„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

Nach der turbulenten Anfangszeit lief alles wirklich gut

Von Stefanie |
Ich heiße Stefanie, bin 35 Jahre alt, Bilanzbuchhalterin, komme aus der Mitte Bayerns und habe zwei Töchter (geboren 06/2019 und 05/2021).

Ich wollte unbedingt stillen, da es das Beste für das Kind ist und ich selbst nicht gestillt wurde, weil meine Mutter keine Lust dazu hatte. Das fand ich schon immer egoistisch von ihr und wollte es bei meinen Kindern besser machen.

Zur Vorbereitung habe ich einen „Stillabend“ besucht, an dem eine Krankenschwester das Wichtigste erklärt und gezeigt hat.

Wir haben im Juni 2019 unsere erste Tochter bekommen. Sie wurde bei 40+6 geboren und wog 3.350 Gramm bei 53 cm. Die Geburt war schwer und dauerte sehr lange, ich hatte über 24 Stunden Wehen, abends waren sie kaum mehr auszuhalten und ich lag die ganze Nacht im Kreißsaal, bevor sie am späten Vormittag zur Welt kam.

Das Stillen war von Anfang an schwierig. Bereits im Klinikum haben mir die Krankenschwestern Milchnahrung zum Zufüttern gegeben, weil meine Kleine etwas Gelbsucht hatte und zu müde zum Saugen war.

Im Nachhinein gesehen hätte ich das nicht so schnell machen sollen, aber beim ersten Kind und über 24 Stunden Wehen, zwei Nächten ohne Schlaf, kann man auch nicht mehr klar denken. Sofort nach der U2 sind wir dann zum Glück nach Hause.

Die Hebamme Silvia, Urlaubsvertretung für meine Hebamme Angelika, kam noch am selben Tag zu uns. Sie hat mir verschiedene Stillpositionen gezeigt und mir erklärt, wie ich meine Tochter immer wieder zum Saugen animieren soll.

Wir mussten trotzdem immer wieder nach dem Stillen 30 ml oder max. 60 ml Pre-Nahrung mehrmals am Tag zufüttern, da ich den Eindruck hatte, dass meine Milch ihr nicht reicht.

Trotz Milch abpumpen wollte die Milchmenge nicht wirklich steigen. Nach vier Tagen kam leider meine Hebamme Angelika aus dem Urlaub zurück. Ihre Aussage: „Ach, ist doch nicht schlimm, es gibt viele Mütter, die immer zufüttern müssen.“ Keine große Hilfe. Wenn ich die Hebamme Silvia nicht am Anfang gehabt hätte, wäre das Stillen zum Scheitern verurteilt gewesen.

Nach zwei Wochen sind wir zur Elternsprechstunde beim Gesundheitsamt gefahren. Der Arzt, kurz vorm Ruhestand, gab uns den Rat, das Zufüttern ganz wegzulassen.

Das haben wir dann tagsüber auch befolgt. Für den abendlichen Hunger unserer Tochter hat meine Milchmenge immer noch nicht gereicht und endete immer in langem Brustanschreien. Gut, dann halt abends noch eine Flasche Pre mit ca. 50 ml…

Die erste Hebamme hat mir empfohlen, zusätzlich abzupumpen, um die Milchmenge zu steigern. Ich habe, wenn meine Tochter nicht gerade an der Brust getrunken hat, tagsüber alle 2 bis 3 Stunden abgepumpt. Aus der schlechten Brust kamen zwischen 10 und 15 ml, aus der guten zwischen 25 und 40 ml. Das war für mich derart stressig, dass vielleicht deswegen nicht mehr kam.

Nach ca. 5 bis 6 Wochen habe ich das Abpumpen sein lassen, da es mich nur frustriert hat.

Nach sechs Wochen hatte ich dann den Kontrolltermin bei meiner Frauenärztin. Sie meinte, wenn ich nach sechs Wochen noch nicht voll stillen kann, dann wird das auch nichts mehr.

Ich habe aber nicht aufgegeben. Endlich – nach 8 Wochen hat die Milch endlich ohne Zufüttern gereicht! Wir haben es geschafft!!!

Nun ja, jetzt ging es los, dass meine Tochter gar nicht mehr an meiner linken Brust trinken wollte. Sie hat da nur noch geschrien, aber an der rechten Brust hat sie zufrieden getrunken. Auf jeden Fall dachte ich, dass es an ihr liegt.

Ich habe es einfach akzeptiert und nur noch rechts gestillt. In der linken Brust war so wenig Milchmenge, dass das Abstillen von alleine ohne Probleme ging.

Das wurde mir leider nach vier Monaten zum Verhängnis. Meine Tochter hat beim unruhigen, hastigen Trinken irgendwie meine Brust (nicht die Brustwarze) verletzt, was ich leider nicht sofort bemerkt habe. Jetzt kam unter Schmerzen nur noch blutige Milch. Der Stuhlgang war ganz schwarz davon.

