Nach 5 Monaten wurde das Stillen plötzlich angenehm

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Ich stellte mir das Stillen ganz einfach vor und machte mir während der Schwangerschaft überhaupt keine Gedanken darüber, dass ein paar Hindernisse auf mich zukommen könnten.

Im Geburtsvorbereitungskurs wurde das Thema Stillen zwar aufgegriffen, aber ich schaltete auf Durchzug. Meine Sorge galt ausschließlich der Geburt, vor welcher ich mich echt fürchtete!

Schlussendlich hatte ich eine rasche, komplikationslose und überhaupt keine «schlimme» Geburt und all meine Bedenken diesbezüglich waren unbegründet.

Dafür war das Stillen dann doch nicht so einfach, wie ich mir das gedacht hatte. Noch im Spital hatte ich am ersten Tag nach der Geburt einen sehr, sehr schmerzhaften Milcheinschuss und bereits einen ersten, üblen Milchstau.

Das Spitalpersonal war mit meiner Situation etwas überfordert und meine Tochter bei den Stillversuchen ebenso.

Erschwerend kam zu meinen sowieso schon schmerzenden Brüsten hinzu, dass ich nach kürzester Zeit offene Brustwarzen hatte und sich in mir schon alles zusammenzog, wenn ich nur an die nächste Stillmahlzeit dachte. Aber ich wollte stillen!

Zehn Tage nach der Geburt hatte ich dann bereits meine erste Brustentzündung. Ich musste erneut ins Spital und hing während drei Tagen an der Infusion.

Immerhin konnte auch meine Tochter dabei sein, sodass ich weiterstillen konnte. Das Stillen war aber weiterhin sehr schmerzhaft und regelmäßig kamen mir die Tränen.

Wieder Zuhause klappte dann nach einiger Zeit endlich das korrekte Anlegen, sodass die offenen Brustwarzen verheilen konnten.

Leider blieben aber die üblen Schmerzen beim Stillen, was sich niemand richtig erklären konnte. Meine zweite Brustentzündung folgte und dann – noch bevor meine Tochter drei Monate alt war – hatte ich meine dritte Brustentzündung.

Danach folgten unzählige weitere Milchstaus, welche ich aber gelernt hatte selber zu behandeln.

Ich war mit meinen Kräften am Ende und regelmäßig in Tränen aufgelöst! Die unerklärlichen Schmerzen beim Stillen gaben mir den Rest.

Am schlimmsten war, dass mir einfach niemand helfen konnte. Ich fühlte mich total allein gelassen. Ich wollte doch «nur» stillen und mein Baby ernähren – so ernähren, wie es die Natur vorgesehen hat!

Die Stillberaterin, welche ich mehrmals aufsuchte, war irgendwann mit ihrem Latein am Ende und sagte mir, dass sie niemanden kenne, der nach drei Brustentzündungen, den gefühlt hundert Milchstaus und mit solchen Schmerzen noch ernsthaft ans Stillen dachte.

Das verunsicherte mich und ich war mehrmals kurz davor medikamentös abzustillen. Die Medikamente dazu hatte ich nach der dritten Brustentzündung nämlich von den Ärzten bekommen, um dem Ganzen ein Ende zu machen und abzustillen.

Schlussendlich brachte ich es aber nicht übers Herz und stillte doch weiter.

Mein Mann unterstützte mich in meiner Entscheidung nicht aufzugeben sehr. Das war eine große Hilfe.

Zudem verweigerte meine Tochter die Flasche konsequent, was für mich mitunter ein Zeichen war, dass ich stillen sollte!

Irgendwann vergingen die Schmerzen beim Stillen, was eine erste Erleichterung brachte.

Dafür begann meine Tochter kurz darauf, bei fast jeder Stillmahlzeit zu schreien und verweigerte die Brust teilweise komplett. Ich wusste erneut nicht mehr ein noch aus.

Dann stieß ich auf die Webseite von Regine Gresens und realisierte beim Lesen des Berichts «Zu viel Muttermilch – was tun?», dass ich definitiv auch zu den Frauen gehöre, die viel zu viel Milch haben.

