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Stillen klappte erst beim zweiten Kind

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Ich habe 2015 mein erstes Kind, einen Sohn, geboren. Im Vorfeld habe ich mich intensiv mit der Geburt beschäftigt, mit dem Stillen leider nur am Rande.

Dann war er da, der Sohnemann, nach knappen 8 h spontan entbunden. Die Geburt war anstrengend, mit Wehensturm kurz vor der Austreibungsphase.

Auf meine Bitte hin erhielt ich deshalb zunächst kurzzeitig einen Wehenhemmer und dann „etwas gegen die Schmerzen“. Eigentlich eine gute Entscheidung, denn ich habe den Wehensturm als äußerst negativ erlebt.

Nach der Geburt wurde mein Sohn noch im Kreißsaal von der Hebamme angelegt, er hat jedoch kaum Interesse an meiner Brust gezeigt.

Nachdem er nicht angedockt hat, ist er relativ bald zum Wiegen und Baden verschwunden und kam dann angezogen, im Bettchen liegend, wieder.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich tatsächlich keine Ahnung von Bonding. So kam es also, dass mein Sohn fast den gesamten ersten Tag verschlief – in seinem Bettchen liegend.

Anlegen sollte ich erst, wenn er aufwacht, denn „schlafende Babys weckt man nicht“ – und am ersten Tag schon gar nicht.

In der ersten Nacht bot man mir an, meinen Sohn im Kinderzimmer zu beaufsichtigen, damit ich schlafen könnte. Nichts ahnend habe ich zugestimmt.

Er wurde mir einmal in der Nacht zum Stillen gebracht – mit Schnuller im Mund. Andocken klappte auch hier nicht.

Nun ja, das Andockproblem setzte sich in den nächsten Tagen fort – an uns probierten sich quasi alle anwesenden Hebammen und Kinderkrankenschwestern mit ihren „Tricks“ recht erfolglos aus.

Ab dem dritten Tag schrie mein Sohn schon nur mehr, wenn er die Brust sah. Für mich war das extrem belastend – ich hatte das Gefühl, ich ließe ihn quasi vor der Brust verhungern.

Ich habe damals sehr viel geweint, ich fühlte mich völlig ohnmächtig. Aus diesem Grund blieb ich auch in der Klinik, da ich mir nicht zutraute, das Kind alleine zuhause zu ernähren.

Damals wusste ich übrigens noch nicht von der Existenz von Stillberaterinnen – die es in jener Klinik aber auch gar nicht gab.

Wenig verwunderlich hatte er bald mehr als 7 % des Geburtsgewichts abgenommen. Ich äußerte den Wunsch abpumpen zu wollen, was mir von der Kinderschwester ausgeredet wurde („Das ist viel zu aufwendig, Sie sollen doch das Kind satt bekommen“).

Somit wurde also der Plan gefasst, dass ich meinem Sohn nach jeder „Stillmahlzeit“ (die ja eigentlich nur aus Andockversuchen bestand) eine Flasche Pre geben sollte.

Sofort am nächsten Tag ließ sich eine Gewichtszunahme verzeichnen, die Kinderschwester war zufrieden – und ich ging nach Hause.

Meine Nachsorgehebamme war sehr jung und schien sich beim Stillen mehr aufs Beobachten zu beschränken – ich bekam keine Information, was ich „falsch“ machte oder wie man meinen Sohn zum Andocken bringen könnte.

Nach zwei Tagen und etlichen kräftezehrenden Andockversuchen (mein Sohn schrie sich beim Anblick der Brust in Rage) entschied ich abzustillen – und fühlte mich im ersten Moment wunderbar erleichtert.

Leider hielt die Erleichterung nicht lange an, nach einigen Wochen bekam ich Schuldgefühle und entwickelte einen starken Wunsch zu stillen. Ich drängte das aber mit aller Kraft zurück und blieb bei der Flaschennahrung.

Bald darauf wurde ich wieder schwanger und ich dachte mir dann „Ich will aber stillen“ – mein Kampfgeist war zurückgekehrt.

Durch diverse Mama-Baby-Treffs hatte ich mittlerweile von Stillberatung erfahren und nahm Kontakt zu einer Beratungsstelle auf. Die Stillberaterin empfahl mir, noch in der Schwangerschaft zur Beratung zu kommen – was ich auch tat.

