„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

Meine Stillgeschichte oder „Vertrau auf deinen Körper“

Von Margarete |
Ich bin sicherlich kein Mensch, den man als „alternativ“ bezeichnen würde, allerdings habe ich beim Thema „Kind“ schnell gelernt, dass die Natur weiß, was sie tut. Man muss sich „nur“ trauen, auf sie zu vertrauen!

Ich bin Juristin und daher sicherlich ein analytischer Mensch, der viel liest und sich Wissen selbst erarbeitet. Manchmal frage ich mich daher, ob ich zum Thema Stillen mehr hätte lesen sollen, aber in Wahrheit glaube ich, vieles lässt sich erst verstehen, wenn man es wirklich versucht und tut.

Und dass Simon (jetzt 15 Monate) und ich so einen harten Weg gehen mussten, ist eben unsere Geschichte. Es hilft nichts, damit zu hadern, sondern was zählt, ist, dass wir es geschafft haben.
Nun aber von Anfang an:

Die Geburt war sehr schlimm für mich. Ich hatte keine konkrete Vorstellung (geschweige denn einen Geburtsplan), jedoch hatte ich erwartet, dass sich die Wehen langsam steigern würden und ich mich so an die Schmerzen gewöhnen könnte. Dem war nicht so, was auch daran liegen mag, dass die Geburt eingeleitet worden ist.

Sie wurde an ET+9 (also 42. SSW) eingeleitet. Es war alles in Ordnung, es war auch nach wie vor genug Fruchtwasser da, aber mein Frauenarzt sagte, man würde an ET+10 in jedem Fall einleiten. Dieser Tag passte allerdings dem Krankenhaus nicht so gut, weil es da schon zu viele Termine von anderen Frauen zur Einleitung gab, und man bat mich, einen Tag früher zu kommen.

Damals dachte ich, das ist ja egal. Heute weiß ich, es ist wichtig, nur so viel wie unbedingt nötig in die Natur einzugreifen – und wer weiß, was dieser eine Tag bei der Geburt vielleicht verändert hätte.

Jedenfalls folgte auf das Platzen der Fruchtblase ein Wehensturm – es ging gewissermaßen von 0 auf 100.

Dass deshalb so schnell in meinem Kopf der Gedanke vorherrschte „ich kann nicht mehr“, hat mich – ja, so muss ich mir eingestehen – traumatisiert und während des Baby Blues stark belastet. Glücklicherweise hat es mir geholfen, dieses gefühlte Versagen im Gespräch mit meiner Hebamme zu formulieren.

Denn letztendlich habe ich durchgehalten (mit PDA) und Simon wurde auf normalem Weg geboren. Es zählt nur, dass ich es geschafft habe und unser Kind gesund ist – egal was für Gedanken während der Geburt in meinem Kopf waren, hat meine Hebamme gesagt. Und damit hat sie recht.

Mittlerweile glaube ich, dass Simon einfach noch nicht bereit war, auf die Welt zu kommen. Denn obwohl er sich schon lange mit dem Kopf nach unten gedreht hatte, war er leider nicht ganz richtig positioniert und hatte große Schwierigkeiten, am Schambein vorbeizukommen – was unvorstellbare Schmerzen bei mir verursacht hat. Am Ende war tatsächlich erst einmal alle Anstrengung vergessen, als ich unseren kleinen Simon auf meiner Brust spüren durfte.

Und Simon hat dann auch gleich rechts im Liegen getrunken. Ich lag auf dem Rücken und er auf meinem Bauch und hat sozusagen bäuchlings getrunken. Er hat richtig die Brust gesucht und dann angedockt und gesaugt. Dieses erste Stillen war wirklich besonders und ich war so glücklich, dass mein kleiner Sohn einfach getrunken hat.

Es fühlte sich etwas seltsam an, als ob er die Milch ganz stark durchziehen muss, aber ich wusste ja auch nicht, wie sich Stillen anfühlt und ich war einfach glücklich, dass dieses wunderbare kleine Wesen erst einmal getrunken hat.

