Nur Nachts trank sie ohne zu schreien

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Hallo liebe Regine, gerne möchte ich dir unsere Geschichte erzählen. Meine Tochter wurde im Oktober 2017 geboren. Sie war 49 cm lang und 2.900 g schwer. Sie trank vom ersten Moment an gern.

Dann bekam sie Gelbsucht und musste unter die Blaulicht-Lampe. Eigentlich nicht wild, aber nach der Behandlung, als wir nach Hause kamen, war sie verändert.

Sie schrie viel und überstreckte sich furchtbar nach hinten. Sie verweigerte die Brust, die Flasche und den Schnuller. Es war furchterregend.

Nur Nachts trank sie ordentlich und ohne Schreiattacke. Es war, als würde tagsüber die Milch im Bauch schmerzen, aber in der Nacht war alles, wie es sein soll.

Überstrecken nach hinten ist kein typisches Zeichen für Bauchschmerzen, wird jedoch häufig als solches interpretiert.
Wenn der Bauch weh tut, nehmen Menschen und Tiere instinktiv eine Schonhaltung ein, indem sie sich mit angezogenen Beinen vorwärts zusammenkrümmen und sich oft auch in einer Embryonalhaltung auf die Seite legen, um so die Bauchdecke zu entlasten und die Schmerzen zu lindern.
~ R. Gresens

Ich habe von Anfang an sehr viel Milch und einen starken Spendereflex gehabt. Vorheriges Ausstreichen war nicht hilfreich und beim Pumpen habe ich noch mehr Milch produziert.

Die Kleine hatte regelmäßigen Stuhlgang, der von starken Blähungen angekündigt wurde. Farbe und Konsistenz waren und sind bilderbuchtauglich.

Leider nahm sie nicht gut zu und immer wieder ab. Ich besuchte zwei Osteopathen und hatte über acht Sitzungen bei einer Stillberaterin. Diese meinte, das hätte sie noch nie gesehen. Sobald die Milch floss, überstreckte sich meine Tochter nach hinten und weinte dann stundenlang.

Die Stillberaterin hat anfangs versucht, uns andere Stillpositionen zu vermitteln. Aber egal, was wir versuchten, meine Tochter weigerte sich zu trinken.

Sie hatte eine Zusatzqualifikation und betreute auch Schreikinder. Die Gespräche haben mir geholfen, die Ruhe zu bewahren und Entspannungsübungen wurden auch vermittelt. Diese waren für mich hilfreich.

Das Problem mit der Trinkverweigerung und dem Schreien wurde mit den Methoden der Dame leider nicht besser.

Sie hat uns dann ein Zentrum für Kinder mit Regulationsstörungen empfohlen, wo wir auch waren.

Die Ärztin dort hat unsere Tochter als gesund, aber etwas merkwürdig, wegen des Trinkverhaltens diagnostiziert. Sie hat fürs bessere Stillen empfohlen, im Gehen zu stillen oder auf dem Petziball. Gepuckt in eine Decke hat es oft ganz gut geklappt.

Und sie hat uns Physiotherapie verschrieben. Diese haben wir einige Male in Anspruch genommen. Da unsere Tochter aber eine normale körperliche Entwicklung machte, wurden die Stunden nicht mehr verschrieben.

Reflux wurde als Ursache vom Arzt ausgeschlossen, auch ein entzündeter Magen. Sie hatte aber sehr wohl immer viel Luft im Bauch, welche wir mit Salben und Massagen oder dem Fahrradfahren und mit Tragen in der Bauchlage therapiert haben.

Nun war sie schon 5 Monate alt. Und das Essen und das Schreien überschattete unsere Familie.

Wir waren bei verschiedenen Ärzten. Der Kopf, der Magen, das Herz, der Mund wurden überprüft. Alles ohne Befund.

Die Kleine wurde auch auf Unverträglichkeiten und Allergien getestet. Diese Tests waren ohne Befund.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir alles probiert, was man sich vorstellen kann. Jede Nahrung und Fütterungsmethode.

Natürlich verschiedene Flaschen mit warmer oder kalter Milch. Einen Camocup*, aber auch normale Tassen und Gläser haben wir probiert.

Ein Brusternährungsset* mit abgepumpter Milch. Das hat sie nicht mal richtig in den Mund nehmen wollen.

Natürlich haben wir auch mit einem Löffel und mit Spritzen geträufelt. Diese beiden Varianten waren aber sehr mühselig und zeitraubend.

Als Nahrung kam für unsere Tochter ausschließlich Muttermilch in Frage. Alle Pulver, ob teuer oder günstig, hat sie abgelehnt. Genau wie Saft und Brei. Trinkt und isst sie bis heute nicht.

Alle Versuche verliefen ähnlich schlecht. Beim ersten Mal war es interessant und sobald sie es nicht mehr spannend fand, wurde abgelehnt. Wirklich etwas zu sich genommen, hat sie immer nur nachts.

Es ging so weit, dass wir ins Krankenhaus eingewiesen wurden und sie sondiert wurde.

Im Krankenhaus bekam sie dann alle 4 Stunden 120 ml durch die Sonde. Sie schrie bis zum Erbrechen. Bei jeder Mahlzeit. Furchtbar.

