Stillen im Bus verboten

Stillen im Bus verboten!??

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Immer wieder kommt es vor, dass stillende Mütter aufgefordert werden, Cafés, Restaurants, öffentliche Räume oder, wie gerade aktuell geschehen, öffentliche Verkehrsmittel zu verlassen.

Weil sich eine Rentnerin beschwert hatte, wurde in Hamburg am 4. Juni 2015, einem Tag mit hochsommerlichen Temperaturen, eine ihr durstiges Baby stillende Mutter gegen 17:00 Uhr durch den Fahrer eines HVV-Busses der Linie M14 über das Mikrofon aufgefordert, das Stillen sofort zu unterlassen oder mit ihrem Baby den Bus zu verlassen, sonst würde er nicht weiterfahren.

Da keiner der anderen Fahrgäste die Mutter unterstützte und den Busfahrer zum Weiterfahren aufforderte, sondern stattdessen Unmut unter den Mitfahrenden laut wurde, sah sich die Mutter gezwungen den Bus zu verlassen und mit einem anderen Bus weiterzufahren.

Stillen im Bus verboten!??

Ein solch diskriminierendes Verhalten widerspricht eindeutig der Beförderungspflicht des öffentlichen Nahverkehrs.

Auf Grund des massiven Protests in den sozialen Netzwerken und zahlreicher Beschwerden über das Verhalten des Busfahrers hat sich der Vorstand der Hamburger HOCHBAHN am 5. Juni 2015 persönlich bei der betroffenen Mutter entschuldigt und wird seine Fahrer nochmals dafür sensibilisieren, dass Stillen in Fahrzeugen und Anlagen des HVV erlaubt ist, wie er auf seiner Facebook-Seite mitteilte.

Damit aber auch auf nationaler Ebene das Stillen von Babys und Kleinkindern in der Öffentlichkeit grundsätzlich geschützt wird, sollten endlich die bereits 2013 in einer Petition geforderten und vom Deutschen Bundestag am 13. November 2014 beschlossenen Empfehlungen zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) formuliert und veröffentlicht werden.

Stillen in der Öffentlichkeit muss endlich von der Bundesregierung geschützt werden. Klick um zu Tweeten

Ich habe dazu dem zuständigen Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt folgendes geschrieben.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt,
der Rauswurf einer stillenden Mutter aus einem HVV-Bus durch den Busfahrer und die anderen Fahrgäste am 4.6.2015 in Hamburg zeigt, dass das Stillen von Säuglingen und Kleinkindern in der Öffentlichkeit einen besonderen gesetzlichen Schutz bedarf.
Eine entsprechende Petition (Pet 3-17-17-21611-053558) wurde am 13. November 2014 bereits im Deutschen Bundestag beraten und die Formulierung von Empfehlungen zum Stillen in der Öffentlichkeit durch Ihre Behörde beschlossen (BT-Drucksache 18/3058).

Da der Schutz und die Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit in Deutschland dringend nötig sind, wie an diesem Vorfall einmal wieder allzu deutlich wird, fordere ich Sie hiermit auf, die Empfehlungen umgehend zu formulieren und zu veröffentlichen.

Bitte informieren Sie mich über den aktuellen Stand Ihrer Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen,
Regine Gresens

Dieser Text darf gerne so übernommen und im eigenen Namen ebenfalls hier an den Minister geschickt werden.

Außerdem habe ich die Nationale Stillkommission gebeten, ebenfalls beim BMEL der Forderung nach den Empfehlungen zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit Nachdruck zu verleihen.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, 5. Juni 2015
Foto: Uxbridge – West London… via photopin (license)

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

9 Kommentare

  1. Pingback: Stillen in der Öffentlichkeit - FreeYourFamily.net

  2. Ich an ihrer stelle hätte aufgehört zu stillen wäre im bus geblieben und hätte das kind schreien lassen… ist vielleicht etwas hoch in die Luft gegriffen gerade ein stress fürs baby aber ich glaube den buss gästen wäre dann eine stillende mutter lieber gewesen.

  3. … mir ist das zum Glück auch noch nicht passiert! Würde mir aber ein Betreten eines Cafés oder sonst eines Platzes auch nicht verwehren lassen! Stillen ist etwas Natürliches und in keinster Weise von sexueller Natur! Wenn ich solche engstirnigen Berichte schon lese ?

  4. Ich finde der Busfahrer hat richtig gehandelt, man kann auch von stillenden Müttern erwarten, dass sie Rücksicht auf andere Fahrgäste nehmen, ich mag auch nicht laufende Meter sehen, wie stillende Mütter ihren ausgelutschten Busen rausholen. Auf der anderen Seite sich beschweren wenn sie angegrabscht werden. Auch wir haben damals gestillt, aber komischer Weise konnten wir das auch außerhalb der Öffentlichkeit und unsere kinder sind nicht verhungert.

