„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

Stillen nach Bedarf

Was ist überhaupt Stillen nach Bedarf? Nach wessen Bedarf geht es dabei? Und heißt das, dass immer das Baby bestimmt, wann gestillt wird und wie lange gestillt wird? Das erkläre ich Dir in diesem Video-Beitrag.

Was ist Stillen nach Bedarf?

Stillen nach Bedarf ist das Gegenteil von Stillen nach der Uhr – oder nach Plan und nach Zahlen.  Sondern es richtet sich eben nach dem jeweiligen Bedarf,  sowohl des Babys als auch der Mama – also nach dem Bedarf von beiden.

Zunächst einmal ist es auch wichtig sich klar zu machen, dass Stillen nicht nur Ernährung ist. Es geht beim Stillen auch darum, emotionale Bedürfnisse des Babys zu befriedigen: nach Nähe, nach Sicherheit, nach Entspannung.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der eben oder ein Argument auch für das Stillen nach Bedarf ist, dass Frauen unterschiedliche Speicherkapazitäten in ihren Brüsten haben. Nicht jede Mutter kann 200 Milliliter in einer Brust bereit halten und dem Baby bei einer Mahlzeit anbieten. Es gibt da einfach eine sehr große Spannweite.

Und diese mütterliche Speicherkapazität, an die passt sich dann eben auch das Baby an. Wenn nur kleine Portionen im Angebot sind, dann trinkt es eben entsprechend häufiger und wird aber so trotzdem auch auf seinen Tagesbedarf kommen und dabei eben zufrieden sein und auch gut zunehmen.

Die mütterliche Speicherkapazität kann auch nur bis zu einem gewissen Grad, also da gibt es einfach ein Maximum. Irgendwann ist die Obergrenze erreicht, dann geht es nicht mehr weiter zu steigern.

Das ist aber nicht schlimm. Das Baby passt sich daran an. Umgekehrt ist es eben nicht möglich. Du kannst deine Speicherkapazität nicht steigern, wenn du schon am Maximum angekommen bist. 

Was heißt das jetzt ganz praktisch?

Es ist ganz einfach. Leg dein Baby immer an, wenn es danach verlangt. Oder wenn du das Gefühl hast, es könnte jetzt mal wieder an die Brust angelegt werden, weil die Brüste jetzt eben irgendwie auch schon ziemlich spannen.

Oder auch wenn du nicht weißt, was mit deinem Baby ist. Auch dann kannst du immer erst einmal versuchen, ihm die Brust anzubieten. Entweder es nimmt sie oder es nimmt sie nicht.

Sei einfach wie eine gute Gastgeberin, die ihren Gast fragt: “Möchtest du was zu trinken? Kann ich dir was zu essen anbieten?”. Der Gast kann immer das Angebot annehmen oder auch sagen: “Nein, danke, ich möchte nicht.”

Und auch beim Stillen nach Bedarf sind eben kurze Abstände zu bestimmten Tageszeiten oder in bestimmten Phasen deines Babys ganz normal.

Nach Bedarf stillen heißt, aber auch nach deinem Bedarf zu stillen. Du kannst also sowohl dabei – während du stillst – selber auch etwas trinken oder essen. Oder auch mal etwas anderes machen: Ein Buch lesen, dich mit jemandem unterhalten, telefonieren, fernsehen, Musik hören, meditieren, was auch immer.

Du musst nicht die ganze Zeit beim Stillen mit deiner vollen Aufmerksamkeit bei deinem Baby sein.

Wenn es dir jetzt reicht und du möchtest mal auf die Toilette gehen, oder es klingelt an der Tür und du möchtest die Tür öffnen, ohne das Baby an der Brust zu haben. Dann kannst du das Baby auch von der Brust abnehmen und das Stillen unterbrechen. Du musst also nicht immer warten, bis dein Baby von alleine loslässt.

Ich vergleiche das immer sehr gerne auch mit den Säugetieren. Da ist es eben auch so, das Junge initiiert das Säugen und die Mutter beendet ist.

Also ein Weidetier, meinetwegen ein Pferd, wenn da das Junge am Euter der Stute saugt und die Stute möchte jetzt da hinten das Grasbüschel aber fressen, weil da, wo sie jetzt schon gestanden hat, da ist jetzt alles abgefressen.

Dann geht sie da einfach hin, und das Junge lässt halt los, trappelt hinterher. Und wenn es noch nicht genügend gesaugt hat, dann dockt es eben wieder am Euter an und trinkt nochmal.

Und das gleiche gilt eben auch wirklich für alle anderen Säugetiere. Die Affenmama mit ihrem Baby, die irgendwo am nächsten oder etwas weiter entfernten Ast eine schöne Frucht sieht, bleibt auch nicht da sitzen und wartet, bis ihr Baby die Zitze oder die Brustwarze loslässt, sondern sie klettert dann zu der schönen Frucht, die sie gerne haben möchte.

Und das Junge lässt dann die Zitze los und klammert sich an ihrem Fell fest und trinkt vielleicht dann weiter, wenn sich Mama wieder hingesetzt hat und zur Ruhe gekommen ist.

Das Baby – also das Junge – initiiert das Stillen (oder Säugen) und die Mutter beendet es. 

So ist es in der Natur, bei den Säugetieren und genau so funktioniert es eben auch mit unseren Babys. Es wird nur in unserer Gesellschaft immer alles ein bisschen anders verkauft und dadurch aber auch schwierig und kompliziert gemacht.

