Stillen ist normal am Strassenrand

Stillen in der Öffentlichkeit – (K)ein Problem!?

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Du bist mit dem Stillkind unterwegs und plötzlich möchte es an die Brust… Mach Dir darüber nicht zu viele Gedanken!
Denn Stillen in der Öffentlichkeit ist normalerweise überhaupt kein Problem.

Im Video erfährst Du, wie Du Dein neues Baby bald auch draußen sicher und entspannt stillst.

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Stillen in der Öffentlichkeit ist ein Thema, das Mütter, die das erste Kind zu haben und gerade erst angefangen haben zu stillen, oft ziemlich beschäftigt.

Daher möchte ich Dir einfach ein paar Dinge dazu sagen und Dir Mut machen, weil es in den allermeisten Fällen überhaupt nicht problematisch ist und die Ängste, die viele davor haben, niemals wahr werden.

Öffentliches Stillen ist nicht verboten

Stillen in der Öffentlichkeit ist nicht verboten, auch wenn manchmal die Angst besteht oder der Eindruck erweckt wird. Es ist nirgends verboten.

Es ist allerdings bei uns auch nicht explizit erlaubt, also nicht geschützt. Wobei es durchaus Bestrebungen gibt, auch von Seiten der Bundesregierung bzw. der Nationalen Stillkommission, die die Bundesregierung in Fragen des Stillens berät, das Stillen in der Öffentlichkeit zu schützen.

Öffentliches Stillen sollte überall möglich sein

Stillen sollte überall in der Öffentlichkeit möglich sein und Du musst Dich nicht zum Stillen zurückziehen oder verstecken.

Wenn Du jedoch in einem Raum bist – in einer Gastwirtschaft, in einem Café, in einem Museum oder in einem Einkaufszentrum – kann jemand kommen und zu Dir sagen: „Hier bitte nicht stillen!“, weil in geschlossenen Räumen, die jemandem gehören, ein sogenanntes Hausrecht gilt.

Wenn der Hausherr oder der Pächter nicht möchte, dass dort gestillt wird, weil sich vielleicht seine Gäste dadurch gestört fühlen, ist es leider so, dass Du zwar protestieren kannst, aber dieses Hausrecht existiert nun einmal leider.

Wenn so etwas überhaupt passiert, solltest Du versuchen Dich freundlich mit dem Hausbesitzer oder Pächter zu verständigen, dass das Baby jetzt gerade Hunger hat und gestillt werden muss, weil es nicht warten kann. Häufig sind die Besitzer dann auch einsichtig oder können Dir anbieten in einen separaten Raum zu gehen.

Auf keinen Fall zu akzeptieren ist, sich auf die Toilette schicken zu lassen. Das geht überhaupt nicht. Stillen auf einer öffentlichen Toilette ist aus hygienischen Gründen und ganz generell absolut abzulehnen. Das solltest Du Dir niemals bieten lassen.

Und es hat dazu auch durchaus schon Proteste gegeben, wenn so etwas vorgekommen und öffentlich geworden ist. Und viele Restaurantbesitzer oder auch größere Einkaufsketten haben sich anschließend schon öffentlich entschuldigen müssen.

Ich möchte Dir aber grundsätzlich Mut machen, denn das Stillen in der Öffentlichkeit ist für die meisten Frauen nicht problematisch.

Circa 2/3 der stillenden Mütter stillen auch öffentlich

Die Nationale Stillkommission hat ungefähr dreihundert stillende Mütter befragt, von denen etwa zwei Drittel gesagt haben, sie würden gelegentlich auch in der Öffentlichkeit stillen. Von diesen Frauen haben nur sehr wenige – etwa nur jede 20. – auch schon einmal eine eher negative oder negative Erfahrung beim öffentlichen Stillen gemacht. Das hat auch einen Grund.

49 % der Bevölkerung nehmen öffentlich stillende Mütter nicht wahr

Bei dieser Befragung wurden auch über 1000 Menschen – aus der Bevölkerung – befragt und fast die Hälfte von ihnen hat dabei gesagt, dass sie überhaupt keine stillenden Mütter in der Öffentlichkeit wahrnehmen. Wenn Frauen sich ganz selbstverständlich auf eine Bank setzen oder auch in einen Café ohne großen Aufhebens ihr Baby an der Brust haben und dabei geeignete Stillkleidung tragen, ist tatsächlich überhaupt nicht zu erkennen, dass es gestillt wird.