Ich entschied mich neu anzufangen und alles sein zu lassen – kein Arzt, kein Sab Simplex, keine D-Fluoretten, keine Flaschenfütterversuche und kein Zufüttern von Brei.

Irgendwo hatte ich von „Muttermilchsahne“ gelesen und diese habe ich dann hergestellt und mit der Spritze geträufelt. Diese fand sie richtig gut und es war das erste Mal, dass sie etwas nicht ablehnte.

Für die Sahne habe ich den Tag über immer wieder Milch abgepumpt oder ausgestrichen, ca. 100 bis 150 ml den Tag über. Diese habe ich mit sterilen Einwegspritzen aufgezogen und über Nacht in den Kühlschrank gelegt. Es setze sich dann der Rahm oben ab, sodass man dem wässrigen Teil ausdrücken konnte.

Sie hat den Rahm am liebsten aus der Spritze genuckelt. Aus 100 ml Milch bekam ich ca. 10 ml Sahne.

Das Verfüttern des Muttermilchrahms – so wie hier beschrieben – ist eine gute Möglichkeit, kleinen Frühgeborenen oder trinkschwachen Babys mit nur kleinen Trinkmengen mehr Fett und somit mehr Kalorien zuzuführen.
~ R. Gresens

Das nächtliche Stillen habe ich dann ausgedehnt. Alle Stunde den Wecker gestellt und angelegt, damit sie nachts genug bekommt und nur wenig am Tag benötigt.

Das Schlafen war daher von Anfang an ein Problem. Wir haben zum Glück viel Platz und konnten im Kinderzimmer ein großes Bett für mich und Paulina aufstellen.

Meinem Mann war das ständige aufgeweckt werden nach einer Woche schon zu viel. Er zeigte starke Übermüdungssymptome.

Also sind wir aus dem Elternbett ins Kinderzimmer umgezogen. Hier haben wir im Liegen gestillt. Das ging super.

Manchmal musste ich sehr animieren. Aber häufig musste ich nur anlegen und schlief dann weiter. Sie trinkt dann einen Milchspendereflex und dockt ab, wenn sie wieder tiefer schläft. D.h. ich wecke sie nicht zum Trinken, sondern nutze ihren natürlichen Saugreflex.

Heute trinkt sie nachts alle 2 Stunden aber ohne Wecker. Ich habe mich an diese Prozedur gewöhnt und bin tags fit wie andere auch. Mache Sport, gehe zu Freunden… man gewöhnt sich an alles…

Es hat trotzdem sehr gezehrt. Ich esse täglich Stillkugeln und Obst sowie ein Multi Energetikum. Das hat mir sehr geholfen gesund und munter zu bleiben.
Man darf sich bei all der Sorge ums Kind nicht selbst vergessen.

Diese Maßnahmen, die von keinem Arzt unterstützt und von meiner Familie mit einem Kopfschütteln abgetan wurden, brachten die Wende beim Gewicht und dem Wachstum – also eine Entspannung der Situation für mich und meinen Mann.

Tagsüber war sie bis zum 8. Monat unwillig zu trinken, egal was.

Aber dann zog sie eines Tages mein Shirt runter und trank einfach so. Es war nicht viel und sie zappelte dabei die ganze Zeit, aber sie trank auch über den Milchspendereflex, der sie sonst abdocken ließ, hinweg.

Das war die Wende. Seit diesem Zeitpunkt trinkt sie tagsüber. Sie braucht Ruhe und einen abgedunkelten Raum, aber sie trinkt.

Bis heute, nun ist sie 16 Monate alt, stillen wir so gut wie voll und gerne.

Jetzt machen wir uns langsam an feste Nahrung. Langsam und ohne Druck. Sie hat heute 77 cm und 9100 g. Ist sehr aufgeweckt und lebhaft.

Unser Weg ist noch nicht zu Ende. Aber unser langer Atem zahlt sich aus.

Ich kann jeder Stillenden nur empfehlen, auf ihr Herz zu hören. Es gibt niemanden, der besser im der Lage wäre, sein Kind zu verstehen und zu umsorgen.

Liebe Grüße,
Franziska

Originalbericht einer Mutter, März 2019
Foto: Franziska

 

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Liebe Franziska,
danke für Deinen Bericht. Ihr habt wirklich einiges mitgemacht, alle Achtung. Es klingt für mich sehr nach einem überstarken Milchspendereflex (und wahrscheinlich einem verstärkten Würgereflex – wodurch auch immer verursacht), der Deiner Tochter Probleme bereitet hatte. Dass sie nachts besser getrunken hat, ist nicht so ungewöhnlich. Auch dass sie nicht mehr gut zugenommen hat, kommt bei Kindern nach dem 3. Monat durch das Weigern des Trinkens an der Brust durchaus häufiger vor. Traurig finde ich allerdings, dass keiner der vielen Fachleute, die ihr aufgesucht habt, Euch wirklich bei der Lösung des Problems helfen konnte.
~ R. Gresens

 

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Mama und Neugeborenes im Hautkontakt

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

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