Schreibe doch gerne mal in die Kommentare, wie Du es mit Deinem Baby machst oder gemacht hast!

Regine Gresens, IBCLC, Juni 2022
Foto: Trendsetter Images via Canva Pro

Hast Du eine Frage zum Stillen, die ich in einem Video beantworten soll?
Dann schreib sie gerne mit dem Hashtag #FragStillkinder in die Kommentare!   


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Fürs Liken, Teilen und Pinnen sage ich herzlich Danke! 

Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.

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9 Kommentare

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  1. hallo, bin mal wieder auf eurer Website auf der Suche nach Rat – ihr habt mir schon beim 1. Kind enorm geholfen! meine Kleine ist jetzt fast 6 Monate alt und ich bin mit ihr gerade an einem Knackpunkt angelangt. Ihr Bedarf ist nämlich untertags jede Stunde, und ich kann auch nicht nebenher “Sachen machen” – sie ist extrem leicht abgelenkt, kaum dass ich einWort sage dockt sie sich ab, kaum registriert sie dass mein Blick woanders hingeht, sieht sie nach… sie geht mir leider echt schon am Nerv. und abends clustert sie dann eine Stunde, das fände ich an sich weniger schlimm nur bin ich dann schon genervt vom ganzen Tag. nachts ist ok, alle 1-3 Stunden. ich hab das Gefühl ich muss was verändern aber ich weiß nicht wie ich es angehen soll! hast du eine Idee? liebe Grüße Katharina

    1. Liebe Katharina,
      Du möchtest einen individuellen Rat von mir für Deine aktuelle Situation mit Deinem Baby!?
      Dazu benötige ich jedoch sehr viel mehr Informationen über Euren bisherigen Verlauf und Eure Gesamtsituation miteinander.

      Wir können dafür gerne einen Termin für eine kostenpflichtige Einzelberatung via Zoom-Video-Schaltung vereinbaren. Damit ich EURE Situation auch genau analysieren kann, sende ich Dir vorab per Mail einen Fragebogen, den Du mir dann ausgefüllt zurücksendest.

      Weitere Infos zu meiner Beratung findest Du hier:

      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  2. Super Beitrag. Meine Tochter ist jetzt 7 Wochen und ist unser erstes Kind. Nach ziemlichen Stillstart-Schwierigkeiten läuft es soweit ganz gut. Meine Hebamme meinte dann, ich solle sie alle drei Stunden stillen, was ich auch getan habe, sitzte da, schaute auf die Uhr oder orientierte mich nach meiner Baby-App, was soweit gut funktionierte. Aber in den letzten Tagen merkte ich, dass mein Kind nur noch 10 Minuten an einer Brust trank und die andere verweigert, sie dann aber immer öfter weinte, vor allem, wenn ich sie in der Nacht nach dem Stillen ablegte, wollte sie nicht mehr schlafen. Ich machte mich schon ganz verrückt, was wenn sie nicht die vollen 20 Minuten trinkt? Nicht dass dann die Milchbildung zurückgeht? und und und. Habe jetzt deinen Beitrag gelesen, was mir ein wenig die Unsicherheit genommen hat und werde versuchen nach Bedarf zu stillen. Werde mir auch dein Buch bestellen.
    Vielen Dank

  3. Schön geschrieben! Ist mein zweites Kind nach 17Jahren,aber mein erstes Stillkind. Eigentlich sollte sie eine Hausgeburt werden, haben ein Eigenheim und ich wollte mich völlig auf mein Gefühl verlassen. Das hat leider nicht geklappt. Jedoch bin ich beim Stillen nun genau so und es läuft richtig gut, nach einer kleinen anfänglichen Schwierigkeit 😁

  4. Vielen Dank für den Beitrag. Gut zu wissen. Wir sollten mehr von unseren Vor vor Vorfahren übernehmen und einfach vertrauen. Dank ihres Buches und ihrem Blog hat das Stillen bei unserem dritten Baby (nun 5 Wochen alt) nun endlich funktioniert. Ich habe mich in der Schwangerschaft viel mit dem intuitiven Stillen beschäftigt und mir schon vor der Schwangerschaft ihr Buch bestellt. Ich war so selbstsicher und habe ganz intuitiv gehandelt. Auch habe ich in der Schwangerschaft eine Stillberatung gemacht. Im Krankenhaus wollten sie mir wieder ein Still-Hütchen andrehen, ich habe dankend abgelehnt. Ich bin so dankbar, dass es so wunderbar klappt. Hätte ich all das schon bei Kind 1 und 2 gewusst. Habe sehr darunter gelitten, dass ich die beiden nicht gestillt habe und genieße es nun sehr, dass es beim Dritten nun so super klappt. Danke für Ihre Hilfe.

    1. Liebe Christina,
      vielen Dank für das tolle Feedback! 🥰
      Es freut mich sehr, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen konnte, dass das Stillen dieses Mal so gut läuft. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie es beide solange genießen können, wie es sich gut und richtig anfühlt. 🧡🧡
      Alles Gute und herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  5. Ganz toller und ermunternder Artikel! Wir stillen genauso nach Bedarf. Es ist so gut wie immer das erste, was ich probiere, wenn das Baby unzufrieden ist und ich Windel etc. ausschließen kann. Nur abdocken, wenn es an der Tür klingelt, ich auf Toilette muss o.ä., habe ich bisher nicht gemacht. Ich ging davon aus, dass ich das Baby nicht unterbrechen sollte. Vielen Dank für die neue Erkenntnis.

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