Fürs öffentliche Stillen geeignete Kleidung ist etwa ein Top, das Du ein bisschen hochheben kannst, und etwas, das von unten den Bauch, den Rücken und die Flanken bedeckt, so dass die Brust nicht mehr zu sehen ist, wenn das Baby an der Brust ist.

Fast ¼ der Bevölkerung ist öffentliches Stillen egal

Ein Viertel dieser befragten Bevölkerung hat auch gesagt, dass es ihnen egal sei, ob in der Öffentlichkeit gestillt wird.

Die Hälfte nimmt es also überhaupt nicht wahr, einem Viertel ist es völlig egal und nur 6% dieser gut tausend befragten Leute stören sich am öffentlichen Stillen. Das ist tatsächlich auch nur etwa jeder 20. und wenn man es auf die Gesamtbevölkerung hochrechnet bzw. als repräsentativ betrachtet, ist es wirklich nur ein sehr geringe Zahl, die auch dem Prozentsatz an Müttern entspricht, die schon einmal eine negative Erfahrung gemacht haben.

Was kann ich machen, um meine 9,5 Monate alte Tochter draußen zu stillen?

Nina schreibt im Live-Call: „Meine Tochter ist 9,5 Monate und wir stillen noch sehr viel und vor allem gerne. Sie ist sehr temperamentvoll und neugierig. Mir geht es gar nicht darum, dass Dritte mir das verbieten, sondern vielmehr darum, was ich machen kann, um meine Tochter draußen zu stillen. Es ist nur ein hektisches An- und Abdocken und gegebenenfalls lässt sie auch eine Mahlzeit aus.

Das ist wohl tatsächlich einfach dem Alter geschuldet. Da könnte es für Dich zum ruhigen entspannten Stillen sinnvoll sein, Dich mit Deiner Tochter in einen ruhigen Raum zurückzuziehen, wo sie nicht ständig abgelenkt ist und umherguckt und die Brust loslässt und aber auch wenn sie die Mahlzeit vielleicht auslässt, wird das wahrscheinlich nicht so schlimm sein. Sie holt es etwas später wieder nach.

Ab einem gewissen Alter sind die Kinder einfach mehr an der Umwelt interessiert und neugierig und manche Mutter muss sich dann sogar Zuhause ins Schlafzimmer zurückziehen, weil auch die anderen Kinder oder der Partner beim Stillen stören.

Einen Platz zum Stillen finden

Brigitte schreibt im Live-Call: „Mir ging es in der Öffentlichkeit auch immer so. Darum musste ich mir immer ein ruhiges Plätzchen oder einen Stillraum suchen.

Es gibt auch öffentliche Räume, die als besonders stillfreundlich gekennzeichnet sind, dafür gibt es extra in blaues Piktogramm mit einer stillenden Mutter von der Initiative „Zum Stillen Willkommen“ oder „Stillender Stern“.

Auch manche Drogerieketten haben jetzt eine „Stillecke“ eingerichtet, wobei die meistens nicht gerade sehr abgeschlossen ist und sondern direkt hinter der Kasse oder halb im Schaufenster. Ich weiß nicht, ob man da dann wirklich mehr Ruhe hat.

Kim schreibt im Live-Call: „Wer sich nicht traut öffentlich zu stillen, dem kann ich wirklich empfehlen, ein gepflegtes Bekleidungshaus aufzusuchen und dort eine Umkleidekabine zu nutzen. Ich habe vorher auch die Mitarbeiter gefragt und niemand hatte was dagegen.

Genau, das habe ich in der Anfangszeit auch öfter gemacht. Wenn das Stillen in der Umkleidekabine jedoch von den Angestellten nicht so gerne gesehen wird, gilt wieder das bereits erwähnte Hausrecht.

Nina schreibt im Live-Call: „Es kann mittlerweile nicht mal mehr mein Mann dabei sein. Aber dann ist ja alles normal.

Ja, das ist wirklich völlig normal. Die Kinder sind einfach zu neugierig und an allem interessiert.

