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Nichts kommt so, wie man es sich vorstellt

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Hallo liebe Regine,
ich möchte auch gerne meine Stillerfahrung anderen stillenden Müttern weitergeben. Und von einer wunderbaren Entdeckung berichten.

Ich habe in jeder Hinsicht die Erfahrung gemacht, dass nichts so kommt, wie man es sich vorstellt. Und dass man vor Herausforderungen im Leben gestellt wird, vor denen man am meisten Angst hatte.

Aber wenn man halb daran zerbricht, und dann die Herausforderung an nimmt, fängt man auf einmal an daran zu wachsen.
Man wächst über sich hinaus und wird sehr stark.

Ist es doch etwas wundervolles ein Lebewesen sein zu dürfen. Vor allem so eine Ehre, eine Frau zu sein. Niemand kommt dem Leben so nah.
Erlebt die direkte Ehrfurcht vor dem Tod und das pure Staunen über das Leben, seiner unermessliche Kraft, die aus purer Hoffnung besteht.

Durch den Notkaiserschnitt und einigen Komplikationen, war der Stillanfang bei uns nicht einfach, aber ich habe zu meiner Überraschung viel Unterstützung und Hilfe im Krankenhaus erfahren dürfen… wurde alle vier Stunden geweckt und in die daneben liegende Kinderklinik geschoben, um meine Tochter zu stillen.

Ein halbes Jahr habe ich sie dann voll gestillt, und dann noch bis zu ihrem zweiten Lebensjahr, nicht mehr voll, aber immer noch relativ oft.

Zwei mal gab es eine Brustentzündung, die in Stresssituationen entstanden sind, bei der aber sehr gut die kalten Quarkumschläge, viel Ruhe und eine Duschbrause geholfen haben =)

Das Stillen hat nach meiner Erfahrung einen unheimlich positiven Einfluss auf meine Tochter gehabt.

Da sie immer von Mutter und Vater sich abwechselnd trennen muss, hatte sie schon sehr früh schwere Aufgaben zu bewältigen.

Immer wieder herausgerissen aus einem Zuhause, ins nächste schlüpfend. Gibt es doch für ein Kind nichts wichtigeres als ein festes Heim, dem sie sich voll und ganz anvertrauen kann.

Dadurch bekam das Stillen eine sehr wichtige Rolle. Weil es ihr immer wieder einen Moment Frieden und Kraft gab.

Und auch für mich. Wenn ich sie loslassen musste, habe ich anfangs diesen Stillmoment, nachdem sie wieder da war, gebraucht, um mich wieder an sie zu gewöhnen.

Sie kommt mit der Situation inzwischen ziemlich gut zurecht. Versteht sich auf den Tanz des Loslassen und Festhaltens. Und geht dem Leben sehr offen entgegen.

Dann mit zwei Jahren bekam sie einen Mundsoor. Dabei steckte sie die Brüste an.

Zuerst dachte ich, es wäre eine Brustentzündung. Es gab wunde Stellen an und um die Warzenhöfe und die Schmerzen wurden schlimmer, als bei der Geburt. Keine Schmerztabletten halfen.

Durch Recherchen fand ich heraus, was der Übeltäter war, konnte es aber nicht ganz glauben…

Meiner Tochter hatte ich Tropfen mit dem Wirkstoff Nystatin besorgt und der Mundsoor war relativ schnell wieder weg.

Dann bin ich mit Fieber zur Hausärztin, die leider fälschlicherweise eine Brustentzündung diagnostizierte und eine Linie von der Brust weg laufend fand.

Ich konnte dem Pilz beim Wachsen zu sehen und Kleidung konnte ich oben herum nicht mehr tragen.

Ich musste meine Tochter abstillen und auch die Handpumpe und das Brustentleeren von Hand war unmöglich.

Der Frauenarzt machte dann bei mir einen Abstrich, diagnostizierte den Soor und ich bekam Tabletten. Die sofort wirkten. Endlich.. nach wochenlangem Kampf..

Dann gab es noch die Angst vor einem Milchstau. Es war Ende Sommer und in meinem Garten wucherte mein Beinwell, mit dem ich noch nicht viel anfangen konnte.

Dann habe ich recherchiert und herausgefunden, dass Beinwell bei Milchstau hilfreich sein kann.

Also hab ich meine Brüste dick mit der Beinwellcreme eingeschmiert, frische Blätter zerkleinert und mir damit einen Umschlag gemacht. Eine Stunde ziehen lassen und entfernt.

Schon bei der ersten Anwendung war der Druck, die ganze Milch, einfach weg.

Nach ein paar Tagen, als sich wieder Milch Stück für Stück angestaut hatte, habe ich noch einen Umschlag gemacht und danach war die Milch ganz weg und blieb auch aus.

Ganz ohne große Mühe, ohne Tabletten und Nebenwirkungen =))

Das abrupte Abstillen war allerdings einer der härtesten Kämpfe.

Und nach dem Soor hat sie auch wieder angefangen, Milch an der Brust zu trinken. Aber ich spüre keinen Milcheinschuss mehr.

Und sie trinkt auch nur noch ab und zu, wenn sie müde ist oder von ihrem Vater kommt und Nachts.

Ich hoffe, dass das vielen Betroffenen eine hilfreiche Info ist. Und für alle, die schnell abstillen möchten oder müssen.
Und wünsche auch all den Alleinerziehenden Müttern viel Kraft, für sich und die Kinder.

Für alle, die noch vor ihren Herausforderungen stehen, mitten drin sitzen oder den Kampf hinter sich haben; Das Leben hat seine Wildheit, gegen die wir absolut machtlos sind.

Wenn wir verstehen, dass das Leben eine große wundervolle Kraft ist, die Hoffnung in sich trägt und nicht das Ende, eine Kraft die immer voran kämpft für das Leben und nicht dagegen, können wir uns dem ergeben und fallen lassen.

Und dann nimmt uns das Leben mit sich und wir werden fliegen, tanzen.

Originalbericht einer Mutter, Februar 2016
Foto: E.M.

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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