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Lang gestillt trotz Frühgeburt und LKGS

Lange gestillt trotz Frühgeburt und LKGS

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Friederike 19.10.2004, 720g, 31,5 cm
Friederike kam in SSW 25 + 1 auf die Welt. Dass sie eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte (LKGS) hatte, wussten wir vorher nicht. Dies schien uns aber erstmal zweitrangig zu sein.

Sie wurde 2 Monate im Inkubator über einen Tubus beatmet, weil die Ärzte aufgrund der LKGS zunächst keine Möglichkeit für CPAP sahen. Wir haben viel in der Zeit gekänguruht, normalerweise zweimal täglich. Ernährt wurde sie per Sonde mit abgepumpter Muttermilch, von der ich, zum Glück, reichlich produzierte und viel zu Hause für später eingefroren hatte.

Am 20.12. kam der Tubus raus. Friederike benötigte nur noch zusätzlich Sauerstoff. Eine Schwester versprach mir, über Weihnachten das Anlegen zu versuchen. Leider kamen Heiligabend so viele neue Kinder, dass Friederike, die keine Beatmung mehr brauchte, ihren Platz auf der Intensivstation abgeben musste. Ich war insofern sehr traurig, weil das Stillen auf der anderen Station nun in weite Ferne rückte. Ich wollte aber unbedingt stillen. Auf der anderen Station hatte keiner Zeit dafür.

Nach 5 Tagen verschlechterten sich Friederikes Werte, so dass sie für eine Woche zurück auf die Intensivstation musste. Nun klappte es immerhin mit CPAP in Form eines zurückgezogenen Tubus‘. Gegen Ende dieser Woche hatte die Schwester, die das Stillen mit mir versuchen wollte, wieder Dienst. Ich fragte sofort nach und sie fand bald Zeit, kurz bevor Friederike wieder verlegt wurde. Es war ein erster Versuch, nicht gerade sehr erfolgreich, aber immerhin. Die Ärzte hatten auch lange kein Okay gegeben, weil sie Angst hatten, Friederike könne sich verschlucken, da sie noch keine Gaumenplatte hatte, da der zuständige Arzt sich nicht in der Lage sah, bei so einem kleinen Kind eine Platte anzufertigen. (Heute weiß ich, dass es möglich gewesen wäre.)

Auf der anderen Station durfte ich nun weiter versuchen sie anzulegen, weil es ja einmal geklappt hatte. Es war sehr schön, allerdings wenig erfolgreich, was das Trinken anging. Ich wog vor- und nachher. Messfehler gaukelten manchmal Erfolg vor. Schwestern versuchten zu Mahlzeiten, zu denen ich nicht da war, verschiedene Sauger. So richtig klappte nichts. Die Ernährung lief weiter über die Sonde.

Am 4.2. wurde Friederike mit Sonde nach Hause entlassen. Am 7.2. hatten wir einen Termin bei der Stillberaterin. Sie untersuchte u.a. Friederikes Mund und stellte dabei fest, dass Friederike eine falsche Zungenbewegung mache und daher nicht richtig schlucke. Unsere Aufgabe war es nun, über Fingerfeeding mit Friederike das richtige Schlucken zu üben. Außerdem legte ich sie immer wieder an. Die Haupternährung lief weiterhin mit abgepumpter Muttermilch über die Sonde. Wir wogen jeden Tag ihre Windeln, ich zählte ihre Schlucke beim Stillen.

Sie lernte dann das Stillen, bekam aber noch nicht genug. Der Stillberaterin gaben wir alle zwei Wochen die Werte (Schluckzahl, Sondiermenge, Windelgewicht… von jedem Tag) per Telefon, später per E-Mail weiter und erhielten Tipps zum weiteren Vorgehen.

Im Sommer 2005 versuchte ich es mit Beikost. Irgendwie sollte die Sonde doch weg. Friederike wollte aber keine Möhren, kein Obst, kein Fleisch. Wir probierten alles Mögliche. Fleisch ging noch am Besten, aber nicht richtig gut. Dann im September ging es auf einmal. Sie aß das pürierte Fleisch aus dem Gläschen. Schön. Aber das Trinken war immer noch nicht zufriedenstellend. Sie trank nur an der Brust, dort aber zu wenig.

