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Mein Sohn fasste die Brust nicht richtig

Mein Sohn fasste die Brust nicht richtig

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Mein kleiner Sohn ist jetzt drei Monate alt und mein absolutes Wunschkind. Schon bei der Anmeldung im Krankenhaus musste ich ein Formular ausfüllen, auf dem die Frage stand „Auf was freuen Sie sich nach der Geburt am meisten?“. Die Antwort war klar: „Aufs Stillen!“ 🙂

Doch schon von Anfang an ging alles schief…

Direkt nach der Entbindung durfte mein Sohn kurz an der Brust nuckeln und hat danach den ganzen Tag geschlafen.

Als er sich das erste Mal wieder meldete, hielt ich ihm die Brust in den Mund. Allerdings wusste ich nichts über das Auslösen der Reflexe und so nahm mein Kind die Brust gar nicht wahr und weinte.

Also rief ich eine Krankenschwester, damit sie mir das Anlegen zeigt. Sie schaute sich das kurz an und wollte es dann mit einem „Trick“ versuchen.

Das Baby bekam eine Flasche gemacht, an der es saugen sollte, bis es das verstanden hat.

Danach kam er direkt bei mir an die Brust und es tat sogleich höllisch weh.

Zu Hause kam mich dann meine Hebamme besuchen. Aber diese wusste auch keinen Rat und gab mir ein Stillhütchen. Da auch der Milcheinschuss unglaublich schmerzhaft war, traute ich mich nicht mehr das Kind ohne Hütchen anzulegen.

Von da an haben meine Hebamme und ich alles mögliche versucht: angefangen bei Hausmitteln wie Wollfett, schwarzer Tee, Kohlblätter, Rotlicht, Beinwellsalbe bis hin zur Einnahme von Magnesium, Paracetamol und Ibuprofen. Nichts half.

Ich habe mich schrecklich gefühlt.

Das Stillen war mein großer Wunsch. Natürlich will ich das Beste für mein Kind, aber ich glaube nicht mal, dass Industrienahrung so schlecht für ein Baby ist. Es geht mir in erster Linie um die schönen Momente und meine eigene Sehnsucht danach.

Nach drei Wochen entschied ich mich, zur Frauenärztin zu gehen und diese zerstörte mir jede Hoffnung. Ich hätte empfindliche Brustwarzen. Das wird Wochen dauern, bis der Schmerz weg ist, wenn es überhaupt klappt. Sie riet mir, abzustillen.

Da ich das nicht wollte, bekam ich eine elektrische Pumpe verschrieben.

Da das Stillen immer schlimmer wurde, pumpte ich immer mehr und legte immer weniger an. Mein Sohn bekam schließlich nur noch die Flasche mit abgepumpter Muttermilch.

Eine Stillberaterin gab mir viele Tipps, doch auch hier half mir keiner.

Eine weitere Hebamme wusste auch nichts.

Auch der Kinderarzt konnte bei meinem Sohn nichts Ungewöhnliches feststellen.

Stattdessen stieß ich immer wieder auf Unverständnis und Spott.

Ich müsse halt mal „die Zähne zusammen beißen„, sagte der Orthopäde meines Sohnes.

„Manche Frauen sind so empfindlich, dass sie meinen, Schmerz zu fühlen, wo keiner ist“, sagte die Stillberaterin.

„Schieben Sie Ihre Probleme doch jetzt nicht auf Ihr Kind!“, sagte der Kinderarzt, als ich das Zungenbändchen kontrollieren ließ.

Nachdem ich den Kinderarzt gewechselt hatte, wurde ein verschobener Nackenwirbel beim Kind festgestellt und sofort gerichtet. Der ziehende Schmerz, der mir beim Stillen immer durch den Körper gefahren war, war plötzlich weg.

Die wunden Brustwarzen hingegen blieben und machten das Stillen immer noch unmöglich.

Beflügelt von der Erfahrung, dass man auch nach Wochen immer noch hoffen kann, eine Lösung zu finden, suchte ich weiter nach Hilfe.

Schließlich bin ich auf Ihren Videokurs gestoßen und der hat mich gerettet. In dem Kurs wird erklärt, wie man ein Kind anlegt, bei dem es Probleme gibt.

Mit zusammengekniffenen Augen, weil meine Brustwarzen so unfassbar schmerzten, traute ich mich und legte mein Kind im halben Liegen auf dem Rücken (also wie nach der Entbindung) an.

Ich habe alles so gemacht, wie Sie es erklären (Nase auf Warzenhöhe, Warze in den Kindesmund „rollen….) und es war vollkommen schmerzfrei. Ich konnte es nicht fassen….. Ich war unendlich glücklich…

Seitdem schmerzen meine Brustwarzen beim Stillen kein bisschen mehr. Es ist angenehm und schön.

Daraus schließe ich, dass es die ganze Zeit ein Fehler beim Anlegen war bzw mein Sohn die Warze nie richtig im Mund hatte.
Eventuell kommt dieses Problem daher, dass er im Krankenhaus an der Flasche lernen sollte zu saugen.

Nach 10 Wochen kannte ich endlich den Grund. Mein Sohn saugte falsch.

Durch die Flasche nach der Geburt irritiert, fasste er bisher die Brust nicht richtig. Das Stillhütchen, Schnuller und die Flasche verstärkten dieses Verhalten. Daher waren die Schmerzen auch immer schlimmer, statt weniger geworden.

Ein Problem blieb jedoch noch.