Ich erfuhr, dass ich Schlupfwarzen hatte. Die Stillberaterin zeigte mir, wie ich die Brustwarzen dehnen und herausziehen sollte, und empfahl mir auch die Kolostrummassage ab der 38. SSW.

Anm. d. Red.: Wenn das Stillen beim ersten Kind nicht geklappt hat, ist es oft hilfreich, noch vor der Geburt eines neuen Babys den Verlauf der ersten Stillzeit mit einer Fachfrau zu besprechen und wie hier geschehen einen Plan zur Vermeidung einer Wiederholung zu machen.

Darüber hinaus begann ich zu lesen und mir mehr und mehr Wissen anzueignen. Die Kolostrummassage funktionierte recht gut und ich hatte bald einen „Vorrat“ tiefgefroren.

Vor allem aber entdeckte ich dadurch meine Brust neu, ein bißchen fühlte ich mich deshalb wie ein Teenager. Ich hatte plötzlich die Gewißheit, dass meine Brust in der Lage war, Milch zu produzieren und ein Baby zu ernähren.

Dann kam 2017 meine Tochter zur Welt. Wieder spontan entbunden, nach nur 3 h und diesmal ohne Schmerzmittel.

Die Geburt habe ich durch und durch als positiv erlebt, auch die anstrengende Austreibungsphase. Lediglich einen Dammschnitt erhielt ich – auf eigenen Wunsch. Auch wieder eine gute Entscheidung, denn nach der Geburt erfuhr ich, dass meine Tochter über 5 kg wog.

Wieder wurde mir das Kind im Kreißsaal angelegt – und saugte!!! Ich war überglücklich.

Von Anfang an klappte das Andocken und Stillen. Ich legte meine Tochter in den ersten Tagen mindestens stündlich an und verzichtete weitestgehend auf Schlaf – was mir vor lauter Glück aber auch recht egal war.

Meine Tochter schien jedoch verzweifelt nach Milch „zu suchen“, sie dockte fast überall an (auch an meiner Schulter, Kinn, etc) und saugte mir blaue Flecken in die Brust.

Da ich, wohl auch durch meine Erlebnisse beim ersten Kind, panische Angst vor Hunger des Babys hatte, entschied ich mich, etwas Pre-Nahrung täglich, und nur bis zum Milcheinschuß, zuzufüttern. Diesmal aber wohlwissend, dass das medizinisch nicht notwendig gewesen wäre.

Da ich aber nicht ständig zufütterte, nahm das Kind trotzdem ab – wie alle Babys nach der Geburt natürlicherweise. Keine 7 % diesmal, dennoch wurde mir von der Kinderärztin empfohlen zuzufüttern.

Da ich mittlerweile den Milcheinschuß hatte und die Milch nur so floss, ging ich nach Hause und fütterte nichts mehr zu.

Als meine Nachsorgehebamme das Kind nach einigen Tagen wog (vor diesem Termin hatte ich übrigens regelrecht Angst), wurden ihre Augen groß, denn meine Tochter hatte fast ein halbes Kilo zugelegt.

Von da an beschloss ich, mir keine weiteren Gedanken über das Stillen zu machen. Es ist schön, so wie es ist, und wir genießen es.

Und mir ist klar geworden, dass Stillen manchmal weniger mit der Brust als mit dem Kopf zu tun hat. Ein wenig Wissen und eine gute Portion Selbstvertrauen sind die richtigen Zutaten für eine harmonische Stillbeziehung.

Christina

Originalbericht einer Mutter, August 2017
Foto: Christina E.

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Hallo Christine,
    Ich habe gerade deine Erfahrungen gelesen, die hätten von mir sagen eins zu eins !!! Ich sitze auch gerade hier mit meiner Tochter Juli 2017 geboren und mein Sohn Dezember 2014 geboren. Es war bei uns genau das gleiche und ich freue mich für dich, dass es jetzt klappt genauso wie für mich auch. Ich wusste, ich kann stillen und ich hab nicht locker gelassen. Heute würde ich vielleicht empfehlen, dass man im Geburtsvorbereitungskurs auch das Thema Stillen den werdenden Muttis ans Herz legt, dass sie sich darüber informieren.

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