Anfang November 2005 sollte der Weichgaumen operativ verschlossen werden. Wir hofften, danach endlich von der Sonde wegzukommen. Friederike vertrug die Narkose nicht. Gleich bei der Einleitung kam es zur Bradykardie und Asystolie. Friederike wurde erfolgreich wiederbelebt, aber nicht operiert. Nach einem Tag Intensivstation ging es ihr wieder gut. Sie stillte sogar ganz eifrig, als sie wieder durfte. Es reichte aber nicht.

Zu Hause übten wir weiter. Am 26.1.06 brauchte Friederike endlich keine Sonde mehr. Ich stillte sie oft und war sehr froh, hier angelangt zu sein. Wir hatten es geschafft!

Das nächste Problem bestand darin, dass Friederike lernen sollte, irgendwie anders als an der Brust zu trinken. Der Haberman-Feeder wurde sehr lange unser ständiger Begleiter. Natürlich stillte ich Friederike weiter. Es war schön, nur brauchte sie absolute Ungestörtheit. Standen räumlich entfernte Arztbesuche an, versuchte ich sie im Auto zu stillen, nicht immer erfolgreich.

Abgestillt hat sie sich nach der OP, die am 13.2.07 stattfand und dieses Mal auch gelang. Ich pumpte zunächst noch, um ihr die Möglichkeit zu geben, nach der OP wieder zu stillen, aber sie wollte nicht mehr, was zwar schade, aber auch okay war.

Im August 2007 stieg Friederike dann endlich vom Haberman-Feeder auf eine Flasche, die den Sportlerflaschen ähnlich ist, um, konnte aus einem Strohhalm trinken und lernte auch im Sommer 2008 das Trinken aus einem Becher.

Es war alles sehr schwierig mit ihr, aber wir haben es hin bekommen. Schade fand ich, dass ich in der Kinderklinik so wenig Unterstützung bekam, bzw. dass die Schwestern mir nicht besser helfen konnten. Hätte ich damals schon die Seite von stillkinder.de gekannt, hätte mir das sicher geholfen.

Als im September 2007 Johannes geboren wurde, 4 Tage über dem Termin, mit sekundärer Sectio und mit Spinalanästhesie, war ich viel sicherer und erfahrener in allem. Direkt nach der OP durfte ich ihn im Kreißsaal anlegen. Er trank. Auch danach gab es keine größeren Probleme mit dem Stillen. Außerdem gab es in dem Krankenhaus eine Stillberaterin, die ich sicherheitshalber ab und zu fragte.

Als ich wunde Brustwarzen bekam, ließ ich mir von ihr Wollfett geben, was sehr gut half. Sie überprüfte die Stillposition, alles war okay. Zu meiner Stillberaterin von damals hatte ich weiterhin Kontakt. Als nach Wochen meine Brustwarzen schmerzten, schloss die Hebamme Wundsein aus, auch Soor konnte sie bei Johannes nicht richtig erkennen und war sich bei mir nicht sicher.

Ich mailte meiner Stillberaterin, die gerade in USA beruflich unterwegs war. Sie bat um Digitalfotos der Brust, diagnostizierte sofort Soor, was sie, aufgrund der Sectio und den damit verbundenen Medikamenten nicht so ungewöhnlich fand, und gab mir gute Tipps. Bereits gut einen Tag nach Behandlung von Johannes und mir mit Miconazol, gingen die Schmerzen zurück.

Johannes habe ich ein Jahr voll gestillt. Danach war das Einführen von Beikost kein Problem. Jetzt, mit 16 Monaten, stillt er immer noch gerne. Ich genieße es, noch mehr als bei Friederike, einfach weil alles stimmt. Ich werde ihn stillen, bis er sich abstillt. Es ist einfach wunderbar. Wären nicht beide Schwangerschaften mit Problemen behaftet gewesen (mit einer Fehlgeburt dazwischen), würde ich auch noch ein drittes Kind haben wollen, schon wegen des Stillens. Aber so freue ich mich einfach, Johannes zu stillen.

Originalbericht von Friederikes Mutter
Foto: jellywatson via photopin cc

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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