Als ich auf die Wochenbett-Station kam, wollte ich mir zeigen lassen, wie ich Simon im Wiegegriff anlege, weil ich das für die praktischste Position hielt, wo man meist im Sitzen und nicht im Liegen stillen würde (wie ich in der Theorie gelesen hatte).

Hätte ich das nur niemals gemacht, so nahm das Unheil seinen Lauf. Ich erinnere mich nicht mehr an alle Einzelheiten, aber die Krankenschwester erklärte mir sofort, dass meine Brustwarze auf der linken Seite nicht geeignet sei zum Stillen.

Ich selbst konnte keinen wirklichen Unterschied zur rechten Seite feststellen und beharrte auch darauf, dass es rechts ja schon geklappt hat.

Simon war unendlich müde. Er war gar nicht richtig wach und trank somit auch wenig. Er hat auch immer wieder Fruchtwasser gespuckt, was ein Trinken ebenso erschwert hat.

Der Rat, Simon vor dem Trinken zu wickeln, damit er wach wird, hat nichts geholfen. Denn Simon ist spätestens dann wieder eingeschlafen, als ich die Windel geschlossen habe. Dann aber musste ich ihn ja noch fertig anziehen.

Simon hat also nur sehr wenig getrunken und ganz viel geschlafen. Die Krankenschwestern haben mich dazu gedrängt abzupumpen und immer wieder gesagt, ich hätte bestimmt zu wenig Milch. Wie sie darauf kamen, weiß ich allerdings nicht. Aus Angst, mein Kind könnte dehydrieren – es war im April mindestens 26 Grad in dem Krankenhauszimmer – habe ich zugestimmt. Im Nachhinein weiß ich, dass dieses erste Abpumpen zumindest den Vorteil hatte, dass der Pfropfen aus der rechten Brust gezogen wurde. Das war der Grund, weshalb es sich so komisch angefühlt hat.

Die Milch war nicht in einer Flasche, sondern in einer Spritze. Simon hat alles wieder ausgespuckt und gar nichts davon geschluckt. In dem Moment dachte ich, das ist jetzt ja total nach hinten losgegangen. Nicht nur, dass das Abpumpen sehr schmerzhaft war – die Krankenschwester hat es einfach viel zu stark eingestellt, obwohl ich noch sagte, so kann doch kein Baby saugen, jetzt war auch die Milch nicht in meinem Baby, sondern im Spucktuch.

Die Krankenschwester wollte ihm dann Pre-Nahrung geben. Da wurde ich allerdings deutlich und sagte, das darf sie nur, wenn sie mir sagt, dass das medizinisch absolut notwendig ist. Ihre schnippische Antwort war „Sie sind die Mutter“, woraufhin ich sagte, ja, das bin ich.

In meinem Kopf war nur der Gedanke „Ich will einfach nur stillen. Mehr nicht – das muss doch gehen, wie hätte die Menschheit sonst überlebt.“

Ich sollte bei der nächsten Stillmahlzeit wieder die Schwester zum Abpumpen rufen, weil mir die erste Krankenschwester nicht erklären konnte, wie das Gerät funktioniert. Das war wiederum unser Glück. Denn die Nachtschwester meinte, warum ich Simon nicht einfach anlege. Ich sagte, weil mir jeder erklärt, dass das gerade nicht geht und da hat sie ihn einfach angedockt und er hat getrunken.

Danach wurde dann noch abgepumpt und die Schwester war sehr erstaunt, wieviel Milch da war. Jedenfalls war das für mich die Bestätigung, dass ich Milch habe (warum auch nicht? Die Menschheit funktioniert doch so) und so habe ich es weiter mit Stillen versucht, allerdings mit Stillhütchen links, weil ich meine Brustwarze einfach nicht so in Simons Mund bekommen habe, dass er richtig angedockt war.

Da mir immer wieder gesagt wurde, ich müsse beide Seiten pro Stillmahlzeit stillen und immer mit der Seite anfangen, mit der ich aufgehört hatte, kam es, dass Simon manchmal zuerst rechts ohne Stillhütchen und dann links mit Stillhütchen getrunken hat, aber auch umgekehrt. Nur wenn er gewissermaßen mit Stillhütchen links angefangen hat, dann ging es rechts auch nur mit Stillhütchen.

