien lassen wollte, auch wenn ich direkt dabei war und ihn immer wieder hochnahm, hab ich es schnell gelassen.

Bestärkt durch eine Freundin, die auch von krassen Gegenwinden anderer Mütter zu dem Thema berichtet hatte, à la „Das ist falsch! Eine gute Mutter bringt ihrem Kind früh bei, sich selbst zu regulieren und einzuschlafen…“ usw., hab ich mich dafür entschieden, es an der Brust durchzuziehen, bis mein Sohn selbst entscheidet anders einschlafen zu wollen.

Ich muss gestehen, dass es zwischendurch echt schwierig war, als es eine Phase in dem 10. und 11. Monat gab, als bei ihm so viel passierte mit Krabbeln usw. und er laaaange nuckelte, bis er einschlief. Aber das legte sich auch wieder.

Und jetzt nach 13 Monaten? Beim ins Bett gehen trinkt er kurz und dreht sich weg, kuschelt sich manchmal an mich oder schiebt und wälzt sich durchs Bett und schläft ohne Brust ein… Tadaa…

Plötzlich reguliert er sich selbst und schläft ruhig ein, manchmal auch mit etwas Quengeln auf meinem Oberkörper.

Ich bin nie nachts mit meinem Sohn umhergelaufen, damit er wieder einschläft. Mein Freund hat nie in anderen Zimmern geschlafen, weil er es gar nicht mitbekam, wenn der Kleine wach wurde, weil ich ihn sooo schnell mit der Brust beruhigen konnte.

Manchmal wurd ich sogar wach, da hatte er sich schon selbst an der Brust angedockt, hihi.

Und jetzt schläft er zunehmend selbstständig ein. Alles, also wirklich alles klappt wie von selbst 🙂

Meine Stillprobleme waren im Nachhinein fast nur hausgemacht und ausgedacht und die Prophezeiungen der „Profis“ traten nie ein.

Sicherlich gibt es solche und solche Verläufe. Ich möchte hier nur mal zeigen, dass es auch anders sein kann.

Also Mütter, ich wünsch euch allen eine ordentliche Portion Gelassenheit und Freude an allem.

Folgt eurem Herzen und tut das, was für euch und eure Kinder das Beste und Entspannteste in dem Moment ist.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Wir und unsere Kinder sind so einzigartig.

Liebe Grüße, Sarah

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2017
Foto: chrisotruro Oliver Jack bw via photopin (license)

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Danke für deinen Erfahrungsbericht!
    Ich habe auch von soooooo soooo vielen Mamas gehört, die im Krankenhaus bezüglich des Stillens verunsichert wurden. Deshalb stand für mich von Anfang an fest, dass ich eine ambulante Geburt möchte, sofern möglich. Ich machte mir über das Stillen keine Gedanken, außer dass ich kurz nachlas, wie man Babys anlegen sollte. Fünf Stunden nach der Geburt gingen wir nach Hause und das Stillen hat von Anfang an problemlos (bis auf anfängliche wunde Brustwarzen) funktioniert. Wir stillen immer noch gern, auch in den Schlaf (wird von anderen Müttern auch oft kritisiert), Töchterlein 10 Monate alt. Ich kann auch alle Mamas nur zu mehr Selbstbewusstsein aufrufen! Hört auf euren Instinkt und wenn es Probleme gibt, kann man jederzeit seine Hebamme fragen.

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