So hatte ich mir den Abschied nicht vorgestellt

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Mein erstes Kind, vor nunmehr 10 Jahren, habe ich nach der dritten Brustentzündung, die stationär behandelt werden musste, nach 7 Wochen unter Qualen abgestillt.

Ich war wie traumatisiert, dass es nicht geklappt hat und noch Monate nach dem Abstillen bin ich bei dem Gedanken, dass ich nicht stillen konnte, in Tränen ausgebrochen. Ich fühlte mich als Versagerin, als wertlos und voller Makel.

Im Nachhinein weiß ich, dass es zu viele Probleme auf einmal gab…

Als ich nach 8 Jahren wieder schwanger wurde, wusste ich eins: Ich werde es wieder probieren – und es schaffen!

Ich suchte mir bereits während meiner Schwangerschaft Unterstützung und geriet an eine liebevolle Hebamme, die mich während meiner ganzen Schwangerschaft begleitete.

Ich hatte im Gegensatz zu meiner ersten diesmal eine furchtbare Schwangerschaft mit extremer Übelkeit und 8 Monate lang Erbrechen und Depressionen.

Ich musste die ganze Schwangerschaft über starke Medikamente nehmen, habe mir bisweilen sogar gewünscht, das Kind, welches ich mir so sehnsüchtig gewünscht hatte, zu verlieren…

Doch der Wunsch zu Stillen blieb und wurde immer größer und damit auch die Sicherheit, dass es dieses Mal klappen würde.

Als der Kleine endlich da war, hat sich mein Körper schnell von der Geburt und der Schwangerschaft erholt. Ich konnte meinen Sohn sofort anlegen und er nuckelte auch sofort los – instinktiv – dem Stillen stand nix entgegen!

Doch auch dieses Mal wollte es nicht auf Anhieb klappen, Stillen soll schön sein???

Wunde Brustwarzen, dicke, pralle, schmerzende Brüste, milchdurchnässte Pullis und Bettdecken! Ich hatte mehrere Milchstaus, schaffte es jedoch immer mit Hilfe meiner Hebamme, einer Entzündung zu entkommen.

Ich hielt durch, veränderte die Anlegepositionen, versuchte mich zu entspannen und nach ungefähr 4 harten, nervenaufreibenden Monaten konnte ich es auch sagen: Stillen ist schön!!!

Jetzt verstand ich endlich, was so viele Frauen meinten, es ist ein wunderbares Gefühl, viel mehr als nur Nahrungsspende.

Ich stillte hingebungsvoll, immer und überall.

Je älter mein Sohn wurde, desto mehr Stimmen wurden laut: „Wie lange willst du ihn denn noch stillen?

Das ließ mich jedoch ziemlich unbeeindruckt, aber ich verlagerte das Stillen vor allem nach Hause bzw. in geschützte Räume.

Ein anderthalbjähriges Kind in der Öffentlichkeit zu stillen, stößt auf sehr viel Unverständnis und manchmal war es stressig, einen geeigneten Raum zu finden.

So schön und wundervoll das Stillen ist, freute ich mich auch darauf, dass mein Körper irgendwann wieder ganz mir gehören wird.

Ich fragte mich auch, wie wohl das Abstillen klappen würde, wurde mein Sohn doch immer verlangender und indiskreter, wenn es darum ging, dass er „Buschi“ machen wollte.

Auch waren unsere Nächte noch immer sehr unruhig, er wollte alle 2 bis 3 Stunden nuckeln und da ich bereits wieder arbeitete, war ich morgens alles andere als erholt…

Ich beschloss, das Stillen zumindest einzuschränken, ich stillte ihn nicht mehr immer dann, wenn er wollte, sondern hörte auch auf mein Gefühl, ob ich wollte. Immer permanent verfügbar sein, ist ganz schön anstrengend und ich wollte, dass er unabhängiger wird.

Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass er es akzeptiert!

Er hat zwar ein- bis zweimal protestiert, mich dann aber verständnisvoll angeblickt und „alle alle“ gesagt.

Ja, alle alle, leer.

Aber genau so fühlte ich mich auch plötzlich. Tiefe Trauer machte sich in mir breit, so hatte ich mir den Abschied nicht vorgestellt.

Ich dachte, ich reduziere das Stillen nach und nach, lasse es einfach auslaufen. Natürliches Abstillen.

Aber mein Sohn entschied sich dazu, es einfach ganz zu lassen. „Alle alle.“

Zugleich war ich auch mächtig stolz auf meinen Sohn!

Er wurde 22 Monate gestillt und ist jetzt groß genug, ohne Brust einzuschlafen und durch die Welt zu gehen!

Er schläft nun die fünfte Nacht in Folge seelenruhig neben mir im Bett durch und ich habe das Gefühl, dass er ganz entspannt ist!

Eigentlich hatte ich mir genau das gewünscht – durchschlafen, unabhängiger sein…

Doch der Abschiedsschmerz sitzt dennoch tief. Ich habe so lange hart dafür gekämpft, dass ich mein Kind stillen kann und das soll nun einfach so zu Ende sein?

Es war eine wunderschöne, innige Zeit. Das akzeptiere ich jetzt und blicke auf eine schöne Stillzeit zurück!!!

Herzliche Grüße,
Achillea

Originalbericht einer Mutter, September 2015
Foto: Achillea
 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Danke für deinen tollen Bericht! Er macht Mut und bestärkt ungemein!
    Mein Sohn ist jetzt 13 Monate alt und wir stillen noch abends zum Einschlafen. Dafür gibts oft komische Blicke und weggehen ist auch noch nicht drin (er merkt es, wenn ich es eilig habe ;))
    Wir hatten auch einen nicht sehr schönen Start ins Leben, mein Sohn lag 3 Tage auf der Intensivstation und das Stillen wollte nicht so richtig klappen. Für mich gab es aber gar keine Alternative, also habe ich 4 Monate lang abgepumpt und mit der Flasche gefüttert. Immer wieder, wenn ich sehr neidisch auf andere stillende Mütter war, habe ich versucht ihn anzulegen und nach 3,5 Monaten hat es endlich geklappt! Wir haben uns dann langsam gesteigert (für ihn war es auf einmal viiiiel anstrengender an Milch zu kommen;)) und nach 4 Monaten konnte ich endlich die Pumpe abgeben und wir haben seitdem eine tolle Zeit gehabt! Ich werde unser abendliches Stillen genießen, so lange wie es eben dauert..
    Die Zeit geht eh viel zu schnell vorbei..

  2. Danke für deinen Bericht.
    Mein Sohn ist knapp 15 Monate alt und wir stillen noch gerne. Leider weiß ich, dass diese Zeit begrenzt ist und versuche alles mitzunehmen, was sie mit sich bringt.
    Die Kinder werden so oder so schnell erwachsen, da müssen wir sie nicht dazu drängen. Ich genieße die Zeit, so lange es geht.

  3. Hey! Ein schöner Bericht! Mamis, stillt alle so lang wie ihr könnt! Das ist einfach nur schön!
    Meine Tochter ist 2 und ich stille sie noch 1x am Tag, wenn ich sie ins Bett bringe.
    Wenn sie größer werden, kann man ihnen auch erklären, wann sie stillen können und wann nicht — und es ist für beide schön.

  4. Naja… Schön durfte er so lange stillen. Aber unabhängig? Mit nicht mal 2? Meiner ist 20 Monate & seeehr unabhängig. In die Kita läuft er rein ohne sich nochmals umzuschauen. Weiterstillen darf er noch so lang es fuer beide stimmt.

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