Übe erst einmal in einem geschützten Rahmen

Ich möchte Dich wirklich ermutigen, das Stillen in der Öffentlichkeit anzugehen und zu üben.

Also ruhig am Anfang erstmal in einem geschützten Rahmen – in der Familie, mit Freundinnen, im Rückbildungskurs oder in einer Stillgruppe -, wo es einfach wirklich ganz normal ist, dass dort gestillt wird und Du ein bisschen für Dich üben kannst.

Dann kannst Du auch eine Rückmeldung bekommen, wie viel man denn jetzt von der Brust sieht oder was Du noch verändern könntest. Das ist für die Anfangszeit sehr hilfreich, um Dich dann auch in der Öffentlichkeit ein bisschen sicherer und selbstverständlicher zu bewegen.

Gerade jetzt, wo es draußen so schön warm ist und man auch nicht mehr so viel bekleidet ist, ist es zum Stillen in der Öffentlichkeit einfach perfekt, weil Du nicht viel ausziehen musst, sondern wo Du gerade bist, das Baby sehr schnell anlegen kannst.

Reagiere schnell

Es macht viel weniger Aufheben und erregt viel weniger Aufmerksamkeit, wenn Du sehr schnell reagierst. Wenn Dein Baby die ersten Anzeichen macht, dass es wieder an die Brust wollen könnte, solltest Du recht schnell zur Brust bringen und nicht erst anfangen, Dich möglicherweise noch mit einer Art Umhang zu bedecken oder Dich irgendwo anders hinzusetzen. Das würde eher Aufmerksamkeit erwecken.

Ich finde diese Umhänge für stillende Mütter, die es vor allem in Amerika gibt, wo man sich und das Baby mit einem halben Zelt bedeckt, ganz furchtbar. Und jeder, der von außen guckt, weiß genau, da wird jetzt gestillt.

Und ältere Babys werden sich auch mit so einem „Zelt“ überhaupt nicht mehr stillen lassen. Sie möchten nicht abgeschlossen sein oder im Dunkeln gestillt werden, wo sie keinen Blickkontakt mehr haben und nicht mitkriegen, was draußen los ist. Das funktioniert nicht und macht auch das Stillen eher schwierig und kompliziert. Im Grunde muss es überhaupt schwierig und kompliziert sein, auch wenn ihr gerade unterwegs seid.

Mehr Akzeptanz des öffentlichen Stillens

Die Nationale Stillkommission hat im letzten Jahr eine Initiative gestartet, die vom Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft angestoßen worden ist, und wird jetzt in den nächsten zwei Jahren die Akzeptanz des öffentlichen Stillens durch unterschiedliche Maßnahmen fördern.

Sie haben in ihrer Voruntersuchung festgestellt, dass je mehr Leute über die Vorteile des Stillens wissen und dass diese Vorteile mit der Stilldauer zunehmen, desto mehr akzeptieren sie es auch, wenn in der Öffentlichkeit gestillt wird. Je weniger sie darüber wissen, desto weniger akzeptieren sie es.

Deswegen wird jetzt auf Initiative des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft das Wissen über die Vorteile des Stillens in der breiten Öffentlichkeit durch unterschiedliche Aktionen gestärkt.

Je mehr Stillen sichtbar ist, desto normaler wird es

Es ist einfach so, je mehr wir gewisse Dinge kennen, desto weniger bemerken wir sie und desto akzeptierter und normaler werden sie auch.

Je mehr Mütter sich trauen in der Öffentlichkeit ganz selbstverständlich zu stillen und dabei auch gesehen werden und sich nicht verstecken, desto mehr wird das Stillen in der Öffentlichkeit auch normal werden und desto weniger werden sich Leute daran stören, weil sie es einfach kennen. Heute es ist zum Teil noch ein Tabu oder etwas, was man nur sehr selten zu sehen kriegt.

Manche Menschen, die auch mal ein bisschen länger gucken, wenn sie merken, dass ein Baby gerade gestillt wird, gucken vielleicht auch nur, weil sie es faszinierend finden oder es überhaupt noch nie gesehen haben.

Wenn also jemand länger guckt, muss das nicht immer bedeuten, dass es ihn stört und er etwas dagegen hat. Es kann tatsächlich auch sein, dass er das ganz toll findet und deswegen so fasziniert zuschaut.