Simon hat im Vergleich zu seinem Geburtsgewicht im Krankenhaus 120 g abgenommen. Das Schlimme, man muss es sogar als perfide bezeichnen, war, dass mir gesagt wurde, dass ich nicht entlassen werde, wenn das Gewicht meines Kindes zu niedrig ist. Allerdings stand zu dem Zeitpunkt schon fest, dass er mit diesem Wert die U2 in dieser Hinsicht besteht. Mein Mann hat mich beruhigt und gesagt, er nimmt mich und Simon mit nach Hause, egal was kommt. Sie können uns nicht zwingen da zu bleiben.

Am Ende hat Simon die U2 in allen Kriterien bravourös gemeistert. Bei der vorher noch aufgezwungenen Wiegeprobe vor und nach dem Stillen habe ich geschummelt und einfach gesagt, er hat 10 g mehr gewogen (in Wahrheit war es das gleiche Gewicht) und plötzlich war jeder zufrieden. Weitere Wiegeproben habe ich abgelehnt.

Ich verstehe bis heute nicht, warum die meisten Krankenschwestern auf der Wochenbettstation so unfähig und gefühllos waren – und ich habe eine hohe Meinung vom Pflegepersonal, wo mein Ehemann und meine Mutter diesen Beruf gelernt haben.

Mein Mann und ich können es rückblickend gar nicht verstehen, wie das so kommen konnte. Aber die 2 Tage in der Klinik waren wirklich Horror. Immer sagte mir irgendwer, was ich tun müsste, bis ich irgendwann sagte, ich muss jetzt auch mal schlafen, nachdem ich 48 Stunden nicht geschlafen hatte.

Zuhause angekommen war die Welt erstmal in Ordnung. Unser kleiner Sohn, mein Mann und ich – unsere kleine Familie endlich zu Hause. Das Stillen hat auch erstmal geklappt, nur am nächsten Morgen erschrak ich vor meinen Brüsten. Sie waren so riesig, unvorstellbar. Sie waren richtiggehend explodiert und schmerzhaft. Das war also der Milcheinschuss, der meines Erachtens durch das Abpumpen so extrem war.

Das Unglaubliche war, dass Simon die Brust nach und nach ausgetrunken hat, wie um sie zu retten und wieder auf eine normale Größe zu bringen. Wenn er das geschafft hatte, hat er dann irgendwie anders getrunken, so als ob er der Brust sagten wollte „Und jetzt zeige ich dir, wieviel Milch ich brauche“.

Das Zermürbende für mich war, dass ich Simon immer „bearbeiten“ musste, damit er nicht beim Trinken einschläft. Er hat so langsam getrunken, dass eine Stillmahlzeit anfangs locker eine ganze Stunde gedauert hat und ich konnte nicht genau sagen, wie lange er überhaupt auf einer Seite getrunken hat, da die Pausen so lang waren.

Es war sehr schwer, ihn wach zu halten und zu motivieren und ich hatte schon die Befürchtung, die Worte „Simon, trinken!“ werden ihn und mich ewig verfolgen. Und wenn dann das Stillen geschafft war, war ich damit beschäftigt, Quarkwickel für meine Brust zu machen und danach warm zu duschen und die Brust auszustreichen.

Mein Mann war die ganze Zeit da – er hatte den ersten Monat Elternzeit – und hat sich hingebungsvoll um alles andere gekümmert, egal ob Kind, Essen oder Haushalt. Er sagte immer, er kann nicht stillen, aber er kann mir den Rest abnehmen. Und das hat er so wunderbar – immer und ganz großartig. Er hat mich immer bestärkt, dass Simon und ich das schaffen.

Und gerade als ich drei Tage später dachte, jetzt könnten wir unseren Stillweg gefunden haben, hatte ich die nächste Brustentzündung. Die rechte Seite war immer stärker betroffen als die Linke, so als ob das die Retoure der rechten Brust war, damit sie Aufmerksamkeit bekommt, weil es ja eigentlich die linke Seite war, die mehr Schwierigkeiten beim Stillen verursacht hat.