    • „ausgelutschten Busen“…dein Körpergefühl scheint ziemlich übel zu sein. Jeder Körper ist schön. Und noch schöner, wenn ein anderer davon genährt wird.
      Warum muss eine stillende Frau sich verstecken? Muss ja keiner genau hingucken. Und wir leben zum Glück nicht in einem Staat, wo man sich als Frau verschleiern muss.
      Vielleicht haben so viele Frauen und Männer ein Problem damit, weil es eben so selten vorkommt und sich alle verkriechen. Oder Probleme mit ihrer Sexualität haben. Warum auch immer. Es nervt. Die Brust wird schließlich nicht zum Spaß ausgepackt, sondern weil ein Lebewesen, „komischerweise“, gerade Hunger oder ein Bedürfnis nach Nähe hat.

  5. Ich finde es eine Frechheit, dass erstens, der Busfahrer auf eine solch dämliche Idee verfällt, nur weil eine (!) Rentnerin sich beschwerte und zweitens, daraufhin der Unmut bei den anderen Fahrgästen stieg und ihr keiner beistand.

    Genau solch ein Szenario lässt auch bei mir den Puls höherschlagen, sodass ich für meine Psyche für unterwegs immer Thermokanne und Babyfläschen dabei habe – leider.

    Doch dieses Beispiel zeigt mir auch, wieso eigentlich?

    Ist es dem Busfahrer lieber, und auch der Rentnerin, ein hilfloses Schreien eines hungernden Babys auszuhalten??

    Diese Frage werde ich demnächst stellen, sollte mir einer so kommen, egal wo, ob Bus oder Cafe.
    Soll er doch stehenbleiben mit dem Bus. So verpasst man seinen Austieg nicht.

    Tja Muttis heutzutage hocken halt nicht mehr zuhause.

    Schlimm finde ich es auch, dass man Kommentare wie : „hier nicht stillen, das stört die Leute beim Essen!“ auch von der eignen Familie hören muss…

    Nehm ich halt ein Tuch und bedecke uns damit! Mein Kind „isst“ doch auch bloss!

    Und wer mich bittet, ich möge mein Kind doch auf dem WC stillen, dem werde ich antworten: „Gut. Nehmen Sie ihr Essen und kommen mit!“

    So die Theorie. Auch schonmal die Familie gefragt, als das WC – Stillen angesprochen wurde.

  6. Mir fehlen die Worte, das ist nicht nur eine Frechheit, die Aufforderung, das Stillen zu unterlassen und das Baby somit weiter dursten zu lassen, finde ich grausam!
    Solche Geschehnisse sind es, die Mütter allein beim Gedanken ans Stillen in der Öffentlichkeit, Angst empfinden lassen. Meine Tochter ist 5 Monate alt, wir haben bereits mehrere Male in Cafés und Restaurants gestillt und obwohl wir nie Probleme bereitet bekommen haben, denke ich jedes Mal „Hoffentlich beschwert sich niemand und fordert uns auf zu gehen“. Ein Café haben mein Partner, die Kleine und ich gleich wieder verlassen, weil dort nur Rentner saßen, die beim Anblick des Kinderwagens schon Gesichter zogen. Da habe ich gar nicht stillen wollen.
    Ich finde es ist ein absolutes Armutszeugnis, dass niemand der Frau und dem Kind beigestanden hat. Ich wage mal zu behaupten, dass der Fahrer nichts mehr gesagt hätte, wenn sich jemand für die beiden eingesetzt hätte.

  7. Hallo, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so etwas wirklich passiert. Was ist nur los mit den Menschen? Ich selbst noch teilweise voll stillende Mama eines 8 Monate alten Sohnes habe zum Glück noch nie so eine Erfahrung gemacht und rate auch keinem mich jemals aufzufordern das Stillen zu unterlassen ;-). Das würde nur unschöne Diskussionen fördern. Ich möchte eine schöne Erfahrung teilen, die auch passieren und mir zum Glück des öfteren 🙂 Am Wochenende im bekannten Steakhouse gewesen und die Kellnerin hat ungefragt die Zwiebeln im Salat weggelassen, weil sie gesehen hat, dass ich stille. (Ich hätte auch welche bekommen können). Kleine, aber äußerst aufmerksame Geste.

  8. Ich habe schon eine EMail an Hamburger Hochbahn geschickt.

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