Nur eine Seite war betroffen

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Von Christin
In den ersten drei Monaten mit unserer kleinen Maus hatten auch wir mit Stillproblemen zu kämpfen.

Während dieser nervenaufreibenden Zeit war ich unendlich froh über die frei zugänglichen Informationen von dieser Seite (Danke dafür!) und dem Stilllexikon.

Unseren Stillbericht, meine Erfahrungen mit verschiedenen Heilmethoden sowie die eher ungewöhnliche Lösung möchte ich gern teilen.

Schon während meiner Schwangerschaft habe ich mich durch Bücher und YouTube-Videos über das Stillen informiert und wollte auf jeden Fall mindestens 6 Monate stillen.

Die Theorie (Anlegetechniken, Hungerzeichen, …) kam mir logisch vor und daher war ich auch guter Dinge.

Die Geburt war lang, aber komplikationslos, und nach 22 Stunden konnte ich meine Tochter glücklich in den Armen halten. Auch das Anlegen klappte mit Hilfe der Hebamme fast sofort.

Nach zwei Stunden Kuscheln ging es nach Hause und mein Mann versorgte uns. Es verlief wie im Bilderbuch.

Die Probleme begannen in der vierten Nacht als ich mit einem Milchstau aufwachte. Beide Seiten, insbesondere die rechte, waren geschwollen, hart und zeigten punktuell Knoten. Mit Massagen, Quarkwickel und Über-Kopf-stillen konnten wir jedoch ganz gut erste Hilfe leisten.

Als wir am nächsten Tag den Fall unserer Hebamme zeigten, schien nur noch die rechte Brust betroffen. Sie zeigte uns die Verwendung von der Milchpumpe und empfahl Retterspitz. Wir fühlten uns also gut gerüstet.

Seitdem war auf der rechten Seite der Wurm drin. Es folgte eine lange, sehr schmerzhafte Entzündung. Es bildete sich Schorf auf der Brustwarze, der beim Stillen immer wieder abgezogen wurde und zunehmend blutige Stellen hinterließ. Mir hat es regelmäßig die Tränen in die Augen getrieben.

Zunächst haben wir Multi-Mam Kompressen* verwendet, als das nach zwei Wochen nichts brachte auch Stillhütchen. Damit besserte es sich langsam, sodass nach weiteren zwei Wochen alles wieder gut schien.

Im Nachhinein betrachtet, war der Heilungsprozess alles andere als optimal. Die Schorfschicht war enorm und das Stillen mit dem Stillhütchen für mich nach wie vor schmerzhaft, aber erträglicher. Meine Tochter schrie und ruderte mit den Armen, sodass sie das Hütchen immer wieder herunterriss, ehe sie, scheinbar widerwillig, trank. Aber wie gesagt, es heilte und endlich konnte ich das Stillen genießen.

Als die Kleine sechs Wochen alt war, traten auf einmal große, mit klarer Flüssigkeit gefüllte Blasen auf den Brustwarzen auf. Erst auf der linken, dann auch auf der rechten Seite. Da das Stillen dadurch wieder schmerzhaft war, stach ich sie mit einer sterilen Kanüle auf und „therapierte“ wieder mit Kompressen.

Links heilte alles schnell ab. Rechts blieb die Wunde. Über einen Monat lang. Es war nicht so schlimm wie am Anfang, aber trotzdem frustrierend.

Immer wieder dachte ich: „Jetzt wird es besser, in ein paar Tagen ist es wieder gut.“ Aber es kamen neue Blasen oder die Wunde wurde wieder größer, wanderte von der Mitte der Brustwarze zu den Rändern und wollte einfach nicht ganz abheilen.

An einem Wochenende verschlimmerte sich der Zustand plötzlich schlagartig, die Wunde wurde tiefer, entzündete sich weiter. Da stellte ich auch die Behandlung der wunden Brustwarze um: Nach dem Stillen spülte ich mit Kochsalzlösung (ein Viertel Teelöffel auf 100 ml Wasser), trug mit einem sterilen Spatel Lanolin* auf und zwischendurch trug ich einen selbst gebastelten Brustwarzenschutz, bestehend aus einem Mullbinden-Donut. Damit lief die Milch ununterbrochen und ich war im Grunde immer mit einem nassen Fleck (besser gesagt einer nassen Shirt-Hälfte ^^) unterwegs.

Aber der Erfolg war enorm! Von blutender Brustwarze zu minimalen Zipperlein brauchte es vier Tage. Vielleicht, weil es mit dieser Methode keine Schorfbildung gab? Der Unterschied zur Kompressen-Stillhütchen-Therapie war jedenfalls riesig.

Da das korrekte Anlegen bei allen Stillproblemen als das beste Heilmittel betrachtet wird, will ich auch darüber etwas schreiben. Zugegeben, es war/ist nicht optimal. Die Kleine schnappt gerne nach der Brust, weshalb wir sie schon oft „Piranha“ genannt haben. Außerdem öffnet sie auch den Mund beim Ansaugen nur wenig. Ebenso dockt sie mit Vorliebe mit halb geschlossenen Kieferleisten ab. Kein sehr charmantes Trinkverhalten.

Gutes Anlegen ist natürlich nicht die Lösung für ALLE Stillprobleme.
Manchmal liegt es auch einfach an der Anatomie, am Saugverhalten des Kindes oder an einer Infektion oder an mehreren unterschiedlichen Ursachen parallel. Wenn das Baby gut angelegt ist und das Stillen trotzdem schmerzt, gibt es noch (mindestens) eine andere Ursache.
~ R. Gresens

Ich habe, so gut es ging, auf korrektes, asymmetrisches Anlegen geachtet, insbesondere auf der rechten Seite. Der Erfolg war aber eher durchwachsen. Allerdings habe ich darin nie die Ursache für unsere Probleme gesehen. Links lief es ja super.
 