Letzten Endes habe ich dann erstmal auf beiden Seiten mit Stillhütchen gestillt und hatte mich gedanklich langsam daran gewöhnt, dass Stillen auch mit Hilfsmittel Stillen ist.

Als Simon eine Woche alt war, hat er zwei Tage in Folge im Gewicht stagniert, dann erst wieder etwas zugenommen, bevor er die beiden darauffolgenden Tage leicht abgenommen hat. In Zahlen hat er insgesamt 50 g abgenommen, hatte aber mit 10 Tagen 50 g mehr als sein Geburtsgewicht. Die Hebamme hat zwar lange so getan, als sei sie völlig entspannt, dann aber meinte sie, ich solle abpumpen, wir müssten mal schauen, wieviel Milch ich habe.

Das wollte ich nicht. Die Erinnerungen ans Krankenhaus kamen hoch und ich habe gesagt, ich will das nicht. Das muss doch auch anders gehen. Sie beharrte darauf, dass mein Mann eine Milchpumpe besorgt, damit wir sie für den Notfall zuhause hätten, willigte aber ein, dass wir es erst noch ohne probieren.

Ich hatte wirklich Horror vor der Milchpumpe, weil sie von außen eingreift und wieder alles zerstört, was Simon und ich uns bisher hart erarbeitet haben. Das beginnende Gleichgewicht, dass meine Brüste nicht die ganze Zeit schmerzten, wollte ich nicht in Gefahr bringen. Mein Mann vertraute mir. Er hatte zu keinem Zeitpunkt Zweifel oder gar Angst, unser Sohn könnte zu wenig Nahrung bekommen. Er unterstützte mich in all meinen Entscheidungen.

Im Nachhinein weiß ich gar nicht so genau, wie ich das durchgehalten habe, dass ich nachts mit Simon spätestens alle 3 Stunden aufgestanden bin, um ihn für mindestens eine Stunde zu stillen. Er war nackt (also mit Windel), damit er nicht durch die wohlige Wärme mit Kleidung gleich wieder einschläft. Ihm war nie kalt. Aber ich durfte ihn nicht streicheln, sondern musste ihn eher etwas am Arm oder Rücken reiben, damit er weitertrank.

Wenn er gar nicht mehr trinken wollte, weil er wieder eingeschlafen war, sollte ich ihm mit einem kalten Waschfleck über den Rücken fahren, damit er wieder aufwacht. Das habe ich zwar nur ganz selten gemacht, wenn ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste, aber deswegen habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen. Mein armes Baby. Simon hat sich dann etwas bewegt, wenn er den kalten Waschlappen gespürt hat, aber viel geholfen hat das eh nicht.

Meine Hebamme hat immer mantra-artig gesagt, ich muss Simon eine Viertelstunde rechts, eine Viertelstunde links stillen bzw. umgekehrt. Da er, wie gesagt, eh nicht am Stück getrunken hat bzw. mit langen Pausen, war das schwierig im Blick zu halten.

Ich habe dann die Seite öfter gewechselt, also durchaus auch rechts-links-rechts-links bei einer Stillmahlzeit gestillt. Das war ihr Rat und konnte man im Internet auch als Wechselstillen finden. Das hat zwar grundsätzlich funktioniert und plötzlich habe ich das Stillhütchen weggelassen und es hat auch einfach funktioniert, aber irgendwie war immer noch kein Gleichgewicht gefunden.

Vielmehr hatte ich die nächste Brustentzündung, als Simon zweieinhalb Wochen alt war. Also hieß es wieder, viel Stillen, Quarkwickel, warm duschen und die Brust ausstreichen – und dann wieder von vorne. Aber auch diesen Milchstau haben wir überwunden. Meine Angst, was passiert mit meiner Brust, wenn Simon nicht richtig trinkt, hat mir mein Mann genommen. Er sagte immer, Simon schafft das und macht das. Wir nannten es dann immer „Die Brustrettung“.

Auch das Stillen auf der linken Seite wollte einfach nicht schmerzfrei sein. Irgendwann sagte mein Mann, das ist nicht mehr mit anzusehen, unter welchen Schmerzen ich links leide (rechts funktionierte es) und sagte, ich muss etwas ändern. Wir könnten eine Stillberaterin kontaktieren.

