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Ratschläge sind auch Schläge

2 Kommentare

Autor: Gabor von Varga.
Es war einmal ein Elternpaar.
Sie liebten sich und wünschten sich ein Kind.
Sie bekamen auch eins, und es war ein Prinz.

Das Kind fühlte sich auch als Prinz.
Doch bald, nachdem es geboren war,
wurde sein Leben etwas schwieriger,
als es sich es als Prinz vorgestellt hatte.

Es musste auf sein Essen warten.
Es musste überhaupt warten, und wenn es
dann so allein war, dann fühlte es
sich sehr verlassen. Es rief, aber
seine Mutter
– machte einfach die Tür zu.
– sagte, es brüllt immer nach dem Essen.
– oder, ich komme da einfach nicht mit.

Und sein Vater war neidisch,
weil die Mutter keine Zeit für ihn hatte
und er zuhaus nicht so brüllen durfte,
wenn er etwas haben wollte.
Seine Prinzenkrone fing an zu wackeln.

Es wuchs und gedieh trotzdem.
Aber dann fingen seine Eltern an, sich
daran zu erinnern, was ihre Eltern schon
für gut gehalten hatten. Weil sie
fürchteten, dass sonst „nichts aus ihm würde“.
So lehrten sie es früh laufen und ließen
ihm keine Zeit zum Krabbeln.

Als es zum ersten Mal so lange auf
dem Töpfchen sitzen musste, bis es das tat,
was die Mutter von ihm wollte, da
verlor es seine Krone zum ersten Mal
und merkte, dass es sehr schwierig war,
die Krone auf zu behalten, wenn es immer
das tat, was seine Eltern von ihm wollten.

Es musste sich entscheiden, ob es seine
natürliche Krone behalten oder in gutem
Einvernehmen mit seinen Eltern leben wollte.

Da es ohne seine Eltern nicht leben konnte,
und sie ihm sehr mächtig und gut schienen,
entschied es sich, wie sie zu werden.
Da verlor es seine Krone und fing an, sich
weniger als ein Prinz und mehr als ein
Frosch zu fühlen.

Und es übte sich im Sagen von „ja Vati/ ja Mutti“,
bis es ganz grün im Gesicht wurde.

Als es merkte, das es zu grün wurde,
und keinen Platz mehr für sich hatte,
vor lauter „Ja“-sagen, da fing es an,
„Nein“ zu quaken.

Da hatte es mehr Platz, aber anstatt
einem lieben netten Frosch, da war es jetzt
ein trotziger Frosch, der oft „Nein“ sagte,
wenn es eigentlich hätte ja sagen mögen.

Seine Eltern und Lehrer schimpften immer
mehr mit ihm, und wenn sie gut gelaunt waren,
dann gaben sie ihm gute Ratschläge wie,
„Du musst dich schon anstrengen, wenn du im Leben was werden willst.“.

Und es fühlte sich immer fröschlicher.

Wenn es aber schon kein Prinz sein konnte,
sondern nur ein Frosch, der alles falsch
machte, dann wollte es wenigstens ein
mächtiger Frosch sein, so wie ihm sein
Vater erschien.
So fing es an, grundsätzlich alles anders
zu machen, als es die Eltern und Lehrer
von ihm wollten und wie es sich es als
Prinz eigentlich selber gewünscht hätte.

Schließlich vergaß es fast ganz, dass es
einmal ein Prinz gewesen war und glaubte,
dass das, was es sagte, auch das war, was
es wollte. Es träumte nur noch ab und zu
von einem Prinzendasein.

Dabei fühlte es sich nicht sehr glücklich,
aber auch nicht besonders unglücklich.
Und wenn es anfing, sich unglücklich zu
fühlen, dann sagte es zu sich selbst
und zu anderen, dass sie daran schuld seien.

Und dann fühlte es sich ganz groß wie
seine Eltern, die das auch öfter sagten,
wenn sie sich klein und verletzlich fühlten
und sich so schwach nicht fühlen wollten.

Manchmal war es auch ein sehr lieber Frosch,
den die Eltern und Lehrer sehr gern mochten,
wenn es sich geschickt zu einem ganz kleinen
harmlosen Fröschlein machte und sagte, wenn
es jemand lobte:
– „Oh, das hätte jeder tun können.“
– „Das ist doch das Mindeste, was ich tun konnte.“
– „Es sieht besser aus, als es ist.“

Und wenn es etwas trotziger war, dachte es für
sich: „Der musste das ja sagen, der versucht
mich ja nur um den Finger zu wickeln.“
Oder es sagte: „Ja, das stimmt, aber…“.

Und so lernte es immer besser, die Wirklichkeit
nicht so zu sehen, wie sie war, sondern
wie sie ihm zu seiner „Brille“ passte.

Langsam wurde es älter und heiratete. Sie
liebten sich und wünschten sich ein Kind.
Sie bekamen auch eins, und es war ein Prinz.
Das Kind fühlte sich auch als Prinz. Doch
bald nachdem es geboren war ……………

„Ratschläge sind eben auch Schläge“

Nachwort
… nun, diesem Prinz ging es besser.

Zwar sagten seine Eltern manchmal auch Dinge, die ihn verletzten,
und als Kind lebte er wie alle Kinder in einer Welt von
unberechenbaren Giganten, die vieles von ihm wollten, was
es befremdete.

Aber seine Eltern erinnerten sich öfters, wie schlecht
sie sich als Kinder gefühlt hatten, wenn sie nicht ernst
genommen wurden,
– wenn sie ihnen mehr zumuteten, als sie konnten;
– wenn sie ihnen weniger zutrauten, als sie tatsächlich
zu tun bereit waren;
– wenn sie das Eine sagten und das Gegenteil taten.

Und sie sagten ihren Kindern öfters:
– „Ich freue mich, dass es dich gibt.“
– „Das hast du gut gemacht.“
– „Ich mag dich.“
– „Ich glaube, du wirst es schon gut machen.“
– „Ich traue dir.“

Und selbst, wenn es nicht tat, was sie von ihm wollten,
dann sagten sie:
– „Genug, und damit basta.“
– „Tu das nicht wieder.“
– „Hör auf, …“

Sie sagten nicht mehr und nicht weniger als sie meinten.
So war ihm zumindest klar, was sie von ihm wollten.

Autor: Gabor von Varga.
Foto: Zanthia via photopin cc

 

Kennen Sie einen schönen oder witzigen Text zum Stillen oder dem Leben mit Kindern?
Dann würde ich mich sehr freuen, wenn Sie ihn mir zusenden.
Vielen Dank!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Oh ja wie wahr.
    Und ich hoffe, dass es doch noch ganz viele Prinzen und Prinzessinnen geben wird und nicht alle zum Frosch werden.

    • Schon vor ca. 35 Jahren ist mir dieser Text in einer Broschüre aufgefallen und hat mich berührt, da ich als „Prinzessin“ ähnliche Erfahrungen gemacht hatte.
      Jetzt ist er mir beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen.

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