Schön wäre es, wenn ich jetzt sagen könnte, dass sich mit der Umsetzung der aufgeführten Tipps (Blockstillen, Stillen in Rücklage, etc.) sofort eine Besserung eingestellt hat.

Leider war dem nicht so! Da ich aber schon über vier Monate lang gekämpft hatte, war Aufgeben definitiv keine Option mehr für mich.

Im Nachhinein kann ich mir kaum erklären, woher ich dieses Durchhaltevermögen nahm und bin erstaunt, wie viel Kraft ich mobilisieren konnte!

Was schlussendlich nach ungefähr fünf Monaten dann die langersehnte Wendung brachte, kann ich nicht genau sagen. Es ist wohl die Summe von vielen Sachen.

Einerseits setzte ich das Blockstillen um und trank (wirklich!) literweise Salbei- und Pfefferminztee, was alles dabei half, meine Milchmenge zu senken.

Andererseits begann ich zu akzeptieren, dass meine Tochter eine unruhige Trinkerin ist.

Ich löste mich von meiner Idealvorstellung, überall stillen zu können und akzeptierte, dass meine Tochter einen möglichst ruhigen, evtl. sogar abgedunkelten, «langweiligen» Raum braucht, damit sie sich aufs Trinken konzentrieren kann.

Ich schaffte es auch, meine Angst vor einer weiteren Brustentzündung abzulegen und übertrug dadurch wohl (unbewusst?) weniger Stress auf die einzelnen Stillmahlzeiten bzw. meine Tochter.

Ich versuchte mich auch nicht ständig mit anderen Mamas zu vergleichen, bei denen das Stillen «einfach so» klappte und konnte mich dadurch mit meiner Stillgeschichte versöhnen.

Ich hörte auf, nur Mitleid mit mir zu haben und begann stolz auf mich selber zu werden, dass ich nicht aufgab und trotz all den Milchstaus, Entzündungen, Schmerzen und dem Geschrei meiner Tochter weitermachte!

Und siehe da: Nach über fünf Monaten «Stillkampf» wurde das Stillen plötzlich angenehm und meine Tochter wieder ruhiger beim Trinken. Was für ein Geschenk!

Inzwischen stille ich seit über sieben Monaten und bin einfach nur glücklich!

Phasenweise war mein Ziel, einfach bis zum nächsten Wochenende zu stillen und dann die Abstillmedikamente zu schlucken.

Ich wagte damals gar nicht daran zu denken, dass ich es soweit schaffen könnte. Die Zeichen dafür standen ja tatsächlich sehr ungünstig. Aber ich habe durchgehalten!

Mit meiner Stillgeschichte möchte ich allen Mut machen, die mit «Stillproblemen» konfrontiert sind: Es lohnt sich definitiv durchzuhalten und es lohnt sich, nicht aufzugeben!

Maja

Originalbericht einer Mutter, August 2018
Foto: Maja

 

Liebe Maja,
danke für Deinen Bericht. Du kannst wirklich stolz auf Dich sein und ich wünsche Dir noch eine entspannte weitere Stillzeit, so lange wie es für Dich und Deine Tochter richtig und angenehm ist. Nur wenige halten eine so lange Zeit des „Kämpfens“ durch. Da gehört schon eine Menge an Tapferkeit, Willensstärke und Durchhaltevermögen dazu!!
‚Durchhalten‘ ist jedoch auch nicht immer ausreichend und auch nicht immer möglich. Ich bin daher keine Freundin der allgemein verbreiteten Durchhalteparolen, besonders wenn es um Schmerzen beim Stillen geht. Denn eine frühzeitige professionelle Stillberatung kann meistens die Ursachen der Stillprobleme finden und bei ihrer (schnellen) Lösung behilflich sein. Falls eine Stillberaterin einmal nicht mehr weiter weiß, so wie hier, kann möglicherweise eine Andere mit anderen Schwerpunkten trotzdem noch helfen. Und manchmal kann es auch einfach schon sehr entlastend sein, endlich zu erfahren, aus welchen Gründen das Stillen so schwierig ist, selbst wenn es sich vielleicht nicht ändern lässt.
~ R. Gresens

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube und Google+.

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