Das wollte ich nicht, weil ich Angst davor hatte, dass mir wieder jemand sagt, was ich tun soll und ich das kleine Gefühl, das ich in der Zwischenzeit gewonnen hatte, wieder verliere. Und wer weiß, ob die Stillberaterin Ahnung hat, wo ich ja auch gedacht hätte, dass die Hebamme weiß, wovon sie spricht.

Meine Hebamme hat beispielsweise behauptet, dass die Brust nicht weich sein dürfe, dann wäre zu wenig Milch da. Wie ich später festgestellt habe, war das völlig falsch.

Leider muss ich im Nachhinein sagen, dass meine Hebamme keine wirkliche Ahnung vom Stillen hatte, sondern sogar viele falsche Aussagen getroffen hat. Sie hat zum Beispiel auch behauptet, dass Babys beim Stillen keine Luft schlucken können oder dass der Kopf des Babys nicht leicht überstreckt sein soll. Schade war auch, dass sie nicht bereit war, ihre Ansichten zu überdenken bzw. bei Berichten von mir gar nichts dazu sagen konnte, sondern nur die Aussage hingenommen hat.

Dann ist mein Mann auf die Homepage Stillkinder.de und den Anlegekurs gestoßen. Erst habe ich gezögert, weil der Kurs 49 Euro kostete, dachte aber, was sind schon 50 Euro, vielleicht hilft es ja.

Und nach nur einem Video konnte ich Simon links schmerzfrei anlegen. Das fand ich unfassbar – unfassbar schön. Das „Reinrollen“ der Brustwarze hatte vorher niemand erwähnt.

Auch hat mein Mann den Artikel zu „Zu viel Milch“ auf der Homepage gefunden. Ich habe angefangen, ihn zu lesen und habe bei fast allen Beschreibungen Simon wiedererkannt: Er kämpfte mit der Brust.

Auch der Vergleich mit einer Hündin und ihren Jungen, die nicht auf die Uhr schaut, um die Seite zu wechseln, hat mir sehr geholfen, mich zu trauen, einfach nicht auf die Uhr zu sehen.

Wir hatten also erkannt, nicht zu wenig Milch, wie mir jeder weiß machen wollte, sondern zu viel Milch war das Problem. Ich habe dann den Rat befolgt und nur eine Brust trinken lassen, die andere nur bei Bedarf entlastet, und das Gleichgewicht hat sich eingependelt, so dass ich bei einer Mahlzeit die rechte Brust stillte, bei der nächsten Mahlzeit die linke – es sei denn, Simon hatte wirklich noch Hunger und eine Brust war leer (was total selten vorkam).

Mein starker Milchspendereflex hatte Simon fast ertränkt. Auch später hatte er manchmal noch damit zu kämpfen und hat sich verschluckt, so sehr hat meine Brust gesprüht, aber er hat gelernt damit umzugehen. Der Vorteil, es gab wirklich immer genug Milch für ihn.

Nach vier Wochen hatte ich also erreicht, was ich mir gewünscht hatte: Ich stillte meinen Sohn, einfach und entspannt – ganz ohne Hilfsmittel.

Auffällig war, dass Simon an der frischen Luft im Grünen schon sehr früh richtig gut getrunken hat.

Stillen an der frischen Luft
Das Bild ist nämlich bereits eine Woche vorher entstanden – da war also noch nicht alles gut beim Stillen, aber an der frischen Luft hat es trotzdem funktioniert, besser als Zuhause.

Vielleicht weil das der Grund war, warum ich stillen wollte: Einfach unterwegs sein können mit dem Baby, und wenn es Hunger hat, bekommt es eben etwas zu essen – die Brust.

Später haben wir das so oft gemacht: Irgendwo hinsetzen, auf eine Bank, in die Wiese oder auf einen Baumstamm und Simon konnte trinken. Wir waren ganz viel spazieren und so gab es die ein oder andere Mahlzeit an der frischen Luft, auch im Winter – und niemand hat dabei gefroren, weder er noch ich. Wie wunderbar!