In dem Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“ bekommst Du ausführliche Tipps und hilfreiche Infos zum Anlegen in unterschiedlichen Positionen.
 
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Trotz der guten Fortschritte war es mit der rechten Seite immer noch nicht ausgestanden. Als die Maus drei Monate alt war, schmerzte das Stillen eines nachts plötzlich wieder. Da war ich mit meinen Kräften am Ende. So lange hatte ich diese zermürbenden Schmerzen ausgehalten. Ich hatte schlicht keine Schmerztoleranz mehr übrig.

Natürlich ist die Schmerztoleranz irgendwann am Ende. Schmerzen beim Stillen sind der häufigste Grund für vorzeitiges Abstillen in den ersten zwei Monaten. Darum bin ich absolut gegen die nach wie vor verbreiteten Durchhalteparolen für Stillende.
Schmerzen müssen ernst genommen und die Ursache muss gefunden und möglichst schnell gelöst werden!
~ R. Gresens

Endlich habe ich eine Stillberaterin kontaktiert, was ich schon viel eher hätte tun sollen. Ihr Besuch brachte einige Erkenntnisse.

Sie stellte fest, dass die Mundanatomie der kleinen Maus nicht besonders günstig ist. Zu einem schmalen Gaumen (an dem die Brustwarzenspitze bis zur Blasenbildung gescheuert hat) kommt eine schwache Zunge sowie ein verkürztes Zungenbändchen. Es war nicht so schlimm, dass etwas operativ getan werden müsste, in Summe machte es aber anscheinend einiges aus.

Neben weiteren Tipps gab sie mir die Empfehlung, Lecithin einzunehmen und mit einer Eliminationsdiät zu beginnen. Zunächst sollte ich auf Kuhmilch verzichten, wenn das nichts bringt, würden wir uns weitere tierische Produkte vornehmen.

Seit ich auf Kuhmilch verzichte, sind wir absolut beschwerdefrei. Das Stillen ist so schön und entspannt, wie es nur sein kann.

Bei meiner weiteren Recherche stieß ich auf die Information, dass die in Kuhmilch enthaltene D-Galaktose als Verursacher von u.a. Entzündungen vermutet wird. Die Konzentration in Milchprodukten sei durch die Fermentation viel niedriger, weshalb Käse und Co keine Probleme verursachen. Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung, denn mehr als die tägliche Portion Milch fürs Müsli muss ich nicht weglassen.

Ich kann allen Müttern mit Stillproblemen nur empfehlen, sich an eine Stillberaterin zu wenden. Unsere Lösung sah ganz anders aus, als ich es jemals in Berichten gelesen habe. Im Nachhinein mache ich mir auch Vorwürfe, nicht eher gehandelt zu haben. Denn während der Probleme hat die Kleine auch wirklich schlecht zugenommen.

Ganz genau, Schmerzen und Stress beim Stillen behindern nämlich den Milchspendereflex, so dass es länger dauert bis die Milch fließt und ein suboptimal angelegtes oder suboptimal saugendes Baby kann zudem die Brust nicht so effektiv entleeren, so dass es oft auch noch ungenügend zunimmt und die Milchproduktion zurückgeht.
~ R. Gresens

Warum nur die eine Seite nur betroffen war, kann vielleicht nie abschließend geklärt werden. Da ich unterdessen einige Erfahrungen mit Handabpumpen gesammelt habe, ist mir aufgefallen, dass die Milch auf der rechten Seite schlechter fließt. Vielleicht musste die Kleine dort stärker saugen? Vielleicht liegt es daran, dass die rechte Brust etwas größer als die linke ist. Ihre Blockade in der oberen Wirbelsäule hat eventuell auch einen Effekt auf das Trinken gehabt, auch wenn die Osteopathin das eher ausschloss.

Jetzt ist meine Tochter 5 Monate alt und hat ihre ideale Gewichtskurve fast wieder erreicht. Ich bin glücklich und stolz dran geblieben zu sein, denn nun ist das Stillen einfach nur schön und praktisch.

Der nächste große Meilenstein unserer Stillbeziehung wird wohl die Kita-Eingewöhnung bzw. mein Start ins Berufsleben. Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht.

Liebe Grüße
Christin

Originalbericht einer Mutter, April 2019
Foto: Canva
 

Liebe Christin, Danke für Deinen Bericht.
Es kommt immer wieder vor, dass Stillschwierigkeiten nur an einer Seite auftreten. Die Gründe können vielfältig sein. Fast jede Frau hat unterschiedliche Brüste, Größe, Milchmenge, Form und auch die Elastizität der Brustwarze sind verschieden. In Kombination mit einer suboptimalen Anlegetechnik und einem vielleicht auch nur leicht verkürzten Zungenbändchen treten dann an der einen Brust Probleme auf, während es an der anderen Seite noch passt. Eine Blockade der Wirbelsäule, wie bei Deinem Kind, führt zudem auch häufig zu einseitigen Stillproblemen. Bei länger anhaltenden Schmerzen, schlecht heilenden Wunden oder sonstigen Schwierigkeiten empfehle ich daher, genau wie Du es schreibst, eine frühzeitige, persönliche Beratung bei einer Still- und Laktationsberaterin, damit die Stillzeit bald problemlos laufen kann. ~ R. Gresens

 
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Lachendes Baby in der Bauchlage

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

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