Stillkinder.de

Intuitives Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Leben mit Baby > Beziehung > Respektieren Sie Ihr Baby
Respektieren Sie Ihr Baby

Respektieren Sie Ihr Baby

Keine Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2000
Babys sind herausragende, empfindsame und unerfahrene Menschen. Sie lernen bereits vor der Geburt sehr schnell, obwohl sie unsere Sprache noch nicht sprechen.

Indem Sie den Körper und die Fähigkeiten Ihres Babys respektieren, legen Sie den Grundstein für einen lebenslangen, gegenseitigen Respekt.

Mund
Ihr Baby erfährt die Welt hauptsächlich mit seinem Mund. Wenn sich seine allererste Erfahrung mit dem Mund wie eine Körperverletzung anfühlt (z.B. durch gründliches Absaugen, einen kraftvollen Finger oder einen Flaschensauger), kann es sein, dass es danach einige Zeit nicht bereit ist, eine Brust in seinen Mund zu lassen.
Fragen Sie es um Erlaubnis, bevor Sie ihm irgendetwas in den Mund stecken, und respektieren Sie seine Wünsche, wenn es den Mund nicht öffnet.

Appetit
Wenn ein Neugeborenes sein Bedürfnis zu saugen äußert, sagt es damit, dass es Nahrung möchte, keinen Schnuller.
Respektieren Sie seine Fähigkeit seinen eigenen Appetit und seinen Durst zu kennen. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Baby ist niemals zufrieden, wenden Sie sich an eine Stillexpertin.

Ohren
Bevor Sie Ihr Baby direkt auf sein empfindliches Ohr küssen, lassen Sie sich selbst von jemandem aufs Ohr küssen, damit Sie selber merken können, wie laut dies ist.

Hände
Menschliche Hände sind besonders empfindlich. Wenn die Hände eines Babys sofort nach der Geburt gewaschen werden, verliert es den Geruch und Geschmack, den es schon ewig kennt, und trinkt möglicherweise nicht so gut an der Brust.
Wenn seine Hände in Handschuhe gesteckt werden, „um sein Gesicht zu schützen“, ist es nicht mehr in der Lage, sich selbst mit den Händen zu beruhigen oder eine normale Verbindung mit seiner Umwelt aufzunehmen und trinkt vielleicht nicht gut.

Schreien
Einige Babys schreien aus Gründen, die wir einfach nicht herausfinden können. Wenn das der Fall ist, wird Ihr Baby sicher dankbar sein, von Ihnen im Armen gehalten zu werden, während Sie versuchen ihm zu helfen. Aber in den meisten Fällen zeigt das Weinen eines Babys den Mangel an Stillen oder Körperkontakt. Heftiges Schreien ist anstrengend für sein Herz und „trainiert seine Lungen“ keineswegs.
Respektieren Sie Ihre eigenen Instinkte und reagieren Sie auf sein Schreien.

Beschneidung
Wenn Sie Ihren Sohn, außer aus religiösen Gründen, beschneiden lassen möchten, sollten Sie bedenken, dass dabei etwas dauerhaft entfernt wird, was einmal ein circa 13 Quadratzentimeter großes, höchst empfindsames Hautstück eines fremden Körpers werden würde, ohne dessen Einverständnis. Eine Beschneidung kann auf seinen eigenen Wunsch auch später vorgenommen werden, obwohl nur sehr wenige Männer mit einer intakten Vorhaut, diese nicht mehr haben wollen. Die gesundheitlichen Risiken einer intakten Vorhaut sind nicht größer als die gesundheitlichen Risiken einer Beschneidung.

Windelwechsel und Baden
Wenn Ihr Baby dabei weint, überlegen Sie sich, ob es wichtiger ist, diese Tätigkeit ohne Unterbrechung zu Ende zu führen oder sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um es zu stillen oder es zu beruhigen. Bald schon werden Windelwechsel und Baden zu seinen liebsten Aktivitäten zählen.
Bis dahin stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie um Hilfe schreien würden und niemand darauf reagiert.

Haut
Die Haut ist unser größtes Organ. Babys lieben es ihre nackte Haut auf Ihrer nackten Haut zu spüren. Wenn Sie eine Decke über sich beide ausbreiten, während Sie im Hautkontakt sind, wird Ihr Baby effektiver gewärmt und hat stabilere „Vitalitätszeichen“ als in den meisten teuren Wärmebettchen im Krankenhaus.

Spielen
Während seiner „ruhigen Wachphasen“, d.h. wenn es weder hungrig, noch schläfrig ist, ist Ihr Baby optimal zum Spielen aufgelegt.
Machen Sie seine eigenen Gesichtsausdrücke nach. Schneiden Sie ihm eine Grimasse, langsam und mehrmals hintereinander, und es wird vielleicht ebenfalls dieselbe Grimasse schneiden – sogar seine Zunge herausstrecken. Manche Babys erinnern diese „Gesichtsspiele“ monatelang, öffnen beispielsweise weit den Mund bei einer Stillberaterin, die sie seit den ersten Lebenstagen nicht mehr gesehen haben.
Babys sind Lernmaschinen! Aber sie werden schnell müde.
Wenn Ihr Baby wegschaut, gähnt oder seine Hände steif macht und hochhebt, ist die Spielzeit vorbei und eine respektvolle Spielpartnerin lässt es nun in ihren Armen kuscheln und ein bisschen trinken.

Original: Respecting Your Baby von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2000
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, November 2004
Foto: Chris & Lara Pawluk via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Ja, ich möchte auch gleich den Stillkinder-Newsletter abonnieren, um zu erfahren, wenn es hier etwas Neues gibt.