Rückblickend sage ich, Stillen lernen war harte Arbeit – kein Arbeitstag war jemals so hart wie die erste Zeit des Stillens. Aber das, was Simon und ich dann gemeinsam leben durften – unsere Stillbeziehung – war und ist so faszinierend, dass ich mir sage, wir mussten eben diesen Weg gehen – das war unser Weg.

Und wir hatten einen wunderbaren und starken Ehemann und Papa an unserer Seite, der keinen Moment an uns gezweifelt hat. Der alles mitgetragen und mich bestärkt hat und zu keinem Zeitpunkt Sorge um seinen Sohn hatte.

Ich wusste vorher nicht, ob dieser Weg erfolgreich sein würde, ich wusste nur, Aufgeben kommt nicht in Frage.

Ich hatte keine großen Vorhaben für die erste Zeit mit meinem Baby, wie ich was machen wollte. Das Einzige, was ich wusste, war: ich will mein Kind stillen.

Ich möchte das Natürlichste auf der Welt auch mit meinem Kind erleben. Und nicht mit Fläschchen hantieren und sich Gedanken machen müssen, was man alles braucht. So habe ich immer alles dabei und es ist so einfach, auch in der Öffentlichkeit zu stillen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb das Stillen in der Öffentlichkeit für mich so selbstverständlich und entspannt war.

Den damaligen Gedanken „das kann ja auch nicht so schwer sein“, würde ich so zwar nicht mehr wiederholen, aber jede kann es schaffen, wenn sie es will. Und darauf bin ich so stolz: Wenn ich nicht so bedingungslos mein Kind hätte stillen wollen, dann hätten wir es nicht geschafft.

Es ist eine so wunderbare Zeit, das Stillen, die sich so schnell verändert. Es gab Phasen, da war Simon schon nach 5 oder 10 Minuten fertig mit Trinken – da grinste ich immer in mich hinein, so viel also zu einer Viertelstunde rechts, eine Viertelstunde links.

Mein Mann sagt bei derartigen Thesen, wo behauptet wird, das Kind muss dies oder das: Das muss man dem Kind auch erstmal sagen.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: Ich würde stärker auf mich und meinen Körper vertrauen – aber das geht mit der jetzigen Erfahrung natürlich auch leichter als beim ersten Kind.
Der Körper weiß, was er tut. Er ist fürs Kinderkriegen gemacht. Immer wenn wir eingegriffen haben, wurde das Gleichgewicht gestört. Die Schwangerschaft war wunderbar und problemlos, die Geburt (mit der Einleitung) unvorstellbar extrem und die Milchpumpe hat das Gleichgewicht und den guten Start der Stillbeziehung gestört.

Mein Sohn ist jetzt 15 Monate. Und ich stille ihn noch – abends und in der Nacht.

Das Reduzieren des Stillens kam ganz von allein, als Simon angefangen hat zu essen – mit 11 Monaten. Die ganzen Brei-Versuche (erstmals mit 6 Monaten, dann wieder mit 9 Monaten und da haben wir uns auch länger abgemüht) hätten wir uns sparen können. Simon hat nie eine wirkliche Brei-Mahlzeit in der empfohlenen Menge zu sich genommen. Wenn er an einem Tag mal ganz gut gegessen hat, hat er die nächsten drei Tage wieder nichts vom Brei gegessen.

Er wollte einfach vom Tisch essen – und das hat er mit ungefähr 11 Monaten dann einfach gemacht. Pfannkuchen liebt er beispielsweise. Eigentlich die einfachste Variante, finde ich.

Kurz nach seinem ersten Geburtstag ist dadurch das Stillen tagsüber ganz von allein zurückgegangen. Das Stillen zum Mittagsschlaf hat noch etwas länger angehalten, weil Simon eine Medizin nehmen musste, nach der er mindestens 50 ml trinken sollte und das war mit Stillen am einfachsten. Aber auch damit konnten wir aufhören ohne Protest.