Nach 10 Wochen war mein Kind an die Flasche gewöhnt und verweigerte nun die Brust. Er kannte sie ja auch kaum, da er fast direkt nach der Geburt ein Stillhütchen und die Flasche bekam. Nur nachts, wenn es dämmrig war, trank er bei mir.

Da mir Frau Gresens bereits einmal geholfen hatte, zögerte ich nicht lange und kontaktierte sie direkt. Sie gab mir unendlich viele Tipps und es begann eine harte Woche.

Mein Kind weinte, wenn es keine Flasche bekam und die Versuche, mit dem Becherchen zu füttern, schlugen fehl.

Ich gab ihm viel Hautkontakt, kuschelte ununterbrochen mit ihm und dunkelte die Wohnung ab. Irgendwann fing ich konsequent an, die Flasche wegzulassen und bot ihm die Brust mit Stillhütchen an. Er nahm sie.

Leider verursachte das Hütchen bei mir nach wie vor Schmerzen und so versuchte ich, es ihm wieder abzugewöhnen. Ich legte ihn damit an und „klaute“ es dann nach ein paar Zügen. Manchmal klappte es, manchmal nicht.

Wir beide haben viel geweint, aber ich hielt durch.

Heute, wo ich diesen Bericht schreibe, bin ich kurz vorm Ziel. Mein Sohn hatte seit Tagen keine Flasche mehr. Heute brauchten wir nur einmal das Hütchen und ganz langsam wird er entspannter beim Stillen.

Ich bin unendlich dankbar, dass sich mein Herzenswunsch endlich erfüllt hat.

Ich weiß, dass viele Menschen nicht verstehen können, wieso mir so viel daran liegt. Mir wurde oft geraten, es mir nicht so sehr zu Herzen zu nehmen, doch das konnte ich nicht. Ich hatte das Gefühl, dass mir eine wichtige Erfahrung im Leben entgeht, dass ich und mein Sohn etwas verpassen würden.

Natürlich kann man auch ohne zu stillen eine gute Mutter sein. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich es mein Leben lang bereuen würde, wenn ich es aufgebe. Aber ich habe nicht aufgegeben. Und ich bereue nichts.

Originalbericht einer Mutter, Juni 2015
Foto: T.H.

 

Haben Sie selbst eine schwierige Situation mit Ihrem Baby erfolgreich bewältigt?
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Dann schreiben Sie mir doch Ihren eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Meine Situation ist ähnlich – leider nur bis zu dem Punkt, dass mein Kleiner von Anfang an nicht die Brust wollte und ich mir nicht bei seinem Weinen zu helfen wußte. Er ist jetzt in der 26. Woche und nach Angaben einer Hebamme, die am Telefon sehr kurz ab mit mir war, tue ich dem Süßen nur Gewalt an, wenn ich weiter probiere, und “der Krug wäre nunmal zerbrochen und könne nie wieder ein unzerbrochener sein“ Ich wollte es nochmal mit dem ‚cup feeding‘ probieren und Unterstützung für den richtigen Gebrauch eines Softcupfeeders..hab ich also sein lassen.
    Wenn ich ihm bei guter Stimmung seinerseits mal die Brust anbiete, nimmt er sie eigentlich sogar an. Aber spätestens nach ein paar Minuten fängt er an zu weinen, selbst wenn meine Milch ihm dann so in den Mund tropft.
    Ich möchte mittlerweile das Ganze nicht mal mehr für mich, sondern für ihn (mehr Milch, statt Premilch, weil ich nicht mehr zusehen muss, wann ich abpumpen kann und es entsprechend immer weniger wird; Kräftigung seiner Mund- und Kiefermuskulatur und die damit verbundenen Vorteile)
    Lassen sich Babys auch noch recht spät und ohne Traumatisierung an die Brust bringen, oder muss ich endlich akzeptieren, das, was immer ich auch probieren würde, der Zug doch schon lange abgefahren ist?

    • Liebe Patricia,
      dass es gar keine Chance mehr gibt, deinen Kleinen an die Brust zu bringen, würde ich nicht sagen. Aber die Chancen werden natürlich geringer, je länger er sich an eine Flasche gewöhnt hat.
      Mit Zwang oder Druck geht es jedenfalls meist nicht, sondern eher durch „Verführung“ bei entspanntem Kuscheln im Hautkontakt oder z.B. beim gemeinsamen Baden. Und manchmal klappt es tatsächlich auch noch durch „Zufall“, wenn die Mutter sich mit dem Nicht-Stillen abgefunden hat. Es gibt jedenfalls Berichte von Kindern, die sogar im Alter von 9 Monaten auf einmal die mütterliche Brust entdecken und dann noch eine geraume Zeit zu Stillkindern werden.
      Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute, wie auch immer es sich entwickelt.

      • Das hört sich sehr schön an, „Berichte von Kindern, die sogar im Alter von 9 Monaten auf einmal die mütterliche Brust entdecken und dann noch eine geraume Zeit zu Stillkindern werden.“
        Ich habe ein Muttermilchflaschenkind mit 10 Monaten und eine Brusttrinkerin mit 26 Monaten! Und langsam interessiert sich die Kleine dafür, was die Große da an Mamas Brüsten tut! Seitdem möchte sie immer hinlangen, auch mal in den Mund nehmen, aber vom daraus Trinken ist sie leider noch weit entfernt, 🙁 aber ihr Interesse wächst! Obwohl ich nicht die Hoffnung habe, dass sie noch zum richtigen Stillkind wird. Es war ein langer Weg zu akzeptieren, dass sie Fläschchen mit Muttermilch bekommt!

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