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Stillen nach Zeitplan

3 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2001

Du bist wichtig, nicht nur für Dich selbst, sondern auch für Andere. Du musst wichtige Dinge erledigen. Viele dieser Dinge sind zeitlich festgesetzt.

Am Dienstag holst Du um 15 Uhr Deine Mutter vom Flughafen ab.

Donnerstag hast Du um 10 Uhr einen Termin beim Friseur.

Dein Arbeitstag beginnt und endet zu einer festen Uhrzeit, genau wie der Deines Partners.

Daraus folgt:
Es funktioniert am reibungslosesten, wenn die Hauptereignisse des Tages terminiert werden.

Jetzt stell Dir vor, zusätzlich zu alledem, musst Du auch noch Deine Pausenzeiten auf der Toilette zeitlich festlegen.

Du musst Dich daran gewöhnen, alle 2 1/2 Stunden auf die Toilette zu gehen.

Kein schneller Besuch auf der Toilette mal eben zwischendurch, auch kein Auslassen der Toilettenpause, weil Du gerade kein Bedürfnis danach hast.

Alle 2 1/2 Stunden. Auf den Punkt.

Was? Du hast bei all den wichtigen Tagesereignissen keine Zeit für diese Art von rigider Zeitvorgabe bei solch unwichtigen Ereignissen?

Natürlich nicht.

Unser Tagesablauf klappt am besten, wenn wir ihn um die Hauptereignisse herum planen und die unwichtigen Ereignisse geschmeidig dazwischen fügen – nicht, wenn er um die unwichtigen Ereignisse herum organisiert wird.

In unserer Gesellschaft wird das Füttern eines Babys mittlerweile als Hauptereignis betrachtet.

Und es gibt viele Bücher, in denen steht, dass wir dieses Hauptereignis planen müssen, damit wir unseren Alltag gut organisieren können, damit das Baby nicht über unser Leben bestimmt, damit wir Zeit schaffen für alles andere.

Aber – was, wenn das Füttern eines Babys ein unwichtiges Ereignis ist?

Wenn es so ist, gestatten wir ihm dann nicht viel zu viel Kontrolle über unser Leben, wenn wir es zu einem „muss-geplant-werden“-Status erheben?

Am Anfang ist das Stillen eines Babys zeitaufwändig und überwältigend. Du hast das Gefühl, als ob sich Dein ganzer Tag nur um die Ernährung des Babys dreht.

Und es fühlt sich erleichternd an, zu denken, dass Du dieses Hauptereignis planen und dadurch etwas besser kontrollieren könntest. Planen klingt nach einem Tagesretter.

Aber sobald Du gelernt hast, Dich und Dein Baby unkompliziert zum Stillen zu positionieren, sobald Dein Baby gelernt hat, die Brust schnell zu erfassen, sobald die ersten Wochen vorbei sind, ist Stillen einfach kein Hauptereignis mehr.

Du kannst Dein Baby stillen, während Du kochst, im Bett liegst, beim Fernsehen, beim Essen, beim Schreiben oder beim Gehen.

Wenn Dein Baby die Chance bekommt, einen Snack zu nehmen, wenn es das Bedürfnis danach hat, wird es niemals superhungrig.

Und Du kannst ihm noch etwas „oben drauf geben“, weil Du etwas tun möchtest, anstatt weil es danach gefragt hat. Dies führt zu einem längeren Abstand bis zum nächsten Stillen.

Oder Du kannst es etwas hinhalten, während Du eine Tätigkeit zu Ende führst.

Oder Du kannst diese Tätigkeit kurz unterbrechen, schnell ein paar Minuten stillen, damit es mit ausreichend gefülltem Bäuchlein noch ein bißchen länger warten kann.

Diese Art der uneingeschränkten Herangehensweise mit häufigen, kurzen, flexiblen Stillphasen erlaubt Dir, Deinen Tag frei um andere interessantere Aktivitäten zu strukturieren.

Wenn das Stillen des Babys eine zufällige Aktivität ist, genauso wie es zu liebkosen, verläuft der Tag für Alle in der Regel reibungslos, einschließlich der Deines Babys und Dein eigener.

Original: Scheduling Feeds; Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2001
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Oktober 2017
Foto: hz536n/George Thomas Time after Time via photopin (license)

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin.
Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht.
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3 Kommentare

  1. Ich verliebe mich immer mehr in deine wunderschön geschriebenen Artikel. Danke für deine tollen Übersetzungen, deine Mühe, deine Zeit und dein Engagement, die Welt ein (großes) bisschen besser zu machen.

  2. Genauso wie beschrieben möchte ich eigentlich vorgehen und eine Weile hat das auch gut geklappt. Da meine 6 Monate alte Tochter aber ziemlich klar nach Reizabschirmung verlangt, hat es sich in letzter Zeit so ergeben, dass ich fast nur noch im Bett bei zugezogenen Vorhängen stille/einschlafbegleite tagsüber (also meist trinkt sie bevor sie dann schläft). Mittlerweile ist es dann oft nicht mehr möglich für mich wieder auszustehen, weil sie die gesamte Schlafzeit über an der Brust nuckelt und aufwacht, wenn ich sie löse, um dann wieder nach der Brust zu verlangen. Ich habe langsam das Gefühl den lieben langen Tag lang nur noch zu stillen und das Rumliegen im abgedunkelten Zimmer macht mich antriebslos und unglücklich, abgesehen davon, dass ich zu nichts komme. Nachts ist es mittlerweile genauso, dass sie eigentlich durchgängig an der Brust hängt. Es kommt für mich nicht in Frage jetzt schon abzustillen, aber so weiter machen kann ich nicht mehr lange. Ich weiß, dass Sie hier in der Kommentarfunktion keine Stillberatung leisten können und dürfen, aber für kleine Tipps wäre ich sehr dankbar.

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