Deshalb bin ich überzeugt, dass dieses „schrittweise Abstillen“ weiter erfolgreich sein wird. Noch merke ich, wie Simon sich abends auf das Stillen freut und es genießt – und ich auch, wenn ich mein Baby im Arm halte und er mich dann frech anlächelt, wenn er fertig ist. So als ob er sagt, Mama, jetzt bin ich gestärkt und wir machen noch ein bisschen Quatsch, bevor ich schlafen gehe.

Es ist so wichtig, darauf zu achten, was das Kind möchte und nicht, was einem von der Gesellschaft suggeriert wir. Wer sagt, dass das Kind mit einem Jahr nicht mehr trinken soll – wo doch die WHO ein Stillen bis zwei Jahre empfiehlt. Aber auch das ist nur eine Zahl.

Der Gedanke, dass Simon das, was wir uns so hart erkämpfen mussten, einfach noch genießen möchte, ist für mich schön.

Mit nunmehr so viel Abstand zur ersten Zeit merke ich, wie ich gar nicht in Worte fassen kann, wie schlimm das damals für mich war, all die Verzweiflung, Schmerzen, die Ratlosigkeit und Versagensängste. Aber vermutlich ist es gut, dass die Erinnerung diese schlimme Gefühlslage gar nicht mehr widerspiegeln kann. Die Zeit heilt eben Wunden, auch wenn Narben zurückbleiben.

Die Tatsache, dass mein Sohn später in allen Positionen und Lebenslagen trinken konnte, hat mich oft lächeln lassen bei dem Gedanken, wie schwer anfangs die Stillpositionen waren und wie verkrampft ich war. Aber wir haben es gemeinsam gelernt und hatten und haben eine so großartige Stillzeit erlebt, für die ich unendlich dankbar bin. Wir genießen diese besondere Zeit beide noch.

Margarete

Originalbericht einer Mutter, Juli 2021
Foto: Margarete

Liebe Margarete,
es tut mir sehr leid, dass die ersten Wochen nach der Geburt so schlimm für Dich waren. Da sind leider wirklich am Beginn gleich mehrere Dinge nicht optimal gelaufen. Dass Du danach kein Vertrauen in Dich und auch nicht in eine Stillberatung hattest, ist nur allzu verständlich.
Trotzdem möchte ich an dieser Stelle dafür plädieren, sich bei Stillproblemen am besten für eine individuelle Beratung und Diagnostik frühzeitig an eine qualifizierte und erfahrene Stillberaterin IBCLC zu wenden.
Die Chance, dass die Probleme schnell gelöst werden können, ist umso größer, je früher die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. Natürlich gibt es dafür niemals eine Garantie, aber je länger Probleme bestehen, desto länger dauert es meist auch, bis das Stillen dann endlich gut und entspannt läuft. Hier können tatsächlich die Partner oft, genau wie bei Euch, eine treibende Kraft sein und den Kontakt zu einer Still- und Laktationsberaterin IBCLC herstellen.
Viele liebe Grüße und noch eine angenehme Stillzeit,
Regine Gresens

 

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.

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1 Kommentar

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  1. Liebe Margarete danke für deinen Bericht. Ich habe gerade Tränen in den Augen, da ich so viel von deinen Erlebnissen geteilt und auch durch machen musste bei meiner ersten Tochter. Der Stillstart war auch sehr suboptimal mit offenen Brustwarzen, Stillhütchen und 2 Brustentzündungen, eine davon musste im Krankenhaus behandelt werden). Und ich habe auch nicht aufgegeben, viel hier bei Stillkinder recherchiert, irgendwann angefangen auf mein Bauch Gefühl zu hören und mich erfolgreich durch gekämpft. Ich kann also deine Narben und deine Gedanken so gut verstehen! Ich trage sie auch doch hat auch bei mir meine Maus die 15 Monate Stillzeit viele Wunden heilen lassen. Vielen Dank für deine Offenheit und das wir Anteil nehmen dürfen an deinem Weg! Meine Tochter und ich haben leider nach 15 Monaten abgestillt, da ich wieder schwanger wurde/bin und die Milch immer weniger wurde. Doch hat sie uns den Abschied davon sehr leicht gemacht.

    Dir und deinem Sohn und deinem tollen Ehemann alles Gute weiterhin für die Zukunft und viel Gesundheit, Glück und Freude im Leben!

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