Ich vermute, dass im Inneren der Brust irgendwelche Blutgefäße geplatzt sind oder so. Zumindest war die Milch rosa vom Blut, als ich etwas ausgestrichen hatte. An der Brustwarze selbst lag es wahrscheinlich nicht, denn die sah immer normal aus und war auch nicht wund.

Das könnte tatsächlich passiert sein. Die Ursache für blutige Milch sollte aber sicherheitshalber immer ärztlich abgeklärt werden.
~ R. Gresens

Trotz wirklich korrektem Anlegen wurde es immer schlimmer, sodass ich eine Stillberaterin um Hilfe bat. Ein Samstag Abend war das. Sie hatte leider erst am Montag Vormittag Zeit. Ich konnte die Schmerzen in der ganzen Brust aber nicht mehr aushalten. Da habe ich beschlossen, schweren Herzens trotzdem wieder die Pre-Nahrung zu füttern.

Dann jedoch der Schock: Unsere Tochter bekam einen feuerroten Ausschlag im ganzen Mundbereich bis über die Backen. Mein Mann fuhr dann noch kurz vor Ladenschluss eine Pre-HA holen. Die zu trinken hat die Kleine aber sowas von verweigert.

HA-Nahrung schmeckt bitter und wird daher von Stillkindern, die bereits den süßen Geschmack der Muttermilch gewohnt sind, meist verweigert.
~ R. Gresens

In meiner Not fiel mir ein, dass ich ja noch ein Stillhütchen aus der Klinik daheim hatte und hab das Stillen damit ausprobiert. Es hat funktioniert. Die Schmerzen waren einigermaßen erträglich und am nächsten Tag sogar schon etwas besser.

Am Montag kam die Stillberaterin. Sie meinte, dass ich alles richtig gemacht habe mit dem Stillhütchen und dass ich es noch ein, zwei Wochen verwenden solle, bis die Verletzung in der Brust abgeholt ist. Auch das Anlegen war richtig und sie gab mir noch ein paar Tipps.

Ich habe dann ca. ein bis zwei Wochen mit dem Stillhütchen gestillt, bis die Verletzung abgeheilt war.

Dann habe ich nur noch rechts weitergestillt. Nach viereinhalb Monaten hatten wir keinerlei Probleme mehr. Nach der turbulenten Anfangszeit lief alles wirklich gut, eine Mahlzeit dauerte fünf Minuten.

Ich habe sie gut ein Jahr gestillt. Sie bekam auch als Beikost keine Milchprodukte, ihren Brei hab ich mit Haferdrink angerührt, da sie auch auf wenig Kuhmilch einen leichten Ausschlag bekam. Am Schluss habe ich unsere Tochter nur noch nachts gestillt. Das Abstillen hat mit zwei Nächten leichtem Gemecker gut funktioniert.

Im Mai 2021 kam jetzt unsere zweite Tochter zur Welt. Sie wurde bei 40+0 geboren und wog 3.550 Gramm bei 50 cm. Die Geburt ging überraschend schnell und die Wehen waren einigermaßen auszuhalten. Ich hatte am Abend leichte Wehen und um 4:30 Uhr morgens war sie schon da.

Die Flaschennahrungsangebote in der Klinik habe ich gelassen abgelehnt, obwohl sie auch mal sieben Stunden am Stück geschlafen hat. Nach einer Nacht sind wir nach Hause.

Das Stillen klappt bisher ohne Probleme. Nur die Kleine bevorzugt jetzt schon die rechte Brust. Jetzt weiß ich, dass es wohl an mir liegen muss, dass die rechte Brust besser und die linke schlechter ist. Das ist aber nicht schlimm. Ich bin gespannt, was bei diesem Stillkind auf mich zukommt.

Liebe Mamas, wenn ihr euer Kind stillen wollt: Gebt nicht auf, wenn es am Anfang nicht so gut klappt. Hört auf euer Bauchgefühl. Sucht euch kompetente Unterstützung. Leider ist nicht jede Hebamme kompetent. Und legt euer Baby häufig an, locker alle zwei Stunden. Wenn es zu lange schläft, weckt es sanft auf. So hätte ich es von Anfang an machen sollen.

Stefanie

Originalbericht einer Mutter, Juli 2021
Foto: Stephanie Chapman

Liebe Stefanie,
herzlichen Dank für das Teilen von Deiner Stillerfahrung. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Stillbabys – aus unterschiedlichsten Gründen – eine Brust bevorzugen. Und die meisten Mütter können auch mit einer Brust genug Milch für ihr Kind bereitstellen, sonst wäre es ja gar nicht möglich Zwillinge voll zu stillen.
Ganz liebe Grüße, 
Regine Gresens

 

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

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