Es wird immer einfacher

Steffi schreibt im Live-Call: „Beim ersten Kind war es noch total schwierig für mich, zumal das Stillen auch problematisch war.

Das stimmt natürlich. Beim ersten Kind ist sowieso alles irgendwie noch ein bisschen schwierig und wenn es mit dem Stillen auch noch nicht so richtig gut klappt, ist es natürlich meistens auch noch problematischer es dann in der Öffentlichkeit zu machen.

Mir haben aber schon manche Mütter berichtet, dass sie nur Zuhause Schwierigkeiten haben. Wenn sie unterwegs und woanders sind und ihnen nichts anderes übrig bleibt, als ihr Baby zu stillen, weil es gerade Hunger hat, merken sie, dass es auf einmal klappt, obwohl es Zuhause nie geklappt hat und jetzt unterwegs – ohne Stillkissen, ohne die übliche Umgebung – geht es auf einmal.

Steffi schreib weiter im Live-Call: „Ich hatte da auch noch mit normaler Stillkleidung hantiert. Beim Zweiten ist es jetzt alles deutlich entspannter. Ich trage immer einen Stilltop und normale Kleidung drüber und so fällt das Stillen wirklich fast nicht auf. Von oben und von unten ist alles bedeckt. Ich hörte schon oft ‚Ach so, du stillst. Ich dachte, du hast das Baby nur auf dem Arm.‘

Es fällt wirklich vielen nicht auf, dass das Kind gerade gestillt wird und mit einem Stilltop oder Stillkleidung mit seitlichen Öffnungen oder zwei Schichten übereinander, geht es wirklich wunderbar. Die Brust ist nur einen ganz kurzen Moment zu sehen, nämlich wenn das Baby gerade angedockt wird und danach ist von oben und unten alles bedeckt und fällt wirklich viel weniger auf als sich z.B. mit so einem halben „Zelt“ zu bedecken.

Übe es! Du wirst sehr schnell merken, je häufiger Du Dein Baby draußen gestillt hast, desto leichter fällt es Dir und desto normaler fühlst Du Dich dabei. Du wirst sehr wahrscheinlich überhaupt keine negativen Erfahrungen machen, sondern wirklich eher positive Erfahrungen.

Kinder sind unterschiedlich

Britta schreibt im Live-Call: „Bei mir ist es genau umgekehrt. Das erste Kind konnte ich immer und überall stillen, auch mitten im Park und auf der Wiese. Das zweite Kind lässt sich nicht in fremder Umgebung stillen. Alles ist spannend.

So ist es, Kinder sind unterschiedlich. Du selber kennst dein Kind immer am besten und kannst dich dann ja nach Möglichkeit drauf einstellen, damit es mit dem Stillen möglichst optimal für euch funktioniert.

Also lass Dich nicht vertreiben und lass Dich nicht verunsichern! Das Stillen in der Öffentlichkeit muss normaler werden, nur so gewöhnen sich alle Menschen daran stillende Mütter zu sehen und es wird umso weniger negative Erfahrungen damit geben.

Stillen ist eben einfach normal und das Beste für das Baby und auch für die Mutter und es kann nun mal auch nicht immer warten, bis man wieder zu Hause ist.

Stillt, da wo ihr gerade seid und fühlt euch dabei ganz wohl und entspannt. Dann wird sich daran auch so leicht keiner stören und Euch auch in Ruhe lassen.
 
Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Mai 2018
Foto: Thomas Hawk via photopin cc

 

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Stillen in der Öffentlichkeit

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

2 Kommentare

  1. Die Reaktion der Öffentlichkeit ist überhaupt nicht mein Problem, eher das Handling! Ohne Sessel und ohne Kissen bin ich noch total überfordert!! Übe schon im Gartenhäuschen und im Gartenstuhl, ist immer ein Rumgeackere und wenig entspannt. Baby ist schwer und hängt auf halb acht. Neulich sah ich eine Mami im Café und die stillte ihr Baby ganz cool beim Torte essen, davon sind wir noch meilenweit entfernt! Baby ist aber auch erst 8 Wochen alt und die ersten vier Wochen waren eh sehr kompliziert, hab also noch Hoffnung…!

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